Regesten zur Geschichte der Juden in Ostösterreich 1387-1404
Documents on Jewish History in Eastern Austria 1387-1404
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (85%); Sprach- und Literaturwissenschaften (15%)
Keywords
-
Collection of sources,
Late middle ages (1387-1404),
Jewish history,
Austrian history,
Economic and social history,
Charters
Am Institut für Jüdische Geschichte Österreichs wurde bereits vor einigen Jahren das Unternehmen einer Publikation des Quellenmaterials zur Geschichte der Juden im Mittelalter in Regestenform in Angriff genommen. Österreich besitzt eine bemerkenswert reichhaltige Überlieferung an solchen Quellen, die für eine detaillierte Erforschung der jüdischen Lebensumstände unerlässlich sind. Im Zuge vorangegangener FWF-Projekte wurden die Quellen für das heutige österreichische Bundesgebiet bis zum Jahr 1386 aufgearbeitet. Im Rahmen des beantragten Projekts soll diese Arbeit für die heutigen österreichischen Bundesländer Wien, Nieder- und Oberösterreich sowie Burgenland bis zum Jahr 1404 fortgeführt werden. Nach dem Auswahlkriterium des Judenbezugs werden urkundliche, historiographische und literarische Quellen gesammelt und nach wissenschaftlichen Kriterien aufbereitet, wobei sich unter dem Material zahlreiche unpublizierte oder bislang nicht unter dem Aspekt des Judenbezuges behandelte Texte befinden. Die Sammlungstätigkeit erstreckt sich auf Archive im In- und Ausland sowie die Erfassung des bereits an anderer Stelle publizierten Materials. Die Publikation soll in Form von chronologisch gereihten Regesten geschehen; durch Kommentare, die dem jeweiligen Stück beigegeben sind, sowie durch einen umfassenden Index sollen die Quellentexte auch inhaltlich erschlossen werden. Die im Rahmen dieses Projekts zu erschließenden Quellen decken in der Geschichte der Juden in Ostösterreich einen Zeitraum ab, dessen genauere Erforschung noch ausständig ist und für den die Heranziehung der gesamten Quellenbasis von entscheidender Bedeutung ist. Zwar war die jüdische Bevölkerung zwischen 1387 und 1404 noch weitgehend sicher vor offener Verfolgung, jedoch sah sie sich in wirtschaftlicher Hinsicht obrigkeitlichen Repressalien ausgesetzt, die vor allem auf eine steigende finanzielle Ausbeutung der Juden durch die Herzöge abzielten. Anhand der im Rahmen des Projekts zu bearbeitenden Quellen, unter denen die Geschäftsurkunden den mit Abstand größten Prozentsatz ausmachen, wird sich diese Entwicklung und ihre Auswirkungen auf die jüdische Bevölkerung im Detail nachvollziehen lassen. Dazu werden die Quellen ein genaueres Bild der Judenpolitik der Herzöge Albrecht III., Wilhelm und Albrecht IV. ergeben und Rückschlüsse auf die rechtliche, soziale und wirtschaftliche Situation der ostösterreichischen Juden sowie die Interaktionen zwischen Juden und Christen in diesem Zeitraum erlauben.
Ziel der Reihe "Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter" ist eine umfassende Sammlung des reichhaltigen Quellenmaterials zur mittelalterlichen jüdischen Geschichte Österreichs. Urkundliche, historiographische und literarische Quellen werden nach den Auswahlkriterien des Juden- und Österreichbezugs gesammelt und in Form von chronologisch geordneten Regesten aufbereitet. Zusätzlich werden die Quellentexte durch dem jeweiligen Stück beigegebene Kommentare sowie durch einen umfassenden Index inhaltlich erschlossen. Die Bände 1 bis 3 (von Eveline Brugger und Birgit Wiedl publiziert) sind das Ergebnis vorangegangener FWF-Projekte und decken den Zeitraum vom ersten nachweisbaren Auftreten von Juden auf dem heutigen Bundesgebiet bis zum Jahr 1386 ab. Im Zug des Projekts "Regesten zur Geschichte der Juden in Ostösterreich 1387-1404" wurde diese Arbeit für die heutigen Bundesländer Wien, Ober- und Niederösterreich sowie das Burgenland bis 1404 fortgesetzt. Die Quellenrecherche umfasste Archive im In- und Ausland sowie die Erfassung des bereits an anderer Stelle publizierten Materials. Die im Rahmen dieses Projekts erschlossenen Quellen decken in der Geschichte der Juden in Ostösterreich einen Zeitraum ab, dessen genaue Erforschung noch ausständig ist. Die jüdische Bevölkerung des Herzogtums Österreichs war in dieser Zeit kaum offener Verfolgung oder erpresserischer Ausplünderung (wie sie die österreichischen