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Der Rückschlag des Heiligen: Phänomenologie und Christentum

Revenge of the Sacred:Phenomenology and ends of Christianity

Jason Alvis (ORCID: 0000-0003-4664-1885)
  • Grant-DOI 10.55776/P31919
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.01.2019
  • Projektende 14.10.2023
  • Bewilligungssumme 374.489 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Keywords

    Identity, Embodiment, Sovereignty, Phenomenology, Post-Secular, Christianity

Abstract Endbericht

1) Titel - Der Rückschlag des Heiligen: Phänomenologie und das Ende des Christentums 2) Inhalt: Angesichts des vermeintlichen Wiederauflebens der Religion, der Entwicklung einer "postsäkularen" Gesellschaft aber auch der vielfach greifbaren Selbstgerechtigkeit einer religionslosen abendländischen Vernunft scheint die westliche Kultur irgendwo zwischen ihren säkularen humanistischen Impulsen und ihrem theologischen Erbe fest zu stecken. Westliche Gesellschaften sind also, nicht mehr christlich, aber noch nicht nicht-christlich. Führende phänomenologische Denker wie Patocka, Heidegger und Derrida haben verstanden, dass für das westliche philosophische Projekt die Religion von zentraler Bedeutung ist, und haben folgende Fragen aufgeworfen: Erleben wir ein Wiederaufleben der Religion, und wenn nicht, was kehrt hier "wieder", um sich unter dem Deckmantel der Religion zu präsentieren? Sind Religion und Glaube hyper-subjektivierte "Optionen" geworden und resultiert daraus eine Identitätskrise in unserem nicht mehr christlichen aber noch nicht nicht-christlichen Kontext? Ist eine post-christliche Gemeinschaft bereits möglich, wiewohl das christliche Erbe säkulare Institutionen immer noch wesentlich belebt? Oder hat der Säkularismus "gewonnen", in dem Sinne, dass die Religion heute gänzlich unter der Kontrolle einer säkularen Rationalität stünden? 3) Hypothesen: Wir sind nicht nur davon überzeugt, dass der heutige Kontext nicht mehr christlich aber noch nicht nicht-christlich ist, sondern auch davon, dass sich im unvollendeten Übergang von "christlich" zu "säkular" bestimmte neue Figuren des Heiligen, ja ein Rückschlag des Heiligen, ereignen, teilweise als Reaktion auf dessen Ablehnung, Ausblendung, ja mitunter Verfemung. Das traditionelle theologische Verständnis des Heiligen (z.B. im Sinne von Verbot, Reinheit, idealem Standard, oder dem Nichtkontingenten) schlägt in "säkularisierten", entwickelten und metamorphosierten Formen, ob in Form "unberührbarer" Überzeugungen, "unbedingter" Ansprüche, "verbotener" Diskussionsthemen oder in der Erfahrung "absoluter Kontingenz." Historisch besehen wurde das Heilige oft eine Form guter Gewalt zugunsten der Menschheit verstanden, entsprechend wird die "Rückkehr der Religion" oft als gutartiges Ereignis diskutiert. Dementsprechend zielt die Frage nach dem " Rückschlag des Heiligen" darauf ab, das Janusgesicht der Religion, die zwischen Versprechen und Gefahr oszilliert, ins Auge zu fassen. Unsere Untersuchung dieser Dimension beschränkt sich dabei auf drei Achsen: Identität und Personalität, Souveränität und Autorität, sowie Verkörperung und Inkarnation. 4) Methoden: Im Rahmen von fünf methodischen Schwerpunktsetzungen zielt das Projekt darauf , 1. die zeitgenössische Phänomenologie der Religion innovativ anzuwenden, um die "Rückkehr der Religion" in konkreten Kontexten zu beschreiben und kritisch zu reflektieren; 2. den zeitgenössischen interdisziplinären Zugängen zur Säkularismus-Debatte jenseits banaler Dichotomisierungen eine philosophische Dimension abzugewinnen; 3: kritisch den noch unvollständigen "Säkularisierungsprozess" in Bezug auf die inhärenten Antinomien und die "Rückschläge", die er mit sich bringt, ins Auge zu fassen; 4. ein breiteres Verständnis der Wechselbeziehungen zwischen Philosophie und Theologie zu entwickeln, um einige der aktuellen Herausforderungen der sog. "Wiederkehr der Religion" zu konfrontieren; und nicht zuletzt 5. unsere theoretischen Ergebnisse in einen umfassenderen konzeptuellen Rahmen zu integrieren, der es uns erlaubt, die Implikationen und Herausforderungen der Diskussion in umfassender Weise aufzugreifen.

