Genetische Ursachen spät beginnender hereditärer Neuropathien
Genetic background of late onset inherited peripheral neuropathies
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (40%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (60%)
Keywords
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Charcot-Marie-Tooth,
Novel Gene,
Whole Genome Scan,
Hereditary Neuropathy,
Next Generation Sequencing,
Late Onset
Hereditäre Neuropathien, auch Charcot-Marie-Tooth (CMT) Syndrom genannt, sind die häufigsten vererbten Erkrankungen des peripheren Nervensystems mit einer geschätzten Prävalenz von 1:2500. Hauptmerkmale sind Fußdeformitäten, eine langsam fortschreitende Muskelschwäche und -atrophie der distalen Muskulatur mit daraus folgender Gangstörung. Die Beschwerden setzen meist in der 1. -2. Lebensdekade ein, selten aber auch erst nach dem 35. Lebensjahr. Manchmal bestehen auch distale Gefühlsstörungen sowie ein Muskelschwund in den Händen oder andere Zusatzsymptome. Die hereditären Neuropathien sind klinisch und genetisch sehr heterogen. Unsere Arbeitsgruppe war eingehend an der Entdeckung von fünf verantwortlichen Genen (BSCL2, TRPV4, ATL1, FBLN5, REEP1) involviert. Dennoch bleibt die genetische Ursache bei vielen Patienten mit hereditären Neuropathien weiterhin unklar. Dieses Projekt konzentriert sich auf die Identifikation neuer CMT-Gene, in denen Mutationen zu spät beginnenden Neuropathien führen. Letzte zeigen oft einen schweren Verlauf mit ausgeprägter Gangstörung bis zur Rollstuhlabhängigkeit. Die Abgrenzung gegenüber erworbenen Formen ist meistens schwierig, da eine Familienanamnese oft fehlt. Die Verzögerung der korrekten Diagnose führt daher nicht selten zur Anwendung nicht effizienter, teurer und auch nebenwirkungsreicher Therapien. Zur Identifikation ursächlicher Gene werden Next Generation Sequencing = NGS Methoden (Whole Exome und Whole Genome Sequencing in ausgewählten Fällen) angewandt, die es erheblich erleichtern, den genetischen Hintergrund auch in kleinen Familien oder bei Einzelpersonen aufzudecken. Die Kenntnis über die genaue Ursache dieser Erkrankung ist entscheidend für die Differentialdiagnose gegenüber erworbenen Neuropathien und deren gezielte Behandlung. Die Entdeckung neuer Gene ermöglicht funktionelle Studien und Tierversuche, die für die Entwicklung und Anwendung zukünftiger Therapien entscheidend sind, die dann sowohl für hereditäre als auch erworbene Formen abwendbar sein könnten.
Hereditäre Neuropathien, auch Charcot-Marie-Tooth (CMT) Syndrom genannt, sind die häufigsten vererbten Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Hauptmerkmale sind eine langsam fortschreitende Muskelschwäche und -atrophie der distalen Muskulatur mit daraus resultierender Gangstörung, sowie distale sensible Ausfälle. Die Erkrankung beginnt meistens in der 1.- 2. Lebensdekade, selten aber auch erst nach dem 35. Lebensjahr. Insbesondere bei den spät beginnenden Verlaufsformen der hereditären Neuropathien bleibt die genetische Ursache bei vielen Patienten unklar. Die Abgrenzung gegenüber erworbenen Formen ist häufig auch bei angemessener und umfangreicher Diagnostik schwierig, da oft keine positive Familienanamnese vorliegt. Daher erhalten Patienten dann keine genaue ätiologische Zuordnung, etwa 50% werden schließlich als chronisch-idiopathische Neuropathien eingestuft. Dieses Projekt konzentrierte sich auf die Identifikation neuer CMT-Gene, in denen Mutationen zu spät beginnenden Neuropathien führen. Mehr als 300 Patienten mit und ohne Familienanamnese wurde im Rahmen der Studie rekrutiert. Mittels Anwendung des Whole Exome Sequencing (WES) identifizierten wir heterozygote Varianten im MME Gen, welches die