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Periurbane Form in den peruanischen Anden

Periurban form in the Peruvian Andes

Andreas Haller (ORCID: 0000-0002-9406-1108)
  • Grant-DOI 10.55776/P31855
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2019
  • Projektende 31.07.2025
  • Bewilligungssumme 353.196 €

Wissenschaftsdisziplinen

Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (100%)

Keywords

    Environmental Perception, Participation, Urban Morphology, Agricultural Change, Environmental Planning, Urbanization

Abstract Endbericht

Während der Globalisierung der letzten drei Jahrzehnte waren die Zersiedelung und der Verlust von Agrarland durch Siedlungswachstum bedeutende Prozesse im Hinterland vieler Städte. Diese Prozesse hatten und haben sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf periurbane Landwirte. In Gebirgstälern, zum Beispiel in den peruanischen Anden, wo seit den 1980er Jahren die produktivsten Flächen von periurbanen Talböden zunehmend urbanisiert werden, wird dies besonders klar: Erstens, weil die Talböden im Gegensatz zu den Hängen und Hochebenen bewässert werden und so bedeutend für die agrarische Produktion und die Schaffung von Einkommen während der Trockenzeit sind, und zweitens, weil das Land am Talboden oft nur von Bauern gepachtet wird. Die eigentlichen Landeigentümer weigern sich zunehmend, Land weiterhin zu verpachten, weil sie in Erwartung hoher Grundstückspreise mit dem Verkauf ihres Eigentums an Immobilienentwickler spekulieren. Unterschiedliche Formen des Städtewachstums in Andentälern wirken sich verschieden auf die periurbanen Kleinbauern aus. Diese bevorzugen allerdings keineswegs ausschließlich kompaktes Wachstum, sondern finden durchaus auch die Zersiedelung am Talboden vorteilhaft. Diese ermöglicht es ihnen, von den Vorteilen der Urbanisierung (z. B. verbesserte Infrastruktur) zu profitieren und gleichzeitig Landwirtschaft betreiben zu können. Diese Tatsache wurde weitestgehend von der Wissenschaft ignoriert. Das Projekt beschreibt und erklärt die Veränderungen in der Stadtgestalt sowie der Landbedeckung für die drei andinen Städte Cajamarca, Cusco und Huancayo (einschließlich dem jeweiligen Umland). Der zeitliche Fokus liegt dabei auf den letzten drei Jahrzehnten. Es werden die Wahrnehmungen periurbaner Kleinbauern hinsichtlich dieser Veränderung erfasst und schließlich die Konsequenzen selbiger für die Landnutzungsentscheidungen analysiert. Schließlich identifiziert das Projekt die von Kleinbauern bevorzugten Formen des Städtewachstums und erarbeitet in einem kollaborativen Prozess sogenannte performance zones, die auf Grundlage von gemeinschaftlich definierten Qualitätskriterien die flexible Raumplanung des Bereichs zwischen Stadt und Land ermöglichen könnten. Das Projekt stellt insgesamt einen wichtigen Beitrag zu einem besseren Verständnis der Probleme andiner Kleinbauern, die an der Peripherie wachsender Städte leben. Zugleich ist es ein vielversprechender Versuch, periurbane Gebiete in Gebirgsräumen des Globalen Südens gerechter und zukunftsfähiger zu machen.

Während der Globalisierung der letzten vier Jahrzehnte waren das disperse Siedlungswachstum und der damit verbundene Verlust von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen bedeutende Prozesse im Umland vieler Gebirgsstädte der tropischen Anden. Die negativen Auswirkungen dieser Prozesse auf Landwirte am Rand der Städte waren dabei äußerst vielfältig. Auf Gebirgstäler der Quechua-Höhenstufe in den peruanischen Anden, wo die produktivsten Flächen vieler Talböden zunehmend bebaut wurden, traf dies in besonderem Maße zu: Erstens, weil die Talböden im Gegensatz zu den angrenzenden Steilhängen der Suni-Höhenstufe und den Hochebenen der Puna-Höhenstufe häufiger bewässert wurden und so bedeutender für die landwirtschaftliche Produktion und die Schaffung von Einkommen während der Trockenzeit waren, und zweitens, weil das Land am Talboden von den Landwirten oft nur gepachtet wurde. Die eigentlichen Landeigentümer weigerten sich zunehmend, Land weiterhin zu verpachten, weil sie in Erwartung steigender Bodenpreise mit dem Verkauf von Grundstücken an Immobilienentwickler spekulierten. Am Beispiel der Stadtregionen von Cusco im Huatanay-Tal und Huaraz im Santa-Tal wurden die Stadtentwicklung sowie die Veränderung der Landbedeckung seit 1990 erfasst, beschrieben und erklärt, wobei ein besonderes Augenmerk auf städtische Entwicklungen im gebirgigen Umland gerichtet war. Auf Grundlage der dadurch gewonnenen Erkenntnisse konnten die zwei landwirtschaftlich geprägten Umlandgemeinden Oropesa im Huatanay-Tal und Taric im Santa-Tal bestimmt werden, um Umweltwahrnehmungen randstädtischer Dorfbewohner hinsichtlich dieser Veränderung zu untersuchen. Neben der Frage, ob die aus dem Vorgängerprojekt in Huancayo im Mantaro-Tal bekannten negativen Auswirkungen sich auch in den Ergebnissen im Umland von Cusco und Huaraz widerspiegeln, lag der Fokus auch auf dem bevorzugten, künftigen Siedlungswachstum in beiden Gebirgstälern. Die Stadtprofile von Cusco und Huaraz legten offen, welche Bedeutung der andinen Landesnatur sowie dem indigenen Kulturerbe in der jüngeren Stadtentwicklung zukommt - einem von privaten Akteuren gesteuerten Prozess, der zunehmend vom globalisierten Tourismus beeinflusst wird. Die immer stärkere Einbettung der Stadtentwicklung in den andinen Gebirgsraum spiegelt sich auch im Wandel der Landbedeckung der Quechua-, Suni- und Puna-Höhenstufen des Umlands der Städte wider und könnte dort auf ein Zusammenspiel von spekulativer Brache, landwirtschaftlicher Intensivierung und ökologischer Restauration hindeuten. Um die negativen Auswirkungen dieser Stadtentwicklung auf randstädtische Landwirte zu verstehen, wurden im Rahmen dieses Projekts strukturierte Interviews mit geschlossenen Fragen - ergänzt durch informelle Gespräche - in Oropesa und Taric durchgeführt. Die Antworten von 420 Befragten, die durch ein nicht-probabilistisches Quotenverfahren ausgewählt wurden, bestätigten die aus dem Vorgängerprojekt bekannten negativen Auswirkungen. Wie schon im Fall von Huancayo führten diese Umweltwahrnehmungen im Umland von Cusco und Huaraz erneut nicht zu einer insgesamt negativen Bewertung des dispersen Siedlungswachstums. Dieser vermeintliche Widerspruch wird verständlicher, wenn man die von den Dorfbewohnern bevorzugten Entwicklungen für die Zukunft betrachtet. Diese weisen insbesondere auf den Wunsch hin, Ackerland und Waldflächen im Tal zu erhalten und gleichzeitig das Grasland der Hochebenen stärker für die Stadtentwicklung zu nutzen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Hildegardo Córdova Aguilar, Avenida Universitaria - Peru

