Fortgeschrittene Perimetrie zur Evaluierung der Neuroplastizität im visuellen Kortex
Advanced Perimetry for the Evaluation of Neuroplasticity in the Visual Cortex
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%); Psychologie (30%)
Keywords
-
Neuroplasticity,
Anopia,
Hemianopia,
Gaze Contingent Diagnostics,
Perimetry,
Neuropsychology
Verschiedene Studien berichten von Hinweisen, dass Neuroplastizität durch Training der betroffenen visuellen Bereiche des menschlichen und nicht-menschlichen Gehirns hervorgerufen und unterstützt werden kann. Andere Studien widersprechen diesem Ansatz und erklären die vornehmlichen Verbesserungen im Gesichtsfeld durch mangelhafte Augenfixations-Kontrolle bei Untersuchungen. Ob neuropsychologisches Training nach einem Schlaganfall oder einem Trauma den erlittenen Gesichtsfeldausfall tatsächlich verbessert, ist demnach - nachwievor - umstritten. Die Frage der Neuroplastizität nach Schlaganfall oder Trauma wird in der Hirnforschung kontroversiell diskutiert, was gleichzeitig die Genauigkeit der Diagnosestellung in der Praxis und zusätzlich den klinischen Behandlungsverlauf betroffener PatientInnen beeinflusst. Aus diesem Grund haben wir ein neuartiges Verfahren zur Gesichtsfelddiagnostik entwickelt, welches die Diagnostik signifikant verbessert und damit die Frage nach der Neuroplastizität des menschlichen Gehirns beantworten kann. Erste Vorstudien zeigen bereits, dass das neu entwickelte Instrument etablierten Instrumenten, die für die Evaluierung der Neuroplastizität durch Gesichtsfelddiagnostik eingesetzt werden, tatsächlich überlegen ist. Wir sind überzeugt, dass unser Diagnostikinstrument, welches Technologie aus Eye-Tracking und Virtual-Reality Hardware kombiniert, sowohl eine höchst genaue, als auch praktikable Methode darstellt, um zuverlässige Aussagen über das Gesichtsfeld von PatientInnen machen zu können. Im Zuge des vorliegenden Projektantrages werden wir in einem ersten Schritt das Messinstrument in VR-Hardware einbinden und eine Studie durchführen, die die Genauigkeit und Zuverlässigkeit des Paradigmas zeigt. In einem zweiten Schritt werden durch den Einsatz des Messinstruments PatientInnen untersucht und dadurch Aussagen über die Wirksamkeit neuropsychologischer Trainings ermöglicht, welche wiederum Rückschlüsse über die Funktionalität der Neuroplastizität zulässt. Basierend auf diesen Erkenntnissen sind wir davon überzeugt, fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse über die Existenz der Regenerationsfähigkeit visueller Areale im menschlichen Gehirn zu erlangen.
In einer zunehmend alternden Gesellschaft kommt der genauen Diagnose und der effizienten Behandlung neuropsychologischer Erkrankungen vermehrt Bedeutung zu. Das Projekt entwickelte ein präzises und objektives Instrument zur Diagnose von Gesichtsfeldausfällen, welche oft die Folge eines Schlaganfalles sind. Dieses Diagnoseinstrument erlaubte uns in Folge die Effizienz einer Behandlungsmethode - Visuelles Restitutionstraining - mit vormals nicht erreichbarer Genauigkeit und Objektivität zu untersuchen. Das Prinzip des Trainings beruht auf der wiederholten Stimulation verbliebener, gesunder Gehirnzellen zwischen den gesunden und den geschädigten Anteilen des visuellen Kortex. Das sollte zu einer graduellen Vergrößerung des gesunden Anteil des visuellen Kortex und in Folge zu einem größeren Gesichtsfeld führen. Die Stimulation setzten wir mit einem Gerät mit virtueller Realität um, das die Patienten am Kopf tragen konnten. Das Gerät erlaubte es den Patienten an einem beliebigen Ort und zu einer beliebigen Zeit zu trainieren. Die Patienten trainierten täglich für 30 Minuten über einen Zeitraum von etwa 6 Monaten. Trotz der Intensität und der langen Dauer des Trainings und des herausragenden Engagement (commitment) der Patienten erwies sich das Training als unwirksam. Das ist ein wichtiger Befund, weil es in Zukunft Patienten davor bewahren kann, Zeit und monetäre Ressourcen für eine ineffiziente Behandlung aufzuwenden. Ein Zufallsbefund des Projektes war, dass möglicherweise Patienten, die nicht an kortikaler Blindheit, sondern an einem visuellen Neglect (Störung der visuellen Aufmerksamkeit) leiden, von einem visuellen Restitutionstraining profitieren. Zudem stellte sich die Umsetzung von neuropsychologischen Interventionsmaßnahmen in virtueller Realität als für die Zukunft vielversprechend heraus.
