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E. Sparsamer Experimenteller Test auf Verteilungspräferenzen

A Parsimonious Experimental Test for Distributional Concerns

Rudolf Kerschbamer (ORCID: 0000-0002-7666-7157)
  • Grant-DOI 10.55776/P22669
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2011
  • Projektende 30.09.2015
  • Bewilligungssumme 345.964 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Wirtschaftswissenschaften (100%)

Keywords

    Distributional Preferences, Other Regarding Preferences, Behavioural Economics, Experimental Economics, Altruism, Inequality Aversion

Abstract Endbericht

Von Psychologen und Experimentalökonomen gewonnene Evidenz legt nahe, dass das Verhalten vieler Menschen in ökonomischen Entscheidungen von Faktoren abhängt, die über materielles Eigeninteresse hinausgehen. Typische Beispiele für solche Faktoren sind das (materielle) Wohlbefinden anderer Personen (Altruismus, Ungleichheitsaversion, Boshaftigkeit, Neid), die Absichten Anderer (Reziprozität), die Erwartungen Anderer (Schuldaversion) und persönliche Eigenschaften Anderer. Dieses Projekt konzentriert sich auf die erstgenannte Klasse, also auf "Verteilungspräferenzen", bei denen das Wohlbefinden eines Individuums nicht nur vom eigenen Einkommen, sondern auch vom (materiellen) Wohlbefinden anderer Personen abhängt. Verteilungspräferenzen beeinflussen das Verhalten ökonomischer Agenten in vielen ökonomisch wichtigen Situationen, wie die umfangreiche Literatur zu diesem Thema belegt. Das beantragte Projekt bereichert diese Literatur auf verschiedene Weise. Der wichtigste Beitrag (Beitrag 1) ist die Einführung und experimentelle Umsetzung eines neuen Verfahrens zur Feststellung des Typs und der Intensität von Verteilungspräferenzen auf Individualebene. Vorteile des Tests gegenüber bekannten Verfahren sind: (i) der Test ist einfach und kurz, da die Subjekte nur 6-10 binäre Entscheidungen zu treffen haben; (ii) er ist sparsam, da er nur auf wenigen, plausiblen Annahmen beruht; (iii) er ist allgemein, da er nicht spezielle Modelle, sondern zentrale Eigenschaften verschiedener Präferenztypen abfragt; (iv) er ist flexibel, da Testumfang und -design der Forschungsfrage angepasst werden können; (v) er ist präzise, da er besser zwischen Verteilungstypen diskriminiert als bekannte Tests und auch eine Intensitätsmessung beinhaltet; (vi) er maximiert die Beobachter-unabhängigkeit, da Subjekte binäre Entscheidungen in einem neutralen Rahmen zu treffen haben. Weitere Ziele des Projektes sind (in Beitrag 2) zu überprüfen, ob Verteilungspräferenzen stabil sind und das Verhalten über mehrere Domänen erklären können - eine Frage die noch immer weitgehend ungeklärt ist; (in Beitrag 3) den Test in mehreren Dimensionen zu erweitern, wobei jede Erweiterung auf die Beantwortung einer anderen Forschungsfrage abzielt; (in Beitrag 4) zu klären, ob und wenn ja, welche Zusammenhänge zwischen Verteilungspräferenzen und anderen Formen von sozialen Präferenzen (wie Reziprozität oder Schuld-Aversion) bestehen; (in Beitrag 5) den Test (zusammen mit Tests für Risiko- und Zeitpräferenzen) in Experimenten mit großer demografischer Variabilität anzuwenden, um mögliche Korrelationen festzustellen; und (in Beitrag 6) den Test dazu zu verwenden, um methodische Frage-stellungen zu untersuchen (wie z.B. Effekte von blind vs doppelblind). Das beantragte Projekt hat wichtige Implikationen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Forschungsfeldes: In der experimentellen Ökonomik hat der vorgeschlagene Test das Potential, ein Standard-Werkzeug zur Kontrolle von Stichprobeneffekten und zur Interpretation der Daten anderer Experimente zu werden. In der Volkswirtschaftslehre könnte das Projekt helfen, bessere Institutionen zu entwerfen. Außerhalb der Ökonomik kann der Test zur Untersuchung von Forschungsfragen der Biologie und der Psychologie beitragen, wie z.B.: `Wie entsteht menschlicher Altruismus (oder menschliche Boshaftigkeit)?` Oder: `Welche Faktoren sind für altruistische Belohnung und Bestrafung wichtig?`

