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Die Tagebücher (1933-1945) von Moshe Ya´akov Ben-Gavriel

The diaries (1933-1945) of Moshe Ya´akov Ben-Gavriel

Werner Drobesch (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P22995
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2011
  • Projektende 31.12.2014
  • Bewilligungssumme 131.649 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (15%); Geschichte, Archäologie (85%)

Keywords

    Diaries, Cultural Zionism, Palestine/Israel, Austrian History, Moshe Ya'akov Ben-Gavriel (Eugen Hoeflich)

Abstract Endbericht

Moshe Ya`akov Ben Gavriêl (geb. 1891 als Eugen Hoeflich in Wien - gest. 1965 in Jerusalem) war Schriftsteller, Publizist, Journalist und politisch aktiver Kulturzionist. Zwischen 1915 und 1956 führte er (mit kleineren Unterbrechungen) Tagebücher, die in seinem Teilnachlaß in der Handschriftenabteilung der "Jewish National and University Library" (JNUL, Jerusalem) aufbewahrt sind. Besonders hervorzuheben ist Ben-Gavriêls lebenslanges Engagement für eine jü-disch-arabischen Verständigung und seine geradezu pionierhafte Mittlertätigkeit zwischen dem Nachkriegsdeutschland und dem jungen Staat Israel. Er selbst war seit 1927 - nach seiner Übersiedlung von Wien nach Jerusalem - zunächst palästinensischer, dann israelischer Staatsbürger, wobei er in den 40er und 50er Jahren an den jeweiligen militärischen Auseinandersetzungen als Soldat bzw. Offizier in den jüdischen Formationen (Haganah, Palmach, jüdische Brigade der Britischen Armee, Zahal) teilnahm. Aufgrund seiner zahlreichen, langjährigen und produktiven Kontakte zu Persönlichkeiten des kulturellen Lebens in Palästina/Israel und des deutschsprachigen Raums sowie seines intensiven literarischen und journalistischen Schaffens, darf er auch als eine herausragende Erscheinung im deutschsprachigen Kulturbetrieb angesehen werden. Bereits die Veröffentlichung der ersten Tagebücher, die Jahre 1915 bis 1927 betreffend (Böhlau: Wien 1999), von Armin A. Wallas (1962-2003) bearbeitet und herausgegeben, belegt sowohl die kulturgeschichtliche Bedeutung dieser Aufzeichnungen als auch die beeindruckende Vita des gebürtigen Österreichers. Die von Wallas transkribierten und kommentierten Aufzeichnungen der Jahre 1927 bis Ende 1932 liegen unveröffentlicht im Nachlaß des 2003 verstorbenen Wissenschaf-ters. Ziel des nun vorliegenden Projekts ist: 1. Die vollständige Transkription zunächst der Tagebücher der Jahre 1933 bis 1945; als Fortsetzungsprojekt wären dann die Jahre 1945 bis 1956 geplant. 2. Eine eingehende wissenschaftliche Kommentierung sämtlicher in den Aufzeichnungen zitierten Personen, Institutionen und historischen Ereignisse. 3. Ein Nachwort, welches sich zentral mit der Biographie des Diaristen und der kulturgeschicht-lichen Darstellung des Zeitabschnitts Jänner 1933 bis Mai 1945 auseinandersetzt. Für den Kommentar und das Nachwort werden darüber hinaus auch die umfangreiche Korre-spondenz und die unveröffentlichten autobiographischen Betrachtungen und Texte Ben-Gavriêls sowie entsprechende Sekundärliteratur eingearbeitet. Die wissenschaftliche Erschließung dieser wertvollen Zeitdokumente ist darüber hinaus auch für andere Wissenschaftsbereiche bedeutsam.

