Heterogenität in dynamischen Turnieren: Theorie und Experiment
Heterogeneity in Dynamic Contests: Theory and Experiments
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (25%); Wirtschaftswissenschaften (75%)
Keywords
-
Contest design,
Experiment,
Heterogeneity,
First (Second) Mover Advantage,
Sequential Contest
Kern des vorgeschlagenen Projekts ist die theoretische und experimentelle Analyse von Turnieren (Contests), die entweder durch eine dynamische Struktur oder durch heterogene Teilnehmer (oder beides) gekennzeichnet sind. Turniere sind strategische Entscheidungssituationen, in denen mehrere Agenten um einen Preis konkurrieren, indem sie Ressourcen aufwenden, die dann verloren sind. Die zu erwartenden Ergebnisse haben potentiell wichtige Implikationen für das Design von Turnieren, da analysiert wird, wie diese ausgestaltet werden sollen, damit die Ressourcen in der jeweiligen Situation optimal eingesetzt werden. Beispielsweise soll im Bereich Personalpolitik ein höchstmöglicher Einsatz der Mitarbeiter aus Sicht des Arbeitgebers erzielt werden, während im Fall von Lobbying oder Rent-seeking die Minimierung des Ressourceneinsatzes Ziel sein wird, um sozial ineffiziente Aufwendungen zu vermeiden. Das Projekt besteht aus vier Beiträgen, die sich hinsichtlich der Struktur des Contests, der Anzahl der Agenten oder der Natur des Preises unterscheiden. Im ersten Teilprojekt analysieren wir theoretisch und in Laborexperimenten zweistufige Turniere mit 4 Spielern, in denen die Agenten in der ersten Stufe paarweise gegeneinander antreten, wobei der jeweilige Gewinner dieses Ausscheidungsturniers aufsteigt, während die Verlierer ausscheiden; der Gewinner der zweiten Stufe erhält den Preis, wobei die Gewinnwahrscheinlichkeit jeweils mittels Tullock-Funktion ermittelt wird. Unser Hauptinteresse gilt dem Einfluss von Heterogenität auf die `Gesamtanstrengung` der Teilnehmer. Daneben soll insbesondere der Effekt von verschiedenen Paarungsvarianten auf der ersten Stufe des Turniers auf das Verhalten der Agenten untersucht werden. Im zweiten Teilprojekt untersuchen wir das Verhalten von homogenen und heterogenen Agenten in simultanen und sequentiellen 2-Personen-Turnieren. Theoretisch sollte sich das Verhalten von symmetrischen Agenten im simultanen und sequentiellen Turnier nicht unterscheiden. Haben die Agenten jedoch unterschiedliche Kosten hängt ihr Verhalten im theoretischen Benchmark von der Zugfolge ab: Wenn derjenige mit den geringeren Kosten als erstes seinen Einsatz wählen kann, hat dieser den Anreiz, mehr zu investieren wie im simultanen Fall, um so den nachfolgenden Spieler zu geringerem Einsatz zu veranlassen. Wenn hingegen der Spieler mit den hohen Kosten als erstes zieht, sollte dieser weniger investieren, was den Konkurrenten dazu induzieren sollte, ebenso weniger zu investieren; dies würde insgesamt dann zu einer Pareto Verbesserung führen. Wir testen diese Vorhersagen im Labor. Neben dem Effekt von Sequentialität und Heterogenität soll auch untersucht werden, unter welchen Umständen Kollusion stattfindet. Während in Teilprojekt 2 die sequentielle Struktur bzw. Zugfolge exogen vorgegeben ist, wird diese in Teilprojekt 3 endogenisiert; das heißt, die Agenten müssen sich entscheiden, ob sie lieber in Periode 1 oder Periode 2 investieren wollen. In diesem Design ist speziell das Verhalten im Lab interessant, insbesondere die Frage, ob sich die Subjekte auf eine bestimmte Zugfolge koordinieren können. In Teilprojekt 4 erweitern wir das Modell in Teilprojekt 2 um einen endogen determinierten Preis; das heißt, der Gesamtpreis wird in diesem Teilprojekt eine Funktion der Investitionen der Agenten.
