Metaphysik und Epistemologie des Nyãya III
Metaphysics and Epistemology of the Nyãya Tradition III
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
-
South Asian Studies,
History of Indian Philosophy,
Metaphysics,
Epistemology,
Nyaya,
Indian Codicology
Der Nyaya ("Logik"), bis in die Neuzeit hinein eine der wichtigsten Traditionen innerhalb der indischen Philosophie, kristallisierte sich als eine systematische, voll entwickelte philosophische Tradition, mit starker Betonung von Metaphysik und Epistemologie, während der Zeit der Gupta-Herrscher in Südasien (4.-6. Jahrhundert) heraus. Das zentrale Grundwerk des Nyaya, das dem Weisen Aksapada aus dem Gotama-Klan zugeschriebene Nyayasutra (NS), wurde höchstwahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts von anonymen Bearbeitern finalisiert und kurz danach von dem Philosophen Vatsyayana Paksilasvamin in seiner Gänze kommentiert. Dieser frühe Kommentar, der lediglich als Nyayabhasya ("Kommentar zum Nyaya") (NBh) bekannt ist, ist von wesentlicher Bedeutung nicht nur für unser Verständnis der frühen Phase der Nyaya-Philosophie, sondern auch für unsere Kenntnis der anderen philosophischen Traditionen, die sich während der Gupta-Zeit und der vorangehenden Kushana-Zeit formierten, da nur ein Bruchteil der reichen literarischen und wissenschaftlichen Produktion dieser Periode erhalten blieb. Das NBh ist ferner der Hauptzeuge für die früheste Form des NS, im Sinne seiner Konstitution und des genauen Wortlauts. Dieser Stellenwert des Werkes, zusammen mit dem häufig unbefriedigenden Status des überlieferten Sanskrit-Textes, der in den gedruckten Ausgaben zu finden ist, verlangte eine neue, kritische Ausgabe des NBh. Im Laufe zweier früherer FWF-geförderter Projekte (P17244 und P19328) wurden Kopien von ca. 60 Handschriften des NBh, vor allem aus Indien, beschafft und ihr textliches Zeugnis kollationiert und studiert, mit dem Resultat einer tiefgehenden Beschreibung der Textzeugen, der gesamten Kollationierung des Textes des ersten umfangreichen und grundlegenden Kapitels, der Aufstellung einer komplexen stemmatischen Hypothese - unterstützt durch kladistische Analysen mit aus der Phylogenetik übernommenen Instrumenten - und der bevorstehenden Publikation der kritischen Ausgabe des sogenannten Trisutribhashya, des programmatischen Kommentars zu NS 1.1.1-3. Der Abschluss und die Publikation der Ausgabe des gesamten ersten Kapitels, gefolgt von derjenigen der ersten Hälfte des zweiten Kapitels, sind Schwerpunkt des gegenwärtigen Projekts. Wie zuvor wird sich die Ausgabe auf alle verfügbaren Handschriften in diversen südasiatischen Schriften und die relevanten Druckausgaben stützen, ferner auf das zu eruierende sekundäre Zeugnis der (Sub-)Kommentare und anderer philosophischer Werke der klassischen und mittelalterlichen Periode. Die Schaffung eines digitalen Corpus des Nyaya zu letzterem Zweck stellt ein weiteres Ziel des Projekts dar; dieses soll in den vorhandenen und in weiterer Entwicklung begriffenen anspruchsvollen "Digital Corpus of Sanskrit" des Exzellenz-Clusters "Asia and Europe in a Global Context" (Universität Heidelberg) integriert werden. Ferner soll die Untersuchung des Textes des NS selbst, so wie es eigenständig und in Kommentaren überliefert wurde, Licht auf die historische Entwicklung dieser Grundlage des Nyaya werfen. Der resultierende, gut fundierte Text des NBh, zusammen mit dem des NS, wird als verlässliche Basis für die Untersuchung der Überlieferungsgeschichte des NBh und von Hauptthemen der Nyaya-Philosophie dienen. Er wird auch Grundlage für eine zukünftige kritische Übersetzung des NBh sein. In dieser Weise wird ein durchdachtes und historisch kontextualisiertes Bild der umfassenden Metaphysik und Epistemologie entstehen, wie sie in der klassischen Nyaya-Tradition in ihrer Anfangsphase entwickelt und vertreten wurden.
