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Neurale Effizienz, Intelligenz und Motivation

Neural efficiency, intelligence and motivation

Aljoscha C. Neubauer (ORCID: 0000-0002-1326-3104)
  • Grant-DOI 10.55776/P23914
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.09.2011
  • Projektende 14.06.2015
  • Bewilligungssumme 207.796 €

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

    Neural Efficiency, Task Order, Achievement Motivation, Task Difficulty, Intelligence, Ipsative And Normative Task Difficulty

Abstract Endbericht

Die hohe kognitive Variabilität zwischen Menschen ist das Resultat von interindividuellen Unterschieden in der Arbeitsweise des Gehirns und in der Nutzung verfügbarer Lernmöglichkeiten. Die Erforschung der neurophysiologischen Korrelate der psychometrischen Intelligenz führte zur Entwicklung der neuralen Effizienzhypothese (NEH), welche einen effizienteren Einsatz der Gehirnressourcen bei intelligenteren im Vergleich zu weniger intelligenten Menschen postuliert. Die NEH scheint für ein weites Aufgabenspektrum, welches von ziemlich einfachen bis zu mäßig schweren Aufgaben reicht, zu gelten und sich bei sehr schwierigen Aufgaben umzukehren. Eine mögliche Erklärung für die Umkehrung des neuralen Effizienzphänomens könnte sein, dass intelligentere Personen, unter der Annahme, dass sie die Aufgabe grundsätzlich lösen können, bei sehr schweren Aufgaben mehr Energie aufwenden. Wenn im Gegenzug dazu weniger fähige Personen eine sehr schwierige Aufgabe bearbeiten, welche ihre Fähigkeiten zu übersteigen scheint, treffen sie bewusst die Entscheidung, ohne großen Einsatz weiterzuarbeiten. Folglich kann angenommen werden, dass auch Motivation einen Einfluss auf das Ausmaß investierter kortikaler Ressourcen hat. Eine andere Erklärung für die Umkehr des neuralen Effizienzphänomens basiert auf der Itemreihenfolge. Beim Bearbeiten von Aufgaben mit schrittweise ansteigender Schwierigkeit könnte es dazu kommen, dass weniger fähige Personen schon keine Energie mehr haben, wenn sie zu den schwierigen Aufgaben kommen. Dieser Energiemangel ließe sich darauf zurückführen, dass weniger fähige TeilnehmerInnen schon die meiste metabolische Energie bei der Bearbeitung der leichteren und mäßig schwierigen Aufgaben verbraucht haben. Das vorgeschlagene Projekt will daher die NEH unter Berücksichtigung des moderierenden Einflusses von (1) Aufgabenschwierigkeit, (2) individueller Motivation und (3) Reihenfolge der Aufgabenschwierigkeit untersuchen. Zu diesem Zweck sollen zwei fMRI Studien durchgeführt werden. In der ersten Studie soll die Gehirnaktivität von 96 Personen mit unterschiedlichen intellektuellen Fähigkeiten und unterschiedlicher Leistungsmotivation verglichen werden. Die TeilnehmerInnen werden normativ leichte vs. mittelschwere vs. schwere Items (bezogen auf Itemparameter der klassischen Testtheorie) bearbeiten, welche in der Aufgabenreihenfolge variieren (ansteigende Schwierigkeit vs. Zufallsreihenfolge). Die erste Studie soll dabei abklären, ob Motivation und Aufgabenreihenfolge die Umkehr des neuralen Effizienzphänomens bei schwierigen Aufgaben erklären können. In einer zweiten fMRI Studien wird die Gehirnaktivierung von 48 Personen mit unterschiedlichen intellektuellen Fähigkeiten und unterschiedlicher Motivation gemessen, während ipsativ leichte vs. mittelschwere vs. schwere Aufgaben (bezogen auf den Personenparameter nach der Item- Response-Theorie) bearbeitet werden. Die zweite Studie soll den Einfluss von ipsativer Aufgabenschwierigkeit und Trait-Motivation auf den Zusammenhang von Intelligenz und Gehirnaktivierung beleuchten. Insgesamt soll in den vorgeschlagenen Studien somit die Bedeutung von Aufgabenschwierigkeit, Aufgabenreihenfolge und Trait- Motivation für das Phänomen der neuralen Effizienz untersucht werden.

