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Synchronisation und Kommunikation in musikalischen Ensembles

Performing Together:Synchronisation and Communication in Music Ensembles

Werner Goebl (ORCID: 0000-0002-1722-0718)
  • Grant-DOI 10.55776/P24546
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2012
  • Projektende 30.09.2016
  • Bewilligungssumme 351.237 €

Wissenschaftsdisziplinen

Informatik (35%); Kunstwissenschaften (35%); Psychologie (30%)

Keywords

    Synchronization, Music Ensemble Performance, Joint Action, Motion Capture, Computational Modeling, Expressive Timing

Abstract Endbericht

Zu den grundlegenden Eigenarten menschlichen Zusammenlebens gehört die Fähigkeit des Menschen, sich mit anderen Menschen zu koordinieren, mit ihnen zu kommunizieren und seine Gedanken und Handlungen aufeinander abzustimmen. Besonders faszinierend wird diese Fähigkeit im Falle von musikalischem Zusammenspiel. Ein Großteil der Musiken dieser Welt wird ja nicht von einer Person alleine aufgeführt, sondern von mehreren. Vom Vierhändigspiel zweier PianistInnen, über ein Streichquartett, eine Jazz-Combo, bishin zum Symphonieorchester mit Chor und Solisten reichen die unterschiedlichen Möglichkeiten, miteinander zu musizieren. Jede einzelne hat ihre eigene Dynamik im zwischenmenschlichen Zusammenspiel: von einer Demokratie kleiner Ensembles, in der einzelne Musiker zuweilen führen um dann wieder geführt zu werden, bis hin zu mehr "diktatorischen" Systemen, in denen sich Musiker dem Spiel oder den Gesten eines Einzelnen unterzuordnen haben (Solist versus Korrepetitor oder Dirigent versus Orchester). In diesem Projekt wird untersucht, wie Musiker ihr Spiel und ihre Bewegungen zeitlich und ausdruckstechnisch aufeinander abstimmen, welche mentalen und motorischen Mechanismen dabei zum Tragen kommen, über welche sensorischen Kanäle diese Kommunikation läuft, und wie die Lernprozesse und -strategien aussehen, die bei professionellen Ensembleproben ablaufen. Dabei sollen unterschiedliche Aufnahmesysteme zum Einsatz kommen (z.B. optische Motion-Capture-Systeme, Hybrid- Klavier), sowie computer-gestützte Methoden zur Datenauswertung und -modellierung. Die führende Vision ist es, die Synchronizations-Mechanismen und Lernprozesse so genau zu verstehen, dass sie in computationellen Modellen implementiert werden können. Solche Echtzeitsysteme werden dann zu interaktiver Experimentation herangezogen: eine Pianistin musiziert gemeinsam mit einem Computerprogramm, dessen Verhalten durch Änderung von Parametern wie Reaktivität, Solist/Begleiterverhalten, selektive Aufmerksamkeit auf einzelnen Ensemblemitglieder kontrolliert wird. Darüber hinaus werden die kommunikativen Gesten, die MusikerInnen untereinander einsetzen, in ihrer Kinematik untersucht, um in Folge Computern das Verstehen solch gestischer Kommunikation beizubringen. Ergebnisse dieser Forschung könnten nicht nur Einblick gewähren in die fundamentale Dynamik musikalischer Synchronisation, sondern etwa auch im musik-pädagogischen Bereich oder in der Unterhaltungsindustrie angewandt werden. Intelligente Begleitsysteme, die nicht subordonativ reagieren, sondern auch bisweilen führen und auch auf gestischen Input reagieren, neuartige Interaktionssystem für Computer Musik und disloziertes Musizieren, sowie Echtzeit-Visualisierungssysteme könnten reale Anwendungsszenarien dieser Forschung sein.