Metalloprotease Neprilysin kodiert, als eine bisher unbekannte Ursache für spät beginnende hereditäre axonale Neuropathien. Der Phänotyp war insbesondere durch einen schweren und rasch progredienten Verlauf charakterisiert, wobei sich die Erkrankung vor allem an den unteren Extremitäten manifestierte. Bei Patienten mit heterozygoten Mutationen im MME-Gen und auch bei In-vitro Studien konnte eine erniedrigte Enzymkonzentration und Enzymaktivität des Genprodukts Neprilysin gezeigt werden. In einer Folgestudie zeigten wir, dass bei 21% der Patienten, welche mit WES untersucht wurden, pathogene Varianten in bekannten Genen, welche zur CMT Erkrankung oder auch zu anderen Erkrankungen führen, welche mit einer Neuropathie assoziiert sind, vorliegen. Bei Patienten, welche als chronisch-idiopathisch klassifiziert waren, fand sich ein genetischer Hintergrund bei 15%. Bei klarer positiver Familienanamnese erhöhte sich der diagnostische Output auf 30%. MME war das bei weitem häufigste mutierte Gen. Zusätzlich untersuchten wir Patienten mit spät beginnenden, primär demyelinisierenden Neuropathien und zeigten, dass hier Mutationen im Fibulin 5 (FBLN5) Gen häufig sind und zu einem typischen, gut erkennbaren Phänotyp führen. Die Entdeckung neuer Gene, welche die Ursache für spät beginnende Neuropathien darstellen, gibt wichtige Aufschlüsse über die Pathogenese der Erkrankung und ermöglicht nun funktionelle Studien und Tierversuche, welche für die Entwicklung und Anwendung zukünftiger Therapien entscheidend sind, die dann sowohl für hereditäre als auch erworbene Formen abwendbar sein könnten.
- Stephan Züchner, University of Miami Miller School of Medicine - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 988 Zitationen
- 21 Publikationen
- 2 Datasets & Models
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2020
Titel Biallelic mutations in SORD cause a common and potentially treatable hereditary neuropathy with implications for diabetes DOI 10.1038/s41588-020-0615-4 Typ Journal Article Autor Cortese A Journal Nature Genetics Seiten 473-481 Link Publikation -
2019
Titel FAHN/SPG35: a narrow phenotypic spectrum across disease classifications DOI 10.1093/brain/awz102 Typ Journal Article Autor Rattay T Journal Brain Seiten 1561-1572 Link Publikation -
2019
Titel Loss of Neurological Disease HSAN-I-Associated Gene SPTLC2 Impairs CD8+ T Cell Responses to Infection by Inhibiting T Cell Metabolic Fitness DOI 10.1016/j.immuni.2019.03.005 Typ Journal Article Autor Wu J Journal Immunity Link Publikation -
2019
Titel Neuropathy-causing mutations in HSPB1 impair autophagy by disturbing the formation of SQSTM1/p62 bodies DOI 10.1080/15548627.2019.1569930 Typ Journal Article Autor Haidar M Journal Autophagy Seiten 1051-1068 Link Publikation -
2016
Titel Targeted Next-Generation Sequencing Reveals Novel TTN Mutations Causing Recessive Distal Titinopathy DOI 10.1007/s12035-016-0242-3 Typ Journal Article Autor Evilä A Journal Molecular Neurobiology Seiten 7212-7223 -
2016
Titel Whole exome sequencing in congenital pain insensitivity identifies a novel causative intronic NTRK1-mutation due to uniparental disomy DOI 10.1002/ajmg.b.32458 Typ Journal Article Autor Kurth I Journal American Journal of Medical Genetics Part B: Neuropsychiatric Genetics Seiten 875-878 -
2016
Titel Rare Variants in MME, Encoding Metalloprotease Neprilysin, Are Linked to Late-Onset Autosomal-Dominant Axonal Polyneuropathies DOI 10.1016/j.ajhg.2016.07.008 Typ Journal Article Autor Auer-Grumbach M Journal The American Journal of Human Genetics Seiten 607-623 Link Publikation -
2015
Titel Erratum: Corrigendum: Transcriptional regulator PRDM12 is essential for human pain perception DOI 10.1038/ng0815-962b Typ Journal Article Autor Chen Y Journal Nature Genetics Seiten 962-962 Link Publikation -