FWF-Projekt: Die Tagebücher 1933 bis 1945 des Moshe Yaacov Ben-gavriêl (18911965) Kurzbericht von ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Werner Drobesch (Projektleiter) und Mag. Andrea Lauritsch (Projektmitarbeiterin) Moshe Yaacov Ben-gavriêl (bis 1927 Eugen Hoeflich), gebürtiger Wiener und ab dem Frühjahr 1927 in Jerusalem ansässig, war ein Schriftsteller, Journalist und bedeutender Kulturzionist. Zwischen 1915 und 1956 führte er Tagebücher, die kulturgeschichtlich von großer Bedeutung sind. Diese sind im persönlichen Nachlass des Schriftstellers im Archiv der Jewish National and University Library (JNUL) in Jerusalem in Heftform und in einem zusätzlichen Typoskript zu finden. Der erste Teil dieser umfangreichen Aufzeichnungen zu lebensgeschichtlichen und politischen Ereignissen, zur Begegnung und Zusammenarbeit mit diversen ZeitgenossInnen sowie zu seinen literarischen und journalistischen Arbeiten liegt bereits in Druck vor. Die Tagebücher zwischen 1915 und 1927 wurden 1999 von Armin A. Wallas kommentiert und herausgegeben. Wallas hatte vor seinem Tod 2003 auch den zweiten Teil hierbei handelt es sich um die Eintragungen 1927 bis zum Ende des Jahres 1932 fast vollständig transkribiert und kommentiert. Diese umfangreiche Arbeit ist noch unveröffentlicht. Nun wurde der dritte Teil dieses wertvollen Diariums im Rahmen eines dreijährigen FWF-Projekts (20112014) transkribiert und kommentiert. Die Arbeit umfasst die Zeit von Jänner 1933 bis Juli 1945, als Ben-gavriêl wieder ins zivile Leben zurückkehrte. Aus dieser Zeit stammen zwei Tagebücher: das erste wurde handschriftlich in eineinhalb Heften mit zeitweisen Unterbrechungen geführt; das zweite ist ein Typoskript, eine Abschrift des Autors von Notizen, die er während seiner Soldatenzeit (1943 bis 1945) an verschiedenen Plätzen in Palästina und Ägypten gemacht hatte. Die lokalen Ereignisse mit permanenten politischen Unruhen, seine Bemühungen um einen jüdischarabischen Ausgleich (Ben-gavriêl war bereits 1918 der Schöpfer des binationalen Gedankens für Palästina!), die Entstehung und Umstände seiner literarischen und journalistischen Arbeiten sowie die Zeit in der britischen Armee sind die zentralen Themen seiner privaten Aufzeichnungen, deren Material er wiederholt überarbeitet und erweitert publizierte. Als Mitglied der Haganah, der jüdischen Untergrundarmee, als zeitweiser Magen-David-Mitarbeiter und Hilfspolizist der britischen Mandatsregierung in Jerusalem übernahm er auch öffentliche Aufgaben. Sein Wohnhaus war darüber hinaus ein gastlicher Ort, an dem gesellige Zusammenkünfte von Einheimischen, Durchreisenden und KollegInnen stattfanden. Zudem wurde es für viele jüdische Europa-Flüchtlinge vorübergehend Herberge. Zu den bekannten Gästen zählten u. a. Arthur Koestler, Max Brod, Arthur Zweig, Else Lasker-Schüler, Mascha Kaleko, Gabriele Tergit, C. Z. Kloetzel, Leo Baum, Albert Ehrenstein und Oskar Kokoschka. Mit einigen führte er eine umfangreiche Korrespondenz. Diese werden im Kommentarteil (auszugsweise oder vollständig) angeführt. Auch werden sämtliche in den Tagebüchern genannten Institutionen, (politische) Ereignisse, Personen sowie literarische und journalistische Arbeiten beschrieben. Außerdem ergeben sich aus den Tagebucheintragungen erstmals entscheidende biografische und werkgeschichtliche Details, die für seine weitere Entwicklung als homo politicus und Schriftsteller von großer Wichtigkeit waren. Die Tagebücher liefern einen intimen Einblick in die Hoffnungen und Enttäuschungen des Diaristen, der sich mit dem Aufbau einer neuen jüdischen Gesellschaft im ursprünglichen Kulturkreis ein entgegenkommendes Einvernehmen mit den arabischen Nachbarn und Nachbarstaaten wünschte.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Klagenfurt - 100%

Research Output

  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2014
    Titel Weltuntergang. Jüdisches Leben und Sterben im Ersten Weltkrieg Year.
    Typ Book Chapter
    Autor Jüdisches Museum Der Stadt Wien Gmbh.

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