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Stürze bei Bergwanderern - Identifikation von Risikofaktoren

Falls in mountain hikers – identification of risk factors

Martin Faulhaber (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P28906
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.2016
  • Projektende 31.12.2020
  • Bewilligungssumme 139.592 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Sozialwissenschaften (20%); Gesundheitswissenschaften (80%)

Keywords

    Alpine Sports, Accident, Injury, Prevention

Abstract Endbericht

Bergwandern ist mit mehreren Millionen an Ausübenden die beliebteste Sommerbergsportart in Österreich. Die Kehrseite der positiven gesundheitlichen Effekte von Bergwandern (z.B. eine verbesserte Lebensqualität) beinhaltet das Risiko für Unfälle und Notfälle oder sogar Todesfälle. Beim Bergwandern in den österreichischen Alpen erleiden jährlich ungefähr 1.500 Personen einen Unfall und ungefähr 100 verunglücken tödlich. Etwa 45 % aller nichttödlichen und tödli- chen Unfälle beim Bergwandern entsteht durch Stürze. Fundierte Kenntnisse Umstände dieser Unfälle und der Risikofaktoren für Stürze bei Bergwanderern wären ein bedeutender Schritt, um die Sicherheit in dieser beliebten Sportart zu verbessern. Allerdings gibt es nur sehr wenige wis- senschaftliche Studien zu dieser Thematik. Die Ziele dieses Projektes sind es durch Stürze ver- ursachte Unfälle beim Bergwandern zu analysieren und Risikofaktoren zu identifizieren. Die Studie wird in 2 Teile unterteilt werden. Im ersten Teil werden nichttödliche und tödli- che Unfälle durch Stürze beim Bergwandern, welche von der Österreichischen Alpinpolizei in einem Zeitraum von 10 Jahren dokumentiert wurden, detailliert ausgewertet werden. Die Stich- probe wird ca. 5.000 nichttödliche und ca. 500 tödliche Unfälle umfassen. Die Ergebnisse wer- den es ermöglichen, Situation und Umstände zu identifizieren, in denen Stürze gehäuft auftre- ten. Der zweite Teil ist als Fall-Kontroll-Studie geplant und wird sich auf nichttödliche Unfälle konzentrieren. In einem Zeitraum von 3 Jahren werden Bergwanderer, die sich durch einen Sturz verletzt haben, gebeten an der Studie teilzunehmen und Fragebögen werden den Stu- dienteilnehmern (Fälle) zugesendet werden. Der Fragebogen wird persönliche Daten, bestehen- de Erkrankungen (inklusive Medikamenteneinnahme) und frühere Verletzungen, regelmäßige körperliche Aktivität und Bergwandererfahrung, Risikoverhalten, Einzelheiten der Bergwande- rung, Ausrüstung und eine Beschreibung des Unfallhergangs aus Sicht des Verunfallten beinhal- ten. Zusätzlich werden Informationen zu den Unfallumständen im Rahmen von Vororterhebun- gen erfasst werden. Zum Vergleich mit Kontrollpersonen werden Bergwanderer ohne Stürze (Kontrollen) mit dem identen Fragebogen interviewt werden und zwar auf den gleichen Berg- wanderungen, an denen die Unfälle sich ereigneten. Der Vergleich von ca. 400 Fällen mit ca. 1.200 Kontrollen wird Informationen zu den Faktoren liefern, die mit einem erhöhtem Sturzrisiko beim Bergwandern in Bezug stehen. 1

