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Die Rolle hippocampaler Interneurone in der Epileptogenese

The role of hippocampal interneurons in epileptogenesis

Meinrad Drexel (ORCID: 0000-0002-2705-9673)
  • Grant-DOI 10.55776/P31777
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.06.2019
  • Projektende 30.11.2024
  • Bewilligungssumme 399.365 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (30%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (70%)

Keywords

    Interneurons, Hippocampus, Epilepsy, Epileptogenesis, Optogenetics, Basket Cells

Abstract Endbericht

Temporallappenepilepsie (TLE) ist die häufigste fokale Epilepsie. Die Patienten sprechen oft ungenügend auf ihre Therapie an. Eine Fehlfunktion hippocampaler Schaltkreise dürfte der Generierung spontan wiederkehrender epileptischer Anfälle zugrunde liegen. Wir konnten kürzlich zeigen, dass in Mäusen die funktionelle Ruhigstellung einer Untergruppe hippocampaler Interneurone, den sogenannten Parvalbumin (PV)-enthaltenden Korbzellen, die Entwicklung epileptischer Anfälle initiiert. Im vorliegenden Projekt wollen wir die Rolle drei weiterer Gruppen hippocampaler Interneurone im Rahmen der Entstehung von Epilepsie untersuchen: Diese sind Cholezystokinin (CCK)-enthaltende Korbzellen, die neben CCK entweder (1) den vesikulären Glutamattransporter 3 (VGLUT3) und den Cannabinoidrezeptor CB1 enthalten, oder (2) Vasoaktives Intestinales Polypeptid (VIP) exprimieren. Wie PV-enthaltende Korbzellen vermitteln diese Interneurone perisomatische Vorwärtshemmung an Pyramidenzellen. Die dritte Gruppe sind (3) Somatostatin-enthaltende O-LM Zellen, welche signifikante Rückwärtshemmung an Dendriten der Pyramidenzellen vermitteln. Mit Hilfe lokaler intra-hippocampaler Injektionen eines Tetanustoxin exprimierenden viralen Vektors in entsprechenden transgenen Mäusen werden wir diese Interneurongruppen selektiv funktionell inaktivieren. Anschließend untersuchen wir mit Hilfe telemetrischer EEG-Messungen und Videomonitoring über etwa zwei Monate das Entstehen spontaner epileptischer Anfälle (Epilepsie). In Hirnschnitten dieser Mäuse werden wir dann elektrophysiologisch den Verlust der Hemmung durch die Ruhigstellung der einzelnen Interneurone verifizieren. Mit Hilfe eines geeigneten viralen Vektors werden wir in diesen Interneuronen auch den Ionenkanal Channelrhodopsin-2 exprimieren. Dies wird es uns erlauben die einzelnen Interneurongruppen selektiv mit Licht zu aktivieren und die Regulation der GABA-Freisetzung durch präsynaptische Rezeptoren (CB1, mGluR) zu studieren. In einem dritten Versuchsansatz werden wir die früher beobachtete, späte (nach etwa einem Monat) Reduktion der Frequenz der epileptischen Anfälle untersuchen. Unsere Hypothese ist, dass diesem Abfall die Rekrutierung endogener antikonvulsiver Mechanismen zu Grunde liegt. Mit Hilfe von Immunhistochemie und in situ-Hybridisierung werden wir eine mögliche Aktivierung GABA-erger Neurone durch die spontanen Anfälle und damit verbunden, eine möglicherweise erhöhte Expression antikonvulsiv wirkender Peptide (z.B. Neuropeptid Y, Somatostatin), einen Abfall der CB1-Expression oder ein mögliches Auswachsen der Nervenenden dieser Interneurone untersuchen. Primäres Ziel des Projektes ist es, Komponenten der hippocampalen Schaltkreise zu identifizieren, die wesentlich an der Entstehung von TLE beteiligt sind. Darüber hinaus wollen wir endogene Mechanismen identifizieren, die durch spontane Anfälle induziert werden und ihrerseits an deren Beendigung beteiligt sind.

