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Das Zeigenössische durchqueren

Traversing the Contemporary (pl)

Claudia Jeschke (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P24190
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2012
  • Projektende 31.01.2016
  • Bewilligungssumme 270.478 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (50%); Kunstwissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)

Keywords

    Dance Studies, Contemporary Choreography, Dance History, Europe and India, Postcolonial, Intercultural

Abstract Endbericht

Angesiedelt in den Schnittpunkten zwischen angloamerikanischer, europäischer, und indischer Tanzwissenschaft, sowie an den Knotenpunkten Postkolonialer Studien und Gender Studies, versucht dieses Projekt, bislang international gültige theoretische Modelle und tanzwissenschaftliche Ansätze differenziert und kritisch zu hinterfragen. Ziel ist es, diese Ansätze, die in unterschiedlichen kulturellen Kontexten formuliert wurden und werden, zu dialogisieren und in den speziellen Kontext des zeitgenössischen Tanzes des nordeuropäischen Kontinents zu übersetzen. Dies geschieht anhand theoretischer, historischer and empirische Analysen der Arbeiten von drei zeitgenössischen nordeuropäischen Choreographinnen. Die Verbindung dieser Ansätze - theoretisch, historisch und empirisch - korrespondiert mit dem Profil der Studienrichtung Tanzwissenschaft an der Universität Salzburg, die sich durch ihre besondere Interaktion mit dem Derra de Moroda Tanzarchiv auszeichnet, und sowohl die Trennung zwischen Theorie und Praxis, und historischer und zeitgenössischer Forschung überbrücken will. Postkoloniale (historische) Ansätze artikulieren, dass das "Jetzt" und dadurch auch die Idee des "Zeitgenössischen" strittig sind, während kulturelle Differenz zu einem Zeitunterschied umkodiert wird. Die Prämisse eines angefochtenen "Jetzt" deutet an, dass es Kriterien gibt, welche die ästhetische Kategorie des "Zeitgenössischen" limitieren und dadurch das "Andere" oder "anderes" ausschließen. Das Projekt wird diese postkoloniale Hinterfragung des "Zeitgenössischen" auf zeitgenössischen nordeuropäischen Tanz beziehen, anhand einer Analyse der Arbeiten von Johanna Lanzaro, Rani Nair, und Kalpana Raghuraman. Die drei Choreographinnen sind ausgebildet in zeitgenössischem und klassischem indischen Tanz und produzieren choreographische Artikulationen, die, so der Ausgangspunkt, scheinbar nicht eindeutig in die Kategorie des "Zeitgenössischen" im europäischen Tanz passen. In der theoretischen Analyse werden angloamerikanische und postkoloniale tanzwissenschaftliche Ansätze im Dialog miteinander für den nordeuropäischen Kontext ausformuliert. In der historischen Analyse werden die "geteilten" und "verflochtenen" Geschichten des indischen und europäischen zeitgenössischen Tanzes im 20.Jahrhundert sichtbar gemacht, und zwar anhand von "kinästhetischen Verbindungen",die durch Begegnungen zwischen Einzelvertretern der Tanzformen entstehen. Die empirische Analyse verfolgt die ästhetischen Auswirkungen dieser geteilten Geschichten und sich verbindenden kinästhetischen Erfahrungen bis ins 21.Jahrhundert, anhand der Fallstudien zu den drei europäischen Choreographinnen, deren Arbeit beide Welten umspannt. Ziel dieses Projektes ist es, durch die Analyse zeitgenössischen europäischen Tanzes aus interkultureller und postkolonialer Perspektive sowie durch die kritische Überprüfung angloamerikanischer und indischer tanzwissenschaftlicher Ansätze im nordeuropäischen Kontext, zu einer neuartigen, weil globalisierten Perspektive für die europäische Tanzwissenschaft beizutragen.

