Katalog der illuminierten Handschriften in der Universitätsbibliothek Graz. 1300-1400
Catalogue of illuminated manuscripts in Graz University Library. 1300-1400
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (80%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (5%); Philosophie, Ethik, Religion (5%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)
Keywords
-
Middle Ages,
Manuscripts,
Manuscript Illumination,
Monastery,
Book binding,
Cutlural history
Klöster waren über Jahrhunderte die wichtigsten Produzenten, Käufer und Sammler von Büchern - in ihren Bibliotheken hat sich der überwiegende Teil der Quellen und damit die Grundlage unseres Wissens über die geistige, kulturelle und politische Entwicklung im Mittelalter bewahrt, die letztlich zu unserer heutigen Gesellschaft führte. Darüber hinaus enthalten diese Quellen - bis ins 15. Jahrhundert handgeschriebene Bücher - Bilder, Zeichnungen oder Schemata, die über den Inhalt der Texte hinaus die Gedankenwelt des Mittelalters visualisieren und einigen der Handschriften, vor allem den liturgischen, eine mediale Funktion verleihen, die uns heute fremd ist. Die anerkannte Bedeutung dieses Fundus für alle historisch ausgerichteten Wissenschaftsdisziplinen und das allgemeine Interesse, das sich in den Besucherzahlen von Ausstellungen zur mittelalterlichen Buchmalerei ebenso zeigt wie in der Popularität historischer Romane, die gern und häufig mit Reproduktionen mittelalterlicher Buchmalerei illustriert werden, hat zu einer verstärkten Erforschung mittelalterlicher Handschriften und ihrer Ausstattung geführt, von Katalogisierungsprojekten in großen Handschriftensammlungen über Einzelstudien bis zur forcierten Präsentation im Internet. Für den korrekten Umgang mit diesen Quellen ist es unumgänglich, ihre Entstehung geographisch und zeitlich einzugrenzen und ihre Verbreitung und Rezeption zu untersuchen. In den Projekten zur Katalogisierung der illuminierten Handschriften der Universitätsbibliothek Graz sollen diese Fragen für die in dieser Bibliothek aufbewahrten Bücher geklärt werden. Gleichzeitig wird der Bestand durch Beschreibung und Auswertung der physischen Beschaffenheit der Bücher wissenschaftlich erschlossen und durch ausführliche Bebilderung zugänglich gemacht. Die mittelalterliche Handschriftensammlung der Grazer Universitätsbibliothek stammt überwiegend aus den Bibliotheken der im 18. Jahrhundert aufgelösten steirischen Klöster unterschiedlicher Orden und bietet durch ihren Umfang, der mehrere Klosterbibliotheken gut repräsentiert und gleichzeitig überschaubar ist, eine ideale Voraussetzung für exemplarische Untersuchungen sowohl zu den Bedingungen, unter denen diese wichtigen Bibliotheken entstanden sind, als auch darüber, ob und wie sich diese Bedingungen über die Jahrhunderte änderten. Für das 15. Jahrhundert und die anschließenden Jahrzehnte, in denen die handschriftliche Buchproduktion auslief und private Käufer zunehmend den Buchmarkt bestimmten, ist die Katalogisierung mit der Publikation der Ergebnisse des Vorgängerprojektes abgeschlossen. Für das 13. Jahrhundert wurde mit der Erfassung der illuminierten Handschriften durch ein von Prof. Michael Viktor Schwarz geleitetes, von Dr. Michaela Schuller- Juckes und Mag. Evelyn Kubina durchgeführtes Projekt begonnen worden. Das beantragte Projekt soll den Büchern des 14. Jahrhunderts gewidmet sein und somit dazu beitragen, dass in absehbarer Zeit eine kunsthistorische Erschließung des Grazer Gesamtbestandes vorliegt, die als Grundlage für weitere wissenschaftliche und allgemeinere Auswertung dieser bedeutenden Sammlung dienen kann.
