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Asymmetrie in icosaedrischen Viren

Asymmetry in Icosahedral Viruses

Dieter Blaas (ORCID: 0000-0002-9612-3376)
  • Grant-DOI 10.55776/P31392
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2018
  • Projektende 28.02.2022
  • Bewilligungssumme 367.795 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (20%); Chemie (20%); Gesundheitswissenschaften (40%); Physik, Astronomie (20%)

Keywords

    Rhinovirus, Uncoating, RNA, Cryo-Em, Entry, 3D-structure

Abstract Endbericht

Eine virale Infektion resultiert üblicherweise in der Umprogrammierung der Wirtszelle; sie wird dabei gezwungen vorwiegend Virusnachkommen zu produzieren. Die Viren transferieren dazu ihre genetische Information, kodiert in Form von Nukleinsäuren, vom Inneren des schützenden Kapsids durch eine für sie gefährliche Umgebung ins Innere der Zelle. Meist beginnt die Infektion damit, dass das Virus an geeignete Strukturen an der Zelloberfläche bindet und daraufhin im Inneren von Lipidvesikeln, die sich von der Innenseite der Plasmamembran abschnüren, ins Zytoplasma transportiert wird. Sobald in diesen Vesikeln, den Endosomen, geeignete Bedingungen herrschen die ein gefahrloses Öffnen des Kapsids erlauben, geben die Viren ihre Nukleinsäuren ab; aus dem Virion kommend, durchdringen diese die Vesikelmembran und erreichen schließlich das Zytosol. Es ist gänzlich ungeklärt wie diese auf kleinstem Raum zusammengeknäuelten Nukleinsäuren das virale Kapsid verlassen und unbeeinträchtigt an ihr Ziel gelangen, wo sie die Synthesemaschinerie der Wirtszelle nötigen neue Viren zu erzeugen. Rhinoviren, die Hauptverursacher des immer wiederkehrenden Schnupfens, besitzen ein Genom aus einem einzelnen RNA-Strang von etwa 7200 Nukleotiden. Das entspricht einer Gesamtlänge von etwa 2 Micrometer. Dieser lineare Strang ist durch lokal komplementäre Regionen in eine Vielzahl kurzer doppelsträngiger Bereiche gefaltet, die durch Schleifen verbunden sind. Dieses hochkomplex dreidimensional gefaltete Molekül ist in einem Volumen von etwa 4 x 10-21 Litern eingeschlossen, was einer Konzentration in der Grössenordnung von kg pro Liter entspricht. Es ist ungeklärt, wie sich dieses kompakte Molekül wieder entfaltet um durch eines der kleinen Löcher zu schlüpfen, die sich im Kapsid unter dem Einfluß des sauren Milieus in den Mebranvesikeln, den oben genannten Endosomen, öffnen. Wir wollen daher unter anderem herausfinden, wie das RNA Molekül im Inneren des ikosahedrischen Kapsids angeordnet ist sodaß, wie wir glauben, eines der Enden, an eine bestimmte Stelle zu liegen kommt. Um diese Frage zu klären werden wir eine Vielzahl von komplementären Techniken verwenden, vor allem die Cryoelektronenmikroskopie. Wir haben Hinweise darauf, dass die RNA, im Begriff das Virus zu verlassen, ein bestimmtes zelluläres Protein bindet. Dies könnte das Partikel derart orientieren, dass die Austrittsöffnung an der Membran zu liegen kommt sodaß sich ein Kanal bildet, der das Innere des Virus mit dem Zytoplasma verbindet. Wir werden dazu neue Ansätze entwickeln, um die Enden des RNA Moleküls im Virion kurz vor und kurz nach dem Öffnen der Kanäle mit Metallen zu markieren, sodass wir sie im Elektronenmikroskop sehen können; gleichzeitig wollen wir neue Möglichkeiten zur Inhibition dieser Vorgänge explorieren.