- Universität Salzburg - 100%
Research Output
- 108 Zitationen
- 15 Publikationen
-
2021
Titel Survey for the estimation of the spread of hypothetical viruses from Anticipating trajectories of exponential growth DOI 10.6084/m9.figshare.14481949.v1 Typ Other Autor Hutzler F Link Publikation -
2024
Titel Die Psychologie der Neurovisuellen Neurorehabilitation DOI 10.14624/nr2403001 Typ Journal Article Autor Leitner M Journal Neurologie & Rehabilitation Seiten 129-136 Link Publikation -
2021
Titel Salzburg Visual Field Trainer (SVFT): A virtual reality device for (the evaluation of) neuropsychological rehabilitation DOI 10.1101/2021.03.25.21254352 Typ Preprint Autor Leitner M Seiten 2021.03.25.21254352 Link Publikation -
2021
Titel Anticipating trajectories of exponential growth DOI 10.1098/rsos.201574 Typ Journal Article Autor Hutzler F Journal Royal Society Open Science Seiten 201574 Link Publikation -
2025
Titel An extended logarithmic visualization improves forecasting accuracy for exponentially growing numbers, but residual difficulties remain DOI 10.1016/j.ijforecast.2024.09.006 Typ Journal Article Autor Engler B Journal International Journal of Forecasting Seiten 466-474 Link Publikation -
2021
Titel A dynamic adjustment model of saccade lengths in reading for word-spaced orthographies: evidence from simulations and invisible boundary experiments DOI 10.1080/20445911.2021.2011895 Typ Journal Article Autor Hautala J Journal Journal of Cognitive Psychology Seiten 435-453 Link Publikation -
2022
Titel The effect of masks on the recognition of facial expressions: A true-to-life study on the perception of basic emotions DOI 10.3389/fpsyg.2022.933438 Typ Journal Article Autor Leitner M Journal Frontiers in Psychology Seiten 933438 Link Publikation -
2023
Titel Subjective experience, self-efficacy, and motivation of professional football referees during the COVID-19 pandemic DOI 10.1057/s41599-023-01720-z Typ Journal Article Autor Richlan F Journal Humanities and Social Sciences Communications Seiten 215 Link Publikation -
2023
Titel Placebo effect after visual restitution training: no eye-tracking controlled perimetric improvement after visual border stimulation in late subacute and chronic visual field defects after stroke DOI 10.3389/fneur.2023.1114718 Typ Journal Article Autor Leitner M Journal Frontiers in Neurology Seiten 1114718 Link Publikation -
2019
Titel Co-registration of eye movements and neuroimaging for studying contextual predictions in natural reading DOI 10.1080/23273798.2019.1616102 Typ Journal Article Autor Himmelstoss N Journal Language, Cognition and Neuroscience Seiten 595-612 Link Publikation -
2019
Titel Spill the load: Mixed evidence for a foveal load effect, reliable evidence for a spillover effect in eye-movement control during reading DOI 10.3758/s13414-019-01689-5 Typ Journal Article Autor Findelsberger E Journal Attention, Perception, & Psychophysics Seiten 1442-1453 Link Publikation -
2021
Titel Salzburg Visual Field Trainer (SVFT): A virtual reality device for (the evaluation of) neuropsychological rehabilitation DOI 10.1371/journal.pone.0249762 Typ Journal Article Autor Leitner M Journal PLOS ONE Link Publikation -
2021
Titel Eye-tracking-based visual field analysis (EFA): a reliable and precise perimetric methodology for the assessment of visual field defects DOI 10.1136/bmjophth-2019-000429 Typ Journal Article Autor Leitner M Journal BMJ Open Ophthalmology Link Publikation -
2021
Titel Visual field improvement in neglect after virtual reality intervention: a case study DOI 10.1101/2021.05.04.21256247 Typ Preprint Autor Leitner M Seiten 2021.05.04.21256247 Link Publikation -
2021
Titel Visual field improvement in neglect after virtual reality intervention: a single-case study DOI 10.1080/13554794.2021.1951302 Typ Journal Article Autor Leitner M Journal Neurocase Seiten 308-318 Link Publikation