Die im Rahmen des Projekts Neurale Effizienz, Intelligenz und Motivation (NEMO) durchgeführten psychologisch-neurowissenschaftlichen Studien widmeten sich dem Verständnis menschlicher Intelligenz über verschiedene Betrachtungsebenen.Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass intelligentere Personen während der Ausführung von Kognitionsprozessen geringere Gehirnaktivierung zeigen als weniger intelligente. Dieses Phänomen der neuralen Effizienz ist jedoch nur bei niedrigen bis mittleren kognitiven Anforderungen zu beobachten und kehrt sich bei höheren Anforderungen um.In einer ersten Studie konnte gezeigt werden, dass neurale Effizienz nur während der Bearbeitung objektiv gleich schwieriger Aufgaben für beide Personengruppen auftritt. Passt man jedoch die Aufgabenschwierigkeit an das Fähigkeitsniveau einer Person an, sodass mehr und weniger intelligente Personen den gleichen subjektiven Herausforderungen unterliegen, so gibt es keine Unterschiede in der Gehirnaktivierung mehr. Hieraus lässt sich schließen dass neurale Effizienz eine fähigkeitsabhängige Adaptation der Gehrinaktivierung an die jeweiligen Anforderungen darstellt.In einer weiteren Studie wurde die Integrität der Faserverbindungen (weiße Substanz) in den Gehirnen mehr und weniger intelligenter Personen untersucht. Es zeigte sich, dass vor allem bei Männern die Integrität der weißen Substanz im beide Gehirnhälften verbindenden Balken (Corpus Callosum) mit Unterschieden in ihrer Intelligenz in Verbindung steht, was vermutlich auf eine effektivere Reizweiterleitung zurückzuführen ist.Während besagte Studien hirnphysiologische und -strukturelle Korrelate menschlicher Intelligenz untersuchen, so wurde in einer dritten Studie ein direkter experimenteller Ansatz zur Manipulation der kognitiven Leistungsfähigkeit gewählt: Durch die Applikation transkranieller Wechselstromstimulation konnte eine kurzfristige Steigerung der Intelligenzleistung bei gesunden Personen erzielt werden, die mit charakteristischen Aktivierungsabnahmen im Sinne neuraler Effizienz einherging.Die im Rahmen des NEMO-Projekts durchgeführten Studien unterstützen somit das Verständnis von menschlicher Intelligenz als effiziente Informationsverarbeitung. Neben Intelligenz widmeten sich zahlreiche Nebenfragestellungen des Projekts dem Phänomen menschlicher Kreativität, welche sich zunehmen als zentrale Determinante gesellschaftlichen Fortschritts herausstellt. Hier konnten wesentliche Einsichten zu den Schnittmengen und Abgrenzungen mit Intelligenz gewonnen werden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Birgit Spinath, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg - Deutschland