Die Hauptverursacher des Schnupfens sind Rhinoviren (RV). Durch die meist auf die Nasenschleimhaut beschränkte Infektion wird nur eine geringe Immunität erzielt und diese erstreckt sich nicht auf die vielen anderen RV Stämme. Man kann daher immer wieder mit einer neuen RV Variante infiziert werden. RVs sind Ikosaheder mit einem Durchmesser von etwa 30 nm. Sie besitzen keine Lipidhülle und sind aus je 60 Kopien von nur vier verschiedenen Proteinen und einem einzelsträngigen RNA Genom aufgebaut. Es gibt in der RV Forschung zwei brennende Fragen: Erstens, wie ist die nicht-symmetrische RNA im Inneren des Viruskapsids gefaltet und, zweitens, wie verläßt diese RNA das Kapsid und durchdringt zumindest eine Lipidmembran um ins Zytoplasma zu gelangen, wo die Vermehrung statt findet. Unter Verwendung unterschiedlicher Techniken konnten wir zeigen, wie das Virus seine Struktur ändert um die RNA zu entlassen und durch neuartige Klassifizierungsmethoden war es möglich Abweichungen von der strikten ikosahedrischen Symmetrie durch die Interaktion der unterschiedlichen RNA Segmente mit identischen Kopien der viralen Proteine nachzuweisen. Es gibt zwar eine Reihe von niedermolekularen Verbindungen, die die Infektion inhibieren, aber keine davon konnte bisher zu einem Medikament weiter entwickelt werden. Diese Verbindungen sind gegen verschiedene virale Proteine gerichtet (die viralen Proteinasen, die viral RNA Polymerase etc.) oder stabilisieren das Kapsid gegen die oben genannten Strukturänderungen, sodaß das Genom nicht ins Zytoplasma gelangen kann. Für eine neuere dieser Verbindungen konnten wir die Bindungsstelle am Kapsid identifizieren was bei deren Weiterentwicklung sehr nützlich ist. Ausserdem konnten wir bestimmte Faltungsmuster der viralen RNA mittels spezifisch bindender Verbindungen stabilisieren, was die RNA als neues potentielles Ziel antiviraler Therapie ausweist.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%

Research Output

  • 59 Zitationen
  • 8 Publikationen
Publikationen
  • 2024
    Titel Aichivirus A1 replicates in human intestinal epithelium and bronchial tissue: Lung-gut axis?
    DOI 10.1016/j.virusres.2024.199338
    Typ Journal Article
    Autor Jungbauer-Groznica M
    Journal Virus Research
  • 2021
    Titel Rhinovirus Inhibitors: Including a New Target, the Viral RNA
    DOI 10.3390/v13091784
    Typ Journal Article
    Autor Real-Hohn A
    Journal Viruses
    Seiten 1784
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Individual subunits of a rhinovirus causing common cold exhibit largely different protein-RNA contact site conformations
    DOI 10.1038/s42003-020-01269-6
    Typ Journal Article
    Autor Blaas D
    Journal Communications Biology
    Seiten 537
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Stabilization of the Quadruplex-Forming G-Rich Sequences in the Rhinovirus Genome Inhibits Uncoating-Role of Na+ and K.
    DOI 10.3390/v15041003
    Typ Journal Article
    Autor Groznica M
    Journal Viruses
  • 2019
    Titel Cryo-EM structure of pleconaril-resistant rhinovirus-B5 complexed to the antiviral OBR-5-340 reveals unexpected binding site
    DOI 10.1073/pnas.1904732116
    Typ Journal Article
    Autor Wald J
    Journal Proceedings of the National Academy of Sciences
    Seiten 19109-19115
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Monolithic anion-exchange chromatography yields rhinovirus of high purity
    DOI 10.1016/j.jviromet.2017.09.027
    Typ Journal Article
    Autor Allmaier G
    Journal Journal of Virological Methods
    Seiten 15-21
    Link Publikation
  • 2020
    Titel nanoDSF: In vitro Label-Free Method to Monitor Picornavirus Uncoating and Test Compounds Affecting Particle Stability
    DOI 10.3389/fmicb.2020.01442
    Typ Journal Article
    Autor Real-Hohn A
    Journal Frontiers in Microbiology
    Seiten 1442
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Catching Common Cold Virus with a Net: Pyridostatin Forms Filaments in Tris Buffer That Trap Viruses—A Novel Antiviral Strategy?
    DOI 10.3390/v12070723
    Typ Journal Article
    Autor Real-Hohn A
    Journal Viruses
    Seiten 723
    Link Publikation

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