Neurale Effizienz, Intelligenz und Motivation
Neural efficiency, intelligence and motivation
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
-
Neural Efficiency,
Task Order,
Achievement Motivation,
Task Difficulty,
Intelligence,
Ipsative And Normative Task Difficulty
Die hohe kognitive Variabilität zwischen Menschen ist das Resultat von interindividuellen Unterschieden in der Arbeitsweise des Gehirns und in der Nutzung verfügbarer Lernmöglichkeiten. Die Erforschung der neurophysiologischen Korrelate der psychometrischen Intelligenz führte zur Entwicklung der neuralen Effizienzhypothese (NEH), welche einen effizienteren Einsatz der Gehirnressourcen bei intelligenteren im Vergleich zu weniger intelligenten Menschen postuliert. Die NEH scheint für ein weites Aufgabenspektrum, welches von ziemlich einfachen bis zu mäßig schweren Aufgaben reicht, zu gelten und sich bei sehr schwierigen Aufgaben umzukehren. Eine mögliche Erklärung für die Umkehrung des neuralen Effizienzphänomens könnte sein, dass intelligentere Personen, unter der Annahme, dass sie die Aufgabe grundsätzlich lösen können, bei sehr schweren Aufgaben mehr Energie aufwenden. Wenn im Gegenzug dazu weniger fähige Personen eine sehr schwierige Aufgabe bearbeiten, welche ihre Fähigkeiten zu übersteigen scheint, treffen sie bewusst die Entscheidung, ohne großen Einsatz weiterzuarbeiten. Folglich kann angenommen werden, dass auch Motivation einen Einfluss auf das Ausmaß investierter kortikaler Ressourcen hat. Eine andere Erklärung für die Umkehr des neuralen Effizienzphänomens basiert auf der Itemreihenfolge. Beim Bearbeiten von Aufgaben mit schrittweise ansteigender Schwierigkeit könnte es dazu kommen, dass weniger fähige Personen schon keine Energie mehr haben, wenn sie zu den schwierigen Aufgaben kommen. Dieser Energiemangel ließe sich darauf zurückführen, dass weniger fähige TeilnehmerInnen schon die meiste metabolische Energie bei der Bearbeitung der leichteren und mäßig schwierigen Aufgaben verbraucht haben. Das vorgeschlagene Projekt will daher die NEH unter Berücksichtigung des moderierenden Einflusses von (1) Aufgabenschwierigkeit, (2) individueller Motivation und (3) Reihenfolge der Aufgabenschwierigkeit untersuchen. Zu diesem Zweck sollen zwei fMRI Studien durchgeführt werden. In der ersten Studie soll die Gehirnaktivität von 96 Personen mit unterschiedlichen intellektuellen Fähigkeiten und unterschiedlicher Leistungsmotivation verglichen werden. Die TeilnehmerInnen werden normativ leichte vs. mittelschwere vs. schwere Items (bezogen auf Itemparameter der klassischen Testtheorie) bearbeiten, welche in der Aufgabenreihenfolge variieren (ansteigende Schwierigkeit vs. Zufallsreihenfolge). Die erste Studie soll dabei abklären, ob Motivation und Aufgabenreihenfolge die Umkehr des neuralen Effizienzphänomens bei schwierigen Aufgaben erklären können. In einer zweiten fMRI Studien wird die Gehirnaktivierung von 48 Personen mit unterschiedlichen intellektuellen Fähigkeiten und unterschiedlicher Motivation gemessen, während ipsativ leichte vs. mittelschwere vs. schwere Aufgaben (bezogen auf den Personenparameter nach der Item- Response-Theorie) bearbeitet werden. Die zweite Studie soll den Einfluss von ipsativer Aufgabenschwierigkeit und Trait-Motivation auf den Zusammenhang von Intelligenz und Gehirnaktivierung beleuchten. Insgesamt soll in den vorgeschlagenen Studien somit die Bedeutung von Aufgabenschwierigkeit, Aufgabenreihenfolge und Trait- Motivation für das Phänomen der neuralen Effizienz untersucht werden.
