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Aus Gründen der Geschichtlichkeit: Praktiken des Materiellen in audiovisueller Kunst

A Matter of Historicity: Material Practices in Audiovisual Art

Eva Kernbauer (ORCID: 0000-0002-9590-7793)
  • Grant-DOI 10.55776/P27877
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.06.2015
  • Projektende 31.01.2019
  • Bewilligungssumme 348.419 €

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (80%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (10%); Soziologie (10%)

Keywords

    Contemporary Art, Materiality, Historicity, Film And Video Installations

Abstract Endbericht

Die materielle Substanz audiovisueller Kunstwerke ist ein geeigneter Ausgangspunkt für eine Untersuchung des aktuell viel diskutierten Potentials der sozialen und politischen Handlungsmacht von Kunst. In Kunsttheorie, Film- und Medienwissenschaften und in feministischen/queeren Theorien zeichnet sich ein material turn ab, welcher Materialität die stoffliche Grundlage von Objekten als in politischen und kulturellen Austauschprozessen bedeutungsstiftend und potentiell agentiell zu denken versucht. Doch trotz dieser Entwicklungen ist die gegenwärtige Auseinandersetzung gerade mit kritischer Kunst von strukturalistischen und inhaltsfokussierten Lesarten bestimmt, während deren formale, technologische, räumliche Dimensionen sowie haptische, sonische und affektive Aspekte häufig vernachlässigt werden. Innerhalb eines kunst-und filmtheoretischen Rahmens verbindet das vorliegende Projekt medien- und technologiekritische Ansätze mit einer materiellen Kritik zeitgenössischer audiovisueller Kunst. Der Fokus liegt auf aktuellen Arbeiten von Yael Bartana, Anna Biller, Phil Collins, Tacita Dean, Harun Farocki, Omer Fast, Bruce LaBruce, Tsai Ming-Liang, Apichatpong Weerasethakul und Alex Zhang Huangtai, welche Fragen der Geschichtlichkeit verfolgen: sie beschäftigen sich mit Erzählungen und Repräsentationen von Geschichte und historischen Ereignissen. Aufgrund ihrer kritischen Haltung gegenüber Geschichtsdarstellung haben diese Arbeiten bisher vor allem inhaltliche Auseinandersetzungen evoziert, während unser Projekt ihre materiellen Aspekte in einer kritischen Dimension untersuchen wird. Die Hervorhebung räumlicher Gegebenheiten, die sehr spezifischen, körperlichen, dem Publikum zugewiesenen Modi der Rezeption der Filme und Videos, und der nachdrückliche Einsatz veralteter Stile, Formate und Technologien verlangen nach einer Analyse der Impulse zur Kritik ihrer eigenen Geschichtlichkeit, die auch durch die materiellen Dimensionen der Kunstwerke in Gang gesetzt werden. Unser Projekt zielt daher auf die Frage, wie sich Geschichtlichkeit als eine aktive, materialästhetische Praxis beschreiben lässt. Unser Projekt fragt nach den konkreten materiellen Bedingungen, die die Interaktion mit den von uns beforschten Arbeiten formen. Eine Analyse der technologischen und materiellen Grundlagen der Produktion, Präsentation und Rezeption von audiovisuellen Kunstwerken führt zu einer neuen, medienkritisch gedachten, kunst- und filmwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem material turn: Inwieweit beeinflussen materielle und technologische Aspekte ästhetische Erfahrungen? Wie ist das Handlungspotential von Materialität konkret zu denken? Wir beschäftigen uns mit der komplexen Frage nach einer potentiellen Politik eines ebenso formalästhetisch wie technologisch gedachten materiellen Forschungsansatz im Zeitalter digitaler Produktion und Dissemination: Wie kann eine Hinwendung zur Materialität politische Perspektiven auf konkrete sozio- ökonomische Kontexte entwickeln? Die Theoretisierung von Materialität kann etwa die Unebenheit neuer, globaler, postmoderner Öffentlichkeiten sichtbar machen. Durch eine Analyse dieser Verschränkungen beleuchten wir Materialität als wesentlichen Bestandteil des kritischen Instrumentariums der Gegenwartskunst.