Ein Tournier (oder Contest) ist ein Wettbewerb, in dem die teilnehmenden Agenten Ressourcen investieren, um ihre Chance zu erhöhen einen Preis zu gewinnen, wobei für jeden Teilnehmer die getätigte Investition in jedem Fall verloren sind. Dieses Forschungsprojekt bereichert die Literatur zu Tournieren und strategischen Interaktionen in dreierlei Hinsicht: i) es leistet einen Beitrag zur Analyse von dynamischen Tournieren, bei denen einige Agenten das Ergebnis einer vorherigen Phase oder die Entscheidung eines anderen Agenten beobachten, bevor sie selbst eine Entscheidung treffen; ii) es bereichert die Literatur zu heterogenen Tournieren, bei denen unterschiedlich fähige Individuen miteinander interagieren; und iii) es leistet einen Beitrag zum Verständnis der Auswirkungen von Verhaltensaspekten und insbesondere von sozialen Präferenzen in strategischen Interaktionen. In dieser Zusammenfassung gehe ich auf drei Beiträge ein - auf je einen zu jedem der drei genannten Bereiche. In einem Beitrag zu i) untersuchen wir, ob die zeitliche Abfolge der Züge (wer entscheidet früher und wer später) das Verhalten der Akteure auch dann beeinflusst, wenn es keine materiellen Anreize dafür gibt, seine Entscheidung im Vorhinein fest zu legen. In Laborexperimenten zeigen wir, dass es ein inhärenter Vorteil ist, als Zweiter und nicht als Erster seine Entscheidung fest zu legen. Der Grund dafür ist, dass der First Mover mit strategischer Unsicherheit konfrontiert ist, während der Second Mover die Macht hat, das Ergebnis durch seine Investitionsentscheidung zu bestimmen. Diese Macht zu haben ist vor allem dann von Vorteil, wenn die Akteure bezüglich ihrer Vorlieben oder Fähigkeiten sehr unterschiedlich sind. In einem Beitrag zu ii) untersuchen wir einen wichtigen Zielkonflikt in den Anreizsystemen vieler Firmen: Zum einen versuchen Firmen Anreize für die Teamproduktion zu schaffen, indem sie Belohnungen für den Gesamtoutput bereitstellen; zum anderen versuchen sie auch Anreize für die individuelle Anstrengung zu schaffen, indem sie mit Boni arbeiten, die an der relativen Performance ausgerichtet sind. Belohnungen für den Gesamtoutput induzieren ein Trittbrettfahrerproblem, während relative Leistungssysteme Anreize für Teammitglieder schaffen, anderen nicht zu helfen oder sogar ihre Kollegen zu sabotieren. Die Studie untersucht diese Probleme in der Theorie und in Laborexperimenten mit homogenen und heterogenen Agenten. Die Ergebnisse helfen zu verstehen, wie man individuelle und Team-Belohnungen besser ausbalanciert und wie man Teams am besten strukturiert, wenn Mitarbeiter heterogene Fähigkeiten haben. In einem Beitrag zu iii) untersuchen wir, wie Entscheidungsträger "mentale Buchführung" anwenden, um in komplexen Entscheidungssituationen eine Wahl zu treffen. Konkret untersuchen wir den Einfluss unterschiedlicher Framing-Varianten für die Preise in einem experimentellen zweistufigen paarweisen Ausscheidungswettbewerb. Wir finden, dass Entscheidungsträger den Optionswert der Teilnahme an zukünftigen Stufen des Wettbewerbs vernachlässigen, wenn der Belohnungsrahmen die getrennte Betrachtung von Stufen erleichtert, aber nicht, wenn der Belohnungsrahmen zukunftsorientiertes Verhalten induziert. Der Beitrag präsentiert neue Erkenntnisse über die Prävalenz und die Determinanten von Choice Bracketing als Mittel zur Bewältigung von Komplexität.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 147 Zitationen
- 17 Publikationen
- 2 Weitere Förderungen
-
2023
Titel Credence goods markets, online information and repair prices: A natural field experiment DOI 10.1016/j.jpubeco.2023.104891 Typ Journal Article Autor Kerschbamer R Journal Journal of Public Economics Seiten 104891 Link Publikation -