Zwischenmenschliche Kommunikation und das Koordinieren und Synchronisieren von Handlungen gehören zu sehr grundlegenden menschlichen Fähigkeiten. Menschen verwenden diese in alltäglichen Routinen, wie bei gegenseitigem Händeschütteln, beim Autofahren im Straßenverkehr, bei sportlichen Teamaktivitäten, oder eben beim gemeinsamen Musizieren. Um die eigenen Handlungen mit jenen eines anderen präzise zu koordinieren, muss man die Handlungen des anderen in Relation zu den eigenen antizipieren. Besonders ergiebig lassen sich solche Phänomene in musikalischem Ensemblespiel untersuchen, da die Musizierenden äußerst präzise agieren müssen und die Musik sich sehr dynamisch und in der Zeit flexibel verhält. Dabei ist es besonders schwierig, die nächsten Aktionen (z.B., Töne, Akkorde) des anderen vorherzusagen. In diesem Projekt wurden die koordinierenden und kommunikativen Mechanismen untersucht, die menschlicher Synchronisation in musikalischen Ensembles zugrunde liegen. Dabei wurden Wahrnehmungs- und Aufführungsexperimente mit klassischen und Jazz-Ensembles durchgeführt sowie Computermodellierung von einzelnen Aspekten der Synchronisation angewendet.In einer ersten Serie von Experimenten mit professionellen Musizierenden wurde die Rolle von auditiven und visuellen Modalitäten beim Ensemblespiel untersucht. Obwohl die auditive Komponente (die Musik selbst) die wichtigste für präzise Synchronisation ist, übernimmt nonverbale Kommunikation (visuell) besonders am Beginn eines Stückes oder an mehrdeutigen Stellen (nach Fermaten oder bei Tempoänderungen) eine wichtige Rolle. In solchen Situationen spielt die eigene motorische Expertise bei der Interpretation solcher nonverbaler Signale eine zentrale Rolle. In einer weiteren Serie von Experimenten wurden die kinematischen Eigenschaften von Auftaktgesten untersucht, also jenen Kopf- und Handbewegungen, die am Beginn eines Stückes stattfinden, um ein Stück zum selben Zeitpunkt und im selben Tempo beginnen zu lassen. Dabei fand die Hypothese Bestätigung, dass Maxima in den Beschleunigungstrajektorien von Kopf- und Handbewegungen diesbezüglich essenzielle visuelle Informationen bein- halten.In weiteren Forschungsästen dieses Projekts wurden grundlegende Synchronisationsmechanismen durch computationelle Zeitmodelle, die in ein basales künstliches Begleitsystem implementiert wurden, evaluiert und in ihrer Einsatzfähigkeit in der musikalischen Praxis getestet. Ein weiterer Forschungsast untersuchte vertikale und horizontale Timingaspekte in Jazz-Ensembles und dabei vor allem die Hypothese, dass Hörer wesentlich geringere systematische Asynchronizitäten bevorzugen, als sie von Profimusikern erzeugt werden.

Forschungsstätte(n)
  • ÖFAI - Österreichisches Forschungsinstitut für Artifical Intelligence - 100%

