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Mödling-Jennyberg: Eine Höhensiedlung der Bolerázer Kultur

Mödling-Jennyberg: A Hilltop Settlement of Boleráz Culture

Tünde Horváth (ORCID: 0000-0001-6357-400X)
  • Grant-DOI 10.55776/P31825
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2019
  • Projektende 30.04.2023
  • Bewilligungssumme 293.763 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (15%); Geschichte, Archäologie (80%); Umweltingenieurwesen, Angewandte Geowissenschaften (5%)

Keywords

    Boleráz, Hilltop site, Assessment, Monograph

Abstract Endbericht

1. Inhalt des Forschungsprojekts Seit 2016 beschäftige ich mich im Rahmen des Lise Maitner Stipendiums mit der Forschung der Bolerzer und Badener Kulturen in Österreich. Ziel meines neuen Projekts ist die Bearbeitung und Auswertung des Fundmaterials der Bolerzer Höhensiedlung von MödlingJennyberg, deren Forschung auf der Tätigkeit ihrer Freilegerin Elisabeth Ruttkay gründet. Dieses Thema ist neben seinem archäologischen Wert auch so eine Art Mission für mich, weil so die Bewahrung des Andenkens ihrer Tätigkeit bzw. der Ergebnisse verbunden mit der Fundstelle für die Wissenschaft möglich wird. 2. Hypothesen Im vergangenen Jahrzehn änderte sich die Beurteilung der Bolerzer Kultur/Pfase/Episode radikal und dieser Prozess ist noch nicht beendet, setzt sich in den zukunftigen Arbeiten fort. Martin Furholt war erster, der als Keramikstil in seinen Arbeiten nannte. In meinen Arbeiten über das ungarischen Fundmaterial habe ich in Frage gestellt, ob die Bolerzer Kultur offensichtlich eine organische Prämisse der klassischen Badener Kultur wäre. Ich schilderte drei verschiedene Modellfälle dafür, wie die Kulturen miteinander treffen könnten. Ich empfahl ferner, dass wir statt der früheren Ib und Ic nur eine einzige Phase nutzen sollen. In der Revision von Hlinsko wurde die frühere langlebige Bolerz Ia-b-cBaden IIa-b-III Höhensiedlung als eine Baalberg Siedlung (deren frühere Bolerz Ia-b-c Teile) umwertet. MödlingJennyberg ist die wichtigste archäologisch erforschte Bolerzer Höhensiedlung im Österreich. Hier wurden aber auch viele wertvolle Funde durch Sondergänger gemacht. Neben Jennyberg kamen am Fuss von Frauenstein (Goldenen Stiege) bei der Freilegung eines Awarenfriedhofes 16 Bolerzer Gruben zum Vorschein. Einige Kilometer nördlich von Mödling in Brunn-Wolfholz wurden etliche Gruben der Bolerzer Kultur freigelegt, die ich in die ausführliche Bearbeitung auch heranziehen werde. Ihre Bearbeitung und Auswertung könnte mit vielen neuen Informationen dienen, die vielleicht eine Neubewertung der BolerzerBadener-Episode im Österreich ermöglichen würde. 3. Methoden Zunächstmöchteich etliche Funde,Dokumentationen und Informationenüber die Fundstelle zusammenbekommen, dass ich sie so in moderner Form beschreiben könnte. Als Ergänzung zum Bolerzer Siedlungsteil werde ich den neben Jennyberg am Fusse von Frauenstein bei der Freilegung eines Awarenfriedhofes zum Vorschein gekommenen Bolerzer Siedlungsteil bearbeiten und die beiden vergleichen. Ich plane gründliche Untersuchungen an den Bein-, Geweih-, Stein- und Keramikwerkzeugen ergänzt mit petrographischen Analysen. An einigen dokumentierten Knochen würde ich radiocarbon Messungen machen lassen, deren Ergebnisse in die absolutchronologische Datenbank des Österreichischer Badener Komplexes intergriert werden. 4. Originalität MödlingJennyberg war die wichtigste Freilegung und Forschung von Elisabeth Ruttkay, aber sie starb vorher als sie die Fundstelle auswerten könnte. Die ist die erste und bisher einzige freigelegte Bolerzer Höhensiedlung im Österreich. Übrigens wurden nur sehr wenig Bolerzer Fundstellen freigelegt und noch weniger bearbeitet. MödlingJennyberg wurde im Laufe der vergangenen Jahrzehnten für die wichtigsten Fundstelle der Bolerzer Kultur im Österreich. Es wäre ein enormer Verlust, wenn die Fundstelle und die hier gewonnen Informationen ohne einer Bearbeitung in Vergessenheit geraten würden. 1