Ziel des Forschungsprojekts war eine postkoloniale Kritik des Zeitgenössischen im Kontext des zeitgenössischen Tanzes in Kontinentaleuropa. Diese Perspektive betrachtet kulturelle Kontexte als beeinflusst von kolonialen (Repräsentations-)Prozessen, auch wenn die betreffenden Länder (scheinbar) keine prominente Kolonialgeschichte aufweisen. Denn postkoloniale Perspektiven beschränken sich nicht auf den materialen (politischen, territorialen, wirtschaftlichen) Kolonialismus, sondern befassen sich z.B. kritisch mit kontinuierlich weiter bestehenden kulturellen Asymmetrien, die implizit die (vermeintliche) Fortschrittlichkeit des Westens nicht infrage stellen und so koloniale Machtverhältnisse legitimieren. Mit der Frage, auf welche Weisen sich die ästhetische Idee des Zeitgenössischen im europäischen zeitgenössischen Tanz noch immer und unreflektiert innerhalb dieses kolonialen Paradigma bewegt, befasste sich das Projekt aus drei Blickwinkeln: 1) die theoretische Perspektive artikulierte eine kritische Arbeitsdefinition des zeitgenössischen Tanzes und übersetzte postkoloniale theoretische Ansätze (oft aus dem Englisch-sprachigen Raum) für den zeitgenössischen kontinentaleuropäischen Tanz. 2) Der historische Ansatz bearbeitete historische Verflechtungen zwischen europäischem und indischem Tanz. 3) Die analytische Dokumentation fokussierte drei Choreographinnen, die u. a. in klassischem indischem Tanz ausgebildet sind und diesen substantiell in zeitgenössischen Arbeiten integrieren: Johanna Devi (Berlin), Rani Nair (Lund) und Kalpana Raghuraman (Brüssel/Den Haag, Korzo Theater) neben ausgewählten Beispielen zusätzlicher ChoreographInnen. Die wichtigsten Ergebnisse des Projekts sind: 1) Dokumentation und Analyse hybrider europäischer Praktiken des zeitgenössischen Tanzes. Diese bilden eine Grundlage für die Theoretisierung ästhetischer Vielfalt und verweisen auf Möglichkeiten, eurozentrische Perspektiven des zeitgenössischen Tanzes zu hinterfragen; 2) Ausdifferenzierung der konzeptuellen Unvereinbarkeit zwischen einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Historischen (eines europäischen Geschichtsverständnisses) und seines Zugangs zum Jetzt und einer Beschäftigung mit Elementen, die als indisch und traditionell markiert sind und selbst im Jetzt in der Vergangenheit gefangen bleiben. 3) Artikulation einer kritischen Arbeitsdefinition des zeitgenössischen Tanzes in Europa, die die Widersprüchlichkeit einer Kategorie erkennbar macht, die implizit auf euro-amerikanischen Entwicklungslinien beruht, diese aber bislang selten explizit als solche ausweist. Artikulation weiterführender Forschungsfragen, die auf eine Kritik des Zeitgenössischen verweisen. 4) Beitrag zur Schließung der Lücke zwischen einer ästhetisch ausgerichteten Tanzwissenschaft und kulturwissenschaftlichen Ansätzen zu Migration und Postkolonialität in Europa.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

Research Output

  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel London - Los Angeles - Berlin: Zeitgenössischer ("südasiatischer") Tanz in lokalspezifischen Kontexten.
    Typ Book Chapter
    Autor Bäcker
  • 2015
    Titel Bodily Archives and Performed Acts of Transfer: Interplays of Archive, Repertoire, and 'Indian Dance Memory.
    Typ Book Chapter
    Autor Brandenburg
  • 2013
    Titel Entangled Histories and Kinesthetic Connections: Memory, Heritage and Performance in Rani Nair's Future Memory.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Chatterjee S
    Konferenz Nordic Forum for Dance Research/Society of Dance History Scholars, Conference Proceedings. Norwegian University Of Science And Technology (NTNU) Trondheim, Norway 2013: Published By The Society Of Dance History Scholars (2013).
  • 2014
    Titel Restaging Indian Dance: Zwischen Tradition, Moderne und Postkolonialität.
    Typ Book Chapter
    Autor Chatterjee S
  • 2013
    Titel Back to Reality?: Rückübersetzungen filmischer Bollywood Choreographien in bayerische Tanzgruppen.
    Typ Journal Article
    Autor Chatterjee S
    Journal Kieler Beiträge zur Filmmusikforschung, Ausgabe 10, Dezember 2013.
  • 2021
    Titel Dancing out of time and place
    DOI 10.4324/9780429352768-31
    Typ Book Chapter
    Autor Chatterjee S
    Verlag Taylor & Francis
    Seiten 346-358
  • 0
    Titel Tanz & Archiv: Forschungsreisen, derra dance research 6: Doing Memory: Zwischen Don Juan und Bharatanatyam.
    Typ Other
    Autor Brandenburg I

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