Mechanismen der Ligandenselektivität in Monoamintransportern
Exploring ligand selectivity in monoamine transporters
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)
Keywords
-
Binding Kinetics,
Serotonin Transporter,
Single Molecular Force Spectroscopy,
Dopamine Transporter,
Electrophysiology,
Ligand Selectivity
Der Serotonintransporter (SERT), der Dopamintransporter (DAT) und der Noradrenalintransporter (NET) regulieren monoaminerge Neurotransmission. Ihre Aufgabe ist es, ausgeschüttete Monoamine zurück in die Neuronen zu holen. Diese Transporter sind wichtige Angriffspunkte für die Therapie von Depressionen und anderen psychischen Störungen. Um verbesserte Medikamente zu entwickeln, ist es wichtig, den Mechanismus ihrer Bindung an die Monoamintransporter im Detail zu verstehen. Die Selektivität der Bindung spielt in diesen Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle. Zum Beispiel sollten Antidepressiva eher auf den SERT wirken und weniger auf den DAT. Umgekehrt sollten Medikamente für die Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung auf DAT und NET wirken und weniger auf SERT. Es ist schon vieles unternommen worden, um die Ligandenselektivität besser zu verstehen. Ursprünglich hat man angenommen, dass diese hauptsächlich durch Unterschiede in den Dissoziationsraten der Medikamente erklärt werden kann. Kürzlich hat jedoch ein Koautor dieses Antrags (Dr Walter Sandtner) herausgefunden, dass auch die Assoziationsrate für die Selektivität wichtig ist. Das lässt sich am besten erklären, wenn man annimmt, dass ein Selektivitätsfilter in Monoamintransportern existiert.Dieser Selektivitätsfilter beinhaltet wahrscheinlich zusätzliche Ligandenbindungsstellen, welche im Eingangsbereich zur Hauptbindungstelle liegen. Der Antragsteller hat eine kraftspektroskopische Methode entwickelt, mit der man einzelmolekulare Bindungsereignisse detektieren kann. Diese Methode erlaubt auch, die Bindungskinetik vonLiganden an Monoamintransportern zu messen. Der Antragsteller hat vor kurzem gezeigt, dass er so die Dissoziationsrate des Antidepressivums Citalopram messen kann und dass die Werte gut mit den ResultatenelektrophysiologischerMessungenübereinstimmen.EineinzigartigerVorteil der kraftspektroskopischen Methode war die Entdeckung und Charakterisierung einer zweiten Bindungstelle, die im Eingangsbereich zur Hauptbindungstelle liegt. Das wäre zur Zeit mit keiner Methode möglich gewesen. In diesen Antrag wird vorgeschlagen, die Assoziationsraten-getriebene Selektivität sowohl mit Einzelmolekül-Kraftspektroskopie als auch mit elektrophysiologischen Methoden zu untersuchen. Es wird außerdem angestrebt, jene Strukturen zu identifizieren, welche für die Bildung des Selektivitätsfilters wichtig sind.
