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Franz Brentanos deskriptive Psychologie

The descriptive psychology of Franz Brentano

Guillaume Frechette (ORCID: 0000-0002-7413-3290)
  • Grant-DOI 10.55776/P27215
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2015
  • Projektende 31.01.2019
  • Bewilligungssumme 347.845 €

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Keywords

    Descriptive Psychology, Intentionality, Perception, Consciousness, Phenomenology

Abstract Endbericht

Dieses Projekt schlägt eine Rekonstruktion von Franz Brentanos (18381917) Forschungsprogramm zur deskriptiven Psychologie (DPRP) vor. Dieses Programm wurde in Brentanos drei Wiener Vorlesungen zur deskriptiven Psychologie ausformuliert: I: Deskriptive Psychologie (1887/88), II: Deskriptive Psychologie oder beschreibende Phänomenologie (1888/89) und III: Psychognosie (1890/91). Trotz der anscheinend marginalen Behandlung der deskriptiven Psychologie manchmal auch Psychognosie, Phänomenognosie, oder Phänomenologie genannt in seinen Schriften, hatte Brentano eine klare und detaillierte Konzeption dieser Disziplin, die sich mit dem Inhalt unserer psychischen Phänomene beschäftigt. Ziel des Projektes ist es, zu zeigen, dass diese deskriptive Psychologie von ihm nicht als prima philosophia, oder als System der Philosophie, aufgebaut wurde, sondern als ein Forschungsprogramm, das im Wettstreit mit anderen Forschungsprogrammen der Psychologie stand (z.B. Wundts physiologische Psychologie und Fechners Psychophysik). Dieses Projekt will auch zeigen, dass DPRP ein strukturierendes Element innerhalb der Schule Brentanos gewesen ist, und dies insbesondere in Bezug auf Husserl, Meinong und Stumpf. Diese Schüler sind oft als Abtrünnige von der eher orthodox gesinnten Prager Richtung der Schule Brentanos bezeichnet worden. Diese Prager Richtung, von Marty geführt, tendierte dazu, einige von Brentanos Ideen als Lehren anzusehen. Eine Untersuchung von Husserls und Stumpfs Phänomenologien sowie von Meinongs Gegenstandstheorie aus der Perspektive von DPRP wird zeigen, dass diese Schüler einen authentischen Beitrag zu DPRP lieferten, trotz ihrer Ablehnung der sogenannten Lehren. Der dritte Teil des Projekts beschäftigt sich mit der Relevanz von DPRP im Zusammenhang mit neueren gegenwärtigen Forschungsprogrammen in der Philosophie des Geistes. Untersucht wird ihre Bedeutung und ihren Beitrag dazu. Das Forschungsprojekt beinhaltet auch einen editorischen Teil. Die Transkription und Herausgabe der drei Wiener Vorlesungen wird unternommen. Eine Veröffentlichung dieser Ausgabe, sowohl im Original als auch in einer Englischen Übersetzung, ist auch Teil des Projekts.

Das Vorhaben dieses Projektes bestand darin, eines der einflussreichsten und zugleich unterschätzten Forschungsprogramme in der Philosophie des Geistes um die Jahrhundertwende die deskriptive Psychologie Franz Brentanos systematisch und historisch zu rekonstruieren. Brentanos Forschungsprogramm hatte eine analytische Untersuchung zur Struktur und Inhalt unserer mentalen Akte zum Ziel, welche den subjektiven (empirischen) Standpunkt einnimmt und die Natur und Struktur der verschiedenen psychischen und physischen Phänomene studiert, z.B. Bewusstsein, Empfindungen, Zeitbewusstsein, räumliche Wahrnehmung sowie deren Beziehungen zu Ideenassoziationen, Habitus und Motivationen. Eines der Hauptanliegen dieses Projektes bestand darin, Brentanos Forschungsprogramm zugänglich zu machen. Da dieses hauptsächlich in seinen Vorlesungen entwickelt worden ist, sind diese Vorlesungen die Hauptquelle seines Einflusses auf seine Studenten in der Entwicklung ihrer eigenen Ansätze in deskriptiver Psychologie und in der Philosophie des Geistes. Leider wurden Brentanos Vorlesungsmanuskripte nie vollständig veröffentlicht. Eines der Ziele dieses Projektes war es also, eine vollständige Edition sowie eine englische Übersetzung von Brentanos Vorlesungen zur deskriptiven Psychologie herauszugeben, zusammen mit einer Reihe von Veröffentlichungen durch die Projektmitarbeiter, die das neu herausgegebene Material analysiert und bewertet haben. Dadurch wurden neue Debatte über die Natur und die Rolle der deskriptiven Psychologie angestoßen, und dies nicht nur in Bezug auf Brentanos Philosophie, sondern auch in der gegenwärtigen Philosophie. Ein weiteres Anliegen des Projekts bestand darin, die enge Beziehung zwischen Brentanos Programm und einigen Strömungen innerhalb der gegenwärtigen Philosophie des Geistes zu betonen insbesondere solchen, die im Rahmen der Analyse des Mentalen die Unreduzierbarkeit der Perspektive der ersten Person vertreten. Auch hier haben die Projektmitarbeiter zu einem besseren Verständnis dieser Beziehung beigetragen. Zum Einen dadurch, dass sie diese Thematik in mehreren Veröffentlichungen diskutiert haben; zum Anderen auch durch die Organisation mehrerer internationalen Tagungen und Workshops in Salzburg, wo sowohl die Vertreter der analytischen Philosophie des Geistes als auch der Brentanos Philosophie in Verbindung kamen und debattieren konnten. Die Abschlusstagung des Projekts war in dieser Hinsicht ein Erfolg und die Ergebnisse werden im nächsten Jahr in einer Special Issue einer wichtigen philosophischen Zeitschrift veröffentlicht.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