Research Output

  • 5033 Zitationen
  • 34 Publikationen
Publikationen
  • 2023
    Titel Multilingual Semantic Distance: Automatic Verbal Creativity Assessment in Many Languages
    DOI 10.1037/aca0000618
    Typ Journal Article
    Autor Patterson J
    Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts
    Seiten 495-507
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Assessment of Real-Life Creativity: The Inventory of Creative Activities and Achievements (ICAA)
    DOI 10.1037/aca0000137
    Typ Journal Article
    Autor Diedrich J
    Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts
    Seiten 304-316
  • 2020
    Titel Elements of creative thought: Investigating the cognitive and neural correlates of association and bi-association processes
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2020.116586
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal NeuroImage
    Seiten 116586
    Link Publikation
  • 2017
    Titel How semantic memory structure and intelligence contribute to creative thought: a network science approach
    DOI 10.1080/13546783.2016.1278034
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal Thinking & Reasoning
    Seiten 158-183
  • 2017
    Titel The influence of transcranial alternating current stimulation (tACS) on fluid intelligence: An fMRI study
    DOI 10.1016/j.paid.2017.04.016
    Typ Journal Article
    Autor Neubauer A
    Journal Personality and Individual Differences
    Seiten 50-55
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Self-viewing is associated with negative affect rather than reward in highly narcissistic men: an fMRI study
    DOI 10.1038/s41598-017-03935-y
    Typ Journal Article
    Autor Jauk E
    Journal Scientific Reports
    Seiten 5804
    Link Publikation
  • 2017
    Titel The Relationship between Grandiose and Vulnerable (Hypersensitive) Narcissism
    DOI 10.3389/fpsyg.2017.01600
    Typ Journal Article
    Autor Jauk E
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1600
    Link Publikation
  • 2013
    Titel The Creative Brain: Brain Correlates Underlying the Generation of Original Ideas
    DOI 10.7551/mitpress/9780262019583.003.0010
    Typ Book Chapter
    Autor Fink A
    Verlag MIT Press
    Seiten 207-232
  • 2012
    Titel EEG alpha power and creative ideation
    DOI 10.1016/j.neubiorev.2012.12.002
    Typ Journal Article
    Autor Fink A
    Journal Neuroscience & Biobehavioral Reviews
    Seiten 111-123
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Creativity and the default network: A functional connectivity analysis of the creative brain at rest
    DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2014.09.019
    Typ Journal Article
    Autor Beaty R
    Journal Neuropsychologia
    Seiten 92-98
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Neural efficiency as a function of task demands
    DOI 10.1016/j.intell.2013.09.005
    Typ Journal Article
    Autor Dunst B
    Journal Intelligence
    Seiten 22-30
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Neural efficiency depending on subjective and objective level of task difficulty – An fMRI study
    DOI 10.1016/j.paid.2013.07.087
    Typ Journal Article
    Autor Dunst B
    Journal Personality and Individual Differences
  • 2014
    Titel Alpha power increases in right parietal cortex reflects focused internal attention
    DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2014.02.010
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal Neuropsychologia
    Seiten 393-400
    Link Publikation
  • 2014
    Titel The Road to Creative Achievement: A Latent Variable Model of Ability and Personality Predictors
    DOI 10.1002/per.1941
    Typ Journal Article
    Autor Jauk E
    Journal European Journal of Personality
    Seiten 95-105
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Sex differences in the IQ-white matter microstructure relationship: A DTI study
    DOI 10.1016/j.bandc.2014.08.006
    Typ Journal Article
    Autor Dunst B
    Journal Brain and Cognition
    Seiten 71-78
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Intelligence, creativity, and cognitive control: The common and differential involvement of executive functions in intelligence and creativity
    DOI 10.1016/j.intell.2014.05.007
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal Intelligence
    Seiten 73-83
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Creativity - Lost in Simplification?
    DOI 10.15290/ctra.2014.01.02.06
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal Creativity. Theories – Research – Applications
    Seiten 213-219
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Assessment of Divergent Thinking by Means of the Subjective Top-Scoring Method: Effects of the Number of Top-Ideas and Time-on-Task on Reliability and Validity
    DOI 10.1037/a0033644
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts
    Seiten 341-349
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Psychologische und neurowissenschaftliche Ansätze in der Erforschung von Kreativität [Psychological and neuroscientific approaches in creativity research].
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal Journal für Begabungsförderung
  • 2014
    Titel Creativity and personality in classical, jazz and folk musicians
    DOI 10.1016/j.paid.2014.01.064
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal Personality and Individual Differences
    Seiten 117-121
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Brain mechanisms associated with internally directed attention and self-generated thought
    DOI 10.1038/srep22959
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal Scientific Reports
    Seiten 22959
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The influence of transcranial alternating current on fluid intelligence. A fMRI study
    DOI 10.1016/j.brs.2015.01.010
    Typ Journal Article
    Autor Wammerl M
    Journal Brain Stimulation
    Seiten 311
  • 2017
    Titel Creativity on tap? Effects of alcohol intoxication on creative cognition
    DOI 10.1016/j.concog.2017.06.020
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal Consciousness and Cognition
    Seiten 128-134
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Gray matter correlates of creative potential: A latent variable voxel-based morphometry study
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2015.02.002
    Typ Journal Article
    Autor Jauk E
    Journal NeuroImage
    Seiten 312-320
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Seipin is involved in the regulation of phosphatidic acid metabolism at a subdomain of the nuclear envelope in yeast
    DOI 10.1016/j.bbalip.2015.08.003
    Typ Journal Article
    Autor Wolinski H
    Journal Biochimica et Biophysica Acta (BBA) - Molecular and Cell Biology of Lipids
    Seiten 1450-1464
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Training of verbal creativity modulates brain activity in regions associated with language- and memory-related demands
    DOI 10.1002/hbm.22901
    Typ Journal Article
    Autor Fink A
    Journal Human Brain Mapping
    Seiten 4104-4115
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Personality and complex brain networks: The role of openness to experience in default network efficiency
    DOI 10.1002/hbm.23065
    Typ Journal Article
    Autor Beaty R
    Journal Human Brain Mapping
    Seiten 773-779
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Creating metaphors: The neural basis of figurative language production
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2013.12.046
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal NeuroImage
    Seiten 99-106
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Revisiting Mednick's Model on Creativity-Related Differences in Associative Hierarchies. Evidence for a Common Path to Uncommon Thought
    DOI 10.1002/jocb.35
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal The Journal of Creative Behavior
    Seiten 273-289
    Link Publikation
  • 2013
    Titel The relationship between intelligence and creativity: New support for the threshold hypothesis by means of empirical breakpoint detection
    DOI 10.1016/j.intell.2013.03.003
    Typ Journal Article
    Autor Jauk E
    Journal Intelligence
    Seiten 212-221
    Link Publikation
  • 2013
    Titel To create or to recall? Neural mechanisms underlying the generation of creative new ideas
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2013.11.021
    Typ Journal Article
    Autor Benedek M
    Journal NeuroImage
    Seiten 125-133
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Sex differences in neural efficiency: Are they due to the stereotype threat effect?
    DOI 10.1016/j.paid.2013.06.007
    Typ Journal Article
    Autor Dunst B
    Journal Personality and Individual Differences
    Seiten 744-749
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Tackling creativity at its roots: Evidence for different patterns of EEG alpha activity related to convergent and divergent modes of task processing
    DOI 10.1016/j.ijpsycho.2012.02.012
    Typ Journal Article
    Autor Jauk E
    Journal International Journal of Psychophysiology
    Seiten 219-225
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Investigating Neural Efficiency in the Visuo-Spatial Domain: An fmri Study
    DOI 10.1371/journal.pone.0051316
    Typ Journal Article
    Autor Lipp I
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation

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