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Wohlbefinden und Gesundheit von MedizinerInnen

Well-being and health of medical students and practitioners

Stefan Höfer (ORCID: 0000-0002-6128-3687)
  • Grant-DOI 10.55776/P27228
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2014
  • Projektende 30.11.2018
  • Bewilligungssumme 310.494 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Klinische Medizin (10%); Psychologie (90%)

Keywords

    Well-Being, Health, Medical Students, Positive Psychology, Work- And Organizational Psychology, Medical Curriculum

Abstract Endbericht

Es liegen empirische Befunde vor, die zeigen, dass Ärztinnen und Ärzte in besonderem Maße mit hohen Arbeitsbelastungen sowie einem erhöhten Risiko für negative Beanspruchungsfolgen wie z.B. Burnout konfrontiert sind. Vor dem Hintergrund von Konzepten der Positiven Psychologie und der Arbeits- und Organisationspsychologie verfolgt das Projekt folgende Ziele: In einer Quer- und Längsschnittstudie an Studierenden der Medizin (Studienanfänger und Studierende im Klinisch Praktischen Jahr) sowie Turnusärztinnen und -ärzten in Tirol sollen sowohl dispositionale Faktoren (z.B. Charakterstärken) als auch situationale Faktoren (z.B. Arbeitsbedingungen) identifiziert werden, die das subjektive und psychologische Wohlbefinden und die Gesundheit in dieser Zielgruppe fördern können. Einblicke über persönliche Entwicklungen im Rahmen des Medizinstudiums werden gewonnen und ob bzw. wie individuelle (z.B. Einsatz von Signaturstärken) und situative Faktoren (z.B. Arbeitsanforderungen, Zeit) Wohlbefinden und Gesundheit fördern. Des weiteren werden die Rollen von Arbeitsaufgaben-Charakteristika, Arbeitsanforderungen, Stressoren, Arbeitsressourcen und organisationalem Klima im Gesundheitssystem analysiert, um effektiv Charakterstärken und Tugenden von MedizinstudentInnen und JungärztInnen aktivieren zu können und deren Arbeitsengagement und Wohlbefinden zu steigern. Strategien zur Förderung von Wohlbefinden und Gesundheit werden aus den Studienergebnissen abgeleitet und sollen in weiterer Folge im Curriculum implementiert werden. Die empirischen Befunde bilden die Grundlage für die Entwicklung von praxistauglichen Instrumenten zur Studien- und Berufsberatung sowie zur gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung im Krankenhaus. Wenn dieses Wissen in der Ausbildung als auch danach in der Arbeitssituation gefördert wird, kann dies das Wohlbefinden und die Gesundheit derzeit Studierender und später praktizierender ÄrztInnen steigern. In weiterer Folge kann dies zu höherer Resilienz, besserer Leistung, weniger Burnout-Symptomen, höherer PatientInnensicherheit und weniger Krankenständen führen. Dies wäre ein enormer Benefit für das zukünftige Gesundheitssystem. Das Projekt liefert generalisierbare Erkenntnisse zur Interaktion von personalen und situationalen Faktoren mit Blick auf Wohlbefinden und Gesundheit von Beschäftigten im Gesundheitswesen. Zudem werden notwendige und wichtige Impulse für eine Steigerung der Qualität der Ärzteausbildung sowie der Gesundheitsversorgung in Tirol und seinen Institutionen erwartet.