Die Monoamintransporter sind wichtige Angriffspunkte für die Therapie von Depressionen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und anderen psychischen Störungen. Um verbesserte Medikamente zu entwickeln, ist es wichtig, den Mechanismus ihrer Bindung an die Monoamintransporter im Detail zu verstehen. Die Selektivität der Bindung spielt in diesen Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle. Es ist schon vieles unternommen worden, um die Ligandenselektivität besser zu verstehen. Ursprünglich hat man angenommen, dass diese hauptsächlich durch Unterschiede in den Dissoziationsraten der Medikamente erklärt werden kann. Kürzlich hat jedoch Dr. Walter Sandtner herausgefunden, dass auch die Assoziationsrate für die Selektivität wichtig ist. Das lässt sich am besten erklären, wenn man annimmt, dass ein Selektivitätsfilter in Monoamintransportern existiert. Dieser Selektivitätsfilter beinhaltet wahrscheinlich zusätzliche Liganden-bindungsstellen, welche im Eingangsbereich zur Hauptbindungstelle liegen. Wir untersuchten den Selektivitätsfilter mithilfe der Einzelmolekül-Kraftspektroskopie basierend auf Rasterkraftmikroskopie (AFM) und mithilfe der elektrophysiologischen Messungen. Viele Arzneimittelmoleküle wie Desipramin haben eine sekundäre Amingruppe anstelle einer primären Amingruppe, für die kein veröffentlichtes Verfahren zur Funktionalisierung der AFM-Spitze vorhanden ist. In diesem Projekt haben wir die Chemie zur Verknüpfung von Desipramin an die AFM-Spitze durch die Reaktion zwischen Bromacetat und dem sekundären Amin von Desipramin entwickelt, dadurch einen neuen Weg für die Funktionalisierung von AFM-Spitzen mit Wirkstoffmolekülen ebnete. Aus den Kraftmessungen haben wir herausgefunden, dass die Dissoziationsrate von Desipramin für beide Transporter von Dopamin (DAT) und Serotonin (SERT) ähnlich war. Allerdings war die Assoziationsrate von Desipramin bei SERT etwa sechsmal höher als bei DAT. Daher wird die Selektivität von Desipramin für SERT gegenüber DAT hauptsächlich durch seine Assoziationrate und nicht durch seine Dissoziationsrate bestimmt. Durch die Verwendung von Antikörperfragmenten, die auf die extrazelluläre Schleife 2 (EL2) und 4 (EL4) der Transporter binden, fanden wir heraus, dass die Besetzung von EL2 und EL4 die Assoziationsrate von Desipramin für SERT, aber nicht für DAT reduzierte, mit vernachlässigbarer Wirkung auf die Dissoziationsrate, was darauf hindeutet EL2 und EL4 tragen zum Selektivitätsfilter bei, der den Eintritt von Desipramin in die primäre Bindungsstelle von SERT erleichtert. Mithilfe der elektrophysiologischer Messungen erweiterten wir die Erforschung des Selektivitätsfilters auf Methylphenidat, das ein selektiver Inhibitor von DAT ist. Die Ergebnisse zeigten, dass der EL4-Antikörper und sein Fragment den anfänglichen substratinduzierten Übergang von der nach außen gerichteten zur nach innen gerichteten Konformation, aber nicht den Vorwärtszyklusmodus von SERT behinderten. Im Gegensatz dazu verstärkte die Besetzung von EL2 mit Antikörperfragment die Affinität von SERT für Methylphenidat durch Beschleunigung der Assoziationsrate. Dies wurde durch Untersuchung der Bindung bestimmter radioaktiv markierter Inhibitoren an SERT bestätigt. Basierend auf all diesen Beobachtungen schließen wir, dass EL2 und EL4 den Zugang von Inhibitoren zur Bindung von SERT und DAT kontrollieren und somit als Selektivitätsfilter wirken. Diese Erkenntnisse haben Auswirkungen auf die Medikamentenentwicklung.
- Universität Linz - 63%
- Medizinische Universität Wien - 37%
- Walter Sandtner, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Amy Hauck Newman, National Institute on Drug Abuse - NIH - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 226 Zitationen
- 19 Publikationen
- 1 Methoden & Materialien
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2025
Titel Revealing the location and dynamics of a concealed binding site in the dopamine transporter DOI 10.1038/s41467-025-59511-w Typ Journal Article Autor Zhu R Journal Nature Communications Seiten 4197 Link Publikation -
2025
Titel Nanomechanical binding mechanism of ligands drives agonistic activity DOI 10.1038/s41467-025-61929-1 Typ Journal Article Autor Seferovic H Journal Nature Communications Seiten 6674 Link Publikation -
