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Mechanismen der Kooperation: Empathie und Reaktion auf ungleiche Behandlung

Proximate Mechanisms of Canine Cooperation: Prosocial attitudes and inequity aversion

Friederike Range (ORCID: 0000-0003-3127-5536)
  • Grant-DOI 10.55776/P24840
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2013
  • Projektende 28.02.2017
  • Bewilligungssumme 349.366 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (80%); Psychologie (20%)

Keywords

    Proscial attitudes, Inequity aversion, Emotions, Canines, Domestication, Evolution

Abstract Endbericht

Soziale Caniden sind bekannt für ihre Kooperation bei der Aufzucht ihrer Jungen, beim Jagen und bei der Verteidigung ihres Reviers (Wölfe) und in Interaktionen mit Menschen (Hunde). Weiterhin sind die miteinander verwandten Wölfe und Hunde an sehr unterschiedliche Lebensbedingungen angepasst: Während Wölfe in Familiengruppen leben und miteinander kooperieren - ähnlich wie frühe menschliche Jäger-/Sammler-Gruppen, sind Hunde domestiziert und leben als Familienmitglied in unserer modernen Gesellschaft. Diese Aspekte machen Wölfe und Hunde zu einem idealen Modellsystem, um die evolutionären Ursprünge und die funktionale Relevanz von Kooperation zu untersuchen. Außerdem ermöglicht der Vergleich zwischen Hund und Wolf eine Untersuchung verschiedener Hypothesen der Domestikation. Im Vergleich zu Primaten ist bei Caniden gerade über die mechanistischen Grundlagen von Kooperation sehr wenig bekannt. Für dieses Projekt schlage ich daher mehrere Experimente mit handaufgezogenen Wölfen (N = 17- 20) und gleichermaßen aufgezogenen Hunden (N=17-20) vor, die sich mit den kognitiven Prozessen befassen, die beim Menschen mit starken Emotionen verbunden sind und maßgeblich bei der Entscheidung zur Kooperation bzw. bei der Aufrechterhaltung einer Kooperation beteiligt sind. Während beim Menschen so Empathie und Toleranz eine positive Auswirkung auf die Entscheidung zur Kooperation zu scheinen haben, wirken sich Reaktionen gegen ungleiche Behandlung und Intoleranz dagegen eher negativ auf die Entscheidung zur Kooperation aus. Im diesem Projekt werden wir bei Wölfen und Hunden testen ob und inwiefern die Tiere prosoziale Tendenzen zeigen und wie sie auf ungleiche Behandlung reagieren, einerseits mit ihresgleichen, andererseits mit Menschen als Partner. Die Experimente werden mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad durchgeführt, um die kognitiven und emotionalen Grenzen bei Wölfen und Hunden zu erforschen. Zusätzlich werden wir untersuchen, wie die Qualität der Beziehungen zwischen den Tieren ihr Verhalten beeinflusst. Das Projekt ist eine Weiterführung meines momentanen Projektes (FWF P21244), in dem wir die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten bei Wölfen und Hunden untersuchen. Alle Studien werden an dem von der Antragstellerin mitgegründeten Wolfsforschungs-Zentrum durchgeführt, wo Wölfe und Hunde gleich aufgezogen und gehalten werden. Dadurch haben die Vergleichsgruppen ähnliche Erfahrungen und etwaige Differenzen zwischen Hunden und Wölfen im Verhalten oder in den kognitiven Fähigkeiten können auf genetische Unterschiede zurückgeführt werden.

