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Längsschnittstudie von Gehirnabnormalitäten bei Legasthenie

Dyslexia: Longitudinal study of brain dysfunctions

Martin Kronbichler (ORCID: 0000-0003-2240-2812)
  • Grant-DOI 10.55776/P23916
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2011
  • Projektende 30.09.2015
  • Bewilligungssumme 290.745 €

Wissenschaftsdisziplinen

Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (25%); Psychologie (75%)

Keywords

    Fmri, Dyslexia, Children, Reading Ability, Letter-Speech

Abstract Endbericht

Funktionelle und strukturelle Magnetresonanztomographie (MRT) haben wesentlich zum Verständnis der gehirnorganischen Grundlagen der Legasthenie beigetragen. Zahlreiche Studien belegen, dass legasthene Leser ein verringertes Aktivitätsniveau in zwei posterioren Gehirnregionen der linken Hemisphäre aufweisen. Gerade diese Regionen spielen eine maßgebliche Rolle im Leseprozess gesunder Erwachsener. Trotz der erfolgreichen Identifizierung von abnormen Gehirnfunktionen bei legasthenen Lesern ist noch wenig über deren Entstehung bzw. Entwicklung während des Leseerwerbs bekannt. Da es sich beim Lesen um eine sehr junge Kulturtechnik handelt, verfügt das menschliche Gehirn über keine angeborenen Strukturen, welche genau für diese Fähigkeit spezialisiert sind. Es wird daher angenommen, dass der kindliche Leseerwerb über bestimmte Veränderungen in der Gehirnorganisation realisiert wird: Gehirnregionen, die bis dahin nur für visuelle Objekterkennung und Sprachverarbeitung zuständig waren, durchlaufen eine graduelle Spezialisierung bezüglich Funktion und Verschaltung, um Lesen zu ermöglichen. Das vorliegende Projekt möchte diese neuronale Spezialisierung in einer Längsschnittstudie untersuchen, in dem es Kinder vom letzten Kindergartenjahr bis zum Ende der zweiten Schulstufe begleitet. Damit ist das vorliegende Projekt mit das erste, welches mittels MRT Veränderungen in Gehirnfunktion und Gehirnstruktur während dem Leseerwerb verfolgt. Das Projekt hat die Beantwortung von zwei Fragestellungen zum Ziel: 1. Unterscheiden sich Kinder, bei denen später einmal Legasthenie festgestellt wird, bereits im Kindergarten in ihrer Gehirnorganisation von normal lesenden Kindern? 2. Wie entwickeln sich Gehirnfunktion und Gehirnstruktur, so dass aus Kindergartenkindern kompetente Leser werden - Wie weicht diese Gehirnentwicklung ab, wenn später Legasthenie festgestellt wird? Das beantragte Projekt soll über 3 Jahre laufen. Zunächst wird eine große Zahl von Kindergartenkindern mittels Papier- und Bleistift-Tests in den Kindergärten getestet. Hierbei werden Kinder mit und ohne Risiko für eine spätere Leseschwäche selektiert. Diese Kinder werden am Ende ihres letzten Kindergartenjahres mit funktioneller und struktureller MRT untersucht. Ein Jahr später, in der 1. Klasse Volksschule, wird bei allen Kindern ein Lesetest durchgeführt, der das tatsächliche Auftreten von Legasthenie erhebt. Daraufhin werden Kinder mit der Diagnose Legasthenie, sowie normale Leser der 1. Klasse, ein zweites Mal mit MRT untersucht. Eine dritte MRT-Untersuchung dieser Kinder findet am Ende der 2. Klasse Volksschule statt. Das vorliegende Projekt wird auf ein kinderfreundliches MRT- Untersuchungsprotokoll zurückgreifen. Schließlich erlaubt ein umfangreicher MRT Datensatz von insgesamt drei Messzeitpunkten eine längsschnittliche Analyse der Gehirnentwicklung von normalen und legasthenen Kindern. Die gewonnen Ergebnisse ermöglichen es zu beurteilen, ob und welche primären Gehirnabnormalitäten ein Kindergartenkind daran hindern, sich zu einem guten Leser zu entwickeln und welche legasthenen Gehirnabnormalitäten erst später - während des bzw. durch den schulischen Leseerwerb - entstehen.