Das Projekt Aus Gründen der Geschichtlichkeit Praktiken des Materiellen in audiovisueller Kunst widmete sich der Frage, wie materialästhetische Dimensionen von Kunstwerken einen Eindruck von Geschichte generieren und vermitteln können. Die Resultate des Projekts beleuchten diese Frage unter drei Aspekten. Erstens konnten wir zeigen, dass Kunstwerke tatsächlich aktiv Geschichte erzählen und produzieren können, und dass sich über ihre spezifische Materialität Darstellungen und Interpretationen herausbilden, die oft unabhängig von inhaltlichen Deutungen des Werks sind. Zweitens hat das Projekt gezeigt, dass Ton bzw. Hören eine wesentliche Rolle in der Übermittlung von Geschichte und geschichtlicher Repräsentation durch audiovisuelle Kunstwerke spielt. Da diese Aspekte in der gegenwärtigen Kritik oft vernachlässigt werden, appellierte unsere Forschung für eine stärkere Einbeziehung von Ton in der Diskussion von Kunstwerken als Akteuren von Geschichtlichkeit. Drittens haben wir gezeigt, dass die Einbeziehung von materiellen Aspekten des Werkes bestehende theoretische Annäherungen an Repräsentation zwar wesentlich bereichern können, dass die Beibehaltung der kritischen, reflexiven Grundhaltung bestehender Repräsentationstheorien, vor allem in Bezug auf die Abbildung von gesellschaftlicher Ungleichheit und ungleichen Machtverhältnissen, jedoch von großer Bedeutung ist. Ein wesentlicher Beitrag des Projekts bestand darin, materialästhetische Aspekte in den diskutierten Werken immer auch auf die Wirkung zu prüfen, die diese auf die konkreten sozialen, geografischen, wirtschaftlichen und historischen Kontexte haben, in denen sie zirkulieren und besonders auch auf die Menschen, die in diesen konkreten Feldern in ungleichen, spannungsgeladenen, strukturellen und dynamischen Verhältnissen zueinander stehen. Unsere Forschungsergebnisse richten sich besonders an unser akademisches Netzwerk von Forscher_innen, die sich ebenfalls auf einer theoretischen Ebene mit den Implikationen von Kunstwerken auf Geschichtlichkeit befassen. Da unsere Forschung aber auch auf regelmäßigem Austausch mit Künstler_innen und Kurator_innen beruht, bietet sie Einblicke, die außerhalb des akademischen Felds wesentlich wirksam werden können.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für angewandte Kunst Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Jihoon Kim, Chung-Ang University - Republik Korea
  • Volker Pantenburg, University of Zurich - Schweiz
  • John Lin Hong, Taipei National University of the Arts - Taiwan
  • David Joselit, Harvard University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 327 Zitationen
  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel A verified ground confluence tool for linear variable-separated rewrite systems in Isabelle/HOL
    DOI 10.1145/3293880.3294098
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Felgenhauer B
    Seiten 132-143
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Changing Visual Politics in South Africa: Old and New Modes of Exclusion, Protest and Offence
    DOI 10.1007/978-3-030-17574-0_5
    Typ Book Chapter
    Autor Kesting M
    Verlag Springer Nature
    Seiten 91-106
  • 2016
    Titel Material Flow Accounting: Measuring Global Material Use for Sustainable Development
    DOI 10.1146/annurev-environ-102016-060726
    Typ Journal Article
    Autor Krausmann F
    Journal Annual Review of Environment and Resources
    Seiten 1-29
  • 2016
    Titel Soluble Vascular Endothelial Growth Factor (sVEGF) and the Risk of Venous Thromboembolism in Patients with Cancer: Results from the Vienna Cancer and Thrombosis Study (CATS)
    DOI 10.1158/1078-0432.ccr-14-3358
    Typ Journal Article
    Autor Posch F
    Journal Clinical Cancer Research
    Seiten 200-206
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Cardioprotection: A Review of Current Practice in Global Ischemia and Future Translational Perspective
    DOI 10.1155/2014/325725
    Typ Journal Article
    Autor Habertheuer A
    Journal BioMed Research International
    Seiten 325725
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Blockade of myeloid-derived suppressor cell expansion with all-trans retinoic acid increases the efficacy of anti-angiogenic therapy
    DOI 10.1158/0008-5472.can-17-3415
    Typ Journal Article
    Autor Bauer R
    Journal Cancer Research
    Link Publikation

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