Der Nyaya ("Logik"), bis in die Neuzeit hinein eine der wichtigsten Traditionen innerhalb der indischen Philosophie, kristallisierte sich als eine voll entwickelte philosophische Tradition, mit starker Betonung von Metaphysik und Epistemologie, während der Zeit der Gupta-Herrscher in Südasien (4.-6. Jahrhundert) heraus. Das zentrale, in Sanskrit verfasste Grundwerk des Nyaya, das dem Weisen Aksapada aus dem Gotama-Klan zugeschriebene Nyayasutra (NS), entstand höchstwahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts und wurde kurz danach von dem Philosophen Vatsyayana Paksilasvamin kommentiert. Dieser Kommentar, der lediglich als Nyayabhasya (Kommentar zum Nyaya) (NBh) bekannt ist, ist von wesentlicher Bedeutung nicht nur für unser Verständnis der frühen Phase der Nyaya-Philosophie, sondern auch für unsere Kenntnis der anderen philosophischen Traditionen, die sich während der Gupta-Zeit formierten, da nur ein Bruchteil der reichen literarischen und wissenschaftlichen Produktion dieser Periode erhalten blieb. Das NBh ist ferner der Hauptzeuge für die früheste Form des NS, im Sinne seiner Konstitution und des genauen Wortlauts. Dieser Stellenwert des Werkes, zusammen mit dem häufig unbefriedigenden Status des überlieferten Sanskrit-Textes, der in den gedruckten Ausgaben zu finden ist, verlangte eine neue, kritische Ausgabe des NBh.Der Text von mehr als 50 Handschriften des NBh wurde für den Text des ersten Kapitels und des ersten Teils des zweiten Kapitels des Werks kollationiert und auch unter Verwendung unabhängiger Textzeugen studiert. Die in einem Vorgängerprojekt des FWF aufgestellte stemmatische Hypothese konnte unterstützt durch neue kladistische Analysen mit aus der Phylogenetik übernommenen Instrumenten und aufgrund von Beobachtungen zu formalen Aspekten des Textes in den Handschriften wesentlich verbessert sowie neue Linien horizontaler Überlieferung festgestellt werden. Die mit einer innovativen Methode computergestützter traditioneller Textkritik erstellte kritische Ausgabe des Trisutribhashya, des programmatischen Kommentars zu NS 1.1.13, konnte so revidiert werden und steht nun vor ihrer Veröffentlichung in einer umfangreichen Monographie, die auch eine Publikationsgeschichte des NBh, einen historischen Überblick über alle bekannten Handschriften des Werkes und eingehende Beschreibungen der verwendeten Handschriften bietet, ferner eine Darlegung und argumentative Absicherung der Textgenealogie des NBh sowie eine Darstellung der textkritischen Methode. Die Ausgabe des gesamten ersten Kapitels wird folgen. Eine Anzahl von Aufsätzen konnte mit Bezug auf den nun gut fundierten Text des NBh und unter Verwendung der im Projekt entwickelten Methoden neues Licht auf die Überlieferungsgeschichte des NS und NBh und auf Hauptthemen der Nyaya-Philosophie werfen, auch in ihrer späteren Entwicklung und ihrer Interaktion mit anderen philosophischen Traditionen Südasiens.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 9 Zitationen
- 16 Publikationen
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2012
Titel The Choice of the Best Reading in Jayanta Bhatta's Nyayamanjari. Typ Journal Article Autor Graheli A Journal The Study of Asia between Antiquity and Modernity, ed Elisa Freschi et al. (= Special issue of Rivista degli Studi Orientali) Seiten 107-122 Link Publikation -
2012
Titel The Choice of the Best Reading in Jayanta Bhatta's Nyayamanjari. Typ Journal Article Autor Graheli A Journal The Study of Asia between Antiquity and Modernity, ed Elisa Freschi et al. -
2013
Titel Can we infer unestablished entities? A Madhva contribution to the Indian theory of inference. Typ Book Chapter Autor Puspika: Tracing Ancient India Through Texts And Traditions; Ed Michael Williams -
2013
Titel Can we infer unestablished entities? A Madhva contribution to the Indian theory of inference.; In: Puṣpikā: Tracing Ancient India Through Texts and Traditions Typ Book Chapter Autor Puspika: Tracing Ancient India Through Texts And Traditions; Ed Michael Williams Verlag Oxbow -
2013
Titel The Force of Tatparya: Bhatta Jayanta and Abhinavagupta. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Graheli A Konferenz Abhinavagupta Conference. Seiten 231-261 -
2013
Titel The Force of Tatparya: Bhatta Jayanta and Abhinavagupta. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Graheli A Konferenz Around Abhinavagupta: Aspects of the Intellectual History of Kashmir from the 9th to the 11th Centuries, ed Eli Franco and Isabelle Ratie. (Leipziger Studien zu Kultur und Geschichte Süd- und Zentralasiens/ Proceedings of the Abhinavagupta Conference). -
2013
Titel Logic, Debate and Epistemology in Ancient Indian Medicine and Philosophy - An Investigation (Part I). Typ Book Chapter Autor Dominik Wujastyk -
2013
Titel Logic, Debate and Epistemology in Ancient Indian Medicine and Philosophy - An Investigation (Part I).; In: Medical Texts and Manuscripts in Indian Cultural History. Typ Book Chapter Autor Preisendanz K Verlag Manohar Publishers Link Publikation -
2015
Titel Ehlers, Gerhard: Indische Handschriften Teil 17 DOI 10.1515/olzg-2015-0059 Typ Journal Article Autor Graheli A Journal Orientalistische Literaturzeitung Seiten 164-167 -
2015
Titel History of Transmission of the Nyayamanjari: Critical Edition of the Section on the Sphota (Sitzungsbericht 870 der Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse). Typ Book Chapter Autor Beiträge Zur Kultur- Und Geistesgeschichte Asiens. -
2015
Titel History of Transmission of the Nyāyamañjar. Critical Edition of the Section on the Sphoṭa. Typ Book Autor Beiträge Zur Kultur- Und Geistesgeschichte Asiens. Verlag Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften -
0
DOI 10.1093/oxfordhb/9780199314621.013.33 Typ Book -
0
DOI 10.1093/oxfordhb/9780199314621.013.30 Typ Book -
2012
Titel A Preliminary List and Description of the Nyayamañjari Manuscripts DOI 10.1007/s10781-012-9155-2 Typ Journal Article Autor Graheli A Journal Journal of Indian Philosophy Seiten 317-337 Link Publikation -
2014
Titel Madhva Vedanta at the Turn of the Early Modern Period: Vyasatirtha and the Navya-Naiyayikas DOI 10.1007/s11407-014-9157-7 Typ Journal Article Autor Williams M Journal International Journal of Hindu Studies Seiten 119-152 -
2014
Titel Epistemology of Textual Re-use in the Nyayamañjari DOI 10.1007/s10781-014-9234-7 Typ Journal Article Autor Graheli A Journal Journal of Indian Philosophy Seiten 137-170 Link Publikation