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Niederschlag an antarktischen Tiefbohrlokationen

Precipitation mechanisms at Antarctic deep drilling sites

Elisabeth Schlosser (ORCID: 0000-0003-3659-240X)
  • Grant-DOI 10.55776/P24223
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2012
  • Projektende 31.05.2016
  • Bewilligungssumme 328.934 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geowissenschaften (100%)

Keywords

    Ice Cores, Precipitation Mechanisms, Antarctica, Stable Isotopes, Mesoscale Atmospheric Model, Isotope Model

Abstract Endbericht

Ein genaues Verständnis früherer Klimaschwankungen ist notwendig, um gegenwärtige / zukünftige Klimaänderungen zu verstehen. Durch die Informationen aus Eisbohrkernen aus Grönland und der Antarktis sind in der Paläoklimatologie große Fortschritte erzielt worden. Von besonderem Interesse sind hier die Verhältnisse der stabilen Isotope des Sauerstoffs und des Wasserstoffs, da man aus ihnen die Paläotemperatur ableiten kann. Allerdings ist für eine korrekte Interpretation der Daten eine genaue Kenntnis der Niederschlagsprozesse erforderlich, die das Eis im Bohrkern gebildet haben. Das mittlere jährliche Isotopenverhältnis ist linear mit der mittleren Jahrestemperatur korreliert, obwohl es in komplexer Weise von Wasserdampfursprung und -transport und von Verdunstungs- und Kondensationsprozessen während der Niederschlagsbildung abhängt. Daher müssen wir die gesamte Niederschlagsgeschichte kennen. Von großer Bedeutung ist auch die jahreszeitliche Verteilung des Niederschlags. Falls bestimmte Jahreszeiten mehr Niederschlag bekommen als andere, stammt die Information im Bohrkern nicht gleichmäßig aus dem ganzen Jahr. Leider gibt es keine direkte Information über die Niederschlagsgeschichte in der Vergangenheit. Daher müssen wir so genau wie möglich über die heutigen Verhältnisse Bescheid wissen. An der Station Dome C in der Ostantarktis wurde der mit 800.000 Jahren bisher älteste Bohrkern gezogen. Seit 2006 werden dort auch Neuschneeproben genommen, deren Isotopengehalt bestimmt wird. Mit Hilfe dieser neuen, Antarktisweit einzigartigen Daten können Neuschnee-Ereignisse identifiziert und eindeutig den jeweiligen beim Niederschlag herrschenden meteorologischen Bedingungen zugeordnet werden. Insbesondere wird mit Hilfe eines Trajektorienmodells die Herkunft des Niederschlags sowie die Beziehung zwischen stabilen Isotopen und den Bedingungen an der ozeanischen Wasserdampfquelle untersucht. Das hierfür verwendete mesoskalige Atmosphärenmodell ist im sogenannten AMPS (Antarctic Mesoscale Prediction System) organisiert und wird auch zur Analyse und Klassifizierung der Wetterlagen, die Niederschlag verursachen, verwendet. Man unterscheidet zwei Arten von Niederschlag: 1) den sogenannten "diamond dust" oder "clear-sky precipitation", der durch strahlungsbedingte Abkühlung der Luft entsteht und aus extrem feinen Eisnadeln besteht, dadurch nur zu sehr geringen Niederschlagsmengen führt, und 2) den "synoptischen Niederschlag", der mit der Tiefdruckaktivität über dem polaren Ozean zusammenhängt. Modelle werden benötigt, da die Datendichte in der Antarktis auch heute noch sehr gering ist. Das in AMPS operationell betriebene, hochaufgelöste Modell wurde speziell für Polargebiete angepasst und wird vom National Center for Atmospheric Research (NCAR), Boulder, Colorado, und von der Polar Meteorology Group der Ohio State University betreut. In diesem Projekt werden Niederschlagsursprung und -mechanismen an Dome C und zwei anderen Tiefbohrlokationen in der Antarktis untersucht. Eine Klassifikation der mit Niederschlag verbundenen Wetterlagen, kombiniert mit einer Trajektorienklassifikation, wird erstellt und die jahreszeitliche Verteilung des Niederschlags wird bestimmt. Die Trajektorienberechnung wird mit einem einfachen Isotopenmodell verknüpft, um den Einfluss des Niederschlagsursprungs auf die stabilen Isotope zu studieren, insbesondere auf den sogenannten Deuteriumexzess, eine Kombination aus Sauerstoff- und Wasserstoffisotopenverhältnissen, die von der Meeresoberflächentemperatur, der Wind- geschwindigkeit und der Luftfeuchte im Ursprungsgebiet abhängt. Neue Messmethoden ermöglichen seit einigen Jahren auch die Messung des seltenen Isotops 17O und des entsprechenden 17O-Exzesses, der nicht von der Temperatur an der Wasserdampfquelle abhängt. Der 17O-Exzess ist bisher nur ungenügend verstanden. Unsere Untersuchung unter bekannten meteorologischen Bedingungen wird ein besseres Verständnis der Beziehung zwischen 17O-Exzess von antarktischem Schnee/Eis und den Bedingungen an der Wasserdampfquelle ermöglichen. Dies wird mittelfristig zu einer besseren quantitativen Interpretation von Eisbohrkerndaten führen.

