Hermann Czech - Architektur und Sprachkritik in Wien nach dem Zweiten Weltkrieg
Hermann Czech - Architecture and critic of language in postwar Vienna
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Bauwesen (80%)
Keywords
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Architecture,
Postwar Vienna,
Contextual Biography,
Oral History,
Critic Of Language,
Cutural Studies
Thema des Forschungsprojektes ist eine kontextualisierte Biographie des Architekten Hermann Czech. Nach dem Vorbild der aktuellen Biographien im Bereich der Architekturgeschichte wird diese Arbeit Hermann Czechs intellektuelle Entwicklung als Architekt nachzeichnen und seine Projekte in den historischen Kontext einordnen. Hermann Czech ist einer der interessantesten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Architektur in Wien besonders in Bezug auf die Entstehung von neuen Positionen in der Architektur in den 50er und 60er Jahren in der neu gegründeten Zweiten Republik nach dem Ende der Besetzung nach dem Zweiten Weltkrieg. In diesem Kontext nimmt Hermann Czech eine Einzelgänger Position ein. Er war weder Teil der Gruppe um die Arbeitsgruppe 4, die an Traditionen der Moderne in Österreich, die sich um die Jahrhundertwende und in der Zwischenkriegszeit etabliert hatten, aber durch den Austrofaschismus und Nationalsozialismus verbannt wurden, wieder anknüpften. Noch war er Teil der Aufbruchstimmung um Hans Hollein und Walter Pichler, die eine neue Architektur der Sinnlichkeit und Irrationalität proklamierten. Hermann Czech definierte einen eigenen Weg, der zwar an die moderne Tradition anknüpfte, aber auch den Bruch der Entwicklung durch die Zeit des Nationalsozialismus nicht ausklammerte. Hermann Czech wandte sich in dieser Zeit einer akribischen Untersuchung der Ausdrucksmöglichkeiten, der Sprache, der Begriffe der Architektur zu und deren bewussten Anwendung. In diesem Kontext sieht das vorliegende Forschungsprojekt Hermann Czechs Arbeit in einer Tradition der Sprachkritik wie den Theorien des Wiener Kreises und der Philosophie Ludwig Wittgensteins, die neben der Wissenschaftstheorie auch in der Literatur von Karl Kraus oder in der Architektur bei Adolf Loos zu finden ist. Obwohl Hermann Czech sich mehr als andere österreichische Architekten mit Theorie auseinandergesetzt hat und selbst eine reflektierende und kritische Persönlichkeit ist, versteht man seine Arbeit schwer insbesondere deren Komplexität, wenn sie nicht im Kontext gesehen wird. Neben dem Fokus auf Hermann Czech`s intellektuelle Entwicklung und Positionierung wird diese Arbeit einen besonderen Schwerpunkt auf die kritische Kontextualisierung seiner Arbeit mit der Zeitgeschichte sowie deren Referenzierung zur Tradition der Sprachkritik in Wien. Die wichtigsten Quellen für diese Arbeit werden Gespräche mit Hermann Czech und ausgewählten Personen aus seinem Umfeld sein sowie Hermann Czechs eigenes Archiv. Die Arbeit wird vervollständigt durch ein gesamtes Werkverzeichnis seiner Arbeiten und Texte, einer präzisen graphischen Darstellung seiner wichtigsten Projekte und der Veröffentlichung von persönlichen Fotos und Dokumenten.
Die wichtigsten wissenschaftlichen Ergebnisse des Forschungsprojekts sind erstens ein tiefer Einblick in die Wiener Kunst- und Architekturszene der 50er und 60er Jahre durch den Blickwinkel von Hermann Czech als Zeitzeugen. Zweitens erstellte die vorliegende Forschungsarbeit das erste vollständige Werk und Schriftverzeichnis von Hermann Czechs Arbeiten bestehend aus Architekturprojekten, Gebäuden, Möbeldesign, Ausstellungsgestaltung und Texten. Drittens neben Czechs intensiven Dialog mit seinen Zeitgenossen besonders Christopher Alexander, Robert Venturi, arbeitsgruppe 4 und Hans Hollein und seinen Lehrern Konrad Wachsmann und Ernst A. Plischke zeigt die Forschungsarbeit Czechs Beziehung zum Phänomen der Wiener Sprachkritik, wie sie im frühen 20ten Jahrhundert von Intellektuellen wie Karl Kraus getragen wurde und in der Nachkriegszeit von der Wiener Gruppe der Literaten H.C. Artmann, Konrad Bayer, Gerhard Rühm, Oswald Wiener und später Friedrich Achleitner wieder aufgenommen wurde. Weiters brachte die Forschungsarbeit zu Tage, dass es in Czechs Arbeit einen starken Bezug zur Wiener Moderne generell gibt. Hier liegt der Schwerpunkt der Forschung auf Otto Wagner und seiner Idee der Großstadt, auf der Kulturkritik am Alltag von 1900 von Adolf Loos und Karl Kraus sowie der Konzeption der wissenschaftlichen Weltauffassung des Wiener Kreises wie sie von Josef Frank und Otto Neurath in den 20er und 30er Jahren vertreten wurde. Auf einer angewandten Ebene zeigt diese Forschungsarbeit am Beispiel von Hermann Czech, dass die Beschäftigung mit Architekturgeschichte für einen praktizierenden Architekten eine wichtige Quelle sein kann, zeitgenössische innovative Architektur zu schaffen.