Wie spezielle Hirnzellen Epilepsie beeinflussen: Neue Erkenntnisse zur Rolle der Inhibition bei der Anfallskontrolle Dieses Forschungsprojekt hat entscheidend dazu beigetragen, die Rolle bestimmter hemmender Nervenzellen bei der Temporallappenepilepsie (TLE) besser zu verstehen - einer der häufigsten und am schwierigsten behandelbaren Epilepsieformen. Die Ergebnisse zeigen: Nicht alle hemmenden Zellen wirken schützend. Einige können, abhängig vom Zustand des Gehirns, epileptische Anfälle sogar begünstigen. Im Fokus standen zwei wichtige Typen von Interneuronen: Zellen, die das vasoaktive intestinale Peptid (VIP) exprimieren, und solche, die Somatostatin (SOM) produzieren. Beide wirken hemmend, greifen aber auf unterschiedliche Weise in die neuronalen Netzwerke ein. Mithilfe genetisch veränderter Mausmodelle wurden diese Zelltypen gezielt im Subiculum - einer zentralen Region für die Anfallsgenerierung - aktiviert oder deaktiviert. Die wichtigsten Erkenntnisse: - In epileptischen Mäusen führte die Deaktivierung von VIP-Interneuronen zu einer deutlichen Reduktion von Anfällen. Ihre Aktivierung hingegen verstärkte die epileptiforme Aktivität. - In gesunden Mäusen zeigten diese Eingriffe keine Effekte, was auf eine krankheitsabhängige Wirkung dieser Zellen hinweist. VIP-Zellen können unter pathologischen Bedingungen die Erregung im Netzwerk durch Enthemmung verstärken. - Die Deaktivierung von SOM-exprimierenden Interneuronen in gesunden Mäusen hatte schwerwiegende Folgen: Es kam zu spontan auftretenden Anfällen - ein klarer Hinweis auf ihre zentrale Rolle beim Schutz vor Übererregung. Diese Ergebnisse rücken die Vielfalt hemmender Interneurone ins Zentrum der Epilepsieforschung. Künftige Therapien könnten gezielt einzelne Zelltypen modulieren, anstatt pauschal die neuronale Hemmung zu fördern. Darüber hinaus wurde ein körpereigener Schutzmechanismus näher untersucht: Nach Anfällen produzieren sowohl hemmend als auch erregend wirkende Hirnzellen vermehrt Neuropeptid Y (NPY), das die Erregbarkeit senkt. Wird seine Wirkung pharmakologisch blockiert, treten verstärkte Anfälle auf - ein weiterer Hinweis auf seine Rolle als natürliches anfallshemmendes Neuropeptid und ein möglicher Ansatzpunkt für neue Medikamente. Technisch konnte das Projekt ebenfalls Fortschritte erzielen: Ein auf maschinellem Lernen basierender Algorithmus wurde entwickelt, der anhand eines einzigen EEG-Signals zwischen Schlaf- und Wachzuständen unterscheidet. Bisher war dafür eine weitere Elektrode zur Erfassung der Muskelaktivität notwendig. Der Hauptfokus lag dabei auf der Analyse von hochfrequenten EEG-Anteilen. Diese Methode kann die Schlafanalyse in Tiermodellen erheblich erleichtern. Zudem wurde ein in-vitro-Epilepsie-Modell etabliert, bei dem hippocampale Nervenzellen auf hochauflösenden Elektrodenarrays kultiviert werden. Dieses erlaubt Langzeitbeobachtungen der elektrischen Aktivität und gezielte Manipulation bestimmter Zelltypen sowie die Testung neuer anfallshemmender Substanzen ohne dass auf Tierversuche zurückgegriffen werden muss. Das Projekt mündete in mehrere wissenschaftliche Publikationen, förderte die Ausbildung von mehreren Nachwuchsforschenden und stärkte internationale Kooperationen. Insgesamt liefert es ein tieferes Verständnis epileptischer Netzwerke und eröffnet neue Perspektiven für gezielte Behandlungsansätze.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Innsbruck - 100%

