Divergenzen zwischen Form und Bedeutung in komparativer Perspective
Divergence of Form and Meaning in Comparative Perspective
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Semantics,
Arabic,
Aspect,
Passive,
Perfect
Das unerwartete Vorherrschen grammatikalischer Ähnlichkeiten zwischen unverwandten Sprachen stellt eines der markantesten Merkmale der menschlichen Sprachen dar. Die Untersuchung dieser Ähnlichkeiten und ihren Wechselwirkungen hat das Potenzial, den universellen Kern der Grammatik der menschlichen Sprache ins Blickfeld zu rücken und infolgedessen den Grundriss des menschlichen Sprachvermögens zu erleuchten. Dieses Forschungsvorhaben trägt durch die Untersuchung einer Reihe semantischer Ähnlichkeiten zwischen englischen und arabischen Verbalphrasen und ihren adjektivischen Derivaten (Partizipien) zu diesem Ziel bei. Ähnliche semantische Merkmale werden in den zwei Sprachen in zum Teil verschiedenen morphologischen und syntaktischen Formen ausgedrückt. Die Untersuchung dieser Abweichungen in der morphosyntaktischer Form ähnlicher semantischer Strukturen erlaubt uns, die wesentlichen von den zufälligen Zusammenhängen zwischen Form und Bedeutung in den zwei Sprachen zu unterscheiden, wie auch potenzielle Universalien in diesem Bereich zu isolieren. Der Schwerpunkt dieses Forschungsprojektes liegt in der Untersuchung einer Reihe semantischer Merkmale, die im Englischen dem Perfekt und dem Passiv zufallen. Das englische Perfekt wird durch das Hilfsverb have (haben) gemeinsam mit derselben Form des Hauptverbes, die im Passiv erscheint (das Partizip Perfekt), ausgedrückt obwohl sie im Perfekt syntaktisch aktiv ist. Die Bedeutung des englischen Perfekts wird hingegen im Arabischen durch das aktive Partizip gemeinsam mit dem Hilfsverb, das dem englischen be (sein) entspricht, ausgedrückt. Gemeinsam mit be drückt das englische perfekte Partizip wahlweise das verbale oder das adjektivische Passiv aus. Im Arabischen drückt das passivische Partizip nur das adjektivische Passiv aus, wo hingegen die Bedeutung des verbalen Passivs durch eine dedizierte Form des finiten Verbes ausgedrückt wird. Hier werden entsprechende semantische Merkmale im Englischen und im Arabischen anderen syntaktischen Formaten zugeordnet. Die vergleichende Untersuchung dieser Strukturen hat das Potenzial zu enthüllen, welche Aspekte des Verhältnisses zwischen Form und Bedeutung wesentlich in dem Ausdruck dieser semantischen Merkmale sind und welche kontingent sind. Das Potenzial, grammatikalische Universalien zu enthüllen, verleiht der vergleichenden Forschung zum Verhältnis zwischen Form und Bedeutung umfangreiche Bedeutsamkeit. Die Tatsache, dass semantische Merkmale in verschiedenen Sprachen in unähnlichen morphosyntaktischen Formaten erscheinen, verschleiert universelle Fäden in der Struktur des menschlichen Sprachvermögens. Forschungen, die solche Abweichungen untersuchen, entwickeln den aktuellen Stand der Sprachwissenschaft durch die Feststellung versteckter zwischensprachlicher Einheitlichkeit weiter, die sowohl für die Grammatiktheorie wie auch für die menschliche Kognitionswissenschaft einschlägig ist.