Europa scheint sich in einem Übergang von "christlich" zu "säkular" zu befinden. Europa ist nicht mehr christlich, aber auch noch nicht "nicht-christlich". In diesem Zusammenhang stellte unser Projekt diesen demografisch beobachteten europäischen "Rücktritt der Religion" der weltweiten "Rückkehr der Religion" gegenüber. Diese Gegenüberstellung wurde philosophisch durch die folgenden fünf Ziele untersucht: 1: - Anwendung der zeitgenössischen Religionsphänomenologie bei der Reflexion über die so genannte "Rückkehr der Religion" und ihre soziopolitischen Folgen. Dieses Ziel wurde in 4 Konferenzen/Workshops und 10 Veröffentlichungen behandelt. Besonders hervorzuheben ist hier Koci's Buch Christianity after Christendom (Bloomsbury, 2023), in dem er darauf besteht, dass das Ende einer christlichen "Metaerzählung" nicht das Ende des Glaubens ist, sondern sein Anfang. 2: - Einführung einer umfassenderen philosophischen Dimension in die zeitgenössischen, interdisziplinären Forschungsansätze zu den Debatten über Religion/Säkularität jenseits ihrer oft allzu plumpen Dichotomisierung. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden 3 Konferenzen/Workshops und 8 Publikationen veranstaltet. Besonders erwähnenswert ist unsere Konferenz "Souveränität: Sacred and Secular", in der wir insbesondere die politische Theologie als exemplarische Schnittmenge aufzeigten. Dies führte zu einem Artikel von J.Alvis "Souveränität des Leids" in Religionsphilosophie heute - Stimmen - Schauplätze - Systeme (2023 Verlag Karl Alber). 3: - diesen noch nicht abgeschlossenen "Säkularisierungsprozess" auf die ihm innewohnenden Antinomien und "Racheakte" hin zu reflektieren. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir 3 Konferenzen/Workshops und 7 Publikationen durchgeführt. Im Rahmen der Covid-Pandemie haben wir die internationale (Online-)Konferenz mit dem Titel "Irrationalität und Religiosität in Zeiten einer Pandemie" (2020) veranstaltet und ausgewählte Beiträge in der Zeitschrift Open Theology veröffentlicht. 4: - ein breiteres Verständnis der Wechselbeziehung zwischen Philosophie und Theologie zu entwickeln, um den heutigen gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, insbesondere dem Verlust des Heiligen als Sinnquelle". 2 Konferenzen/Workshops und 8 Veröffentlichungen. Hervorzuheben ist das von uns (Koci & Alvis) gemeinsam herausgegebene Buch Transforming the Theological Turn: Phenomenology with Emmanuel Falque (2020, Rowman & Littlefield), das einige Debatten in der phänomenologischen Theologie neu gestaltet hat. Hervorzuheben ist unsere Beteiligung am Netzwerk für Religionsphilosophie, dem führende Wissenschaftler auf diesem Gebiet angehören, wie E. Falque, C. Gschwandtner, C. Canullo und K. Hart. 5: - einen verständlichen Rahmen zu entwickeln, in dem die Implikationen und Herausforderungen erschlossen und weiterverfolgt werden können. Unsere Veröffentlichungen umfassen sieben Sprachen: Englisch, Türkisch, Ukrainisch, Slowenisch, Deutsch, Französisch und Spanisch. Ein Höhepunkt in dieser Hinsicht war, von einem ukrainischen Philosophen aus Kiew zum Thema Religion auf dem Höhepunkt des Krieges interviewt zu werden (Alvis, "We Make Religion? An Interview with Viktoria Yakusha", Ukrainian Journal of Philosophical Thought, 2023). Ein weiterer Höhepunkt war, dass wir eine Konferenz mit dem Titel "Saving God from Tyranny" auf dem beliebtesten Theologie-Podcast im Internet ("Homebrewed Christianity"), der weltweit Hunderte von Zuhörern hat, aufzeichnen und der Öffentlichkeit zugänglich machen konnten.