Durch die Informationen aus Eisbohrkernen aus der Antarktis sind in der Paläoklimatologie große Fortschritte erzielt worden. Von besonderem Interesse sind hier die Verhältnisse der stabilen Isotope (verschiedene Molekülarten) des Sauerstoffs, da man aus ihnen die Paläotemperatur ableiten kann. Jedoch muss man für eine korrekte Interpretation der Daten die Niederschlagsprozesse genau kennen, die das Eis im Bohrkern gebildet haben. Das mittlere jährliche Isotopenverhältnis ist linear mit der mittleren Jahrestemperatur korreliert, obwohl es in komplexer Weise von Wasserdampfursprung und transport und von Verdunstungs- und Kondensationsprozessen während der Niederschlagsbildung abhängt. Daher müssen wir die gesamte Niederschlagsgeschichte kennen. Seit 2006 werden an der Tiefbohrlokation Dome C Isotopengehalte von Neuschneeproben bestimmt. Mit Hilfe dieser neuen, antarktisweit einzigartigen Daten können Neuschnee-Ereignisse identifiziert und den jeweiligen beim Niederschlag herrschenden meteorologischen Bedingungen zugeordnet werden. Insbesondere werden die Herkunft des Niederschlags sowie die Beziehung zwischen stabilen Isotopen und den Bedingungen an der ozeanischen Wasserdampfquelle untersucht. Das hierfür verwendete Atmosphärenmodell ist im sogenannten AMPS (Antarctic Mesoscale Prediction System) organisiert und wird auch zur Analyse und Klassifizierung der Wetterlagen, die Niederschlag verursachen, verwendet. Man unterscheidet zwei Arten von Niederschlag: 1) den sogenannten diamond dust (Diamantenstaub), der durch strahlungsbedingte Abkühlung der Luft entsteht und aus extrem feinen Eisnadeln besteht, dadurch nur zu sehr geringen Niederschlagsmengen führt, und 2) den synoptischen Niederschlag, der mit der Tiefdruckaktivität über dem polaren Ozean zusammenhängt. Modelle werden benötigt, da die Datendichte in der Antarktis auch heute noch sehr gering ist. Das in AMPS operationell betriebene, hochaufgelöste Modell wurde speziell für Polargebiete angepasst und wird vom National Center for Atmospheric Research (NCAR), Boulder, Colorado, und von der Polar Meteorology Group der Ohio State University betreut. In diesem Projekt wurden Niederschlagsursprung und mechanismen an Dome C und Dome Fuji, zwei Tiefbohrlokationen in der Antarktis, untersucht. Dabei fand man, dass größere Niederschlagsereignisse hauptsächlich dann beobachtet werden, wenn das Westwindband um die Antarktis anfängt zu mäandrieren. Dies hat einen Transport von relativ warmer und feuchter Luft nach Süden zur Folge, die über dem Kontinent zum Aufsteigen gezwungen wird, dabei abkühlt und Niederschlag bildet. Dabei werden auch im Winter in der Antarktis ungewöhnlich hohe Temperaturen gemessen. Da das Isotopenverhältnis vom Temperaturunterschied zwischen ozeanischer Wasserdampfquelle und Bohrlokation in der Antarktis abhängt, ist diese Erkenntnis sehr wichtig für die Umrechnung des Isotopenverhältnisses in eine frühere Temperatur. Es wurde in der Projektarbeit gezeigt, dass einige grundlegende Annahmen, die bei dieser Umrechnung in der Bohrkernwissenschaft seit langem verwendet werden, nicht korrekt sind. Weitere Untersuchungen, vor allem auch der Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und Schneeoberfläche zwischen zwei Niederschlagsereignissen, sind notwendig, um die Prozesse, die das Isotopenverhältnis bestimmen, vollständig zu verstehen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Valerie Masson-Delmotte, Laboratoire des Sciences du Climat et de l Environnement - Frankreich
  • Barbara Stenni, University Ca´ Foscari Venice - Italien
  • Jordan Powers, National Center for Atmospheric Research - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 506 Zitationen
  • 19 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel A comparison of Antarctic Ice Sheet surface mass balance from atmospheric climate models and in situ observations
    DOI 10.1175/jcli-d-15-0642.1
    Typ Journal Article
    Autor Wang Y
    Journal Journal of Climate
    Seiten 5317-5337
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Surface mass balance and water stable isotopes derived from firn cores on three ice rises, Fimbul Ice Shelf, Antarctica
    DOI 10.5194/tc-2016-164
    Typ Preprint
    Autor Vega C
    Seiten 1-27
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Precipitation regime and stable isotopes at Dome Fuji, East Antarctica
    DOI 10.5194/acp-2015-1012
    Typ Preprint