Herzöge in den 1370er und 1380er Jahren praktiziert hatten) ausgesetzt, wirtschaftliche obrigkeitliche Repressalien waren jedoch gängig. Die Herzöge agierten dabei im etablierten Rahmen der habsburgischen Judenpolitik, die landesfürstlichen Schutz gegen gewaltsame Angriffe mit der finanziellen und politischen Nutzung der herzoglichen jüdischen Untertanen verband. Geschäftsurkunden aus jüdisch-christlicher Interaktion bilden nach wie vor den überwiegenden Teil der Quellen. Der Großteil dieser Urkunden dokumentiert eher bescheidene Kreditgeschäfte, während die Anzahl prominenter, umfangreich quellenmäßig fassbarer jüdischer Financiers im Vergleich zu früheren Jahrzehnten (wohl als Ergebnis des fortgesetzten obrigkeitlichen Drucks auf die jüdische Wirtschaftselite) zurückgeht. Trotzdem belegen die Quellen fortgesetzte jüdische Geschäftstätigkeit und weiterhin bedeutende jüdische Gemeinden wie Wien oder Wiener Neustadt. Die im Rahmen des Projekts erstellte Quellensammlung erlaubt Rückschlüsse auf die rechtliche, soziale und wirtschaftliche Situation der ostösterreichischen Juden sowie Kontakte zwischen Juden und Christen. Sie bildet eine unabdingbare Grundlage für die detaillierte Erforschung der Geschichte der Juden Österreichs im angesprochenen Zeitraum, vor allem in Kombination mit den Ergebnissen des Projekts P 24405-G18 (Regesten zur Geschichte der Juden in Süd- und Westösterreich), die gemeinsam in Band 4 der "Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter" publiziert werden.
- Jörg Müller, Universität Trier - Deutschland
Research Output
- 1 Zitationen
- 9 Publikationen
-
2015
Titel ... hat ein hebraisch zettel dabey. Der Umgang mit jüdisch-christlichen Geschäftsurkunden im spätmittelalterlichen Österreich DOI 10.1515/9783110405750-029 Typ Book Chapter Autor Brugger E Verlag De Gruyter Seiten 421-436 -
2015
Titel Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter. Band 3: 1366-1386. Typ Book Autor Brugger E Verlag StudienVerlag Link Publikation -
2015
Titel Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter. Band 3: 1366-1386. Typ Book Autor Brugger E -
2016
Titel Smoke in the Chapel: Jews and Ecclesiastical Institutions in and around Vienna during the Fourteenth Century DOI 10.1484/m.relmin-eb.5.108439 Typ Book Chapter Autor Brugger E Verlag Brepols Publishers NV Seiten 79-94 Link Publikation -
2014
Titel Urkunden zum jüdischen Kreditgeschäft im mittelalterlichen Österreich; In: Verschriftlichung und Quellenüberlieferung. Beiträge zur Geschichte der Juden und der christlich-jüdischen Beziehungen im spätmittelalterlichen Reich (13./14. Jahrhundert). (= Forschungen zur Geschichte der Juden A 25.) Typ Book Chapter Autor Brugger E Verlag Verlag Hahnsche Buchhandlung Link Publikation -
2014
Titel Urkunden zum jüdischen Kreditgeschäft im mittelalterlichen Österreich. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Brugger E Konferenz Alfred Haverkamp, Jörg R. Müller (Ed.): Verschriftlichung und Quellenüberlieferung. Beiträge zur Geschichte der Juden und der christlich-jüdischen Beziehungen im spätmittelalterlichen Reich (13./14. Jahrhundert). (= Forschungen zur Geschichte der Juden A 25.) -
2013
Titel Between a Rock and a Hard Place: Rulers, Cities, and “their” Jews in Austria during the Persecutions of the Fourteenth Century DOI 10.1163/9789004250444_013 Typ Book Chapter Autor Brugger E Verlag De Gruyter Seiten 189-200 Link Publikation -
2013
Titel Hetschel und wer noch? Anmerkungen zur Geschichte der Juden in Herzogenburg im Mittelalter. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Brugger E Konferenz Günter Katzler, Victoria Zimmerl-Panagl (Ed.): 900 Jahre Stift Herzogenburg. Aufbrüche - Umbrüche - Kontinuität. Tagungsband zum wissenschaftlichen Symposium vom 22.-24. September 2011 (Sonderpublikation des NÖ Instituts für Landeskunde) Seiten 119-137 Link Publikation -
2013
Titel Hetschel und wer noch? Anmerkungen zur Geschichte der Juden in Herzogenburg im Mittelalter. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Brugger E Konferenz Günter Katzler, Victoria Zimmerl-Panagl (Ed.): 900 Jahre Stift Herzogenburg. Aufbrüche - Umbrüche - Kontinuität. Tagungsband zum wissenschaftlichen Symposium vom 22.-24. September 2011 (Sonderpublikation des NÖ Instituts für Landeskunde)