Forschungsstätte(n)
  • Institut für die Wissenschaften vom Menschen - 10%
  • Universität Wien - 90%
Nationale Projektbeteiligte
  • Ludger Hagedorn, Institut für die Wissenschaften vom Menschen , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Gritt Klinkhammer, Universität Bremen - Deutschland
  • Veronika Hoffmann, Universität Siegen - Deutschland
  • Emmanuel Falque, Institute Catholique de Paris - Frankreich
  • Natalie Depraz, Universite de Rouen - Frankreich
  • Jad Hatem, Universite Saint-Joseph - Libanon
  • Joeri Schrijvers, Charles University Prague - Tschechien
  • Crina Gschwandtner, Fordham University - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Colby Dickinson, Loyola University Chicago - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Nicolas De Warren, The Pennsylvania State University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 25 Zitationen
  • 43 Publikationen
  • 1 Policies
  • 2 Disseminationen
  • 7 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2023
    Titel Sujeto y tiempo: La alteración de la subjetividad kantiana de Jean Luc Marion
    DOI 10.5354/0719-790x.2023.71731
    Typ Journal Article
    Autor Alvis J
    Journal Resonancias. Revista de Filosofía
    Seiten 149-165
    Link Publikation
  • 2023
    Titel “WE MAKE RELIGION”: WHY IS RELIGIOUS EXPERIENCE SO IMPORTANT TODAY? Viktoriia Yakusha interview with Jason Alvis: YOUNG SCIENTIST’S PAGE
    DOI 10.15407/fd2023.04.149
    Typ Journal Article
    Autor Yakusha V
    Journal Filosofska Dumka
    Seiten 149–160-149–160
    Link Publikation
  • 2023
    Titel God and Phenomenology: Thinking with Jean-Yves Lacoste
    Typ Book
    Autor Schrijvers Joeri
    Verlag Cascade Books
  • 2023
    Titel Religionsphilosophie heute
    DOI 10.5771/9783495998311
    Typ Book
    editors Heinrich-Ramharter E, Staudigl M
    Verlag Nomos Verlag
  • 2021
    Titel Faith in a Crisis: What Theological and Phenomenological Resources can Teach us in the COVID-19 Pandemic
    DOI 10.1515/opth-2020-0187
    Typ Journal Article
    Autor Alvis J
    Journal Open Theology
    Seiten 605-610
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Transforming the Theological Turn: Phenomenology with Emmanuel Falque
    Typ Book
    Autor Koci
    Verlag Bloomsbury Publishing PLC
  • 2021
    Titel Rethinking Victimhood: Phenomenology, Religion, and the Human Condition
    DOI 10.5840/philtoday2021654418
    Typ Journal Article
    Autor Alvis J
    Journal Philosophy Today
    Seiten 767-772
  • 2022
    Titel The European Reception of John D. Caputo's Thought: Radicalizing Theology
    Typ Book
    Autor Schrijvers Joeri
    Verlag Bloomsbury Publishing Plc
  • 2019
    Titel Transforming Representation: Jacques Derrida and the End of Christianity
    DOI 10.1515/opth-2019-0018
    Typ Journal Article
    Autor Koci M
    Journal Open Theology
    Seiten 116-124
    Link Publikation
  • 2020
    Titel A Phenomenology of Discernment: Applying Scheler’s ‘Religious Acts’ to Cassian’s Four Steps
    DOI 10.24204/ejpr.v12i4.3524
    Typ Journal Article
    Autor Alvis J
    Journal European Journal for Philosophy of Religion
    Seiten 63-93
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Immediacy: Steinbock and Lacoste between Emotions and Religious Experience
    DOI 10.22329/p.v13i2.6207
    Typ Journal Article
    Autor Alvis J
    Journal PhaenEx
    Seiten 11-37
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2021 Link
    Titel Video and Podcast "Saving God from Tyrrany" on "Homebrewed Christianity", which is the most popular podcast for Theology worldwide
    Typ Engagement focused website, blog or social media channel
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2022
    Titel The DFG Network "The Future of Philosophy of Religion"
    Typ Prestigious/honorary/advisory position to an external body
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2021
    Titel "The Euro-Theological and Political Roots of Critical Race Theory" keynote at the "Difficult Discussions" Series at "The New Polis" Denver USA
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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