Kommentierte Neuedition von Goethes Kunstzeitschrift ´Propyläen´
A Critical Edition of Goethe´s art journal ´Propyläen´
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Kunstwissenschaften (40%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
- Goethe's Art Journal 'Propyläen',
- Critical Edition,
- Aesthetics,
- Commentary,
- Art Theory,
- Classicism
Das Forschungsvorhaben soll die von Goethe in den Jahren 1798 bis 1800 herausgegebene bedeutende Kunstzeitschrift Propyläen zum ersten Mal komplett neu edieren und ausführlich kommentieren (Überblickskommentar und Stellenkommentar). Ziel des in insgesamt sechs Heften erschienenen Journals war es, jene Kunstanschauungen der Öffentlichkeit vorzustellen, die Goethe zwischen 1786 und 1788 in Italien gewonnen, in den nachitalienischen Jahren vertieft und in Aus-einandersetzung mit den "Weimarer Kunstfreunden" - dem kollektiven Autor` der Zeitschrift - sowie im Hinblick auf die zeitgenössische Kunstproduktion systematisiert hatte. Es handelt sich - neben Schillers Horen - um das zweite wichtige deutschsprachige Zeitschriftenprojekt zur Propagierung und Durchsetzung einer klassizistischen Kunstanschauung um 1800, in seinem publizistischen Anspruch und seiner ästhetikgeschichtlichen Bedeutung vergleichbar mit dem heute weitaus bekannteren konkurrierenden Zeitschriftenprojekt, dem romantischen Athenäum der Brüder Schlegel. Der didaktische Impetus der Propyläen manifestiert sich besonders in den bekannteren Texten, den kunsttheoretischen Abhandlungen und den Preisaufgaben. Daneben aber enthält die Zeitschrift eine Vielzahl an kunsthistorischen Aufsätzen und Kunstbeschreibungen, die bislang nur wenig Beachtung fanden - nicht zuletzt, weil sie kaum zugänglich waren. Gerade diese Texte zeigen indes auf höchst originelle Weise einen Klassizismus in Aktion`: Sie propagieren nicht nur eine normative Kunstanschauung im Bewusstsein stilgeschichtlicher Historizität, sondern demonstrieren diese zugleich. Eine kommentierte Neuausgabe der Propyläen wird das ästhetikgeschichtlich hochbedeutsame Unter-nehmen in ein neues Licht rücken - und das in doppelter Hinsicht: Zum einen wird sie Texte wieder-geben, die bisher schwer zugänglich sind. Der 1965 erschienene unkommentierte Reprint der Propyläen ist seit langem vergriffen und aufgrund der niedrigen Auflage von 500 Exemplaren in nur wenigen Bibliotheken vorhanden. Lediglich Goethes und Schillers Arbeiten sind in mehreren Werkausgaben enthalten - aber auch hier oft unvollständig und unzureichend kommentiert -, während die Beiträge des fleißigsten` Autors Johann Heinrich Meyer ungreifbar bleiben. Nahezu unmöglich ist damit die Wahrnehmung der Zeitschrift als Kollektivwerk, die der Forschung überhaupt erst die materielle Grundlage für einen vertieften Einblick in die spannungsreiche Beschaffenheit des klassizistischen Weimarer Kunstprogramms bereitstellen würde. Die Neuedition der Propyläen soll zum anderen die Zeitschrift nicht nur in Gänze publizieren und damit der literatur- sowie kunsthistorischen Forschung eine brauchbare Arbeitsgrundlage bereitstellen, sondern erstmals ein auch digitales Korpus konstituieren, das durch einen Kommentar in die für ein angemessenes Verständnis und für die wissenschaftliche Arbeit notwendigen Kontexte eingeordnet wird. Die skizzierte Vorgangsweise ermöglicht es, beispielsweise Goethes Anteil an der Redaktion und Revision von Abhandlungen anderer Autoren philologisch genau zu benennen. Angesichts der dadurch gewonnenen Erkenntnisse verspricht eine kommentierte Neuedition der Propyläen auch neue Aufschlüsse über die kunsttheoretische und - praktische Reflexion des Herausgebers. Damit wird sie den Weg sowohl für ein differenzierteres Verständnis des Kunstpolitikers und Publizisten Goethe ebnen, als auch jene Beiträge anderer Autoren erschließen, die eine fast ausschließlich an Goethe interessierte Propyläen-Forschung bislang übersah. In jedem Fall aber wird sie der Forschung einen vertieften Einblick in die spannungsreiche Beschaffenheit des klassizistischen Weimarer Kunstprogramms eröffnen.
