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Ein genomweiter Ansatz zur Evaluierung der genetischen Basis von lipoprotein(a)

A genome-wide approach to evaluate the genetic basis of lipoprotein(a)

Claudia Lamina (ORCID: 0000-0002-5398-5806)
  • Grant-DOI 10.55776/P26660
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.2014
  • Projektende 31.01.2019
  • Bewilligungssumme 296.552 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (45%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (55%)

Keywords

    Lipoprotein(A), Gene-Environment Interaction, Apo(A) Isoforms, Genome-Wide Association

Abstract Endbericht

Lipoprotein(a) [Lp(a)] ist ein Lipoprotein, bestehend aus einem LDL-ähnlichen Partikel und dem Glykoprotein Apolipoprotein(a) [apo(a)]. Es wird v.a. durch die Länge der Apo(a) Isoformen charakterisiert, die durch eine Copy-Number Variation im LPA Gen (Kringle IV repeat) exprimiert wird. Ca. 90% der Lp(a)-Konzentrationen werden genetisch determiniert, davon ein überwiegender Anteil durch den Kringle IV Repeat Polymorphismus oder durch SNPs im LPA Gen-Cluster. Bisherige genomweite Studien fanden signifikant assoziierte SNPs in eben diesem Gencluster. Diese Studien waren allerdings limitiert durch niedrige Fallzahlen, fehlende Replikationsstudien oder durch Einschränkung auf spezifische Untergruppen. SNP-Assoziationen mit Lp(a) könnten allerdings allein durch eine Korrelation mit Apo(a) Isoformen bedingt sein. Messungen dieser Isoformen sind sehr aufwendig und zeitintensiv. Deshalb beruhen Studien, die diese Korrelationsstruktur bisher untersucht haben, auf kleinen Fallzahlen und sind dadurch schwer generalisierbar. In diesem Projekt soll die genetische Regulation von Lp(a) durch einen genomweiten Ansatz untersucht werden. Es stehen genomweite Daten von sieben Studien zur Verfügung (n~21500). Replikationen sind in drei weiteren Studien (n~4400) geplant. Für alle Proben sind Apo(a) Isoform Messungen vorhanden bzw. geplant, für die in der genomweiten Analyse adjustiert werden kann. Durch diese Adjustierung wird die Power deutlich erhöht, weitere SNPs auch in anderen Genregionen zu finden, deren Assoziation nicht durch die Korrelation mit den Apo(a) Isoformen bedingt ist. In einer vorläufigen Metaanalyse in drei Studien (KORA F3, KORA F4 und FamHS, n=7900) fiel v.a. ein SNP in der LPA Genregion auf, der unabhängig von den Apo(a) Isoformen signifikant mit Lp(a) assoziiert war und immerhin noch 4% der Lp(a) Varianz erklärt. Bei diesem SNP zeigte sich außerdem, dass der Effekt für kurze Isoformen stärker ausgeprägt war als für lange, was auf eine mögliche SNP-Isoform- Interaktion hinweist. Die Untersuchung der Korrelationsstruktur innerhalb der LPA Genregion, mögliche Gen-Gen und Gen-Umwelt-Interaktionen sind weitere wichtige Ziele dieses Projektes. Weiterhin ist geplant, die replizierten SNPs in der Copenhagen City Heart Study auch auf klinische Endpunkte, wie Myokardinfarkt, zu validieren. Lp(a) konnte in vielen Studien als unabhängiger, kausaler Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen gezeigt werden. Das vorgeschlagene Projekt würde es uns ermöglichen, die bisher ausführlichste Untersuchung zu genetischen Grundlagen der Lp(a) Regulation durchzuführen. Die wichtigste Erwartung für dieses Projekt liegt in der Identifizierung von weiteren Genen, die einen Einfluss auf die Produktion, den Metabolismus und den Abbau von Lp(a) haben. Dies könnte neue Türen für therapeutische Interventionsstrategien dieses hoch-atherogenen Lipoproteins eröffnen.

