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Regesten zur Geschichte der Juden in S- u. W-Österreich 1387-1404

Documents on Jewish History in S- and W-Austria 1387-1404

Birgit Wiedl (ORCID: 0000-0002-9675-4098)
  • Grant-DOI 10.55776/P24405
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2012
  • Projektende 29.02.2016
  • Bewilligungssumme 217.917 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (85%); Sprach- und Literaturwissenschaften (15%)

Keywords

    Collection of sources, Late middle ages, Jewish history, Austrian history, Economic and social history, Charters

Abstract Endbericht

Für den österreichischen Raum ist eine große Zahl an Quellen zur Geschichte der Juden im Mittelalter überliefert. Aus diesem Grund wurde am Institut für jüdische Geschichte Österreichs eine Publikation dieses umfangreichen Quellenmaterials in Regestenform in Angriff genommen. Im Zuge vorangegangener FWF-Projekte wurden die Quellen zur jüdischen Geschichte für das österreichische Bundesgebiet bis 1386 aufgearbeitet. Im Rahmen des Projekts "Regesten zur Geschichte der Juden in Süd- und Westösterreich 1387-1404" soll diese Arbeit für die heutigen Bundesländer Steiermark (unter Einbeziehung der ehemaligen Untersteiermark), Kärnten, Tirol, Salzburg und Vorarlberg bis zum Jahr 1404 fortgesetzt werden. Nach dem Auswahlkriterium des Judenbezugs werden urkundliche, historiographische und literarische Quellen gesammelt und nach wissenschaftlichen Kriterien aufbereitet, wobei sich unter dem Material zahlreiche unpublizierte oder bislang nicht unter dem Aspekt des Judenbezuges behandelte Texte befinden. Die Sammlungstätigkeit erstreckt sich auf Archive im In- und Ausland sowie die Erfassung des bereits an anderer Stelle publizierten Materials. Die Publikation soll in Form von chronologisch gereihten Regesten geschehen; durch Kommentare, die dem jeweiligen Stück beigegeben sind, sowie durch einen umfassenden Index sollen die Quellentexte auch inhaltlich erschlossen werden. Die Geschichte der Juden in den durch das Projekt abgedeckten Gebieten ist für den angesprochenen Zeitraum im Detail noch weitgehend unerforscht. Dabei ist es für die Erforschung dieses Zeitabschnitts unerlässlich, Studien zur Geschichte der Juden auf dem gesamten Quellenmaterial zu basieren, vor allem auf der derzeit weitgehend unpublizierten Menge der Geschäftsurkunden. Dadurch lassen sich genauere Erkenntnisse über die herrscherliche Judenpolitik (sowohl der Herzöge Albrecht III., Wilhelm und Albrecht IV. als auch der Erzbischöfe von Salzburg sowie zahlreicher "kleinerer" Obrigkeiten vor allem in Kärnten und Vorarlberg) gewinnen, die nicht nur immer mehr auf wirtschaftliche Ausbeutung abzielte, sondern auch durch die erste große durch einen Herrscher initiierte Judenverfolgung (1404 in Salzburg) gekennzeichnet war. Darüber hinaus kann anhand des Materials die rechtliche, soziale und wirtschaftliche Situation der Juden in diesem Zeitraum sowie ihre Interaktion mit dem christlichen Umfeld erforscht werden.

Die Reihe "Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter" bietet eine umfassende Sammlung des reichen Quellenmaterials zur jüdischen Geschichte Österreichs. Urkunden, historiographische und literarische Texte mit Juden- und Österreichbezug werden in Form chronologischer Regesten publiziert; zur detaillierten Erschließung des Materials dienen Kommentare und ein umfangreicher Index. Die Bände 1-3 (Resultate früherer FWF Projekte, publiziert von Eveline Brugger und Birgit Wiedl) decken die Zeit von den Anfängen bis 1386 ab; im Rahmen des Projekts "Regesten zur Geschichte der Juden in Süd- und Westösterreich" wurde diese Arbeit für die heutigen Bundesländer Steiermark (inklusive Untersteiermark/tajerska), Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg bis zum Jahr 1404 fortgesetzt, wobei sowohl Archivrecherchen im In- und Ausland betrieben als auch Materialienälterer Publikationen einbezogen wurden.Aus jüdisch-christlicher Interaktion entstandene Geschäftsurkunden bilden den Großteil des Materials und zeigen einen generellen Rückgang der geschäftlichen Beziehungen von Herrschern und Adel mit jüdischen Geldleihern. Die Gesamtzahl der Geschäftstransaktionen verringerte sich jedoch nicht; während ehemals wichtige jüdische Gemeinden wie Friesach zu regionaler Bedeutung abstiegen, konnten andere diese beibehalten (z. B. Marburg/Maribor) oder steigern (z. B. Graz). Das Quellenmaterial dieses Zeitrahmens liefert zudem erstmals umfangreiche Informationen zu jüdischen Siedlungen in Kleinstädten und Märkten sowie zur Geschäftstätigkeit von Juden aus niedrigeren sozialen Schichten. Die Lebensumstände der Juden Süd- und Westösterreichs wurden von der unterschiedlichen Politik ihre jeweiligen Landesfürsten beeinflusst. Trotz der Aufrechterhaltung des Judenregals wich die Idee des Judenschutzes immer mehr einer finanziellen Ausbeutung und permanenten wirtschaftlichen Bedrückung. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts war es nur zu wenigen, kleinräumigen Gewaltausbrüchen gekommen, die Verfolgung der Salzburger Juden 1404 jedoch ging über lokal begrenzte Pogrome hinaus und stellte die erste durch den Landesfürsten initiierte Judenverfolgung des österreichischen Raumes dar. Zusammen mit den Ergebnissen des Projekts P 24404-G18 (Regesten zur Geschichte der Juden in Ostösterreich), die gemeinsam in Band 4 der "Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter" publiziert werden, bilden die im Rahmen dieses Projekts gesammelten Quellen daher eine unverzichtbare Grundlage für die detaillierte Erforschung der jüdischen Geschichte Österreichs.