Das Projekt war der Erschließung der Handschriften mit Buchschmuck aus dem 14. Jahrhundert gewidmet, die sich heute in der Universitätsbibliothek Graz befinden. Es wurden detaillierte Beschreibungen in Katalogform angelegt, einschließlich Analyse und, mit ausführlicher Begründung, Datierung und Lokalisierung des Buchschmucks. Ausgehend von den Ergebnissen zu den einzelnen Werken konnten wichtige Entwicklungslinien der Buchmalerei in dieser Region entdeckt und in Beziehung zu allgemeinen Tendenzen gesetzt werden. Nach allgemeiner Forschungsmeinung ist in dieser Epoche die klösterliche durch die kommerzielle Buchproduktion weitgehend abgelöst worden. Für das deutschsprachige Mitteleuropa hat man jedoch, vor allem für die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts, kaum Anhaltspunkte, wie diese organisiert gewesen sein könnte und wo sie angesiedelt war. Durch die Untersuchung der Grazer Handschriften konnten neue Erkenntnisse im Hinblick auf diese Fragen gewonnen werden. Der Charakter der Grazer Sammlung, die überwiegend aus den Bibliotheken der aufgehobenen Klöster der Steiermark und Kärntens besteht, legt nahe, von dem grundsätzlichen Buchbedarf dieser Häuser auszugehen und danach zu fragen, wie dieser gedeckt werden konnte. Die reichlich überlieferten Fleuronnée-Initialen ermöglichen es, zusammenhängende Entwicklungen über längere Zeit zu verfolgen, lokale Traditionen zu definieren und ausgedehnte Beziehungsgeflechte nachzuweisen. Im Verlauf des Projektes konnten um eine Reihe von Grazer Handschriften kleinere und größere Gruppen mit verwandter Ausstattung versammelt werden, die gemeinsam mit vereinzelten schriftlichen Hinweisen in den Büchern Aussagen über die verschiedenen Entstehungsumstände der Handschriften zulassen. Eine hausinterne, zumindest zeitweilig unabhängige Buchausstattung ließ sich nur selten nachweisen. Es kam hingegen häufiger vor, dass klosterfremde Buchmaler und Schreiber, die möglicherweise auch Fleuronnée-Initialen ausführen konnten, engagiert wurden. Diese können selbständig oder mit hauseigenen Kräften zusammengearbeitet haben. Neben den mehr oder weniger umfangreichen Handschriftengruppen mit verwandter Ausstattung, die unter Aufsicht und Mitwirkung der Stiftsangehörigen entstanden sind, gibt es Bücher, die in kommerziell arbeitenden Ateliers ihren Buchschmuck erhalten haben dürften. Sie sind als Einzelstücke an verhältnismäßig weit entfernten Orten überliefert und ihr Layout ist einheitlicher, merklich standardisierter als das der Bücher, die in den Klöstern von Teams unterschiedlicher Zusammensetzung angefertigt wurden. Eine genauere Lokalisierung dieser offensichtlich organisierteren Buchherstellung ist in den meisten Fällen nicht möglich, da relativ große Regionen beliefert wurden und die lokale Bindung, wie sie bei hauseigenen Produktionen vorliegt, fehlt. Für die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts konnte jedoch beobachtet werden, dass sich im Umfeld der 1365 gegründeten Wiener Universität eine Handschriftenproduktion zu formieren begann. Die im Verlauf des Projektes gesammelten und in Katalognummern mit ausführlichen Kommentaren festgehaltenen Erkenntnisse werden gemeinsam mit den Ergebnissen eines Projektes zu den Handschriften aus entfernteren Regionen, vor allem aus Italien und Frankreich, veröffentlicht.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 2 Publikationen
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2014
Titel Für Gottesdienst , Bibliothek und Verkauf – Buchausstattung im Rooklooster bei Brüssel DOI 10.7767/boehlau.9783205793069.202 Typ Book Chapter Autor Beier C Verlag Brill Osterreich Seiten 202-220 -
2014
Titel Die Meditationes vitae Christi und die christliche Ikonographie Europas. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Weiler C Konferenz Magdaléna Nová, Marie Opatrná (Hrsgg.), Cultural Transfer - Umelecká výmena mezi italálií a strední Evropou. Sborník príspevku mezináodní konference studentu doktorských studijních programu, Prag