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Personale Bildungsprozesse in heterogenen Gruppen II: Langzeitstudie

Personal learning and development in diverse communities II: Longitudinal Study

Michael Schratz (ORCID: 0000-0001-7784-4410)
  • Grant-DOI 10.55776/P25373
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2013
  • Projektende 31.03.2016
  • Bewilligungssumme 297.701 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Erziehungswissenschaften (100%)

Keywords

    Longitudinal Study, Vignette Research, Personal Learning As Experience, Diversity, Phenomenological Orientation, Inclusion

Abstract Endbericht

Dieser Folgeantrag auf Forschungsförderung, angesiedelt im gleichen sozio- und bildungspolitischen Kontext wie das vom FWF geförderte Projekt "Personale Bildungsprozesse in heterogenen Gruppen" (P 22230 G-17), auf dessen Vorarbeiten und Ergebnissen (vgl. Annex_Follow.pdf) er aufbaut, nützt die einmalige Chance für die Erweiterung der Forschungstätigkeit in eine Langzeitstudie. Damit wird den Empfehlungen der Gutachten gefolgt, welche die Überführung des Forschungsvorhabens in eine Langzeitstudie schon bei der Erstbeantragung angeregt haben. Das Schuljahr 2012/2013 ist zeitlich die letzte Gelegenheit, Daten zu den gelebten Lern- und Schulerfahrungen jener 48 Schülerinnen und Schüler der 24 Neuen Mittelschulen (NMS) eines aktuellen österreichischen Schulreformprojekts zu erheben, bevor diese Schulen in das Regelschulwesen überführt werden. Im Sinne des zentralen Forschungsanliegens dieses Folgeantrages, das ungenützte Potential schulischer Lernerfahrungen von Schülerinnen und Schülern in adäquater Weise empirisch fassbar und für Innovationsimpulse im Bereich von Unterrichts- und Schulentwicklung, die LehrerInnenbildung und Systementwicklung verfügbar zu machen, ermöglicht eine weitere Forschungsförderung nicht nur den bereits erhobenen Datensatz um prägnante Erzählungen schulischer Erfahrungsmomente in medias res (Vignetten) der jetzt 14-jährigen im Übergang zur Sekundarstufe II oder in Lehre und Beruf zu erweitern, sondern wesentliche Einsichten in den Verlauf von Bildungsprozessen zu gewinnen. Zentrale Forschungsfragen sind daher: Inwiefern haben die schulischen Lernerfahrungen der Schülerinnen und Schüler im Laufe ihrer Mittelschulzeit zu gelingenden bzw. misslingenden Bildungsprozessen beigetragen? Welche bildenden Erfahrungen zeigen sich in erinnerten prägenden schulischen Ereignissen? Was sind angemessene Forschungszugänge diese zu erfassen? Damit steht das neu zusammengesetzte bzw. erweiterte Forschungsteam vor der zentralen Herausforderung, weitere adäquate Forschungsinstrumente aus dem bereits erfolgreich erprobten Methodenrepertoire zu entwickeln, die geeignet sind, den Verlauf schulischer Lernerfahrungen im Rahmen mehrjähriger Bildungsprozesse empirisch angemessen zu erfassen. In forschungsmethodologischer Hinsicht erprobt und erforscht das Folgeprojekt zudem zwei grundsätzliche Fragestellungen: einerseits das Dilemma, wahrgenommene gelebte Erfahrung in Sprache übersetzen zu müssen und sie damit bereits zu transformieren, und andererseits die Frage, inwiefern die phänomenologische Forschungsorientierung, die im Folgeantrag stärker ausgeprägt ist, geeignet ist, schulische Machtverhältnisse empirisch angemessen zu untersuchen. Das Folgeprojekt Personale Bildungsprozesse in heterogenen Gruppen II: Langzeitstudie ist im aktuellen Diversitäts- und Inklusionsdiskurs verankert, anders als das erste Projekt, das stärker im mittlerweile als problematisch rezipierten Heterogenitätsdiskurs verortet war. Damit wird aktuellen sozio- und bildungspolitischen Herausforderungen Rechnung getragen, welche die österreichische Bildungslandschaft entscheidend prägen. Die pädagogische Orientierung des lerntheoretischen Ansatzes ist wie die phänomenologische Forschungsorientierung auch im Folgeantrag leitend. Damit will dieses Forschungsvorhaben, die Einsichten darin, wie und als was Schülerinnen und Schüler schulische Ansprüche tatsächlich erfahren und was ihnen am Ort Schule widerfährt, für Innovationsimpulse in der Unterrichts- und Schulentwicklung sowie der Bildungspolitik fruchtbar zu machen.