Forschungsstätte(n)
  • Institut für jüdische Geschichte Österreichs - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Jörg Müller, Universität Trier - Deutschland

Research Output

  • 7 Zitationen
  • 10 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Chapter 13. The Host on the Doorstep: Perpetrators, Victims, and Bystanders in an Alleged Host Desecration in Fourteenth-Century Austria
    DOI 10.1515/9783110294583.299
    Typ Book Chapter
    Autor Wiedl B
    Verlag De Gruyter
    Seiten 299-346
  • 2014
    Titel Juden in österreichischen seriellen Quellen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts; In: Verschriftlichung und Quellenüberlieferung. Beiträge zur Geschichte der Juden und der christlich-jüdischen Beziehungen im spätmittelalterlichen Reich (13./14. Jahrhundert)
    Typ Book Chapter
    Autor Wiedl B
    Verlag Hahnsche Buchhandlung
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Juden in österreichischen seriellen Quellen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
    Typ Book Chapter
    Autor Alfred Haverkamp Und Jörg R. Müller (Ed.)
  • 2015
    Titel …und kam der jud vor mich ze offens gericht . Juden und (städtische) Gerichtsobrigkeiten im Spätmittelalter
    DOI 10.3726/83024_243
    Typ Journal Article
    Autor Wiedl B
    Journal Mediaevistik
    Seiten 243-268
  • 2015
    Titel Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter. Band 3: 1366-1386.
    Typ Book
    Autor Brugger E
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Do hiezen si der Juden mesner ruefen. Jüdisch-christliche Geschäftsurkunden als Quellen zur Alltagsgeschichte
    DOI 10.1515/9783110405750-030
    Typ Book Chapter
    Autor Wiedl B
    Verlag De Gruyter
    Seiten 437-453
  • 2016
    Titel Sacred Objects in Jewish Hands. Two Case Studies
    DOI 10.1484/m.relmin-eb.5.108438
    Typ Book Chapter
    Autor Wiedl B
    Verlag Brepols Publishers NV
    Seiten 57-77
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Codifying Jews: Jews in Austrian Town Charters of the Thirteenth and Fourteenth Centuries
    DOI 10.1163/9789004250444_014
    Typ Book Chapter
    Autor Wiedl B
    Verlag De Gruyter
    Seiten 201-222
  • 2015
    Titel Der Alltag im Geschäft. Aspekte jüdisch-christlichen Zusammenlebens im Spiegel der mittelalterlichen Geschäftsurkunden.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Wiedl B
    Konferenz Tagungsbericht des 26. Österreichischen Historikertages Krems/Stein, 24. bis 28. September 2012 (= Veröffentlichungen des Verbandes Österreichischer Historiker und Geschichtsvereine 25; Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen Institut für Landeskunde, Sonderband 2015). St. Pölten: Eigenverlag des Niederösterreichischen Instituts für Landeskunde
  • 2015
    Titel Der Alltag im Geschäft. Aspekte jüdisch-christlichen Zusammenlebens im Spiegel der mittelalterlichen Geschäftsurkunden.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Wiedl B
    Konferenz Tagungsbericht des 26. Österreichischen Historikertages Krems/Stein, 24. bis 28. September 2012 (= Veröffentlichungen des Verbandes Österreichischer Historiker und Geschichtsvereine 25; Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen Institut für Landeskunde, Sonderband 2015). St. Pölten: Eigenverlag des Niederösterreichischen Instituts für Landeskunde
    Seiten 570-586
    Link Publikation

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