Wirtschaftsbeziehungen zwischen Puniern und Griechen
Economic interactions between Punic and Greek settlements
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (70%); Informatik (5%)
Keywords
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Economic interactions,
Punic southern Central Mediterranean,
Provenance Studies,
Transport amphorae,
Archaeometry,
Open access publication
Zweifelsohne haben bewaffnete Konflikte das Verhältnis zwischen den phönizisch-punischen und den griechischen Städten Siziliens entscheidend beeinflusst, doch die archäologischen Hinweise für aktiven Handel und vielschichtige, wirtschaftliche Beziehungen zwischen den mächtigen Städten dieser Region nehmen ständig zu. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich das Projekt auf die Herkunftsbestimmung phönizisch-punischer und westgriechischer Amphoren von Fundplätzen in Nordafrika, auf Malta und Pantelleria und in Westsizilien mittels "fabric study" von ca. 830 Keramikproben und archäometrischen Analysen. Da die antiken schriftlichen Quellen hinsichtlich des Handels im zentralen Mittelmeerraum unter punischem Einfluß nur unzureichend Auskunft geben, stellt die Herkunftsbestimmung insbesondere von Transportamphoren ein geeignetes Mittel dar, um auf Fragen zu Wirtschaftsbeziehungen und der Mobilität von Bevölkerungsgruppen einzugehen. Die systematische on-line Veröffentlichung der wichtigsten phönizisch-punischen "fabrics" des zentralen Mittelmeerraumes stellt eine innovative Methode dar, Forschungsergebnisse zu publizieren. Einer breiten, wissenschaftlichen Community wird somit die Möglichkeit gegeben, diese Fabrikate in wichtigen Verbrauchszentren in Nordafrika, Sardinien, Süditalien und insbesondere in Sizilien zu identifizieren. Zweitens sollen die Projektergebnisse einige Arbeitshypothesen des Projektleiters zu Wirtschaftsbeziehungen zwischen phönizisch-punischen Städten des zentralen Mittelmeerraumes und westgriechischen Kolonien bestätigen. Der ausgewählte zeitliche Rahmen vom späten 7.-späten 4. Jh. entspricht der historischen Periode der komplexen Beziehungen zwischen den autonomen, westgriechischen und phönizisch-punischen Emporia, bevor Rom mit seinen kampanischen Verbündeten die Szene des internationalen Seehandels betritt. Besonderes Augenmerk wird auf die Interpretation der Verbreitungsmuster der identifizierten Produktionen speziell der wichtigen sizilischen emporia Mothia, Solunto und Palermo, sowie von Karthago gelegt. Drittens wird das Projekt die weinproduzierenden Zentren im ionisch-adriatischen Raum und in Kalabrien, später auch in Lukanien, präzisieren, deren Produkte sich in punischen Konsumzentren des zentralen Mittelmeerraumes so häufig wiederfinden. Tatsächlich scheint der starke Einfluss dieser griechischen Weine - und ihres Gebrauchs im Rahmen des Symposions - noch immer unterschätzt. Die drei wichtigsten Forschungsschwerpunkte sind: 1. die Bestimmung lokaler "fabrics" wichtiger phönizisch-punischer Produktionszentren insbesondere Westsiziliens ("fabric Studium" und Archäometrie) und Karthagos (Archäometrie), 2. die Präzisierung der chrono-typologischen Entwicklung insbesondere der Amphorenproduktionen von Karthago, Motya und Palermo/Solunto mittels der Untersuchung von ca. 240 Ganzformen aus den Nekropolen von Himera, 3. die Ausdehnung des Verbreitungsraumes bereits identifizierter westgriechischer und phönizisch-punischer "fabrics" an ausgewählten, phönizisch-punischen Konsumzentren.