2023
Titel Stabilization of the Quadruplex-Forming G-Rich Sequences in the Rhinovirus Genome Inhibits Uncoating—Role of Na+ and K+ DOI 10.3390/v15041003 Typ Journal Article Autor Real-Hohn A Journal Viruses Seiten 1003 Link Publikation -
2020
Titel Catching Common Cold Virus with a Net: Pyridostatin Forms Filaments in Tris Buffer That Trap Viruses—A Novel Antiviral Strategy? DOI 10.3390/v12070723 Typ Journal Article Autor Real-Hohn A Journal Viruses Seiten 723 Link Publikation -
2022
Titel A molecularly engineered, broad-spectrum anti-coronavirus lectin inhibits SARS-CoV-2 and MERS-CoV infection in vivo DOI 10.1016/j.xcrm.2022.100774 Typ Journal Article Autor Chan J Journal Cell Reports Medicine Seiten 100774 Link Publikation -
2022
Titel Force-tuned avidity of spike variant-ACE2 interactions viewed on the single-molecule level DOI 10.1038/s41467-022-35641-3 Typ Journal Article Autor Zhu R Journal Nature Communications Seiten 7926 Link Publikation -
2019
Titel A comparison of the transport kinetics of glycine transporter 1 and glycine transporter 2 DOI 10.1085/jgp.201912318 Typ Journal Article Autor Erdem F Journal Journal of General Physiology Seiten 1035-1050 Link Publikation -
2021
Titel Identification of lectin receptors for conserved SARS-CoV-2 glycosylation sites DOI 10.15252/embj.2021108375 Typ Journal Article Autor Hoffmann D Journal The EMBO Journal Link Publikation -
2021
Titel A molecularly engineered, broad-spectrum anti-coronavirus lectin inhibits SARS-CoV-2 and MERS-CoV infection in vivo DOI 10.21203/rs.3.rs-516695/v1 Typ Preprint Autor Markovitz D -
2024
Titel Plant-Derived Anti-Human Epidermal Growth Factor Receptor 2 Antibody Suppresses Trastuzumab-Resistant Breast Cancer with Enhanced Nanoscale Binding DOI 10.1021/acsnano.4c00360 Typ Journal Article Autor Park C Journal ACS Nano Seiten 16126-16140 Link Publikation -
2020
Titel Solving the trade-off by differences in handling of intracellular K+: why substrate translocation by the dopamine transporter but not by the serotonin transporter is voltage-dependent DOI 10.1101/2020.07.09.196642 Typ Preprint Autor Bhat S Seiten 2020.07.09.196642 -
2020
Titel Two Distinct Ligand Binding Sites in Monoamine Transporters Monitored by Nanopharmacological Force Sensing DOI 10.1016/j.bpj.2019.11.3337 Typ Journal Article Autor Zhu R Journal Biophysical Journal Link Publikation -
2021
Titel Handling of intracellular K+ determines voltage dependence of plasmalemmal monoamine transporter function DOI 10.1101/2021.03.11.434931 Typ Preprint Autor Bhat S Seiten 2021.03.11.434931 Link Publikation -
2021
Titel Handling of intracellular K+ determines voltage dependence of plasmalemmal monoamine transporter function DOI 10.7554/elife.67996 Typ Journal Article Autor Bhat S Journal eLife Link Publikation -
2021
Titel Extracellular loops of the serotonin transporter act as a selectivity filter for drug binding DOI 10.1016/j.jbc.2021.100863 Typ Journal Article Autor Esendir E Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 100863 Link Publikation -
2021
Titel Descriptors of Secondary Active Transporter Function and How They Relate to Partial Reactions in the Transport Cycle DOI 10.3390/membranes11030178 Typ Journal Article Autor Schicker K Journal Membranes Seiten 178 Link Publikation -
2021
Titel Identification of lectin receptors for conserved SARS-CoV-2 glycosylation sites DOI 10.1101/2021.04.01.438087 Typ Preprint Autor Hoffmann D Seiten 2021.04.01.438087 Link Publikation -
2023
Titel Molecular Recognition in Confined Space Elucidated with DNA Nanopores and Single-Molecule Force Microscopy DOI 10.1021/acs.nanolett.3c00743 Typ Journal Article Autor Suh S Journal Nano Letters Seiten 4439-4447 Link Publikation -
2020
Titel Allosterically Linked Binding Sites in Serotonin Transporter Revealed by Single Molecule Force Spectroscopy DOI 10.3389/fmolb.2020.00099 Typ Journal Article Autor Zhu R Journal Frontiers in Molecular Biosciences Seiten 99 Link Publikation
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Titel Conjugation of molecule with secondary amine to AFM cantilever tip Typ Technology assay or reagent Öffentlich zugänglich