Von Psychologen und Experimentalökonomen gewonnene Evidenz legt nahe, dass das Verhalten vieler Menschen in ökonomischen Entscheidungen auch von den Auswirkungen des Verhaltens auf das (materielle) Wohlbefinden anderer Personen beeinflusst wird. Berücksichtig ein Akteur das Wohlergehen anderer Akteure bei seinen Entscheidungen, dann spricht man von einem Akteur mit Verteilungspräferenzen. Die Beiträge, die aus dem vorliegenden Projekt hervorgegangen sind, bereichern die Literatur zum Einfluss von Verteilungspräferenzen auf das ökonomische Verhalten von Agenten auf verschiedene Weise. Ein zentraler Beitrag des vorliegenden Projekts ist die Einführung einer einfachen geometrischen Abgrenzung von Verteilungstypen (Egoisten, Altruisten, Ungleichheitsaverse Akteure, etc.) und eines neuen Verfahrens zur Feststellung des Typs auf Individualebene. Der vorgeschlagene Test hat eine ganze Reihe von Vorteilen gegenüber bekannten Verfahren und hat dadurch das Potenzial zum Standardwerkzeug für die Messung von Verteilungspräferenzen in der experimentellen Ökonomik zu werden. In einer Nachfolgestudie verwenden wir die Grundidee des Tests um zu überprüfen welchen Einfluss Verteilungspräferenzen auf das Verhalten von Experten in Märkten für Vertrauensgüter haben. Vertrauensgüter (wie Autoreparaturen und medizinische Behandlungen) sind durch Informationsasymmetrien zwischen Experten und Kunden gekennzeichnet und diese Informationsasymmetrien führen oft dazu, dass die Kunden von den Experten übervorteilt werden. Eine wichtige Schlussfolgerung dieser Arbeit für die Praxis ist, dass es oft wichtiger ist, einen Experten mit den richtigen Präferenzen zu finden, als Institutionen so zu formen, dass sie für genau einen Idealtypus von Individuum gut funktionieren. In einer weiteren Studie isolieren wir die wichtigsten Faktoren, die für Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit relevant sind. Es zeigt sich, dass neben Verteilungspräferenzen die Verletzbarkeit des Vertrauenden ein wichtiger Einflussfaktor für das Verhalten des Betrauten ist, während Effizienzüberlegungen und Reziprozität weit weniger verhaltensrelevant sind. In einer weiteren Studie zeigen wir theoretisch, dass konvexe Verteilungspräferenzen dazu führen, dass Entscheidungsträger dazu tendieren, sich bei Risikoentscheidungen ähnlich zu verhalten wie andere Agenten in der Referenzgruppe, selbst wenn keine materiellen Externalitäten, keine stochastischen Abhängigkeiten zwischen den Lotterien und keine Informationen über die Ergebnisse vorliegen. Diese theoretische Vorhersage wird dann mit Hilfe des oben erwähnten Tests in Labor Experimenten bestätigt. In einer weiteren Studie vergleichen wir die Verteilungspräferenzen von Individuen mit jenen von Gruppen. Wir finden, dass Gruppen sich in Entscheidungssituationen mit unvorteilhafter Ungleichheit pro-sozialer verhalten als Individuen, während sich in Entscheidungssituationen mit vorteilhafter Ungleichheit kein Unterschied zeigt. In einer weiteren Studie untersuchen wir den Zusammenhang zwischen Verteilungspräferenzen auf der einen Seite und Lügenaversion auf der anderen, und finden keine Evidenz dafür, dass Altruisten Lügenaverser als andere sind.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