Das aktuelle Forschungsprojekt untersuchte zwei Aspekte, die angeblich Kooperation beeinflussen: Prosoziale Einstellungen und Empfindlichkeit gegenüber Ungleichbehandlung. Während eine großzügige/prosoziale Haltung die Zusammenarbeit fördert, wirkt sich die Wahrnehmung einer Ungleichbehandlung durch den Kooperationspartner möglicherweise negativ auf eine zukünftige Zusammenarbeit aus. Wir haben diese beiden Themen bei Haushunden untersucht, die als Art aufgrund ihrer langen Kooperationsgeschichte mit Menschen als etwas Besonderes angesehen wird. In Bezug auf prosoziale Verhaltensweisen fanden wir in einer Reihe von Experimenten heraus, dass Hunde ein Tablett heranziehen, um Nahrung für einen Partner Hund zur Verfügung zu stellen, der im selben Haushalt lebt aber nicht für einen Hund, den sie gerade erst getroffen haben. Die Hunde zeigen daher prosozial gegenüber einem vertrauten Hundepartner, aber sie neigen auch dazu, kein prosoziales Verhalten gegenüber fremden Hunden zu zeigen. In der nächsten Reihe von Tests fanden wir, dass sich die Hunde überraschender Weise nicht prosozial zeigten, wenn sie mit der Möglichkeit konfrontiert waren, ihrem Besitzer über das selbe Tablett Nahrung zur Verfügung zu stellen. Hunde waren auch nicht prosozial gegenüber fremden Personen. Es ist nicht klar, warum Hunde sich nicht prosozial gegenüber ihren Besitzer verhielten, aber möglicherweise ist die Bereitstellung von Nahrung an Menschen eine zu seltsame Situation für Hunde, die ja eigentlich die andere Richtung gewöhnt sind. Daher müssen weitere Studien durchgeführt werden, um zu testen, ob Hunde auf andere Weise prosozial gegenüber ihrem Besitzer sein können. Hinsichtlich der Wahrnehmung der Ungerechtigkeit haben wir festgestellt, dass, wenn zwei Hunde die gleiche Aufgabe erfüllen, aber nur einer der beiden belohnt wird, sich der benachteiligte Partner verärgert zeigt und aufhört zu arbeiten. Diese Wahrnehmung ungleich behandelt zu werden, beeinflusst auch die späteren Interaktionen. Der ungleich behandelte Partner hat nach der ungleichen Behandlung in der Testsituation weniger Nahrung mit seinem Partner geteilt und sich auch von ihm und dem Experimentator, der für die ungleiche Nahrungsmittelverteilung verantwortlich war, ferngehalten. Die reduzierte Tendenz, Nahrung zu teilen und die Meidung des Partners zeigen, wie ungleiche Behandlung die spätere Zusammenarbeit beeinflussen kann. Zusammenfassend zeigen diese Ergebnisse, dass Hunde prosoziale Verhaltensweisen gegenüber ihren Hundepartnern zeigen können und dass sie empfindlich und potenziell negativ auf die ungleiche Nahrungsverteilung reagieren, wenn sie dieselben Aufgaben durchführen. Diese Studien erlauben uns, die Psychologie der Hunde besser zu verstehen und potenziell sowohl die ethischen Entscheidungen über ihr Wohlgehen als auch die angewandten Aspekte in Bezug auf unsere Beziehung zu Hunden zu beeinflussen.