Research Output

  • 95 Zitationen
  • 13 Publikationen
  • 3 Disseminationen
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2024
    Titel <>: conservacin, urbanizacin y turistificacin en Cusco
    Typ Journal Article
    Autor Branca D
    Journal Revista de Pensamiento Crítico Aymara
    Seiten 78-103
    Link Publikation
  • 2022
    Titel "Prima che si urbanizzi" - Conservazione, urbanizzazione e turistificazione a Cusco; In: Cultures in Mountain Areas: Comparative Perspectives / Culture in aree di montagna: prospettive comparative / Kulturen in Gebirgsregionen: Vergleichende Perspektiven
    Typ Book Chapter
    Autor Branca D
    Verlag Bozen-Bolzano University Press
    Seiten 89-122
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Urbanization, Touristification and Verticality in the Andes: A Profile of Huaraz, Peru
    DOI 10.3390/su13116438
    Typ Journal Article
    Autor Branca D
    Journal Sustainability
    Seiten 6438
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Cusco: Profile of an Andean city
    DOI 10.1016/j.cities.2021.103169
    Typ Journal Article
    Autor Branca D
    Journal Cities
    Seiten 103169
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Rural-Urban Change in Highland Peru: Perceived Impacts and Preferred Performance
    DOI 10.1659/mrd.2024.00026
    Typ Journal Article
    Autor Haller A
    Journal Mountain Research and Development
  • 2020
    Titel Cultural ecosystem services in mountain regions: Conceptualising conflicts among users and limitations of use
    DOI 10.1016/j.ecoser.2020.101210
    Typ Journal Article
    Autor Schirpke U
    Journal Ecosystem Services
    Seiten 101210
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Montologa urbana: ciudades de montaña como enfoque de investigacin transdisciplinaria
    DOI 10.15446/rcdg.v30n2.92865
    Typ Journal Article
    Autor Borsdorf A
    Journal Cuadernos de Geografía: Revista Colombiana de Geografía
  • 2023
    Titel Between plaza and peak: a montological perspective on verticality and urbanization in highland Peru
    DOI 10.1007/s11629-023-8118-2
    Typ Journal Article
    Autor Branca D
    Journal Journal of Mountain Science
  • 2022
    Titel Verticalidad, urbanizacin y turistificacin en los Andes el caso de Huaraz, Per
    DOI 10.51343/racs.v4i2.824
    Typ Journal Article
    Autor Branca D
    Journal Ambiente, Comportamiento y Sociedad
  • 2022
    Titel Urbanization and the Verticality of Rural–Urban Linkages in Mountains
    DOI 10.1007/978-3-031-13298-8_8
    Typ Book Chapter
    Autor Haller A
    Verlag Springer Nature
    Seiten 133-148
  • 2022
    Titel More than Landscape: Toward Cosmophanic Diversity in Environmental Planning and Governance
    DOI 10.1080/08941920.2022.2105461
    Typ Journal Article
    Autor Haller A
    Journal Society & Natural Resources
    Seiten 1123-1133
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Urban montology: mountain cities as transdisciplinary research focus; In: The Elgar Companion to Geography, Transdisciplinarity and Sustainability
    DOI 10.4337/9781786430106.00016
    Typ Book Chapter
    Verlag Edward Elgar Publishing
  • 2020
    Titel Montologa: una perspectiva de montaña hacia la investigacin transdisciplinaria y el desarrollo sustentable Montology: a mountain perspective on transdisciplinary research and sustainable development
    DOI 10.18271/ria.2020.193
    Typ Journal Article
    Autor Branca D
    Journal Revista de Investigaciones Altoandinas - Journal of High Andean Research
Disseminationen
  • 2019 Link
    Titel Interview for the international Mountain Partnership of the Food and Agriculture Organization of the United Nations
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Press release of the Austrian Academy of Sciences
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Interview for the national newspaper "Die Presse"
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel Editorial Board Member of Mountain Research and Development
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2020
    Titel Editorial Board Member of the Journal of Mountain Science
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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