Research Output

  • 346 Zitationen
  • 19 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel The role of communication in fair division with subjective claims
    DOI 10.1016/j.jebo.2019.09.015
    Typ Journal Article
    Autor Gantner A
    Journal Journal of Economic Behavior & Organization
    Seiten 72-89
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Distributional preferences explain individual behavior across games and time
    DOI 10.1016/j.geb.2021.05.003
    Typ Journal Article
    Autor Hedegaard M
    Journal Games and Economic Behavior
    Seiten 231-255
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Too Much or Too Little? Price Discrimination in a Market for Credence Goods
    DOI 10.1628/jite-2023-0034
    Typ Journal Article
    Autor Dulleck U
    Journal Journal of Institutional and Theoretical Economics
    Seiten 106-143
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Moral relativism as a disconnect between behavioural and experienced warm glow
    DOI 10.1016/j.joep.2016.06.002
    Typ Journal Article
    Autor Ferguson E
    Journal Journal of Economic Psychology
    Seiten 163-175
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Fairness and efficiency in a subjective claims problem
    DOI 10.1016/j.jebo.2016.07.019
    Typ Journal Article
    Autor Gantner A
    Journal Journal of Economic Behavior & Organization
    Seiten 21-36
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Vickrey auction vs BDM: difference in bidding behaviour and the impact of other-regarding motives
    DOI 10.1007/s40881-016-0027-5
    Typ Journal Article
    Autor Flynn N
    Journal Journal of the Economic Science Association
    Seiten 101-108
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The hidden costs of tax evasion. Collaborative tax evasion in markets for expert services
    DOI 10.1016/j.jpubeco.2015.06.003
    Typ Journal Article
    Autor Balafoutas L
    Journal Journal of Public Economics
    Seiten 14-25
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Social interaction effects: The impact of distributional preferences on risky choices
    DOI 10.1007/s11166-018-9275-5
    Typ Journal Article
    Autor Gantner A
    Journal Journal of Risk and Uncertainty
    Seiten 141-164
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Do altruists lie less?
    DOI 10.1016/j.jebo.2018.10.021
    Typ Journal Article
    Autor Kerschbamer R
    Journal Journal of Economic Behavior & Organization
    Seiten 560-579
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Competing for market shares: Does the order of moves matter even when it shouldn’t?
    DOI 10.1016/j.jebo.2019.07.005
    Typ Journal Article
    Autor Hörtnagl T
    Journal Journal of Economic Behavior & Organization
    Seiten 346-365
  • 2014
    Titel Revealed distributional preferences: Individuals vs. teams
    DOI 10.1016/j.jebo.2013.12.012
    Typ Journal Article
    Autor Balafoutas L
    Journal Journal of Economic Behavior & Organization
    Seiten 319-330
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Fair and efficient division through unanimity bargaining when claims are subjective
    DOI 10.1016/j.joep.2016.09.004
    Typ Journal Article
    Autor Gantner A
    Journal Journal of Economic Psychology
    Seiten 56-73
  • 2016
    Titel How Social Preferences Shape Incentives in (Experimental) Markets for Credence Goods*
    DOI 10.1111/ecoj.12284
    Typ Journal Article
    Autor Kerschbamer R
    Journal The Economic Journal
    Seiten 393-416
    Link Publikation
  • 2016
    Titel What is trustworthiness and what drives it?
    DOI 10.1016/j.geb.2016.05.008
    Typ Journal Article
    Autor Cox J
    Journal Games and Economic Behavior
    Seiten 197-218
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The Hidden Costs of Tax Evasion: Collaborative Tax Evasion in Markets for Expert Services
    DOI 10.2139/ssrn.2615249
    Typ Preprint
    Autor Balafoutas L
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The geometry of distributional preferences and a non-parametric identification approach: The Equality Equivalence Test
    DOI 10.1016/j.euroecorev.2015.01.008
    Typ Journal Article
    Autor Kerschbamer R
    Journal European Economic Review
    Seiten 85-103
    Link Publikation
  • 2015
    Titel How Social Preferences Shape Incentives on (Experimental) Markets for Credence Goods.
    Typ Journal Article
    Autor Dulleck U Et Al
  • 0
    Titel Distributional Preferences and the Deliberative System.
    Typ Other
    Autor Balafoutas L
  • 0
    Titel What is Trustworthiness and What Drives It?
    Typ Other
    Autor Cox J

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