Die Überreste der prähistorischen Höhensiedlung auf dem Jennyberg mit Blick auf den nordwestlichen Stadtrand von Mödling sind der Stadtbevölkerung seit langem bekannt, die seit dem 12. Jahrhundert auf dem sonnigen, mit hochwertigem Chernozem bedeckten Hügelplateau Weintrauben angebaut hat. Die Stätte wurde seit dem frühen 20. Jahrhundert mehrmals untersucht, sowohl von einheimischen Enthusiasten als auch von professionellen Archäologen. Die Zerstörung durch den Steinbruch, der dokumentarisch seit dem 17. Jahrhundert in Betrieb war, und die Erkundung der Stätte waren parallele Prozesse, einem Kopf-an-Kopf-Rennen nicht unähnlich, obwohl sich das Gleichgewicht leider fast ausnahmslos in die andere Richtung neigte Steinbruch und Zerstörung des Geländes. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschlimmerte sich die Situation noch mehr, als die Steinbrüche der Gegend vom kaiserlichen und kommunalen Eigentum in private Hände übergingen. Die industrielle Entwicklung und Privatisierung führten zu einem noch intensiveren Abbau von Steinbrüchen und beschleunigten die Schäden am Standort, bis der Gemeinderat den Steinbruch in den 1980er Jahren schloss. Die Siedlung der Bolerz-Kultur und der Leithaprodersdorf-Gruppe steht heute unter Denkmalschutz. Die tiefen Narben, die der Steinbruch auf der Nord-, Ost- und Südseite des Plateaus hinterlassen hat, werden ein ewiges Zeugnis der Gier bleiben, mit der moderne Menschen das Land ihrer Vorfahren und die darauf befindliche Siedlung ausbeuten. Die prähistorische Stätte wurde erstmals von Franz Skribany, dem Gründer des Museums Mödling, erforscht, das auch heute noch Besucher willkommen heißt. Nach einem ersten Ausgrabungsbericht aus dem Jahr 1904 gelang es Skribany in den 1930er Jahren, das lokale Interesse an der Stätte so stark zu wecken, dass er systematische Ausgrabungen auf dem Jennyberg durchführen konnte. Die nächste Ausgrabung am Jennyberg wurde von Otto Seewald durchgeführt, der 1941 einen kurzen Bericht über die Untersuchungen veröffentlichte. Die nächste archäologische Erkundung des Plateaus erfolgte in den 1950er Jahren durch Franz Waldner, einen im örtlichen Museum tätigen Höhlenforscher. Sie veröffentlichten zwar kurze Berichte über ihre Arbeit am Jennyberg, nahmen jedoch keine detaillierte Auswertung der in den Depots des Mödlinger Museums verbrachten Funde vor. Nach einer längeren Pause bei der Untersuchung des Standorts begann Elisabeth Ruttkay vom Naturhistorischen Museum in zwei aufeinanderfolgenden Kampagnen in den Jahren 1970 und 1971 mit einer systematischen Ausgrabung des Jennyberg-Geländes. Es gelang ihr, die bei früheren Untersuchungen geöffneten Gräben zu lokalisieren. Ruttkay veröffentlichte zwei Artikel über die prähistorische Siedlung, einer über die Bolerz-Besiedlung im Spätneolithikum, der andere über die Besiedlung der frühbronzezeitlichen Leithaprodersdorf-Gruppe auf dem Hügel. Bedauerlicherweise hat auch sie es versäumt, neben einer detaillierten Beschreibung der Funde auch eine Bewertung des Geländes und seiner bei der Ausgrabung freigelegten Merkmale zu veröffentlichen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Bernadett Bajnóczy, Hungarian Academy of Sciences - Ungarn
  • Zoltan May, Hungarian Academy of Sciences - Ungarn
  • Attila Kreiter, Hungarian National Museum - Ungarn
  • Sandor Gulyás, University of Szeged - Ungarn

Research Output

  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2023
    Titel MÖDLING-JENNYBERG A Hilltop Settlement of the Bolerz and Leithaprodersdorf Cultures
    Typ Book
    Autor Sándor Gulyás
    editors Tünde Horváth
    Verlag Martin Opitz

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