2015
Titel Reply: The p.Ser107Leu in BICD2 is a mutation ‘hot spot’ causing distal spinal muscular atrophy DOI 10.1093/brain/awv160 Typ Journal Article Autor Rossor A Journal Brain Link Publikation -
2016
Titel Cryptic Amyloidogenic Elements in the 3' UTRs of Neurofilament Genes Trigger Axonal Neuropathy DOI 10.1016/j.ajhg.2016.02.022 Typ Journal Article Autor Rebelo A Journal The American Journal of Human Genetics Seiten 597-614 Link Publikation -
2018
Titel Development and validation of a TTR-specific copy number screening tool, and application to potentially relevant patient cohorts DOI 10.1016/j.mcp.2018.08.005 Typ Journal Article Autor Jahic A Journal Molecular and Cellular Probes Seiten 61-63 -
2019
Titel Linkage analysis and whole exome sequencing reveals AHNAK2 as a novel genetic cause for autosomal recessive CMT in a Malaysian family DOI 10.1007/s10048-019-00576-3 Typ Journal Article Autor Tey S Journal neurogenetics Seiten 117-127 -
2017
Titel Mutant HSPB1 causes loss of translational repression by binding to PCBP1, an RNA binding protein with a possible role in neurodegenerative disease DOI 10.1186/s40478-016-0407-3 Typ Journal Article Autor Geuens T Journal Acta Neuropathologica Communications Seiten 5 Link Publikation -
2017
Titel Hereditary Neuropathies: Update 2017 DOI 10.1055/s-0037-1603518 Typ Journal Article Autor Rudnik-Schöneborn S Journal Neuropediatrics Seiten 282-293 -
2020
Titel Hereditary ATTR Amyloidosis in Austria: Prevalence and Epidemiological Hot Spots DOI 10.3390/jcm9072234 Typ Journal Article Autor Auer-Grumbach M Journal Journal of Clinical Medicine Seiten 2234 Link Publikation -
2020
Titel Demyelinating Charcot–Marie–Tooth neuropathy associated with FBLN5 mutations DOI 10.1111/ene.14463 Typ Journal Article Autor Brozkova D Journal European Journal of Neurology Seiten 2568-2574 -
2015
Titel Mutation screen reveals novel variants and expands the phenotypes associated with DYNC1H1 DOI 10.1007/s00415-015-7727-2 Typ Journal Article Autor Strickland A Journal Journal of Neurology Seiten 2124-2134 Link Publikation -
2015
Titel Transcriptional regulator PRDM12 is essential for human pain perception DOI 10.1038/ng.3308 Typ Journal Article Autor Chen Y Journal Nature Genetics Seiten 803-808 Link Publikation -
2016
Titel Increasing Role of Titin Mutations in Neuromuscular Disorders DOI 10.3233/jnd-160158 Typ Journal Article Autor Savarese M Journal Journal of Neuromuscular Diseases Seiten 293-308 Link Publikation -
2016
Titel MORC2 mutations cause axonal Charcot–Marie–Tooth disease with pyramidal signs DOI 10.1002/ana.24575 Typ Journal Article Autor Albulym O Journal Annals of Neurology Seiten 419-427 Link Publikation -
2016
Titel Diabetic neuropathy increases stimulation threshold during popliteal sciatic nerve block † † Study registered online Dec 02, 2011 at ClinicalTrials.gov: Identifier NCT01488474, Principal Investigator Marcel Rigaud (https://clinicaltrials.gov/ct2/show DOI 10.1093/bja/aew027 Typ Journal Article Autor Heschl S Journal British Journal of Anaesthesia Seiten 538-545 Link Publikation
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2019
Link
Titel Neuropathy-causing mutations in HSPB1 impair autophagy by disturbing the formation of SQSTM1/p62 bodies DOI 10.6084/m9.figshare.7618541.v1 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2019
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Titel Neuropathy-causing mutations in HSPB1 impair autophagy by disturbing the formation of SQSTM1/p62 bodies DOI 10.6084/m9.figshare.7618541 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link