Entwicklung der erworbenen Immunität in menschlicher Haut
Development of adaptive human skin immunity
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (80%)
Keywords
-
T cells,
Skin,
Development,
Human,
Prenatal
Die Hauptaufgabe des Immunsystems ist es, den Körper vor eingedrungenen fremden Stoffen und Krankheitserregern zu schützen, welche sehr häufig die Haut oder Schleimhaut als Eintrittspforte nützen. Die erste Kontaktaufnahme mit diesen infektiösen Bedrohungen passiert erstmals kurz nach der Geburt. Über diese entscheidende Phase der Entwicklung des Immunsystems in der Haut ist noch sehr wenig bekannt. Als Grenzorgan zur Umwelt verfügt die Haut über alle Instrumente des Immunsystems. Immunzellen in der Haut bestimmen, ob und wie das Immunsystem auf infektiöse Bedrohungen reagiert. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den T Zellen zu. Über die Existenz und Funktion von T Zellen in der Haut von erwachsenen Menschen sind zahlreiche Studien vorhanden. Interessanterweise findet man, wenn auch deutlich weniger, T Zellen bereits in fötaler menschlicher Haut. Über deren Funktion ist bislang allerdings noch nichts bekannt. In diesem Projekt planen wir daher, mit Hilfe von Standardmethoden und neuesten innovativen Technologien mehr über die Natur dieser Zellen zu erfahren. Erfolgreiche Vorversuche haben gezeigt, dass es technisch möglich ist, genügend T Zellen aus fötaler Haut zu isolieren, mit denen weiterführende Experimente durchgeführt werden können. Die Untersuchung der isolierten T Zellen mit einem speziellen Durchflußzytometer (ImageStream) stellt eine attraktive Möglichkeit dar, Zellen gleichzeitig durchflußzytometrisch und mikroskopisch zu erfassen und zu erforschen und ist daher als Anwendung geplant. Darüber hinaus wird eine neu entwickelte Technologie (Chromium Controller) verwendet, um das molekulare und funktionelle Repertoire von pränatalen T Zellen der Haut zu ausgewählten Schwangerschaftszeitpunkten zu entschlüsseln. Diese Daten werden durch Analysen im Gewebe mittels Immunhistochemie und Immunfluoreszenz validiert. Des Weiteren haben Vorversuche gezeigt, dass eine Vermehrung dieser fötalen T Zellen mit Hilfe von verschiedenen Faktoren möglich ist, womit eine wichtige Basis für weitere Forschungsarbeiten geschaffen wurde. Unsere Studie soll zu einem besseren Verständnis des Immunsystems der Haut vor der Geburt beitragen, was zu einer wesentlich früheren therapeutischen/prophylaktischen Beeinflussung vieler Hauterkrankungen führen kann, die von entzündlichen T Zellen ausgelöst und aufrechterhalten werden. Damit könnte eine Lücke geschlossen werden, für die wir derzeit keinerlei Antworten haben.