2023
Titel Heterogeneity in rent-seeking contests with multiple stages: Theory and experimental evidence DOI 10.1016/j.socec.2023.102029 Typ Journal Article Autor Hörtnagl-Pozzo T Journal Journal of Behavioral and Experimental Economics Seiten 102029 Link Publikation -
2023
Titel The effect of random shocks on reciprocal behavior in dynamic principal-agent settings DOI 10.1007/s10683-022-09771-w Typ Journal Article Autor Kerschbamer R Journal Experimental Economics Seiten 468-488 Link Publikation -
2024
Titel Do competitive bonuses ruin cooperation in heterogeneous teams? DOI 10.1111/jems.12573 Typ Journal Article Autor Dutcher E Journal Journal of Economics & Management Strategy Seiten 67-101 Link Publikation -
2024
Titel Uncovering Sophisticated Discrimination with the Help of Credence Goods Markups: Evidence from a Natural Field Experiment DOI 10.1287/mnsc.2022.02666 Typ Journal Article Autor Hall J Journal Management Science Link Publikation -
2024
Titel Too Much or Too Little? Price Discrimination in a Market for Credence Goods DOI 10.1628/jite-2023-0034 Typ Journal Article Autor Dulleck U Journal Journal of Institutional and Theoretical Economics Seiten 106-143 Link Publikation -
2024
Titel No idea Typ Postdoctoral Thesis Autor Regine Oexl -
2020
Titel Social preferences and political attitudes: An online experiment on a large heterogeneous sample DOI 10.1016/j.jpubeco.2019.104076 Typ Journal Article Autor Kerschbamer R Journal Journal of Public Economics Seiten 104076 Link Publikation -
2018
Titel Distributional Preferences and Ego Depletion DOI 10.1037/npe0000082 Typ Journal Article Autor Balafoutas L Journal Journal of Neuroscience, Psychology, and Economics Seiten 147-165 -
2018
Titel Social interaction effects: The impact of distributional preferences on risky choices DOI 10.1007/s11166-018-9275-5 Typ Journal Article Autor Gantner A Journal Journal of Risk and Uncertainty Seiten 141-164 Link Publikation -
2017
Titel Is reciprocity really outcome-based? A second look at gift-exchange with random shocks DOI 10.1007/s40881-017-0041-2 Typ Journal Article Autor Davis B Journal Journal of the Economic Science Association Seiten 149-160 Link Publikation -
2015
Titel Towards the development of specific antidotes: Idarucizumab for reversal of dabigatran effects DOI 10.1160/th15-04-0324 Typ Journal Article Autor Hobl E Journal Thrombosis and Haemostasis Seiten 1162-1163 -
2017
Titel Coping with complexity – Experimental evidence for narrow bracketing in multi-stage contests DOI 10.1016/j.euroecorev.2017.07.001 Typ Journal Article Autor Stracke R Journal European Economic Review Seiten 264-281 -
2019
Titel Competing for market shares: Does the order of moves matter even when it shouldn’t? DOI 10.1016/j.jebo.2019.07.005 Typ Journal Article Autor Hörtnagl T Journal Journal of Economic Behavior & Organization Seiten 346-365 -
2018
Titel Relationship-specific investment and multiple interested parties DOI 10.1111/manc.12252 Typ Journal Article Autor Oexl R Journal The Manchester School Seiten 324-341 Link Publikation -
2021
Titel Distributional preferences explain individual behavior across games and time DOI 10.1016/j.geb.2021.05.003 Typ Journal Article Autor Hedegaard M Journal Games and Economic Behavior Seiten 231-255 Link Publikation -
2019
Titel Do altruists lie less? DOI 10.1016/j.jebo.2018.10.021 Typ Journal Article Autor Kerschbamer R Journal Journal of Economic Behavior & Organization Seiten 560-579 Link Publikation
-
2017
Titel Reputation and Competition in Markets for Credence Goods Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2017 -
2017
Titel Field Experiments in Credence Goods Markets Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2017