Research Output

  • 55 Zitationen
  • 15 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel The Origins of Phenomenology in Austro-German Philosophy
    DOI 10.1002/9781119210054.ch16
    Typ Book Chapter
    Autor Fréchette G
    Verlag Wiley
    Seiten 418-453
  • 2018
    Titel Husserl’s Early Theory of Intentionality as a Relational Theory
    DOI 10.1163/18756735-000042
    Typ Journal Article
    Autor Marchesi A
    Journal Grazer Philosophische Studien
    Seiten 1-25
  • 2017
    Titel Brentano et la France
    DOI 10.3917/rphi.174.0459
    Typ Journal Article
    Autor Fisette D
    Journal Revue philosophique de la France et de l'étranger
    Seiten 459-470
  • 2017
    Titel Austro-German Transcendent Objects before Husserl
    DOI 10.1515/9783110531480-003
    Typ Book Chapter
    Autor Taieb H
    Verlag De Gruyter
    Seiten 41-62
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Marty on Abstraction
    DOI 10.1515/9783110531480-008
    Typ Book Chapter
    Autor Fréchette G
    Verlag De Gruyter
    Seiten 169-194
  • 2017
    Titel Intentionality and Reference: A Brentanian Distinction
    DOI 10.1093/monist/onw022
    Typ Journal Article
    Autor Taieb H
    Journal The Monist
    Seiten 120-132
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Der Ausgangsgegenstand der Psychologie. Bühler und die Schule Brentanos
    DOI 10.1007/978-3-319-58083-8_4
    Typ Book Chapter
    Autor Fréchette G
    Verlag Springer Nature
    Seiten 99-115
  • 2016
    Titel Two Phenomenological Accounts of Intuition
    DOI 10.1515/9783110450651-009
    Typ Book Chapter
    Autor Fréchette G
    Verlag De Gruyter
    Seiten 129-142
  • 2015
    Titel Le moment normatif dans la philosophie austro-allemande
    DOI 10.7202/1034747ar
    Typ Journal Article
    Autor Fréchette G
    Journal Philosophiques
    Seiten 375-384
  • 2016
    Titel Brentano on Sensory Intentionality
    DOI 10.24894/stph-en.2016.75004
    Typ Journal Article
    Autor Fréchette G
    Journal Schweizerische Zeitschrift für Philosophie
    Link Publikation
  • 2018
    Titel La place des catégories dans l’ontologie de Brentano
    DOI 10.3917/leph.183.0435
    Typ Journal Article
    Autor Taieb H
    Journal Les Études philosophiques
    Seiten 435-446
  • 2018
    Titel Building Objective Thoughts: Stumpf, Twardowski and the Late Husserl on Psychic Products
    DOI 10.1515/agph-2018-3004
    Typ Journal Article
    Autor Taieb H
    Journal Archiv für Geschichte der Philosophie
    Seiten 336-370
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Relational Intentionality: Brentano and the Aristotelian Tradition
    DOI 10.1007/978-3-319-98887-0
    Typ Book
    Autor Taieb H
    Verlag Springer Nature
  • 2017
    Titel Introduction : Nature, rôle et importance des intuitions
    DOI 10.7202/1040324ar
    Typ Journal Article
    Autor Fréchette G
    Journal Philosophiques
    Seiten 5-10
    Link Publikation
  • 2017
    Titel L’intuition est-elle une attitude propositionnelle ?
    DOI 10.7202/1040325ar
    Typ Journal Article
    Autor Fréchette G
    Journal Philosophiques
    Seiten 11-30
    Link Publikation

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