Die Herausforderungen an die Entwicklung des menschlichen Immunsystems sind immens. Während der Schwangerschaft muss es Infektionen gezielt abwehren, jedoch übermäßige Immunreaktionen vermeiden. Nach der Geburt muss der Übergang von der sterilen Umgebung im Mutterleib zu einer mikrobiell reichen Umgebung reibungslos verlaufen. Daher unterscheidet sich das Immunsystem des Fötus von dem der Erwachsenen und unterliegt der Kontrolle durch Mechanismen, die bislang nur teilweise erforscht sind. Bei gesunden Erwachsenen beherbergt die Haut als unser größtes sichtbares Schutzorgan zahlreiche T Zellen. Diese weißen Blutzellen spielen in der Immunabwehr des Körpers eine entscheidende Rolle. Sie erkennen körperfremde Stoffe (=Antigene) über bestimmte Rezeptoren, bestehend entweder aus oder Ketten, und gewährleisten einerseits eine effiziente Immunantwort, können aber andererseits auch Entzündungen und Autoimmunerkrankungen hervorrufen. T Zellen wurden bereits in fötaler Haut identifiziert. Allerdings waren unsere Erkenntnisse über deren Erscheinungsbild und Funktion aufgrund ihrer geringen Häufigkeit und des Mangels an geeigneten Untersuchungsmethoden begrenzt. Daher lag der Fokus unseres Forschungsprojektes darauf, vorerst Methoden zur Isolierung ausreichender Mengen von T Zellen aus fötalem Gewebe zu entwickeln, um anschließend umfassende Analysen mit modernsten molekular- und zellbiologischen Methoden durchzuführen. Durch die Implementierung und Optimierung spezifischer Techniken ist es uns gelungen, T Zellen aus fötaler Haut in ausreichender Menge zu isolieren. Dies ermöglichte die Identifizierung einer T Zell-Untergruppe, die eine besondere Eigenschaft aufweist, nämlich die Koexpression der und T Zell Rezeptoren. Bisher wurde dieser neuartige Zelltyp ausschließlich in unserer Studie in der fötalen Haut und im Darm nachgewiesen, jedoch nicht in der erwachsenen Haut. Gensignaturen, Zytokinprofile und in silico-Rezeptor-Ligand-Interaktionsstudien der positiven T Zellen deuten auf eine Beteiligung an der frühen Hautentwicklung hin. Funktionelle in vitro Studien haben zudem gezeigt, dass sie auf fremde Proteine aktiv reagieren können. Umfangreiche funktionelle Studien mit frisch isolierten fötalen T Zellen der Haut blieben dennoch weiterhin eine Herausforderung. Durch die Weiterentwicklung einer speziellen Methode konnten schlussendlich T Zellen aus fötaler Haut ex vivo erfolgreich expandiert werden ohne dabei ihr Erscheinungsbild zu verändern. Diese entscheidende Fortentwicklung ermöglichte eine eingehende Erforschung ihrer Merkmale und enthüllte ihre Komplexität. Unser Projekt hat einen bedeutenden Fortschritt erzielt, um das Immunsystem in der fötalen Haut besser zu verstehen. Wir konnten erstmals zeigen, dass eine einzigartige T Zell-Untergruppe eine potenzielle Schlüsselrolle in der Entwicklung der menschlichen Haut spielt. Darüber hinaus vermochten diese Zellen außerhalb ihres gewöhnlichen Milieus eine schützende Immunantwort hervorzurufen. Dies weist auf spezifische Regulationsmechanismen in der Haut hin, die während der Entwicklung im Mutterleib eine tolerante Umgebung aufrechterhalten. Unsere Erkenntnisse stehen im Einklang mit einer wachsenden Anzahl von Studien, die darauf hindeuten, dass das fötale Immunsystem nicht einfach eine unreife oder weniger aktive Version der erwachsenen Immunabwehr ist. Stattdessen erfüllt es eigenständige Aufgaben und zeigt spezifische Funktionsweisen, die von spezialisierten Zellen ausgeführt werden.
