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Ägyptens südliche Grenze im 6.-11. Jahrhundert nach Chr.

Egypt´s southern border in the 6th-11th century AD

Pamela Rose (ORCID: 0000-0002-9787-0584)
  • Grant-DOI 10.55776/P24589
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2012
  • Projektende 31.08.2016
  • Bewilligungssumme 280.660 €

Wissenschaftsdisziplinen

Bauwesen (30%); Geschichte, Archäologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)

Keywords

    Archaeology, 3D-scanning, Papyrology, Egypt, Frontiers, Nubia

Abstract Endbericht

Dieses Projekt möchte anhand der Fallstudie der Festungen in Hisn el Bab die Struktur und Organisation der Grenze zwischen Ägypten und Nubien in der Spätantike und im frühen Mittelalter untersuchen. Diese Festungen liegen südlich von Assuan in unmittelbarer Nähe zur antiken Grenze. Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen mit Hilfe der Analyse von zeitgleichen griechischen und arabischen Textquellen in einen historischen Zusammenhang gestellt werden. Unsere Kenntnis der ägyptisch-nubischen Grenze und der Grenzbeziehungen vom 5. bis zum 11. Jahrhundert nach Christus stammt fast gänzlich von Textquellen. Bis jetzt gab es wenig Gelegenheit, Materialuntersuchungen zu unternehmen, der Grund war einerseits, dass ein grosses Gebiet nach dem Bau des Assuan-Damms überschwemmt worden war, andererseits, dass es wenig Forschungsinteresse an diesem Thema gab. Die gut erhaltenen Relikte in Hisn el-Bab bieten eine ideale Gelegenheit, um diese Lücke aufzufüllen. Zwei übereinander gebaute Festungen konnten von Frau Dr. Pamela Rose 2007 identifiziert werden. Die jüngere scheint in Zusammenhang mit einer Reihe von befestigten Anlagen in Unternubien zu stehen, deren nördlichster Vertreter Hisn el Bab zu sein scheint. Die ältere Festung, die ins 6. - 7. Jahrhundert nach Christuts datiert, bleibt rätselhaft, sie ist entweder byzantinisch oder nubisch. Aufgrund der Grösse und Höhe der beiden Festungen ( das Areal ist ca. 2,5 Hektar groß, c. 200 x 240 m, die erhaltenen Teile der festungen bis zu 8 m hoch) muß moderne Technologie zur Untersuchung angewandt werden. Die generelle Bauaufnahme und Detailaufnahme, insbesondere der Tore, Türme und Mauerschnitte, erfolgt mit Hilfe von 3D- Scannen. Die Analyse dieser Scans wird Aufschluss über die militärische Installationen der Festungen und wichtige Informationen zum Vergleich mit ähnlichen Anlagen geben. Gezielte archäologische Untersuchungen sollen die Anlagen datieren und die Analyse des archäologischen Materials kulturell einbetten. Der zweite Teil des Projektes beinhaltet die Untersuchung der griechischen und arabischen papyrologischen Quellen, vor allem jener, die besonders für den Raum Assuan von Interesse sind. Von besonderer Relevanz werden Dokumente sein, die sich auf die militärische Organisation des Grenzgebiets und auf den grenzüberschreitenden Handel beziehen.

