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Die Überlieferungsgeschichte der Diplome König Heinrichs (VII.)

The Tradition of the Charters of King Henry (VII)

Mark Mersiowsky (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P24309
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2012
  • Projektende 30.09.2015
  • Bewilligungssumme 324.986 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Diplomatics, Roman-German Kingdom, Historical auxiliary sciences, Administration, Medieval history, Representation

Abstract Endbericht

Das über drei Jahre geplante Projekt soll die Überlieferungsgeschichte der Urkunden König Heinrichs (VII), des ältesten Sohnes von Kaiser Friedrich II. aus dem Geschlecht der Hohenstaufen, erhellen. Die Urkunden dieses Königs, der von 1220 bis 1235 als Stellvertreter seines hauptsächlich in Italien abwesenden kaiserlichen Vaters auf dem Boden des mittelalterlichen deutschen Herrschaftsgebiet agierte, aber von seinem Vater im Jahr 1235 aller Herrschaft entsetzt und inhaftiert wurde, sind bis heute nur in veralteten und häufig sehr verstreut publizierten Editionen zugänglich. Weder die Editionen noch die vorhandenen Regestenwerke berücksichtigen darüber hinaus die Veränderungen, die sich im 20. Jahrhundert hinsichtlich des Erhaltungszustandes und der Eigentumsverhältnisse der Urkunden ergeben haben. Diese Tatsachen stellen enorme Hindernisse für die einschlägige mediävistische Forschung dar. Hauptziele des Projekts sind, 1) eine Dokumentation der Überlieferung der Diplome Heinrichs (VII.) in Form einer kompletten, nach einheitlichen Kriterien erarbeiteten Datenbank mit digitalen Abbildungen, die als Grundlage einer kritischen Edition taugt und über die MGH-Datenbanken-Homepage der Wissenschaft zugänglich gemacht wird, zu erstellen, sowie 2) die Überlieferungs- wie Wirkungsgeschichte der Urkunden dieses Königs zu untersuchen und die Ergebnisse in Form eines Manuskript einer Monographie vorzulegen. Die Dokumentation wird Einblicke in die Überlieferungsstruktur und Überlieferungsgeschichte der Diplome Heinrichs (VII.) gewährleisten und wird somit erstmals eine sichere Basis für erweiterte Fragestellungen bieten. Die etwa in der mediävistischen Germanistik übliche Sicht der Überlieferungsgeschichte als Wirkungsgeschichte soll auf die Urkunden übertragen werden. Die einmalige Konstellation bei Heinrich (VII.), seine Absetzung durch den Vater, wird aufschlussreiche Einblicke in den Umgang der Empfänger mit den Urkunden ermöglichen und soll Ausgangspunkt einer kulturgeschichtlichen Betrachtung von Privilegierung und Bestätigung werden. Eine anhand von Leitfragen aus der Überlieferung der Urkunden abgeleitete Wirkungsgeschichte soll über die dürftige historiographische Tradition zu Sturz und Absetzung Heinrichs (VII.) hinweg wichtige Erkenntnisse zu den Reaktionen und Verhaltensweisen der Zeitgenossen und späterer Generationen auf diese singuläre Konstellation zeitigen und das Überlieferungssubstrat zur Metaquelle herrscherlichen Handelns und Verwaltens und dessen Wahrnehmung und Aneignung durch die Betroffenen werden.

Das Dreijahresprojekt sollte die Überlieferungsgeschichte der Urkunden König Heinrichs (VII.) aus dem Geschlecht der Staufer erhellen und dafür die etwa in der mediävistischen Germanistik übliche Sicht der Überlieferungsgeschichte als Wirkungsgeschichte auf Urkunden übertragen. Eine aus der Überlieferung der Urkunden abgeleitete Wirkungsgeschichte sollte über die dürftige historiographische Tradition zu Sturz und Absetzung Heinrichs (VII.) hinweg wichtige Erkenntnisse zu den Reaktionen und Verhaltensweisen der Zeitgenossen und späterer Generationen auf diese singuläre Konstellation zeitigen und das Überlieferungssubstrat zur Metaquelle herrscherlichen Handelns und Verwaltens und dessen Wahrnehmung und Aneignung durch die Betroffenen werden. Als Friedrich II. 1220 zum Kaiser gekrönt wurde, machte er seinen ältesten Sohn Heinrich zum König und Mitregenten. 1235 wurde Heinrich von seinem Vater aller Herrschaft entsetzt und inhaftiert. Wie die Absetzung und der Todes des jungen Königs in Gefangenschaft von den Zeitgenossen erfahren wurden, lässt sich aus den erzählenden Quellen nicht entnehmen, da die Historiographie sich kaum für ihn interessierte. Um so wichtiger sind die Urkunden dieses Königs, die bisher kaum bearbeitet waren. Ausgehend von der bisherigen Forschung wurden 560 Urkunden, die sich auf 87 Orte verteilten, untersucht. Intensive bibliographische Arbeiten an vorhandenen Editionen und Regestenwerken sowie digitalen wie gedruckten Inventaren während des ersten und zweiten Jahres schufen eine vollständige Bibliographie und eine erweiterte Datenbank mit digitalisierten Editionen. Deren Auswertung erweiterte die Lagerorte auf 196. Dieses Ergebnis der ersten Projektphase hatte erhebliche Konsequenzen. Sowohl die Personalausstattung wie das Budget für Archivreisen und Digitalisate waren der neu erarbeiteten Überlieferungssituation nicht angemessen. Die Strategie musste geändert werden. So wurden die Archivarbeiten auf die wichtigsten größeren Bestände konzentriert. Nach strikter Durchsicht besteht das Corpus aus 534 Urkunden. Am Ende des Projektes waren 381 Originale erfasst, der Rest der Dokumente ist nur abschriftlich erhalten. 10 Originale sind zerstört, meist im 2. Weltkrieg. 5 bezeugte Originale gelten als verloren und konnten während des Projektes nicht wiederaufgefunden werden. 108 (22%) Dokumente sind abschließend bearbeitet und voll dokumentiert, 382 (71,74%) sind bearbeitet, aber Details sind noch offen (meist fehlende Abbildungen), 44 (8,24%) sind noch nicht bearbeitet oder verschollen. Die durch die unerwartete Vielzahl der ermittelten Textzeugen noch nicht vollständige Dokumentation hat dennoch schon Einblicke in die Überlieferungsstruktur und Überlieferungsgeschichte der Diplome Heinrichs (VII.) gewährleistet. Die Empfänger reagierten nicht erkennbar auf die Absetzung des Königs, sie akzeptierten und nutzten seine Urkunden als Rechtsdokumente und bewahrte und kopierte sie wie andere. Es gab so gut wie keine Vermerke auf Originalen oder Abschriften, die auf die Absetzung hinweisen. Die Empfänger bemühten sich nicht systematisch um Wiederbestätigungen Kaiser Friedrichs. Im 13. Jahrhundert scheinen die Könige noch leicht zögerlich die Urkunden ihres abgesetzten Vorgängers bestätigt zu haben und rekurrierten nur ohne explicite Namensnennung auf diese. Ab Heinrich VII., der sich eben nicht Heinrich VIII. nannte und damit ausdrücklich auf die Absetzung Heinrichs (VII.) verwies, werden die Urkunden seines Vorgängers routinemäßig wie die aller anderen Herrscher bestätigt und in andere Urkunden inseriert. So verliert sich die Erinnerung an die Absetzung, Heinrich (VII.) wird mit dem gleichnamigen Kaiser und in einem prominenten Einzelfall sogar absichtlich mit dem Heiligen Heinrich II. verwechselt.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

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