Von 2009 bis 2016 untersuchten zwei Teams von jeweils 12 Forscherinnen und Forschern der Universität Innsbruck an 24 Neuen Mittelschulen Österreichs, wie und als was sich die Bildungs- und Lernerfahrungen von Schülerinnen und Schülern zeigten, die sie während ihrer vierjährigen Schulzeit an Neuen Mittelschulen machten. Die im Schuljahr 2008/09 zunächst als Versuch gegründete NMS setzt als zentrales Innovationsmerkmal auf heterogene Lerngruppen, mit dem Ziel, den Schülerinnen und Schülern die Chance zu ermöglichen, individuelle Begabungen und Kompetenzen zu entfalten. Dadurch sollen bessere Lernergebnisse und als Resultat höhere Bildungsbeteiligung ermöglicht werden. Im Kontext Schule vollzieht sich Lernen im Spannungsfeld lehr- und lernseitiger Orientierung. Doch was vollzieht sich grundsätzlich lernseits von Unterricht? Bildungsprozesse verlaufen im Spannungsfeld von Autonomie und Heteronomie, das hat die Follow-up Studie Personale Bildungsprozesse in heterogenen Gruppen II: Langzeitstudie anhand der erforschten Befunde gezeigt.Diese Erkenntnis mag marginal erscheinen, jedoch ist sie bedeutend für die pädagogische Praxis der Gegenwart. Für den gesellschaftlichen Kontext von Demokratie sind die Bildungsideale wie Autonomie und Mündigkeit leitend für die Gestaltung und Umsetzung von Unterrichtspraxis, jedoch zeigte sich Autonomie darin nicht nur als ein Ideal, sondern in ihrer Verwechslung mit einem Merkmal faktischer Existenz. Individualisierte Unterrichtspraktiken, in denen die Autonomie des Lernenden vorausgesetzt und angenommen wird, sind hierfür ein Beispiel. Hingegen spiegeln die erforschten Bildungserfahrungen der Schülerinnen und Schüler Phänomene von Sozialität, das heißt der Lernende steuert seinen Lernprozess nicht autonom, sondern dieser steht in einer sozialen Abhängigkeit zu Anderen, seien es Mitschüler, Lehrer oder auch Eltern. Anstelle der Reflexion dieses Spannungsverhältnisses von Autonomie und Heteronomie, dominieren gegenwärtig individualisierte Lehr- und Unterrichtsformen die Praxis des Lehrens in Schule und Unterricht. Alternativ gehen die erzielten Forschungsergebnisse in das Konzept personalisierten Unterrichts ein, wonach sich Lernenden Unterricht als ein Möglichkeitsraum eröffnen soll, in dem sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen können, worauf lehrseits so respondiert wird, dass sich den Schülerinnen und Schülern neues (Welt-)Wissen erschließt.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Malte Brinkmann, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg - Deutschland
  • Käte Meyer-Drawe, Ruhr-Universität Bochum - Deutschland
  • Jan Bengtsson, University of Gothenburg - Schweden
  • Norm Friesen, Boise State University - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Lester Embree, Florida Atlantic University - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Carol Ann Tomlinson, University of Virginia - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 19 Zitationen
  • 11 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Lernen im Spannungsfeld von Finden und Erfinden. Zur schöpferischen Genese von Sinn im Vollzug der Erfahrung.
    Typ Book
    Autor Agostini E
  • 2015
    Titel ‚Sich bewegen‘ und ‚sich einlassen‘ im Lernprozess
    DOI 10.1007/978-3-658-06618-5_10
    Typ Book Chapter
    Autor Eckart E
    Verlag Springer Nature
    Seiten 181-197
  • 2014
    Titel Beyond the Reach of Teaching and Measurement: Methodology and Initial Findings of the Innsbruck Vignette Research
    DOI 10.7764/pel.51.1.2014.10
    Typ Journal Article
    Autor Schratz M
    Journal Pensamiento Educativo: Revista de Investigación Educacional Latinoamericana
    Seiten 1-5
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Más allá de la enseñanza y la medición: la metodología y las primeras conclusiones de la investigación con viñetas de la Universidad de Innsbruck
    DOI 10.7764/pel.51.1.2014.22
    Typ Journal Article
    Autor Schratz M
    Journal Pensamiento Educativo: Revista de Investigación Educacional Latinoamericana
    Seiten 1-5
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Hospitieren - Beobachten - Miterfahren. Die Forschungshaltung in der Innsbrucker Vignettenforschung.
    Typ Journal Article
    Autor Schratz M
    Journal journal für lehrerinnenbildung
  • 2014
    Titel Die Innsbrucker Vignettenforschung in interdisziplinärer Verlesung.
    Typ Book Chapter
    Autor R. Girmes
  • 2014
    Titel Lernen, das in Anspruch nimmt, aber wie? Von wirksamen Aufgaben zu wirkmächtigen Lernenden.
    Typ Book Chapter
    Autor P. Blumschein (Hg.)
  • 2013
    Titel Was sich zeigt und wie. Lernseits offenen Unterrichts
    DOI 10.3224/zisu.v2i1.17407
    Typ Journal Article
    Autor Schwarz J
    Journal Zeitschrift für interpretative Schul- und Unterrichtsforschung
    Seiten 9-20
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Looking at two sides of the same coin: phenomenologically oriented vignette research and its implications for teaching and learning
    DOI 10.5817/sp2013-4-4
    Typ Journal Article
    Autor Schratz M
    Journal Studia paedagogica
    Seiten 57-73
    Link Publikation
  • 2013
    Titel (Wie) Ist die Kluft zwischen Lehren und Lernen überbrückbar?
    Typ Book Chapter
    Autor D. Kofler
  • 2015
    Titel Differenzierung - ein amodernes Konzept? Vom "Lehrseits" zum "Lernseits".
    Typ Journal Article
    Autor Eckart E
    Journal Zeitschrift Erwägen Wissen Ethik

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