Research Output

  • 344 Zitationen
  • 24 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Finger Forces in Clarinet Playing
    DOI 10.3389/fpsyg.2016.01140
    Typ Journal Article
    Autor Hofmann A
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1140
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Proceedings of the Third Vienna Talk on Music Acoustics.
    Typ Book
    Autor Chatziiouannou V
    Verlag Institute of Music Acoustics, University of Music and Performing Arts Vienna
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Beating time: How ensemble musicians’ cueing gestures communicate beat position and tempo
    DOI 10.1177/0305735617702971
    Typ Journal Article
    Autor Bishop L
    Journal Psychology of Music
    Seiten 84-106
    Link Publikation
  • 2017
    Titel The Tight-interlocked Rhythm Section: Production and Perception of Synchronisation in Jazz Trio Performance
    DOI 10.1080/09298215.2017.1355394
    Typ Journal Article
    Autor Hofmann A
    Journal Journal of New Music Research
    Seiten 329-341
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Communication for coordination: gesture kinematics and conventionality affect synchronization success in piano duos
    DOI 10.1007/s00426-017-0893-3
    Typ Journal Article
    Autor Bishop L
    Journal Psychological Research
    Seiten 1177-1194
    Link Publikation
  • 2016
    Titel There's More to Groove than Bass in Electronic Dance Music: Why Some People Won't Dance to Techno
    DOI 10.21939/8891b05c-3c41-4fc7-8e7d-4861c01652bc
    Typ Other
    Autor Hofmann A
    Link Publikation
  • 2016
    Titel There's More to Groove than Bass in Electronic Dance Music
    DOI 10.21939/groove_electronic_music
    Typ Other
    Autor Hofmann A
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Context-specific effects of musical expertise on audiovisual integration
    DOI 10.3389/fpsyg.2014.01123
    Typ Journal Article
    Autor Bishop L
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1123
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Production and perception of legato, portato, and staccato articulation in saxophone playing
    DOI 10.3389/fpsyg.2014.00690
    Typ Journal Article
    Autor Hofmann A
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 690
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Empirically assessing rhythmic entrainment: a re-analysis of Ohriner's Listener-Performance Synchronicity in Recorded Performances of Chopin's Mazurkas.
    Typ Journal Article
    Autor Goebl W
  • 2016
    Titel There’s More to Groove than Bass in Electronic Dance Music: Why Some People Won’t Dance to Techno
    DOI 10.1371/journal.pone.0163938
    Typ Journal Article
    Autor Wesolowski B
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2015
    Titel When they listen and when they watch: Pianists’ use of nonverbal audio and visual cues during duet performance
    DOI 10.1177/1029864915570355
    Typ Journal Article
    Autor Bishop L
    Journal Musicae Scientiae
    Seiten 84-110
    Link Publikation
  • 2015
    Titel TappingFriend - An interactive science exhibit for experiencing synchronicity with real and artificial partners.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Goebl W
    Konferenz A. Mayer, V. Chatziioannou, & W. Goebl (Eds.), Proceedings of the 3rd Vienna Talk on Music Acoustics
  • 2013
    Titel Proceedings of the International Symposium on Performance Science 2013 ("Performing Together").
    Typ Book
    Autor Goebl W
    editors Williamon A, Goebl W
    Verlag Association Européenne des Conservatoires
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Temporal Control and Hand Movement Efficiency in Skilled Music Performance
    DOI 10.1371/journal.pone.0050901
    Typ Journal Article
    Autor Goebl W
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Motion analysis of music Ensembles with the Kinect.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Goebl W Et Al
    Konferenz International Conference on New Interfaces for Musical Expression (NIME); Daejeon, Korea: Advanced Institute of Science and Technology, KAIST.
  • 2014
    Titel Perception of touch quality in piano tonesa)
    DOI 10.1121/1.4896461
    Typ Journal Article
    Autor Goebl W
    Journal The Journal of the Acoustical Society of America
    Seiten 2839-2850
  • 2014
    Titel Quantitative methods: Motion analysis, audio analysis, and continuous response techniques.; In: Expressiveness in Music Performance - Empirical Approaches Across Styles and Cultures
    Typ Book Chapter
    Autor D. Fabian
    Verlag Oxford University Press
  • 2014
    Titel Quantitative methods: Motion analysis, audio analysis, and continuous response techniques.
    Typ Book Chapter
    Autor D. Fabian
  • 2014
    Titel Translation in Performance Science.
    Typ Book Chapter
  • 2014
    Titel Empirically Assessing Rhythmic Entrainment: A Re-analysis of Ohriner’s “Listener-Performance Synchronicity in Recorded Performances of Chopin’s Mazurkas”
    DOI 10.18061/emr.v9i2.4485
    Typ Journal Article
    Autor Goebl W
    Journal Empirical Musicology Review
    Seiten 133-140
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Movement and Touch in Piano Performance
    DOI 10.1007/978-3-319-14418-4_109
    Typ Book Chapter
    Autor Goebl W
    Verlag Springer Nature
    Seiten 1821-1838
  • 0
    Titel Proceedings of the Third Vienna Talk on Music Acoustics.
    Typ Other
    Autor Goebl W Et Al
  • 0
    Titel Proceedings of the International Symposium on Performance Science 2013 ("Performing Together").
    Typ Other
    Autor Goebl W

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