Research Output
- 324 Zitationen
- 18 Publikationen
- 4 Methoden & Materialien
- 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 3 Weitere Förderungen
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2024
Titel Native human and mouse skin infection models to study Candida auris-host interactions. DOI 10.1016/j.micinf.2023.105234 Typ Journal Article Autor Arzani H Journal Microbes and infection Seiten 105234 -
2024
Titel Proteomic Profiling of Advanced Melanoma Patients to Predict Therapeutic Response to Anti-PD-1 Therapy. DOI 10.1158/1078-0432.ccr-23-0562 Typ Journal Article Autor Eichhoff Om Journal Clinical cancer research : an official journal of the American Association for Cancer Research Seiten 159-175 -
2024
Titel Surfactants for stabilization of dermal emulsions and their skin compatibility under UVA irradiation: Diacyl phospholipids and polysorbate 80 result in high viability rates of primary human skin cells. DOI 10.1016/j.ijpharm.2024.123903 Typ Journal Article Autor Josef Schmolz J Journal International journal of pharmaceutics Seiten 123903 -
2020
Titel Single-cell transcriptomics combined with interstitial fluid proteomics defines cell type–specific immune regulation in atopic dermatitis DOI 10.1016/j.jaci.2020.03.041 Typ Journal Article Autor Rojahn T Journal Journal of Allergy and Clinical Immunology Seiten 1056-1069 Link Publikation -
2022
Titel Interoperability of RTN1A in dendrite dynamics and immune functions in human Langerhans cells DOI 10.1101/2022.04.08.487626 Typ Preprint Autor Cichon M Seiten 2022.04.08.487626 Link Publikation -
2022
Titel Interoperability of RTN1A in dendrite dynamics and immune functions in human Langerhans cells DOI 10.7554/elife.80578 Typ Journal Article Autor Cichon M Journal eLife Link Publikation -
2023
Titel Epidermal/Dermal Separation Techniques and Analysis of Cell Populations in Human Skin Sheets. DOI 10.1016/j.jid.2022.10.012 Typ Journal Article Autor Cichoń Ma Journal The Journal of investigative dermatology -
2022
Titel Involvement of Reticulon 1A in cutaneous immunity and changes in Langerhans cell morphology Typ Other Autor Cichon Ma -
2022
Titel Histological assessment and immune response after C. albicans and C. auris infection in fetal human skin Typ Other Autor Sakhuja A -
2022
Titel Ex vivo human skin infection models to investigate fungal-host interactions Typ Other Autor Milicevic I -
2021
Titel Persistence of mature dendritic cells, TH2A, and Tc2 cells characterize clinically resolved atopic dermatitis under IL-4Ra blockade DOI 10.1126/sciimmunol.abe2749 Typ Journal Article Autor Bangert C Journal Science Immunology -
2023
Titel Characterization of immune cell types and signaling molecules involved in the skin's defense responses to the fungal pathogen Candida auris Typ Other Autor Pevec V -
2021
Titel The molecular and phenotypic makeup of fetal human skin T lymphocytes DOI 10.1242/dev.199781 Typ Journal Article Autor Reitermaier R Journal Development Link Publikation -
2021
Titel aß?d T cells play a vital role in fetal human skin development and immunity DOI 10.1084/jem.20201189 Typ Journal Article Autor Reitermaier R Journal Journal of Experimental Medicine Link Publikation -
2021
Titel Characterization of T cells in prenatal human skin Typ Other Autor Staller Jt -
2021
Titel Immunsystem fötaler Haut - anders als jenes von Erwachsenen Typ Other Autor Elbe-Bürger A Seiten 98-99 Link Publikation -
2021
Titel Lecithin-based nanoemulsions of traditional herbal wound healing agents and their effect on human skin cells DOI 10.1016/j.ejpb.2021.11.004 Typ Journal Article Autor Vater C Journal European Journal of Pharmaceutics and Biopharmaceutics Seiten 1-9 Link Publikation -
2020
Titel Assessment of the T cell receptor repertoire in prenatal human T cells Typ Other Autor Ayub T
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2024
Titel Establishment of native skin infection models to study Candida auris-host interactions Typ Biological samples Öffentlich zugänglich -
2022
Titel T cell isolation from fetal human skin Typ Technology assay or reagent Öffentlich zugänglich -
2022
Titel RTN1A expression significantly alters cellular dimensions, suppresses calcium flux, and modulates cell adhesion mechanisms in myeloid cells Typ Cell line Öffentlich zugänglich -
2021
Titel Amplification of T cells from fetal human skin samples. Typ Technology assay or reagent Öffentlich zugänglich
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2023
Titel Workshop on Langerhans cells Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2022
Titel Fetal development of the skin immune system Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2022
Titel Austrian Science Days - Mobility-Award 2022 Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country) -
2021
Titel The Landsteiner Immunology Research Excellence Award Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country)
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2024
Titel Skin barrier immune defence against the multidrug-resistant fungal pathogen Candida auris Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2024 Geldgeber LEO Foundation -
2024
Titel Skin barrier immune defence against the multidrug-resistant fungal pathogen Candida auris Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2024 Geldgeber LEO Foundation -
2018
Titel Development of adaptive human skin immunity Typ Other Förderbeginn 2018 Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)