Das Forschungsvorhaben bestand in einer erstmaligen integralen und ausführlich kommentierten Neuedition der von Goethe 1798 bis 1800 herausgegebenen Kunstzeitschrift Propyläen (Überblickskommentar und Stellenkommentar). Ziel des Journals war es, jene Kunstanschauungen der Öffentlichkeit vorzustellen, die Goethe zwischen 1786 und 1788 in Italien gewonnen, in den nachitalienischen Jahren vertieft und in Auseinandersetzung mit den Weimarer Kunstfreunden dem kollektiven Autor der Zeitschrift sowie im Hinblick auf die zeitgenössische Kunstproduktion systematisiert hatte. Es handelt sich neben Schillers Horen um das wichtigste deutschsprachige Zeitschriftenprojekt zur Propagierung und Durchsetzung einer klassizistischen Kunstanschauung um 1800, im publizistischen Anspruch und der ästhetikgeschichtlichen Bedeutung vergleichbar mit dem konkurrierenden Zeitschriftenprojekt, dem romantischen Athenaeum der Brüder Schlegel. Der didaktische Impetus der Propyläen manifestiert sich in den bekannteren Texten, den kunsttheoretischen Abhandlungen und den Preisaufgaben. Daneben enthält die Zeitschrift zahlreiche kunsthistorische Aufsätze und Kunstbeschreibungen, die bislang wenig Beachtung fanden nicht zuletzt, weil sie kaum zugänglich waren. Gerade diese Texte zeigen indes einen Klassizismus in Aktion: Sie propagieren nicht nur eine normative Kunstanschauung im Bewusstsein stilgeschichtlicher Historizität, sondern demonstrieren diese zugleich.Die kommentierte Neuausgabe der Propyläen rückt das ästhetikgeschichtlich bedeutsame Unternehmen in ein neues Licht und das in doppelter Hinsicht: Zum einen gibt sie Texte wieder, die bisher schwer zugänglich sind. Ermöglicht wird damit die Wahrnehmung der Zeitschrift als Kollektivwerk, die der Forschung überhaupt erst die materielle Grundlage zu einem adäquaten Verständnis der spannungsreichen Beschaffenheit des klassizistischen Weimarer Kunstprogramms bietet. Die Neuedition der Propyläen publiziert zum anderen die Zeitschrift in Gänze und stellt damit der literatur- sowie kunsthistorischen Forschung eine brauchbare Arbeitsgrundlage bereit; sie konstituiert darüber hinaus erstmals ein auch digitales Korpus, das durch einen Kommentar in die für ein angemessenes Verständnis und für die wissenschaftliche Arbeit notwendigen Kontexte eingeordnet wird. Goethes Anteil an der Redaktion und Revision von Abhandlungen anderer Autoren konnte philologisch genau beschrieben werden. Angesichts der gewonnenen Erkenntnisse ermöglicht die kommentierte Neuedition der Propyläen neue Aufschlüsse über die kunsttheoretische und -praktische Reflexion des Herausgebers. Damit ebnet sie den Weg sowohl für ein differenzierteres Verständnis des Kunstpolitikers und Publizisten Goethe, wie sie auch jene Beiträge anderer Autoren erschließt, die eine fast ausschließlich an Goethe interessierte Propyläen-Forschung bislang übersah. In jedem Fall aber eröffnet sie der Forschung einen vertieften Einblick in die spannungsreiche Beschaffenheit des klassizistischen Weimarer Kunstprogramms.