In diesem FWF-Projekt wurden über vier Jahre hinweg personen- und bedingungsbezogene Faktoren in Hinblick auf Gesundheit und Wohlbefinden von Medizinstudierenden und KlinikärztInnen in der Ausbildung untersucht. Im Zentrum der Forschung stand das 24 Charakterstärken umfassende Modell von Peterson und Seligman, subjektives und psychologisches Wohlbefinden, Work Engagement und Burnout sowie bedingungsbezogene Faktoren für die Anwendbarkeit von Charakterstärken. Es zeigten sich differenzierte positive Zusammenhänge zwischen Charakterstärken und verschiedenen Aspekten von subjektivem und psychologischem Wohlbefinden bei Medizinstudierenden, wobei sich die Ausprägung der Charakterstärken Hoffnung, Enthusiasmus und Ausdauer sowohl kurz- als auch langfristig als besonders bedeutsam für Wohlbefinden und psychische Gesundheit erwiesen. Auch die Anwendbarkeit von Charakterstärken spielte, in unterschiedlichem Ausmaß sowohl im Privat- als auch Berufsleben, neben deren Ausprägung eine Rolle für das Wohlbefinden von KlinikärztInnen. Im Detail zeigte sich sowohl bei Medizinstudierenden als auch KlinikärztInnen, dass die Anwendbarkeit der fünf individuell bedeutsamsten Charakterstärken (Signaturstärken) das Burnout-Risiko verminderte und in weiterer Folge Wohlbefinden und mentale Gesundheit steigerte. Bei den Befragten insgesamt waren die Charakterstärken Authentizität, Bindungsfähigkeit, Fairness, Freundlichkeit und Urteilsvermögen am stärksten ausgeprägt. Zudem wurden bedingungsbezogene Faktoren im Arbeitskontext untersucht, die zu einer besseren Anwendbarkeit von Charakterstärken und damit einem höheren Work Engagement und Wohlbefinden sowie geringeren Burnout-Risiko beitragen. Im Längsschnitt erwiesen sich der Tätigkeitsspielraum, im Querschnitt zusätzlich soziale Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte, die Angemessenheit der Qualifikation sowie kognitive Anforderungen im Krankenhaus als bedeutsam. Im Längsschnitt zeigte sich des Weiteren, dass ein ausgeprägtes soziomoralisches Organisationsklima (diskursiv, partizipativ, wertschätzend, unterstützend) auch zu einer besseren Anwendbarkeit von Charakterstärken beiträgt, welche wiederum positiv auf das soziomoralische Klima zurückwirkt. Die Wichtigkeit von zuverlässig gewährter Wertschätzung und Respekt, aber auch zwanglosen Kommunikationsmöglichkeiten und Partizipation der MitarbeiterInnen, wurde durch Beobachtungsdaten und Interviews untermauert. Das soziomoralische Klima hing mit einem geringeren Burnout-Risiko und einer positiveren Wahrnehmung der Patientensicherheit durch ÄrztInnen zusammen, wobei sich im Verlauf von 6 Monaten negative Auswirkungen auf die Wahrnehmung dieses Klimas bei vorhandener Burnout-Symptomatik zeigten. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine Förderung von Charakterstärken sowie deren Anwendbarkeit ein möglicher Ansatz zur Steigerung von Wohlbefinden darstellt, der durch die Schaffung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen und eines sozio-moralischen Organisationsklimas im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements unterstützt werden kann.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Innsbruck - 51%
  • Universität Innsbruck - 49%
Nationale Projektbeteiligte
  • Thomas Höge-Raisig, Universität Innsbruck , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 456 Zitationen
  • 15 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel Possession and Applicability of Signature Character Strengths: What Is Essential for Well-Being, Work Engagement, and Burnout?
    DOI 10.1007/s11482-018-9699-8
    Typ Journal Article
    Autor Huber A
    Journal Applied Research in Quality of Life
    Seiten 415-436
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Perceived Socio-moral Climate and the Applicability of Signature Character Strengths at Work: a Study among Hospital Physicians
    DOI 10.1007/s11482-018-9697-x
    Typ Journal Article
    Autor Höge T
    Journal Applied Research in Quality of Life
    Seiten 463-484
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Special Issue: Character Strengths, Well-Being, and Health in Educational and Vocational Settings
    DOI 10.1007/s11482-018-9688-y
    Typ Journal Article
    Autor Höfer S
    Journal Applied Research in Quality of Life
    Seiten 301-306
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Development of Cynicism in Medical Students: Exploring the Role of Signature Character Strengths and Well-Being
    DOI 10.3389/fpsyg.2020.00328
    Typ Journal Article
    Autor Kachel T
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 328
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Character Strengths Profiles in Medical Professionals and Their Impact on Well-Being
    DOI 10.3389/fpsyg.2020.566728
    Typ Journal Article
    Autor Huber A
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 566728
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Well-Being, Mental Health, and Study Characteristics of Medical Students before and during the Pandemic
    DOI 10.3390/bs14010007
    Typ Journal Article
    Autor Huber A
    Journal Behavioral Sciences
    Seiten 7
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Work analysis tool for higher education: Development and validation of the german student measure WA-S Screening
    DOI 10.3233/wor-203317
    Typ Journal Article
    Autor Strecker C
    Journal Work
    Seiten 671-688
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Do More of What Makes You Happy? The Applicability of Signature Character Strengths and Future Physicians’ Well-Being and Health Over Time
    DOI 10.3389/fpsyg.2021.534983
    Typ Journal Article
    Autor Huber A
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 534983
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Reality Meets Belief: A Mixed Methods Study on Character Strengths and Well-Being of Hospital Physicians
    DOI 10.3389/fpsyg.2021.547773
    Typ Journal Article
    Autor Kachel T
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 547773
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Identifying thriving Workplaces in Hospitals: Work Characteristics and the Applicability of Character Strengths at Work
    DOI 10.1007/s11482-018-9693-1
    Typ Journal Article
    Autor Strecker C
    Journal Applied Research in Quality of Life
    Seiten 437-461
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Psychometric Characteristics of the German Values in Action Inventory of Strengths 120-Item Short Form
    DOI 10.1007/s11482-018-9696-y
    Typ Journal Article
    Autor Höfer S
    Journal Applied Research in Quality of Life
    Seiten 597-611
    Link Publikation
  • 2017
    Titel The German Version of the Strengths Use Scale: The Relation of Using Individual Strengths and Well-being
    DOI 10.3389/fpsyg.2017.00637
    Typ Journal Article
    Autor Huber A
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 637
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Distinguishing Relational Aspects of Character Strengths with Subjective and Psychological Well-being
    DOI 10.3389/fpsyg.2017.01159
    Typ Journal Article
    Autor Hausler M
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1159
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Associations between the Application of Signature Character Strengths, Health and Well-being of Health Professionals
    DOI 10.3389/fpsyg.2017.01307
    Typ Journal Article
    Autor Hausler M
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1307
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Validierung eines Fragebogens zur umfassenden Operationalisierung von Wohlbefinden
    DOI 10.1026/0012-1924/a000174
    Typ Journal Article
    Autor Hausler M
    Journal Diagnostica
    Seiten 219-228
    Link Publikation

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