Die Resultate dieses Projekt zeigen Einblicke in die Veränderungen von Gehirnstruktur und Gehirnfunktion während des Schriftsprachwerbs in jungen Kindern. Strukturelle und funktionelle MRT Daten wurden in einer Längsschnittstudie kurz vor dem Lesen lernen (am Ende des Kindergartens) und an zwei Zeitpunkten während des Erwerbs der Schriftsprache (am Ende der ersten und zweiten Klasse der Volksschule) erhoben. Diese Daten zeigen dass nach dem ersten Jahr des Lesenlernens eine Region im linken frontalen Kortex eine erhöhte Aktivität für Wörter aufweist. Interessanterweise zeigte die selbe Region eine Reduktion der grauen Masse während dieser Phase des Schriftspracherwerbs. Diese Veränderungen im frontalen Kortex waren begleitet von einer zunehmenden Lateralisierung der Aktivität während des Verabeitens von Wörtern in die linke Hemisphäre. Ausserdem waren diese Veränderungen umso stärker ausgeprägt umso besser ein Kind am Ende der ersten Klasse lesen konnte. Bei einer Kontrollgruppe von nahezu gleichaltrigen Kindern, die aber ein Jahr länger den Kindergarten besuchten, zeigten sich diese Veränderungen im Gehirn nicht, was dafür spricht dass diese Prozesse spezifisch mit dem Erwerb der Schriftsprache verbunden sind. Weitere Befunde aus dem Projekt zeigen, dass die Konnektivität zwischen Regionen im linken inferioren temporalen Kortex und solchen im linkden inferioren frontalen Kortex sowohl während einer Wortverarbeitungsaufgabe als auch während einer Ruhebedingung nach dem Lesenlernen stärker war. Zusammen skizzieren diese Befunde welche Veränderungen mit dem Schriftspracherwerb in Kindern verbunden sind. Weitere Auswertungen der Daten dieses Projekts werden genauere Einsichten in den Zusammenhang zwischen diesen Veränderungen im Gehirn und Störungen der Leseentwicklung untersuchen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 99%
  • Paracelsus Med.-Priv.-Univ. Salzburg / SALK - 1%
Nationale Projektbeteiligte
  • Gunther Ladurner, Paracelsus Med.-Priv.-Univ. Salzburg / SALK , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Nikolaus Weiskopf, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften - Deutschland

Research Output

  • 1039 Zitationen
  • 10 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Visual Experience Shapes Orthographic Representations in the Visual Word Form Area
    DOI 10.1177/0956797616657319
    Typ Journal Article
    Autor Wimmer H
    Journal Psychological Science
    Seiten 1240-1248
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Dyslexic brain activation abnormalities in deep and shallow orthographies: A meta-analysis of 28 functional neuroimaging studies
    DOI 10.1002/hbm.23202
    Typ Journal Article
    Autor Martin A
    Journal Human Brain Mapping
    Seiten 2676-2699
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Possible roles for fronto-striatal circuits in reading disorder
    DOI 10.1016/j.neubiorev.2016.10.025
    Typ Journal Article
    Autor Hancock R
    Journal Neuroscience & Biobehavioral Reviews
    Seiten 243-260
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Left ventral occipitotemporal activation during orthographic and semantic processing of auditory words
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2015.09.039
    Typ Journal Article
    Autor Ludersdorfer P
    Journal NeuroImage
    Seiten 834-842
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Functional neuroanatomy of developmental dyslexia: the role of orthographic depth
    DOI 10.3389/fnhum.2014.00347
    Typ Journal Article
    Autor Richlan F
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 347
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Abnormalities of functional brain networks in pathological gambling: a graph-theoretical approach
    DOI 10.3389/fnhum.2013.00625
    Typ Journal Article
    Autor Tschernegg M
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 625
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Reading in the brain of children and adults: A meta-analysis of 40 functional magnetic resonance imaging studies
    DOI 10.1002/hbm.22749
    Typ Journal Article
    Autor Martin A
    Journal Human Brain Mapping
    Seiten 1963-1981
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Impaired consciousness is linked to changes in effective connectivity of the posterior cingulate cortex within the default mode network
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2015.01.037
    Typ Journal Article
    Autor Crone J
    Journal NeuroImage
    Seiten 101-109
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Resting-State and Task-Based Functional Brain Connectivity in Developmental Dyslexia
    DOI 10.1093/cercor/bhu184
    Typ Journal Article
    Autor Schurz M
    Journal Cerebral Cortex
    Seiten 3502-3514
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Neural repetition suppression: evidence for perceptual expectation in object-selective regions
    DOI 10.3389/fnhum.2014.00225
    Typ Journal Article
    Autor Mayrhauser L
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 225
    Link Publikation

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