Die im Rahmen des Projekts Neurale Effizienz, Intelligenz und Motivation (NEMO) durchgeführten psychologisch-neurowissenschaftlichen Studien widmeten sich dem Verständnis menschlicher Intelligenz über verschiedene Betrachtungsebenen.Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass intelligentere Personen während der Ausführung von Kognitionsprozessen geringere Gehirnaktivierung zeigen als weniger intelligente. Dieses Phänomen der neuralen Effizienz ist jedoch nur bei niedrigen bis mittleren kognitiven Anforderungen zu beobachten und kehrt sich bei höheren Anforderungen um.In einer ersten Studie konnte gezeigt werden, dass neurale Effizienz nur während der Bearbeitung objektiv gleich schwieriger Aufgaben für beide Personengruppen auftritt. Passt man jedoch die Aufgabenschwierigkeit an das Fähigkeitsniveau einer Person an, sodass mehr und weniger intelligente Personen den gleichen subjektiven Herausforderungen unterliegen, so gibt es keine Unterschiede in der Gehirnaktivierung mehr. Hieraus lässt sich schließen dass neurale Effizienz eine fähigkeitsabhängige Adaptation der Gehrinaktivierung an die jeweiligen Anforderungen darstellt.In einer weiteren Studie wurde die Integrität der Faserverbindungen (weiße Substanz) in den Gehirnen mehr und weniger intelligenter Personen untersucht. Es zeigte sich, dass vor allem bei Männern die Integrität der weißen Substanz im beide Gehirnhälften verbindenden Balken (Corpus Callosum) mit Unterschieden in ihrer Intelligenz in Verbindung steht, was vermutlich auf eine effektivere Reizweiterleitung zurückzuführen ist.Während besagte Studien hirnphysiologische und -strukturelle Korrelate menschlicher Intelligenz untersuchen, so wurde in einer dritten Studie ein direkter experimenteller Ansatz zur Manipulation der kognitiven Leistungsfähigkeit gewählt: Durch die Applikation transkranieller Wechselstromstimulation konnte eine kurzfristige Steigerung der Intelligenzleistung bei gesunden Personen erzielt werden, die mit charakteristischen Aktivierungsabnahmen im Sinne neuraler Effizienz einherging.Die im Rahmen des NEMO-Projekts durchgeführten Studien unterstützen somit das Verständnis von menschlicher Intelligenz als effiziente Informationsverarbeitung. Neben Intelligenz widmeten sich zahlreiche Nebenfragestellungen des Projekts dem Phänomen menschlicher Kreativität, welche sich zunehmen als zentrale Determinante gesellschaftlichen Fortschritts herausstellt. Hier konnten wesentliche Einsichten zu den Schnittmengen und Abgrenzungen mit Intelligenz gewonnen werden.
- Universität Graz - 100%
- Birgit Spinath, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg - Deutschland
Research Output
- 5033 Zitationen
- 34 Publikationen
-
2023
Titel Multilingual Semantic Distance: Automatic Verbal Creativity Assessment in Many Languages DOI 10.1037/aca0000618 Typ Journal Article Autor Patterson J Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts Seiten 495-507 Link Publikation -
2018
Titel Assessment of Real-Life Creativity: The Inventory of Creative Activities and Achievements (ICAA) DOI 10.1037/aca0000137 Typ Journal Article Autor Diedrich J Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts Seiten 304-316 -
2020
Titel Elements of creative thought: Investigating the cognitive and neural correlates of association and bi-association processes DOI 10.1016/j.neuroimage.2020.116586 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal NeuroImage Seiten 116586 Link Publikation -
2017
Titel How semantic memory structure and intelligence contribute to creative thought: a network science approach DOI 10.1080/13546783.2016.1278034 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal Thinking & Reasoning Seiten 158-183 -
2017
Titel The influence of transcranial alternating current stimulation (tACS) on fluid intelligence: An fMRI study DOI 10.1016/j.paid.2017.04.016 Typ Journal Article Autor Neubauer A Journal Personality and Individual Differences Seiten 50-55 Link Publikation -
2017
Titel Self-viewing is associated with negative affect rather than reward in highly narcissistic men: an fMRI study DOI 10.1038/s41598-017-03935-y Typ Journal Article Autor Jauk E Journal Scientific Reports Seiten 5804 Link Publikation -
2017
Titel The Relationship between Grandiose and Vulnerable (Hypersensitive) Narcissism DOI 10.3389/fpsyg.2017.01600 Typ Journal Article Autor Jauk E Journal Frontiers in Psychology Seiten 1600 Link Publikation -
2013
Titel The Creative Brain: Brain Correlates Underlying the Generation of Original Ideas DOI 10.7551/mitpress/9780262019583.003.0010 Typ Book Chapter Autor Fink A Verlag MIT Press Seiten 207-232 -
2012
Titel EEG alpha power and creative ideation DOI 10.1016/j.neubiorev.2012.12.002 Typ Journal Article Autor Fink A Journal Neuroscience & Biobehavioral Reviews Seiten 111-123 Link Publikation -
2014
Titel Creativity and the default network: A functional connectivity analysis of the creative brain at rest DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2014.09.019 Typ Journal Article Autor Beaty R Journal Neuropsychologia Seiten 92-98 Link Publikation -
2014
Titel Neural efficiency as a function of task demands DOI 10.1016/j.intell.2013.09.005 Typ Journal Article Autor Dunst B Journal Intelligence Seiten 22-30 Link Publikation -
2014
Titel Neural efficiency depending on subjective and objective level of task difficulty – An fMRI study DOI 10.1016/j.paid.2013.07.087 Typ Journal Article Autor Dunst B Journal Personality and Individual Differences -