Das übergeordnete Ziel dieses Forschungsprojektes war es, durch Stürze verursachte Unfälle beim Bergwandern zu reduzieren und dadurch die Sicherheit in dieser Sportart zu erhöhen. Im Rahmen dieses Projektes sollten daher die Begleitumstände von tödlichen und nicht tödli-chen sturzbedingten Unfällen beim Bergwandern erfasst werden und potentielle Risikofakto-ren für diese Unfälle herausgestellt werden. Die Ergebnisse können für evidenz-basierte Empfehlungen herangezogen werden, um das Sturzrisiko beim Bergwandern zu reduzieren. Die absolute Zahl tödlicher Sturzunfälle beim Bergwandern in Österreich blieb im be-obachten Zeitraum von neun Jahren stabil, wohingegen die Zahl der nicht-tödlichen Unfälle in diesem Zeitraum kontinuierlich anstieg. Allerdings war dieser Anstieg weniger ausgeprägt als die geschätzte Zunahme der Zahl der aktiven Personen beim Bergwandern. Dies deutet da-rauf hin, dass das Bergwandern in Bezug auf sturzbedingte Unfälle sicherer geworden ist. Ungefähr 75 % der sturzbedingten Unfälle ereignete sich beim Abstieg, was darauf hindeutet, dass der Abstieg, in Bezug auf Stürze, den gefährlichsten Teil einer Bergwande-rung darstellt. Daher sollten Bergwanderer/innen ausreichend Pausen einplanen und auch einlegen oder im Fall von starker Ermüdung Seilbahnen etc. nutzen, falls diese Möglichkeit besteht. Unter den Opfern von tödlichen Sturzunfällen war der Anteil an Männern größer als der der Frauen, und er stieg mit zunehmendem Alter von 30 bis 70 Jahren kontinuierlich an. Im Gegensatz dazu waren Frauen häufiger unter den Opfern von nicht-tödlichen Stürzen zu finden mit einer relativ stabilen Verteilung zwischen 40 und 70 Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass präventive Maßnahmen geschlechtsspezifisch, auf das jeweilige Risikoprofil angepasst, ansetzen sollten. Ungefähr 70 % der Opfer von nicht-tödlichen Stürzen in Tirol waren mit einer Seh-schwäche behaftet. Somit könnten eine Sehschwäche und/oder spezifische Sehhilfen unter Umständen das Risiko für Stürze in gewissen Situationen im alpinen Umfeld erhöhen. Daher sollte das aktuelle Sehvermögen regelmäßig kontrolliert und Sehhilfen gegebenenfalls ent-sprechend angepasst werden. Im Gegensatz zur häufig vertretenen Meinung trugen ca. 90 % der Opfer von nicht-tödlichen Stürzen bergwanderspezifische Schuhe, d.h. knöchelhohe Schuhe oder flache Schuhe mit der Profilsohle, die mit der von Bergschuhen vergleichbar ist. Lediglich weniger als 10 % trugen Straßenlaufschuhe, Sneakers oder andere Arten von Schuhen. Diese Be-obachtung widerlegt die Meinung, dass der Großteil der Opfer von Stürzen beim Bergwan-dern mit nicht adäquatem Schuhwerk ausgerüstet ist und legt nahe, dass die Art des Schuh-werks eine untergeordnete Rolle bei sturz-bedingten Unfällen beim Bergwandern spielt.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

Research Output

  • 71 Zitationen
  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2020
    Titel Sturz-bedingte Unfälle beim Bergwandern: Welche Begleitumstände spielen eine Rolle?
    Typ Journal Article
    Autor Pocecco E
    Journal Analyse:Berg
  • 2020
    Titel Accidents during mountain hiking and alpine skiing – epidemiological data from the Austrian Alps
    DOI 10.5960/dzsm.2020.465
    Typ Journal Article
    Autor Faulhaber M
    Journal Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin/German Journal of Sports Medicine
    Seiten 293-299
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Correction: Fall-related accidents among hikers in the Austrian Alps: a 9-year retrospective study
    DOI 10.1136/bmjsem-2017-000304corr1
    Typ Journal Article
    Journal BMJ Open Sport & Exercise Medicine
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Characteristics of Victims of Fall-Related Accidents during Mountain Hiking
    DOI 10.3390/ijerph17031115
    Typ Journal Article
    Autor Faulhaber M
    Journal International Journal of Environmental Research and Public Health
    Seiten 1115
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Fall-related accidents among hikers in the Austrian Alps: a 9-year retrospective study
    DOI 10.1136/bmjsem-2017-000304
    Typ Journal Article
    Autor Faulhaber M
    Journal BMJ Open Sport & Exercise Medicine
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Unfallursachen beim Bergwandern
    Typ Journal Article
    Autor Philippe M
    Journal Analyse:Berg

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