Forschungsstätte(n)
  • Veterinärmedizinische Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Sarah Marshall-Pescini, Veterinärmedizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Simona Cafazzo, University of Parma - Italien
  • Simon Gadbois, Dalhousie University - Kanada
  • Adam Miklosi, Eötvös Loránd University - Ungarn
  • Jeffrey Stevens, University of Nebraska at Lincoln - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Daniel Mills, University of Lincoln - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 762 Zitationen
  • 21 Publikationen
Publikationen
  • 2024
    Titel Personality traits in companion dogs - Results from the VIDOPET.
    DOI 10.7892/boris.125156
    Typ Journal Article
    Autor Turcsán
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Investigating Empathy-Like Responding to Conspecifics’ Distress in Pet Dogs
    DOI 10.1371/journal.pone.0152920
    Typ Journal Article
    Autor Quervel-Chaumette M
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Dogs Do Not Show Pro-social Preferences towards Humans
    DOI 10.3389/fpsyg.2016.01416
    Typ Journal Article
    Autor Quervel-Chaumette M
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1416
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Critical issues in experimental studies of prosociality in non-human species
    DOI 10.1007/s10071-016-0973-6
    Typ Journal Article
    Autor Marshall-Pescini S
    Journal Animal Cognition
    Seiten 679-705
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Investigating the Function of Play Bows in Dog and Wolf Puppies (Canis lupus familiaris, Canis lupus occidentalis)
    DOI 10.1371/journal.pone.0168570
    Typ Journal Article
    Autor Byosiere S
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Inequity Aversion Negatively Affects Tolerance and Contact-Seeking Behaviours towards Partner and Experimenter
    DOI 10.1371/journal.pone.0153799
    Typ Journal Article
    Autor Brucks D
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Aging effects on discrimination learning, logical reasoning and memory in pet dogs
    DOI 10.1007/s11357-015-9866-x
    Typ Journal Article
    Autor Wallis L
    Journal AGE
    Seiten 6
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Familiarity affects other-regarding preferences in pet dogs
    DOI 10.1038/srep18102
    Typ Journal Article
    Autor Quervel-Chaumette M
    Journal Scientific Reports
    Seiten 18102
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Is a local sample internationally representative? Reproducibility of four cognitive tests in family dogs across testing sites and breeds
    DOI 10.1007/s10071-017-1133-3
    Typ Journal Article
    Autor Szabó D
    Journal Animal Cognition
    Seiten 1019-1033
  • 2017
    Titel Dogs’ reaction to inequity is affected by inhibitory control
    DOI 10.1038/s41598-017-16087-w
    Typ Journal Article
    Autor Brucks D
    Journal Scientific Reports
    Seiten 15802
    Link Publikation
  • 2017
    Titel What Are the Ingredients for an Inequity Paradigm? Manipulating the Experimenter's Involvement in an Inequity Task with Dogs
    DOI 10.3389/fpsyg.2017.00270
    Typ Journal Article
    Autor Brucks D
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 270
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Reward type and behavioural patterns predict dogs’ success in a delay of gratification paradigm
    DOI 10.1038/srep42459
    Typ Journal Article
    Autor Brucks D
    Journal Scientific Reports
    Seiten 42459
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Measures of Dogs' Inhibitory Control Abilities Do Not Correlate across Tasks
    DOI 10.3389/fpsyg.2017.00849
    Typ Journal Article
    Autor Brucks D
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 849
    Link Publikation
  • 2016
    Titel A comparison between wolves, Canis lupus, and dogs, Canis familiaris, in showing behaviour towards humans
    DOI 10.5167/uzh-134993
    Typ Other
    Autor Heberlein
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Personality traits in companion dogs—Results from the VIDOPET
    DOI 10.1371/journal.pone.0195448
    Typ Journal Article
    Autor Turcsán B
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Inequity aversion in dogs: a review
    DOI 10.3758/s13420-018-0338-x
    Typ Journal Article
    Autor Mcgetrick J
    Journal Learning & Behavior
    Seiten 479-500
    Link Publikation
  • 2019
    Titel A Shared Food Source Is Not Necessary to Elicit Inequity Aversion in Dogs
    DOI 10.3389/fpsyg.2019.00413
    Typ Journal Article
    Autor Mcgetrick J
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 413
    Link Publikation
  • 2016
    Titel A comparison between wolves, Canis lupus, and dogs, Canis familiaris, in showing behaviour towards humans
    DOI 10.1016/j.anbehav.2016.09.023
    Typ Journal Article
    Autor Heberlein M
    Journal Animal Behaviour
    Seiten 59-66
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Task Differences and Prosociality; Investigating Pet Dogs’ Prosocial Preferences in a Token Choice Paradigm
    DOI 10.1371/journal.pone.0167750
    Typ Journal Article
    Autor Dale R
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The Effect of Domestication on Inhibitory Control: Wolves and Dogs Compared
    DOI 10.1371/journal.pone.0118469
    Typ Journal Article
    Autor Marshall-Pescini S
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Training for eye contact modulates gaze following in dogs
    DOI 10.1016/j.anbehav.2015.04.020
    Typ Journal Article
    Autor Wallis L
    Journal Animal Behaviour
    Seiten 27-35
    Link Publikation

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