- Universität Salzburg - 100%
- Martin Dönike, Humboldt-Universität zu Berlin - Deutschland
- Thorsten Valk, Stiftung Weimarer Klassik - Deutschland
Research Output
- 13 Publikationen
-
2025
Titel Eine "periodische Schrifft" als verlegerisches Spekulationsobjekt. Zur Medialität und Materialität von Goethes Propyläen im zeitgenössischen Kontext; In: Journalforschung. Methoden und Perspektiven im Kontext der Digitalisierung Typ Book Chapter Autor Wolf N.C. Verlag de Gruyter Seiten 30 Link Publikation -
0
Titel Klassizismus in Aktion. Goethes 'Propyläen' und das Weimarer Kunstprogramm.(=Literaturgeschichte in Studien und Quellen, Bd. 24). Typ Other Autor Ehrmann D -
2015
Titel Reinheit und Mischung der Künste. Goethes 'klassische' Position und die frühromantische Poetik Friedrich Schlegels. Typ Book Chapter Autor Konstellationen Der Künste Um 1800. Reflexionen - Transformationen - Konstellationen. Hg. Von Albert Meier U. Thorsten Valk. (=Schriftenreihe Des Zentrums Für Klassikforschung -
2013
Titel Kunstwerk - Naturwerk - Anschauung. Bildung zur und durch die Kunst in Goethes Dialog Über Wahrheit und Wahrscheinlichkeit der Kunstwerke. Typ Book Chapter Autor Ehrmann D -
2013
Titel Ordnen und lenken. Kunstgeschichte und Kunsttheorie in Meyers Beiträgen zu den Propyläen. Typ Book Chapter Autor Ehrmann D -
2016
Titel Vielstimmige Ästhetik. Goethes 'kleiner KunstRoman' Der Sammler und die Seinigen in entstehungsgeschichtlicher und gattungstheoretischer Perspektive. Typ Book Chapter Autor Klassizismus In Aktion. Goethes 'Propyläen' Und Das Weimarer Kunstprogramm.(=Literaturgeschichte In Studien Und Quellen -
2016
Titel Daniel Ehrmann: Bildverlust oder Die Fallstricke der Operativität. Autonomie und Kulturalität der Kunst in den Propyläen. Typ Book Chapter Autor Ehrmann D -
2016
Titel Daniel Ehrmann und Norbert Christian Wolf: Klassizismus in Aktion. Zum spannungsreichen Kunstprogramm der 'Propyläen'. Typ Book Chapter Autor Ehrmann D -
2011
Titel Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Styl. Typ Book Chapter Autor Goethe Handbuch: Kunst. Hg. Von Andreas Beyer U. Ernst Osterkamp. -
2014
Titel "unser gemeinschaftliches Werk". Zu anonymer und kollektiver Autorschaft in den Propyläen. Typ Book Chapter Autor Ehrmann D -
2012
Titel "Heilige Uneigennützigkeit"? - Goethes Umgang mit Geld als Autor und Herausgeber. Typ Book Chapter Autor Goethe Und Das Geld. Der Dichter Und Die Moderne Wirtschaft. Hg. Von Vera Hierholzer U. Sandra Richter. -
2012
Titel "Heilige Uneigennützigkeit"? - Goethes Umgang mit Geld als Autor und Herausgeber. Typ Book Chapter -
2012
Titel "Holy Selflessness"?-Goethe's Attitude to Money as Author and Editor. Typ Book Chapter Autor Goethe And Money. The Writer And Modern Economics. Hg. Von Vera Hierholzer U. Sandra Richter. =Englische Übersetzung