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Alleinlebende ältere Menschen - Unterstützung durch informelle Helfer am Lebensende

Older people living alone (OPLA) - Non-kin-carers´ support towards the end-of-life

Sabine Pleschberger (ORCID: 0000-0002-6435-3193)
  • Grant-DOI 10.55776/P30607
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2018
  • Projektende 30.04.2022
  • Bewilligungssumme 389.069 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Sozialwissenschaften (35%); Gesundheitswissenschaften (50%); Soziologie (15%)

Keywords

    Older People, End-Of-Life Care, Living Alone, Gender Issues, Non-Kin-Carerss

Abstract Endbericht

Immer mehr alte und hochbetagte Menschen leben in einem Einpersonenhaushalt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, doch sind es mehrheitlich Frauen, die im hohen Alter davon betroffen sind. Wenn Hilfe- und Pflegbedürftigkeit zunehmen, ist der Verbleib in der häuslichen Umgebung trotz vielfältiger flächendeckender Angebote bedroht. Am Ende des Lebens spitzt sich die Situation häufig zu. Alleinlebende ältere Menschen sind deshalb eine besonders vulnerable Gruppe, wenn es um die Erfüllung des Wunsches geht, zuhause sterben zu können. Hierbei stellen Freundinnen/Freunde oder Nachbarinnen/Nachbarn eine wesentliche Ressource dar. Diese Form der außerfamiliären informellen Hilfe wird jedoch bislang, sowohl in Politik und Gesellschaft als auch in der Forschung, noch kaum in den Blick genommen. Wie informelle außerfamiliäre Unterstützungsarrangements gestaltet sein müssen, damit ein Verbleib von alleinlebenden älteren Menschen im eigenen Zuhause bis zuletzt gelingen kann, das ist die zentrale Frage dieser Studie. Ein Längsschnittdesign wurde gewählt. Arrangements von alleinlebenden älteren Menschen und ihren informellen außerfamiliären Helfer/innen sollen über einen Zeitraum von 18 Monaten untersucht werden. Die Zeit zunehmender Hilfe und Pflegebedürftigkeit bis hin zum Lebensende steht im Mittelpunkt des Interesses. Die Datensammlung erfolgt über persönliche Interviews sowie laufende telefonische Kontakte. Im Todesfall der alleinlebenden Person, werden die Erhebungen ca. 3-5 Monate später mit einem bilanzierenden Interview mit der/m informellen Helfer/in abgeschlossen. Die Analyse der Interviews erfolgt sowohl fallverlaufsbezogen als auch im Querschnitt, unter Anwendung gängiger Verfahren der qualitativen Forschung. Die Teilnehmer/innen werden mit Unterstützung von Hauskrankenpflegediensten, Hausärzten sowie spezialisierten Hospiz- und Palliative Care Teams in den Regionen Oberösterreich, Niederösterreich, Steiermark und Wien rekrutiert. Im geplanten Zeitraum sollen 20-25 Fallverläufe erfasst werden, bestehend aus insgesamt bis zu 200 persönlichen Interviews. Eine qualitätsvolle Betreuung durch informelle Hilfebeziehungen in Ergänzung zu professioneller Unterstützung ist in dieser Studie ebenso von Interesse, wie eine intensive Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Aspekten. Dazu kooperieren wir mit dem Forschungsinstitut für Altersökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien (Expertise zu Qualität informelle-formelle Hilfe) sowie dem Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik der Alpen-Adria Universität Klagenfurt (Expertise zu Gender). Erstmals in Österreich soll mit dem geplanten Vorhaben die Situation alleinlebender älterer Menschen untersucht werden, und zwar über den Zeitverlauf und mit Augenmerk auf außerfamiliäre Helfer/innen. Dies ermöglicht Einblick in die Herausforderungen die sich für die Betroffenen insbesondere am Lebensende stellen. Damit auch alleinlebende Menschen ohne familiäre Unterstützung im Nahbereich die Chance auf einen Verbleib zuhause bis zuletzt haben, bedarf es einer soliden Wissensgrundlage.

Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil von älteren Menschen die in einem Einpersonenhaushalt leben zu. Nicht zuletzt aufgrund deren höherer Lebenserwartung handelt es sich dabei überwiegend um Frauen. Die Frage, wie diese Menschen im Falle zunehmender Hilfe- und Pflegebedürftigkeit zuhause bleiben können, stellt sich besonders bei jenen, die keine Familie im Nahbereich haben. Informelle außerfamiliäre Hilfebeziehungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Da informelle Pflege sowohl in der Forschung als auch in der Politik meist als familiäre Pflege verstanden wird, wurde Personen, die sich im Rahmen informeller außerfamiliärer Hilfe engagieren, bisher wenig Beachtung geschenkt. Es ist daher wichtig, solche Unterstützungsnetzwerke und die Charakteristika informeller außerfamiliärer Hilfe besser zu verstehen, und Einflussfaktoren darauf im Zeitverlauf zu untersuchen. Mit der qualitativen Längsschnittsstudie "Older People Living Alone (OPLA) - Alleinlebende ältere Menschen: Unterstützung aus dem informellen außerfamiliären Bereich" sollte eine entsprechende Wissensbasis geschaffen werden, einschließlich der Beachtung von Herausforderungen in der letzten Lebensphase. Ausgehend von 32 leitfadengestützten Interviews mit alleinlebenden älteren Menschen wurde die Gruppe informeller außerfamiliärer Helfer*innen ausdifferenziert: Freundinnen und Freunde, Nachbarinnen und Nachbarn, Bekannte und Mitglieder verschiedener Gemeinschaften sind zu unterscheiden. Auch hinsichtlich der Rollen und Aufgaben, die sie übernehmen, haben wir Besonderheiten identifiziert. Ein weiteres Ergebnis ist eine Typologie von Unterstützungsarrangements. Sie wurde hinsichtlich des Ausmaßes und der Art der Beteiligung außerfamiliärer informeller Hilfe ("Non-kin support") erstellt: (1) vielfältiger Non-kin support (2) vereinzelter Non-kin support und (3) geringer Non-kin support. Arrangements mit vielfältiger Beteiligung informeller außerfamiliärer Helfer*innen wurden zudem noch in ein soziales oder ein unterstützendes Netzwerk unterteilt. Bei letzterem geht es auch um praktische Hilfe. Mit den Alleinlebenden wurden halbjährlich bis zu drei Interviews in geführt. Im Zeitverlauf wurden zahlreiche Herausforderungen sichtbar, die alleinlebende ältere Menschen schon aufgrund der Tatsache, dass sie in einem Einpersonenhaushalt leben, zu bewältigen haben. Jegliche gesundheitliche Verschlechterung, die mit dem Altern einhergeht, erfordert eine Reaktion. Dies betrifft etwa die Aktivitäten des täglichen Lebens, den Haushalt, finanzielle Angelegenheiten sowie der Selbst- und Gesundheitspflege. Zudem müssen alleinlebende ältere Menschen für Notfälle und andere unvorhergesehene Ereignisse vorsorgen. Um Zuhause weiter machen zu können, wenden alleinlebende ältere Menschen folgende Strategien an: Vorausschauend denken und handeln, Risiken einschätzen sowie Bedarf und Möglichkeiten an Unterstützung aufeinander abstimmen. Geschlechtsspezifische Unterschiede wurden in allen Themenbereichen deutlich. Ergänzend wurden Interviews mit 20 informellen Helfenden im Rückblick geführt. Die Ergebnisse dieser Analysen verdeutlichen, dass informelle außerfamiliäre Helfer*innen große Anstrengungen unternehmen, um die Interessen und Bedürfnisse alleinlebender älterer Menschen zu wahren. Die Autonomie und Würde am Lebensende und darüber hinaus zu gewährleisten, ist ebenso wichtig. Die Studie verdeutlicht die Vielfalt der Unterstützung durch Nicht-Verwandte in Betreuungsarrangements von alleinlebenden älteren Menschen, die von politischen Entscheidungsträgern bei der Förderung informeller Betreuung berücksichtigt werden sollte. Zudem liefern die Ergebnisse wichtige Grundlagen für künftige Forschungen in diesem gesellschaftlich wichtigen Bereich.

Forschungsstätte(n)
  • Wirtschaftsuniversität Wien - 6%
  • GÖG - Gesundheit Österreich GmbH - 84%
  • Universität Wien - 10%
Nationale Projektbeteiligte
  • Elisabeth Reitinger, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
  • Birgit Trukeschitz, Wirtschaftsuniversität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 25 Zitationen
  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2024
    Titel Nonkin Carers' Roles and Contributions to the Support of Older People Living Alone: An Analysis of Qualitative Data.
    DOI 10.1093/geronb/gbae008
    Typ Journal Article
    Autor Pfabigan J
    Journal The journals of gerontology. Series B, Psychological sciences and social sciences
  • 2022
    Titel Support towards the end of life and beyond: Non-kin care commitment for older people living alone in Austria
    DOI 10.1111/hsc.13937
    Typ Journal Article
    Autor Kieninger J
    Journal Health & Social Care in the Community
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Alleinlebende ältere Menschen: Stellenwert der informellen außerfamiliären Hilfe
    DOI 10.1007/s00391-022-02099-3
    Typ Journal Article
    Autor Pfabigan J
    Journal Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie
    Seiten 498-504
  • 2022
    Titel Under Reconstruction: The Impact of COVID-19 Policies on the Lives and Support Networks of Older People Living Alone.
    DOI 10.1332/239788221x16308602886127
    Typ Journal Article
    Autor Pfabigan J
    Journal International journal of care and caring
    Seiten 211-228
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Older people living alone (OPLA) – non-kin-carers’ support towards the end of life: qualitative longitudinal study protocol
    DOI 10.1186/s12877-019-1243-7
    Typ Journal Article
    Autor Pleschberger S
    Journal BMC Geriatrics
    Seiten 219
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Aus der Krise erwachsenes soziales Kapital - eine Ressource für die Zukunft?
    Typ Other
    Autor Pfabigan J
    Link Publikation

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