Das Forschungsziel dieses Projektes waren Handelsbeziehungen zwischen punischen und griechischen Städten im südlichen Mittelmeerraum mit Hilfe der Analyse von Transportamphoren, also tönerner Behältern zum Vertrieb von landwirtschaftlichen Produkten. In der Tat stellt die Herkunftsbestimmung von Amphoren aus archäologischen Grabungen eine der sichersten Methoden zur Erforschung von Wirtschaftsbeziehungen und Handelsstrategien in der Antike dar. Ca. 1470 Keramikproben von Amphoren wurden unter dem Mikroskop und an Hand von Digitalphotos betrachtet und, wenn möglich, mit bereits bestimmten und in FACEM (www.facem.at) veröffentlichten Keramikproduktionen verglichen. Diese archäologische Herangehensweise wurde mit petrographischen und chemischen Analysen von ca. 235 Proben kombiniert. Der Hauptschwerpunkt des Projektes lag auf der Erforschung der punischen Amphorenproduktionen Westsiziliens. Dabei wurden erstmals die Serien von Panormos, Lilybaion und Selinus vorgestellt und die Unterscheidungsmerkmale der Serien aus Solus und Motya verfeinert. Auf Grundlage der Untersuchung von ca. 500 punisch-sizilischen Amphoren des späten 7.-2. Jh. v. Chr. wurde eine zeitübergreifende Betrachtung der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Klasse im regionalen und überregionalen Kontext angestellt: Auf Motyas Vormachtstellung während des 7. und Teilen des 6. Jh. v. Chr. folgte ein bemerkenswerter Anstieg der Produktionen von Panormos und Solus, der seinen Höhepunkt im späten 4. und während der ersten Hälfte des 3. Jh. v. Chr. hatte. In der Tat sind die frühhellenistischen Transportgefäße aus dieser Gegend, die vermutlich Fischprodukte enthielten, nicht nur an vielen Orten Westsizilien weit verbreiten, sondern finden sich auch entlang der Küsten des süd-tyrrhenischen Italien wieder. Weitere Untersuchungen von ca. 180 westgriechischen und graeco-italischen Amphoren aus dem ionisch- adriatischen Bereich, aus Südkalabrien und Lukanien haben zudem gezeigt, dass die kapillare Verbreitung der punischen Amphoren aus Nordwestsizilien im Tyrrhenischen Raum mit dem zeitgleichen Anstieg von Importen eben aus Lukanien in Sizilien korrespondiert. Die Provenienzstudien von Amphoren haben daher die Rekonstruktion einer wichtigen Verkehrsachse zwischen den Gegenden um Poseidonia/Elea und Panormos/Solus während des 4. und frühen 3. Jh. v. Chr. erlaubt. Der zweite Projektschwerpunkt lag auf der Veröffentlichung eines der größten Ensembles phönizisch-punischer Amphoren des gesamten Mittelmeerraumes, die in Kinderbestattungen in den Nekropolen des griechischen Himeras, in unmittelbarer Nachbarschaft der punischen Städte Solus und Panormos, wiederverwendet wurden. Auch in diesem Falle haben wir uns der Herkunftsanalyse nach der oben beschriebenen Methode bedient. Die Bestimmung von ca. 280 Amphoren des späten 7.-späten 5. Jh. v. Chr. erbrachte ein ganz neues und detailliertes Bild von Himeras Handelsbeziehungen mit den Puniern: in der Hauptsache mit den benachbarten Städten in Westsizilien selber (Solus, Motya und in etwas geringerem Ausmaß auch Panormos), aber auch mit Karthago und verschiedenen, noch nicht identifizierten Siedlungen in Andalusien und im westlichen und zentral-westlichen Sardinien.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 6 Zitationen
- 32 Publikationen
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2018
Titel Scavi archeologici in Piazza Bologni (2011). Contesti e materiali Typ Journal Article Autor Aleo Nero C. Journal Notiziario Archeologico Soprintendenza Palermo no. 34 -
2018
Titel Campanian wine for Punic Sicily: Petrographic and archaeological studies of Graeco-Italic amphorae from Palermo Typ Journal Article Autor Bechtold B Journal Mediterranean Archaeology and Archaeometry 18,2 Seiten 11-33 -
2018
Titel Rapporti commerciali fra la Tunisia e l'Italia centro-tirrenica fra IV e III sec. a.C.: gli apporti della cultura materiale ceramica Typ Journal Article Autor Bechtold B Journal Cartagine. Studi e Ricerche 3 Seiten 1-28 -
2018
Titel Rapporti commerciali fra la Sicilia occidentale e l'Italia centro-tirrenica fra IV-III sec. a.C.: i dati della cultura materiale Typ Journal Article Autor Bechtold B Journal HEROM. Journal on Hellenistic and Roman Material Culture 7.1-2, 25-61 -
2018
Titel Le anfore puniche dalle necropoli di Himera (seconda metà del VII - fine del V sec. a.C.) Typ Book Autor Bechtold B -
2017
Titel Rapporti commerciali fra la Tunisia e l'Italia centro-tirrenica fra IV e III sec. a.C.: gli apporti della cultura materiale ceramica DOI 10.13125/caster/3087 Typ Journal Article Autor Bechtold B Journal Cartagine. Studi e Ricerche Link Publikation