Oberflächliche Unterschiede zwischen Sprachen können grundsätzliche Gemeinsamkeiten verbergen. Dieses Projekt untersucht einen solchen Fall, der in der Äußerung des Perfekts im Englischen und Arabischen besteht. Das Perfekt veranschaulichen Sätze wie Sie hat das Fenster geschlossen. Das Ziel dieser komparativen Analyse ist, die Mechanismen, die Form und Bedeutung verbinden, zu identifizieren und festzustellen, ob die gleichen Mechanismen in den zwei Sprachen fungieren. Wenn schon, können sie potentiell zum Kernbereich des menschlichen grammatischen Wissens zugeteilt werden. Wenn nicht, unterliegen sie der Variation und sind daher grammatisch oberflächlich.Diese Forschung ergab ein klares Bild über die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den zwei Sprachen, die zum Teil unerwartet waren und daher bedeutsam für eine allgemeine Sprachtheorie. Im Arabischen entspricht der Satz hiya msakkra -ibb?k, dem englischen Satz She [is] closing the window in Form, aber in Bedeutung dem Satz She has closed the window. Die Forschung enthüllte, dass diese semantische Ähnlichkeit zum Perfekt täuscht: die arabische Struktur ist in Wirklichkeit eine transitive Ausführung eines adjektivischen passiven Satzes wie Das Fenster ist geschlossen, der das Schließen in die Vergangenheit setzt. Die Struktur ist also nicht dem Perfekt gleichzusetzen, sondern stellt eine adjektivische aktive Struktur dar, die im Englischen und Deutschen nicht vorkommt.Diese Forschung hat auch festgestellt, dass eine perfekte Struktur an sich im Arabischen in der Form des so-genannten kontinuierlichen Perfekts auftritt, das einen Zustand beschreibt, der bis in die Gegenwart andauert, so wie das Englische She has lived in Vienna for a year. Im arabischen Gegenstück hiya il-a bit?? bi-fienna sana (wörtlich Sie zu-ihr lebt in-Wien [ein] Jahr), fungiert das Verhältniswort il zu mit Subjektflexion -a als Hilfsverb. Dies ist bedeutsam, indem die arabische Sprache Verhältniswörter verwendet, einschließlich il zu, um Besitz zu bezeichnen. Die Tatsache, dass Arabisch und Englisch beide ein Hilfsverb, das haben bedeutet, anwenden, um das kontinuierliche Perfekt zu bilden, deutet auf eine tiefgehende Verbindung zwischen Besitz und Tempus.Die Hauptschlüsse dieser Forschung sind, dass adjektivische Strukturen in den zwei Sprachen semantisch parallel sind, aber dass das aktiv/passiv Parameter variabel ist. Das kontinuierliche Perfekt wie auch seine Verbindung zu Besitz ist parallel in den zwei Sprachen, aber der Bestand eines nicht-kontinuierlichen Perfekts ist variabel. In diesen Punkten wie auch anderen erlangte dieses Projekt sein Ziel, die gemeinsamen von den variablen Eigenschaften in der Interpretation mancher temporalen Strukturen im Englischen und Arabischen zu unterscheiden, und machte währenddessen einige bedeutsame neue empirische Beobachtungen.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 14 Zitationen
- 9 Publikationen
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2017
Titel Philosophy and Logic of Predication DOI 10.3726/b10706 Typ Book Verlag Peter Lang, International Academic Publishers Link Publikation -
2017
Titel Derived Predication and Topic Case in Classical Arabic. Typ Book Chapter Autor Hallman P -
2019
Titel D-Licensing in Adjectival Passives DOI 10.1111/stul.12108 Typ Journal Article Autor Hallman P Journal Studia Linguistica Seiten 522-562 Link Publikation -
2016
Titel The Universal Perfect in Syrian Arabic. Typ Journal Article Autor Hallman P -
2016
Titel The Universal Perfect in Syrian Arabic DOI 10.1163/18776930-00801004 Typ Journal Article Autor Hallman P Journal Brill’s Journal of Afroasiatic Languages and Linguistics Seiten 76-100 -
2015
Titel The Arabic Imperfective DOI 10.1163/18776930-00701004 Typ Journal Article Autor Hallman P Journal Brill’s Journal of Afroasiatic Languages and Linguistics Seiten 103-131 -
2015
Titel The Arabic Imperfective. Typ Journal Article Autor Hallman P -
2017
Titel Chapter 6. Participles in Syrian Arabic DOI 10.1075/sal.5.07hal Typ Book Chapter Autor Hallman P Verlag John Benjamins Publishing Company Seiten 153-180 -
0
Titel On Passive and Perfect Participles; In: To appear in Passives Cross-Linguistically: Theoretical and Experimental Approaches Typ Book Chapter Autor Hallman P Verlag Brill