Research Output

  • 90 Zitationen
  • 16 Publikationen
  • 1 Methoden & Materialien
  • 1 Datasets & Models
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2023
    Titel Subicular VIP-expressing interneurons and seizure dynamics in temporal lobe epilepsy.
    Typ Other
    Autor Rahimi Sadegh
  • 2019
    Titel The subiculum: A seizure focus in temporal lobe epilepsy.
    Typ Postdoctoral Thesis
    Autor Meinrad Drexel
  • 2021
    Titel Regulation of Parvalbumin Interactome in the Perilesional Cortex after Experimental Traumatic Brain Injury.
    DOI 10.1016/j.neuroscience.2021.08.018
    Typ Journal Article
    Autor Hiltunen J
    Journal Neuroscience
    Seiten 52-72
  • 2023
    Titel Subicular VIP-expressing interneurons and seizure dynamics in temporal lobe epilepsy.
    Typ PhD Thesis
    Autor Sadegh Rahimi
  • 2022
    Titel A companion to the preclinical common data elements and case report forms for neuropathology studies in epilepsy research. A report of the TASK3 WG2 Neuropathology Working Group of the ILAE/AES Joint Translational Task Force
    DOI 10.1002/epi4.12638
    Typ Journal Article
    Autor Aronica E
    Journal Epilepsia Open
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Silencing of Hippocampal Somatostatin Interneurons Induces Recurrent Spontaneous Limbic Seizures in Mice
    DOI 10.1016/j.neuroscience.2022.02.007
    Typ Journal Article
    Autor Drexel M
    Journal Neuroscience
    Seiten 155-165
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Synaptic accumulation of GluN2B-containing NMDA receptors mediates the effects of BDNF-TrkB signalling on synaptic plasticity and in epileptogenesis
    DOI 10.1101/2024.10.21.618702
    Typ Preprint
    Autor De Luca P
    Seiten 2024.10.21.618702
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Expression of toll like receptor 8 (TLR8) in specific groups of mouse hippocampal interneurons
    DOI 10.1371/journal.pone.0267860
    Typ Journal Article
    Autor Seizer L
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Epilepsy-on-a-chip: Establishment and validation of an in vitro epilepsy model based on mouse primary neurons.
    Typ Other
    Autor Donat K.
  • 2022
    Titel Seizure-induced overexpression of NPY induces epileptic tolerance in a mouse model of spontaneous recurrent seizures
    DOI 10.3389/fnmol.2022.974784
    Typ Journal Article
    Autor Drexel M
    Journal Frontiers in Molecular Neuroscience
    Seiten 974784
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Increased expression of GABAA receptor subunits associated with tonic inhibition in patients with temporal lobe epilepsy
    DOI 10.1093/braincomms/fcab239
    Typ Journal Article
    Autor Sperk G
    Journal Brain Communications
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Crosstalk between the subiculum and sleep–wake regulation: A review
    DOI 10.1111/jsr.14134
    Typ Journal Article
    Autor Rahimi S
    Journal Journal of Sleep Research
    Link Publikation
  • 2023
    Titel The role of subicular VIP-expressing interneurons on seizure dynamics in the intrahippocampal kainic acid model of temporal lobe epilepsy
    DOI 10.1016/j.expneurol.2023.114580
    Typ Journal Article
    Autor Rahimi S
    Journal Experimental Neurology
    Seiten 114580
    Link Publikation
  • 2023
    Titel The role of subicular VIP-expressing interneurons on seizure dynamics in the intrahippocampal kainic acid model of temporal lobe epilepsy
    DOI 10.1101/2023.05.30.542857
    Typ Preprint
    Autor Rahimi S
    Seiten 2023.05.30.542857
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Discriminating rapid eye movement sleep from wakefulness by analyzing high frequencies from single-channel EEG recordings in mice
    DOI 10.1038/s41598-023-36520-7
    Typ Journal Article
    Autor Rahimi S
    Journal Scientific Reports
    Seiten 9608
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Immunohistochemical distribution of 10 GABAA receptor subunits in the forebrain of the rhesus monkey Macaca mulatta
    DOI 10.1002/cne.24910
    Typ Journal Article
    Autor Sperk G
    Journal Journal of Comparative Neurology
    Seiten 2551-2568
    Link Publikation
Methoden & Materialien
  • 2020 Link
    Titel High-density multielectrode-array
    Typ Improvements to research infrastructure
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Datasets & Models
  • 2023 Link
    Titel Machine learning approach for sleep analysis using single channel EEGs
    DOI 10.1038/s41598-023-36520-7
    Typ Data analysis technique
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2023
    Titel Spring hippocampal research conference Verona 2023
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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