Bioakustik von Amazonasfischen
Bioacoustics of Amazonian Fishes
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
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Catfishes,
Piranhas,
Noise,
Hearing,
Sound Production,
Amazon
Fische haben eine unter den Wirbeltieren einzigartige Vielfalt an Mechanismen zur Lautbildung und zur Verbesserung ihrer Hörfähigkeiten hervorgebracht. Die weltweit größte Artenfülle an Süßwasserfischen findet man in den Gewässern des Amazonassystems, und die überwältigende Mehrheit dieser Amazonasfische zählt zur Gruppe der Otophysi, welche die Schwimmblase über eine Kette von Knöchelchen mit dem Innenohr gekoppelt und auf diese Weise ihre Hörfähigkeiten enorm gesteigert haben. Amazoniens Fische sind auch nicht stumm, so sind z.B. unzählige Welse und etwa 80 Arten von Sägesalmlern imstande, Laute zu produzieren und akustisch zu kommunizieren. Unser Wissen in der Fisch-Bioakustik ist allerdings noch sehr beschränkt, ganz besonders trifft das auf die zahllosen Arten aus tropischen Süßgewässern zu. Viele Fragen zu Hören, Lautkommunikation, zur Evolution der unterschiedlichen Hörfähigkeiten und zum Einfluss von natürlichem oder durch menschliche Aktivitäten verursachten Lärm auf Fische sind noch ungeklärt. In Kooperation mit Wissenschaftlern aus Brasilien und Belgien plane ich bioakustische Studien an zahlreichen Welsen aus den Familien der Antennenwelse, Dornwelse, Falschen Dornwelse, Harnröhrenwelse, Panzer- und Schwielenwelse, Walwelse, sowie an einer systematisch noch nicht exakt eingeordneten Gruppe mit Vertretern, die im Grundwasser und sogar an Land leben, und an mehreren Arten von Sägesalmlern, sowohl fleischfressenden Piranhas als auch pflanzenfressenden Pacus. Basis für unsere Feldstudien wird das Forschungsinstitut INPA in Manaus nahe dem Zusammenfluss von Amazonas und Rio Negro sein. Wir werden Fischlaute im natürlichen Biotop und im Aquarium aufnehmen, den natürlichen Ha-bitatslärm in den unterschiedlichen Lebensräumen, und ebenso Schiffslärm, der von in diesen Gewässern typischen Booten verursacht wird, von kleinen motorisierten Kanus bis zu Ozeandampfern. Das Hörvermögen der Fische wird im Labor unter den unterschiedlichen Lärmbedingungen gemessen, um die Auswirkungen von Lärm auf die Schallwahrnehmung aufzuzeigen. Des Weiteren werden wir exakte anatomische Untersuchungen an den der Lautbildung dienenden oder das Hören unterstützenden Strukturen durchführen und mit einigen Arten, z.B. Harnröhrenwelsen, Verhaltensversuche machen, um Geräusche als möglichen Faktor bei der Beutefindung zu testen. Ziel unserer Forschungen ist es einerseits, Grundlagendaten über Hörvermögen, Lautcharakteristika und die dabei integrierten anatomischen Strukturen von bisher nicht untersuchten Welsen und Sägesalmlern zu erhalten, sowie von den akustischen Bedingungen in den zahlreichen, sehr unterschiedlichen aquatischen Biotopen um Manaus. Andererseits wollen wir evolutive und ethologische Fragen beantworten, z.B., ob unterschiedliche Ernährungsweisen bei Sägesalmlern mit unterschiedlichen Hörfähigkeiten einhergehen, ob die Lärmbedingungen im natürlichen Biotop das Hörvermögen der Bewohner beeinflussen, oder, ob und wie artspezifische Laute von den Artgenossen wahrgenommen werden. Nicht zuletzt werden unsere Untersuchungen die ersten sein, die den Einfluss von vom Menschen verursachten Lärm auf Fische des Amazonasgebietes aufzeigen. Veränderungen der akustischen Bedingungen in Gewässern, hervorgerufen z.B. durch Veränderungen der Flussregime oder Schifffahrt, haben Auswirkungen auf die Bewohner aquatischer Biotope. Das ist ein heute noch kaum berücksichtigter Faktor, der in Zukunft auch bei Umwelt- und Artenschutzbemühungen in Amazonien bedacht werden sollte.
- Universität Wien - 100%