Das Ziel des Projektes war die Untersuchung von grenzüberschreitenden Beziehungen zwischen Ägypten und Nubien vom Blickpunkt des Fundplatzes Hisn al-Bab. Dieser liegt an der antiken Grenze zwischen Ägypten und seinem südlichen Nachbarn Nubien und besteht aus einer Reihe von Befestigungen aus spätrömischer Zeit bis ins frühe Mittelalter. Die Untersuchungen erfolgten in Form von archäologischen Grabungen, Dokumentation und Analyse der Architektur (TUW) und Studium von sich auf dieses Gebiet beziehenden Textquellen.. Die detaillierte Studie erlaubt es uns, die Natur dieser Besiedelung und ihren Wandel im Laufe der Zeit zu definieren und gleichfalls die kulturelle Zugehörigkeit der Bewohner anhand der materiellen Kultur zu verstehen. Darüber hinaus wurden die Beziehungen zu benachbarten Gruppen hinsichtlich der Art des Kontaktes (entweder friedlich im Rahmen von Handel oder in Form von Konflikten), sowie vergleichbare Fundplätze und deren Relikte in Oberägypten und Nubien selbst untersucht und Vergleiche mit historischen Aufzeichnungen unternommen. Die Ergebnisse zeigten die wechselnde Kontrolle über das Grenzgebiet. Der ursprünglich in spätrömischer Zeit als kleiner römisch-ägyptischer angelegte Außenposten, der eine Grenzregion überwachte, in der wenig regelmäßige nubische Aktivitität stattfand, wurde im späteren 6. Jahrhundert von einer nubischen Siedlung überlagert, die diesen Grenzposten wiederverwendete und ausbaute. Die Siedlung weist innerhalb der materiellen Kultur, vor allem innerhalb der Keramik, eine Mischung aus ägyptischen und nubischen Elementen auf, die sich aber an einem nubischen Bezugssystem ausrichtet. Ob diese Ausdehnung der nubischen Präsenz zur Grenze hin von den Herrschern Ägyptens als feindlich angesehen oder geduldet wurde, bleibt unklar. Allerdings war diese Besiedlung von Hisn al-Bab nur kurzlebig und wurde gewaltsam beendet. Einem kurzen Ausbruch von Aktivität innerhalb der Festung durch byzantinische Truppen nach dem Ende der persischen Okkupation Ägyptens im früheren 7. Jahrhundert folgte eine längere Periode, während der Fundpatz aufgelassen war.. Mit dem 9. Jahrhundert wird an derselben Stelle eine neue Festung errichtet, deren Bauweise eine längerfristige Nutzung vermuten lässt. Diese Festung, historisch als al-Qasr belegt, war ein politisch wichtiger nubischer Grenzposten, aber die spärlich erhaltene materielle Kultur, die bisher vorgefunden worden war, erwies sich als hauptsächlich ägyptisch. Dies stellt ein Rätsel dar, das weiterer Untersuchungen bedarf. Das Projekt stellt eine wichtige Fallstudie zum Verstehen von Abläufen in Grenzregionen dar und erweitert unser Verständnis zu ägyptisch/nubischen Grenzregionen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 76%
  • Technische Universität Wien - 7%
  • Universität Wien - 17%
Nationale Projektbeteiligte
  • Marina Döring-Williams, Technische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
  • Bernhard Palme, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Cornelius Von Pilgrim, Swiss Institute for Architectural and Archaeological Research on Ancient Egypt - Ägypten

Research Output

  • 9 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel Across the Mediterranean - Along the Nile, 2 Volume Set: Studies in Egyptology, Nubiology and Late Antiquity Dedicated to Laszlo Toeroek on the Occasion of His 75th Birthday
    Typ Book
    Autor Bacs Dr Tamas
    Verlag Archaeolingua
  • 2018
    Titel A case of a death in the fortress Hisn al-Bab, on the first cataract of the Nile
    DOI 10.1002/oa.2651
    Typ Journal Article
    Autor Scheelen-Novácek K
    Journal International Journal of Osteoarchaeology
    Seiten 264-273
  • 2018
    Titel Im Kampf gefallen - ein besonderer Skeletfund aus der spätantiken Festung Hisn al-Bab (Provinz Assuan) am ersten Nilkatarakt
    Typ Book
    Autor Novacek J
    editors Flohr S, Morgenstern P
    Verlag Beier & Beran
  • 2018
    Titel Archery Equipment from Hisn al-Bab, Aswan (Egypt)
    Typ Journal Article
    Autor Rose Pj
    Journal Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien
    Seiten 355-372
  • 2021
    Titel Nubian textile features: wool fragments from Hisn al-Bab and a tunic from Fag el-Gamus, Egypt
    Typ Journal Article
    Autor Kwaspen A
    Journal Archaeological Textiles Review
    Seiten 24-34
  • 2020
    Titel An exceptional way to join two textiles: A textile fragment from Hisn al-Bab, Egypt
    Typ Journal Article
    Autor Kwaspen A
    Journal Archaeological Textiles Review
    Seiten 3-6
  • 2015
    Titel Architectural Conservation at Hisn al-Bab in Aswan.
    Typ Journal Article
    Autor Rose Pj
    Journal Bulletin of the American Research Center in Egypt (Winter 2015/2016)
  • 2014
    Titel Hisn al-Bab. A new project for the Austrian Archaeological Institute/Cairo branch.
    Typ Journal Article
    Autor Rose P
    Journal JOeAI (Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien - Wien)
  • 2013
    Titel Hisn al-Bab: more symbol than substance.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Gascoigne A
    Konferenz F. Jesse - C. Vogel (eds) The Power of Walls. Fortifications in Ancient Northeastern Africa. Proceedings of the International Workshop held at the University of Cologne 4th-7th August 2011. Heinrich-Barth-Institut.

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