Das Weltgerichtstriptychon von Hieronymus Bosch in Wien
The Last Judgement Triptych by Hieronymus Bosch in Vienna
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (20%); Chemie (10%); Kunstwissenschaften (70%)
Keywords
-
Art History,
Early Netherlandish Painting,
Hieronymus Bosch,
Documentation with Infrared,
UV and X-ray,
Painting Technology and Material Analysis,
Gemäldegalerie der Akademie der Bildendenden Künst
Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien bewahrt in ihrer Sammlung ein Kunstwerk, das mehr wie andere Gemälde zum künstlerischen Welterbe zählt: Das "Weltgerichtstriptychon" von Hieronymus Bosch. Mit Bosch begegnen wir einem einzigartigen Maler, der an der Schwelle von noch spät-gotisch geprägter altniederländischer Malerei zur Neuzeit eine ganz eigenartige, heute kaum mehr zu entschlüsselnde individuelle Bilderwelt kreiert hat, die eine Empfindung in Bilder zu fassen versteht, die auch den heutigen Betrachter immer noch in ihren Bann zieht: ein tief gehendes Unbehagen an der Menschheit und ihrem Lebensstil. Es haben sich 25 Tafeln erhalten, die von der internationalen Forschungs-Community als Originalwerke von Bosch angesehen werden. Diese sind bis auf wenige Ausnahmen mit jeglichen der naturwissenschaftlich-technischen und kunstgeschichtlichen Analyse zur Verfügung stehenden Mitteln untersucht worden. Ein Hauptwerk von der Hand Boschs fehlt in diesem Kreis: Das Wiener Triptychon. Vor allem vor den jüngsten Anstrengungen der internationalen Bosch-Forschung, die sich in dem Projekt des "Bosch Research and Conservation Project" anlässlich der 2016 veranstalteten Ausstellung in Bosch`s Heimatstadt s`Hertogenbosch verdichtet, fällt das Fehlen einer "state of the art"-Untersuchung des Wiener Triptychons in naturwissen-schaftlich-technischer und kunstgeschichtlicher Hinsicht negativ auf. Als langjährige Direktorin der Gemäldegalerie möchte ich nun meine zahlreichen, teils unveröffentlichten Einzelstudien im Rahmen eines umfassenden Forschungsvorhabens einer gründlichen Revision unterziehen und unter Zuhilfenahme des einzigartigen natur-wissenschaftlich-technischen Forschungsclusters in der Akademie der bildenden Künste Wien, dem Institut für Naturwissenschaften und Technik in der Kunst unter der Leitung von Manfred Schreiner, komplettieren. In einem Zeitraum von 24 Monaten sollen Erkenntnisse zum physischen Bestand des Triptychons - unter Mitarbeit von Forschungsteams aus EU-Projekten - zum Erhaltungszustand und zum Stand der kunstgeschichtlichen Forschung zu Malweise und Ikonografie gewonnen werden. Diese sollen abschließend in der Reihe der "Wissenschaftlichen Kataloge der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien" veröffentlicht werden.
Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien bewahrt in ihrer Sammlung ein Kunstwerk von Weltrang: Das "Weltgerichtstriptychon" von Hieronymus Bosch.Hieronymus Bosch, in der niederländischen Stadt 's-Hertogenbosch gegen 1450 geboren und 1516 dort gestorben, nimmt eine Sonderstellung ein in der Kunst- und Kulturgeschichte Europas. Er entwickelte eine ganz eigene Bildsprache, die sich nicht direkt aus der Malerei seiner Zeit ableiten lässt. Für die Entschlüsselungsversuche dieser Bildsprache, die in ihrem grundlegenden Ansatz einer in Sünde lebenden Menschheit den Spiegel ihrer Gottesferne vor Augen halten will, stehen heute nur mehr rund fünfundzwanzig Tafelbilder zur Verfügung, die sich in ihrem Erscheinungsbild mitunter stark voneinander unterscheiden. So sucht die Forschungs-Community zu Hieronymus Bosch nach wie vor in erster Linie nach Kriterien für die Feststellung der Eigenhändigkeit der Bosch zugeschriebenen Werke: Welche dieser Bildtafeln sind wirklich von seiner Hand und welche nur in seinem Geist geschaffen? Die große Erkenntnis, zu der das vom Wissenschaftsfonds finanzierte Forschungsprojekt führte, lag dann auch darin, dass im Wiener Triptychon die Meisterhand nachzuweisen war.Das Wiener Triptychon in der Akademiegalerie stellte bislang innerhalb der Bosch-Forschung eine unbekannte Größe dar, da es noch nie einer umfassenden Untersuchung seiner Physis und seines Inhalts unter- zogen worden war. Das Jubiläumsjahr 2016, das den 500. Todestag des Künstlers feiert, gab nun den Anlass dazu: Das duale Untersuchungsvorhaben auf naturwissenschaftlich-maltechnischem und auf kunst- historischem Gebiet wurde vom Wissenschaftsfonds als Forschungsprojekt akzeptiert und durchfinanziert. Das Ergebnis der naturwissenschaftlich-maltechnischen Untersuchungen brachte die Erkenntnis, dass im Wiener Triptychon Hieronymus Bosch selbst an der Arbeit war. Die Meisterhand ließ sich bereits in der Unterzeichnung von Mitteltafel, Innenseiten der Flügel und deren Außenseiten feststellen. Unterzeichnungen dienen dem Maler zur Fixierung seiner Bildidee auf der leeren, weiß grundierten Fläche des Bildträgers. Es wurde mit Hilfe der Infrarot-Reflektografie insbesondere auf der Mitteltafel eine flächen- deckende Unterzeichnung sichtbar, deren Strichführung einen ganz eigenen Zeichenstil erkennen ließ, der nächste Parallelen zum Duktus der Handzeichnung von Hieronymus Bosch aufweist.Die Revision der kunsthistorischen, vor allem der ikonografischen Beurteilung des Wiener Triptychons führte zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Bildwelt der flämisch geprägten Buchmalerei des späten 15. Jahrhunderts, in deren Bild-Text-Kombinationen alle jene Themen vorzufinden sind, die Bosch scheinbar aus dem Nichts - und sicherlich nicht aus der niederländischen Tafelmalerei - für seine eigene Bildsprache der Tafelmalerei entwickelte.
- Manfred Schreiner, Akademie der bildenden Künste Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 5 Zitationen
- 2 Publikationen
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2014
Titel Patron lost: First insights into the Underdrawings of the Last Judgement Triptych by Jheronimus Bosch in Vienna. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Trnek R Konferenz Jheronimus Bosch, his Patrons and his Public; 3rd International Jheronimus Bosch Conference September 16-18 2012, 's-Hertogenbosch 2014 -
2014
Titel Robust error estimates for regularization and discretization of bang–bang control problems DOI 10.1007/s10589-014-9645-0 Typ Journal Article Autor Wachsmuth D Journal Computational Optimization and Applications Seiten 271-289