Lipoprotein(a) (Lp(a)) ist ein unabhängiger, kausaler Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Lp(a) wird zu einem großen Teil durch genetische Varianten im LPA Gen- Cluster reguliert. Ein großer Teil davon macht wiederum die repetitive K-IV-2 Region aus, die für Apolipoprotein(a) (Apo(a)) Isoformen kodiert. Zwischen der geschätzten Vererbbarkeit und der Variabilität, die tatsächlich bekannte genetische Varianten erklären können, klaffte allerdings noch eine deutliche Lücke. Um diese Lücke zu füllen, wurde in diesem Projekt die bisher größte genomweite Studie (GWAS) zu Lp(a) durchgeführt, basierend auf Daten von 5 populationsbasierten Studien mit mehr als 13,000 Studienteilnehmern. Da bei allen Studienteilnehmern neben Lp(a) auch die Apo(a) Isoformen gemessen wurden, war es möglich, speziell diejenigen Varianten zu identifizieren, die zu Lp(a)-Werten führen, die nicht durch die Apo(a) Isoformen erklärt werden können. Insgesamt konnten 48 Single-Nukleotid- Polymorphismen (SNPs) im LPA Gencluster und ein SNP im APOE Gen identifiziert werden. 30 weitere SNPs waren unabhängig von den Apo(a) Isoformen mit Lp(a) assoziiert. Es stellte sich heraus, dass einer dieser SNPs als Marker den Effekt einer bis dahin unbekannten, aber trotzdem häufigen Spleiß-Mutation in der repetitiven K-IV-2-Region anzeigte. Diese repetitive Region ist mit üblichen Sequenziermechanismen nicht zugänglich. Daher sind Varianten in dieser Region, die immerhin 70% der LPA kodierenden Region ausmacht, kaum beschrieben. Um die komplette Variabilität von LPA zu untersuchen, wurde ein Sequenzierverfahren für diese schwer zugängliche Genregion entwickelt. Über 100 genetische Varianten konnten neu beschrieben werden. Es konnte gezeigt werden dass die erwähnte Spleiß-Mutation 20% der Lp(a) Variabilität in Personen mit kleinen Apo(a) Isoformen erklärt und damit deren Risiko für koronare Herzerkrankungen (KHK) senkt. Insgesamt konnten wir einen direkt proportionalen Zusammenhang zwischen den Effekten der identifizierten SNPs auf Lp(a) und dem Risiko für KHK zeigen. Ein vorher unbekannter, da eher seltener SNP, der in unserer Studie den größten Effekt auf Lp(a) aufwies, ging mit einer ca. 70-prozentigen Erhöhung des KHK Risikos einher. Darüber hinaus konnten wir mit den statistischen Methoden der Mendelian Randomization- Analyse abschätzen, um wie weit Lp(a) gesenkt werden müsste, um einen relevanten Effekt auf die Risikoreduktion kardiovaskulärer Erkrankungen zu erzielen. Um genauso effektiv zu sein wie die Senkung von LDL-Cholesterin mit Statinen müsste Lp(a) um ca. 65 mg/dL gesenkt werden. Für die Planung zukünftiger Studien zu Lp(a)-senkenden Medikationen hat eine solche Abschätzung wichtige Implikationen.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Innsbruck - 100%

Research Output

  • 641 Zitationen
  • 12 Publikationen
Publikationen
  • 2017
    Titel A novel but frequent variant in LPA KIV-2 is associated with a pronounced Lp(a) and cardiovascular risk reduction
    DOI 10.1093/eurheartj/ehx174
    Typ Journal Article
    Autor Coassin S
    Journal European Heart Journal
    Seiten 1823-1831
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Estimation of the Required Lipoprotein(a)-Lowering Therapeutic Effect Size for Reduction in Coronary Heart Disease Outcomes
    DOI 10.1001/jamacardio.2019.1041
    Typ Journal Article
    Autor Lamina C
    Journal JAMA Cardiology
    Seiten 575-579
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Genetic Factors Explain a Major Fraction of the 50% Lower Lipoprotein(a) Concentrations in Finns
    DOI 10.1161/atvbaha.118.310865
    Typ Journal Article
    Autor Erhart G
    Journal Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology
    Seiten 1230-1241
    Link Publikation
  • 2018
    Titel The Aquilegia genome: adaptive radiation and an extraordinarily polymorphic chromosome with a unique history
    DOI 10.1101/264101
    Typ Preprint
    Autor Filiault D
    Seiten 264101
    Link Publikation
  • 2016
    Titel A genome-wide association meta-analysis on apolipoprotein A-IV concentrations
    DOI 10.1093/hmg/ddw211
    Typ Journal Article
    Autor Lamina C
    Journal Human Molecular Genetics
    Seiten 3635-3646
    Link Publikation
  • 2014
    Titel A Systematic Evaluation of Short Tandem Repeats in Lipid Candidate Genes: Riding on the SNP-Wave
    DOI 10.1371/journal.pone.0102113
    Typ Journal Article
    Autor Lamina C
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Is High-Density Lipoprotein Cholesterol Causally Related to Kidney Function?
    DOI 10.1161/atvbaha.116.308393
    Typ Journal Article
    Autor Coassin S
    Journal Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology
    Seiten 2252-2258
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Can secondary contact following range expansion be distinguished from barriers to gene flow?
    DOI 10.1101/043398
    Typ Preprint
    Autor Bertl J
    Seiten 043398
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Lipoprotein (a) concentrations, apolipoprotein (a) phenotypes, and peripheral arterial disease in three independent cohorts
    DOI 10.1093/cvr/cvu107
    Typ Journal Article
    Autor Laschkolnig A
    Journal Cardiovascular Research
    Seiten 28-36
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Evaluating the Causal Relation of ApoA-IV with Disease-Related Traits - A Bidirectional Two-sample Mendelian Randomization Study
    DOI 10.1038/s41598-017-07213-9
    Typ Journal Article
    Autor Mack S
    Journal Scientific Reports
    Seiten 8734
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Plant genetic effects on microbial hubs impact fitness across field trials
    DOI 10.1101/181198
    Typ Preprint
    Autor Brachi B
    Seiten 181198
    Link Publikation
  • 2017
    Titel A genome-wide association meta-analysis on lipoprotein (a) concentrations adjusted for apolipoprotein (a) isoforms[S]
    DOI 10.1194/jlr.m076232
    Typ Journal Article
    Autor Mack S
    Journal Journal of Lipid Research
    Seiten 1834-1844
    Link Publikation

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