    Autor Dittmann A
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Precipitation regime and stable isotopes at Dome Fuji, East Antarctica
    DOI 10.5194/acp-16-6883-2016
    Typ Journal Article
    Autor Dittmann A
    Journal Atmospheric Chemistry and Physics
    Seiten 6883-6900
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Precipitation and synoptic regime in two extreme years 2009 and 2010 at Dome C, Antarctica – implications for ice core interpretation
    DOI 10.5194/acp-16-4757-2016
    Typ Journal Article
    Autor Schlosser E
    Journal Atmospheric Chemistry and Physics
    Seiten 4757-4770
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Precipitation regime and stable oxygen isotopes at Dome C, East Antarctica – a comparison of two extreme years 2009 and 2010
    DOI 10.5194/acpd-15-30473-2015
    Typ Preprint
    Autor Schlosser E
    Seiten 30473-30509
    Link Publikation
  • 2017
    Titel The influence of the synoptic regime on stable water isotopes in precipitation at Dome C, East Antarctica
    DOI 10.5194/tc-11-2345-2017
    Typ Journal Article
    Autor Schlosser E
    Journal The Cryosphere
    Seiten 2345-2361
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Three-year monitoring of stable isotopes of precipitation at Concordia Station, East Antarctica
    DOI 10.5194/tc-2016-142
    Typ Preprint
    Autor Stenni B
    Seiten 1-30
    Link Publikation
  • 2017
    Titel The influence of the synoptic regime on stable water isotopes in precipitation at Dome C, East Antarctica
    DOI 10.5194/tc-2017-21
    Typ Preprint
    Autor Schlosser E
    Seiten 1-36
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Recent climate tendencies on an East Antarctic ice shelf inferred from a shallow firn core network
    DOI 10.1002/2013jd020818
    Typ Journal Article
    Autor Schlosser E
    Journal Journal of Geophysical Research: Atmospheres
    Seiten 6549-6562
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Characteristics of high-precipitation events in Dronning Maud Land, Antarctica
    DOI 10.1029/2009jd013410
    Typ Journal Article
    Autor Schlosser E
    Journal Journal of Geophysical Research: Atmospheres
  • 2008
    Titel Precipitation regime of Dronning Maud Land, Antarctica, derived from Antarctic Mesoscale Prediction System (AMPS) archive data
    DOI 10.1029/2008jd009968
    Typ Journal Article
    Autor Schlosser E
    Journal Journal of Geophysical Research: Atmospheres
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Interaction between Antarctic sea ice and synoptic activity in the circumpolar trough: implications for ice-core interpretation
    DOI 10.3189/172756411795931859
    Typ Journal Article
    Autor Schlosser E
    Journal Annals of Glaciology
    Seiten 9-17
    Link Publikation
  • 2011
    Titel A comparison of the present and last interglacial periods in six Antarctic ice cores
    DOI 10.5194/cp-7-397-2011
    Typ Journal Article
    Autor Masson-Delmotte V
    Journal Climate of the Past
    Seiten 397-423
    Link Publikation
  • 2010
    Titel An extreme precipitation event in Dronning Maud Land, Antarctica: a case study with the Antarctic Mesoscale Prediction System
    DOI 10.1111/j.1751-8369.2010.00164.x
    Typ Journal Article
    Autor Schlosser E
    Journal Polar Research
    Seiten 330-344
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Surface mass balance and water stable isotopes derived from firn cores on three ice rises, Fimbul Ice Shelf, Antarctica.
    Typ Journal Article
    Autor Isaksson E Et Al
  • 2014
    Titel Climatic signals from 76 shallow firn cores in Dronning Maud Land, East Antarctica
    DOI 10.5194/tcd-8-5961-2014
    Typ Preprint
    Autor Altnau S
    Seiten 5961-6005
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Surface mass balance and stable oxygen isotope ratios from shallow firn cores on Fimbulisen, East Antarctica
    DOI 10.3189/2012aog60a102
    Typ Journal Article
    Autor Schlosser E
    Journal Annals of Glaciology
    Seiten 70-78
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Surface mass balance on Fimbul ice shelf, East Antarctica: Comparison of field measurements and large-scale studies
    DOI 10.1002/jgrd.50875
    Typ Journal Article
    Autor Sinisalo A
    Journal Journal of Geophysical Research: Atmospheres
    Seiten 11,625-11,635
    Link Publikation

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