2014
Titel Alpha power increases in right parietal cortex reflects focused internal attention DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2014.02.010 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal Neuropsychologia Seiten 393-400 Link Publikation -
2014
Titel The Road to Creative Achievement: A Latent Variable Model of Ability and Personality Predictors DOI 10.1002/per.1941 Typ Journal Article Autor Jauk E Journal European Journal of Personality Seiten 95-105 Link Publikation -
2014
Titel Sex differences in the IQ-white matter microstructure relationship: A DTI study DOI 10.1016/j.bandc.2014.08.006 Typ Journal Article Autor Dunst B Journal Brain and Cognition Seiten 71-78 Link Publikation -
2014
Titel Intelligence, creativity, and cognitive control: The common and differential involvement of executive functions in intelligence and creativity DOI 10.1016/j.intell.2014.05.007 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal Intelligence Seiten 73-83 Link Publikation -
2014
Titel Creativity - Lost in Simplification? DOI 10.15290/ctra.2014.01.02.06 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal Creativity. Theories – Research – Applications Seiten 213-219 Link Publikation -
2013
Titel Assessment of Divergent Thinking by Means of the Subjective Top-Scoring Method: Effects of the Number of Top-Ideas and Time-on-Task on Reliability and Validity DOI 10.1037/a0033644 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts Seiten 341-349 Link Publikation -
2014
Titel Psychologische und neurowissenschaftliche Ansätze in der Erforschung von Kreativität [Psychological and neuroscientific approaches in creativity research]. Typ Journal Article Autor Benedek M Journal Journal für Begabungsförderung -
2014
Titel Creativity and personality in classical, jazz and folk musicians DOI 10.1016/j.paid.2014.01.064 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal Personality and Individual Differences Seiten 117-121 Link Publikation -
2016
Titel Brain mechanisms associated with internally directed attention and self-generated thought DOI 10.1038/srep22959 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal Scientific Reports Seiten 22959 Link Publikation -
2015
Titel The influence of transcranial alternating current on fluid intelligence. A fMRI study DOI 10.1016/j.brs.2015.01.010 Typ Journal Article Autor Wammerl M Journal Brain Stimulation Seiten 311 -
2017
Titel Creativity on tap? Effects of alcohol intoxication on creative cognition DOI 10.1016/j.concog.2017.06.020 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal Consciousness and Cognition Seiten 128-134 Link Publikation -
2015
Titel Gray matter correlates of creative potential: A latent variable voxel-based morphometry study DOI 10.1016/j.neuroimage.2015.02.002 Typ Journal Article Autor Jauk E Journal NeuroImage Seiten 312-320 Link Publikation -
2015
Titel Seipin is involved in the regulation of phosphatidic acid metabolism at a subdomain of the nuclear envelope in yeast DOI 10.1016/j.bbalip.2015.08.003 Typ Journal Article Autor Wolinski H Journal Biochimica et Biophysica Acta (BBA) - Molecular and Cell Biology of Lipids Seiten 1450-1464 Link Publikation -
2015
Titel Training of verbal creativity modulates brain activity in regions associated with language- and memory-related demands DOI 10.1002/hbm.22901 Typ Journal Article Autor Fink A Journal Human Brain Mapping Seiten 4104-4115 Link Publikation -
2015
Titel Personality and complex brain networks: The role of openness to experience in default network efficiency DOI 10.1002/hbm.23065 Typ Journal Article Autor Beaty R Journal Human Brain Mapping Seiten 773-779 Link Publikation -
2013
Titel Creating metaphors: The neural basis of figurative language production DOI 10.1016/j.neuroimage.2013.12.046 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal NeuroImage Seiten 99-106 Link Publikation -
2013
Titel Revisiting Mednick's Model on Creativity-Related Differences in Associative Hierarchies. Evidence for a Common Path to Uncommon Thought DOI 10.1002/jocb.35 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal The Journal of Creative Behavior Seiten 273-289 Link Publikation -
2013
Titel The relationship between intelligence and creativity: New support for the threshold hypothesis by means of empirical breakpoint detection DOI 10.1016/j.intell.2013.03.003 Typ Journal Article Autor Jauk E Journal Intelligence Seiten 212-221 Link Publikation -
2013
Titel To create or to recall? Neural mechanisms underlying the generation of creative new ideas DOI 10.1016/j.neuroimage.2013.11.021 Typ Journal Article Autor Benedek M Journal NeuroImage Seiten 125-133 Link Publikation -
2013
Titel Sex differences in neural efficiency: Are they due to the stereotype threat effect? DOI 10.1016/j.paid.2013.06.007 Typ Journal Article Autor Dunst B Journal Personality and Individual Differences Seiten 744-749 Link Publikation -
2012
Titel Tackling creativity at its roots: Evidence for different patterns of EEG alpha activity related to convergent and divergent modes of task processing DOI 10.1016/j.ijpsycho.2012.02.012 Typ Journal Article Autor Jauk E Journal International Journal of Psychophysiology Seiten 219-225 Link Publikation -
2012
Titel Investigating Neural Efficiency in the Visuo-Spatial Domain: An fmri Study DOI 10.1371/journal.pone.0051316 Typ Journal Article Autor Lipp I Journal PLoS ONE Link Publikation