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Imperiales Erbe und nationale Identität

Imperial Heritage and National Identity

Hans Petschar (ORCID: 0000-0001-8767-4662)
  • Grant-DOI 10.55776/P32081
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2019
  • Projektende 31.10.2022
  • Bewilligungssumme 359.719 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (30%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (10%); Politikwissenschaften (30%)

Keywords

    Cultural History, Library History, Cultural Heritage, Austrian history, Austrian National Library, National Identity

Abstract Endbericht

Der Zusammenbruch der Habsburgermonarchie und die Gründung der Republik Österreich stellten nicht nur für die politische Geschichte des Landes sondern auch für seine Kulturinstitutionen tiefgreifende Einschnitte dar. Die Frage, wie man mit dem imperialen Erbe eines multinationalen Reiches in einem kleinen und geschrumpften Nationalstaat umgehen solle, führte zu kontroversen Diskussionen in den zeitgenössischen Medien der Republik Österreich in der Zwischenkriegszeit. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurden zunächst die kaiserlichen Büchersammlungen gesichert. Die Hofbibliothek wurde zur Nationalbibliothek der Republik und die Familien- Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen wurde ihr einverleibt. Dieser Prozess resultierte in einer Neudefinition der Mission der Bibliothek und führte zu Debatten nach der Identität und nach den Aufgaben der Bibliothek in der Republik Österreich. Die Suche nach einer neuen Identität war ein langer Prozess, der zwar in der Zwischenkriegszeit begann, aber nicht endete. Vielmehr wurde die Identitätsfindung nach 1945 fortgesetzt, als nach der Wiedererrichtung eines unabhängigen Staates Österreich die Nationalbibliothek in Österreichische Nationalbibliothek umbenannt wurde. Die Bibliothek trug im Laufe des 20. Jahrhunderts mit einer Vielzahl von Publikationen, Forschungsprojekten und Ausstellungen zu ihren historischen Sammlungen und Schätzen zum Identitätsfindungsprozess der österreichischen Nation bei. Das vorliegende Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, zu analysieren, wie dieser Transformationsprozess der kaiserlichen Hofbibliothek in eine Nationalbibliothek der Republik von statten ging, wann er begann und warum er nicht in der Zwischenkriegszeit endete. Den Ausgangspunkt bildet dabei die Übergangsperiode 1918 bis 1921, in der die Hofbibliothek zur Nationalbibliothek wurde und die Republik die kaiserlichen Sammlungen gegen die Ansprüche der Nachfolgestaaten der Monarchie zu verteidigen hatte. In einem weiteren Schritt werden die institutionelle Entwicklung der Bibliothek und ihre öffentliche Wahrnehmung in den 1920er und 1930er Jahren untersucht. Den Abschluss bildet ein historischer Überblick über die Entwicklung der Hof- und Nationalbibliothek im Hinblick auf ihre Funktion als nationale Bibliotheken ihrer jeweiligen Territorien. Nach der zugrundeliegenden Forschungshypothese wurden die Grundlagen der Nationalbibliothek bereits in der Zeit der Monarchie gelegt und leistete diese Sammlung einen wesentliche Beitrag zur Formierung der österreichischen Identität, die im kollektiven Gedächtnis der Republik sowohl auf den regionalen Identitäten als auch auf dem multinationalen Erbe des habsburgischen Reiches gegründet ist.

P 32081 Imperiales Erbe und Nationale Identität Von der kaiserlichen Hof- zur Nationalbibliothek der Republik Österreich. Eine Kulturinstitution im Spannungsfeld von Geschichte und Politik in der Zwischenkriegszeit Der Zusammenbruch der Habsburgermonarchie und die Gründung der Republik Österreich stellten nicht nur für die politische Geschichte des Landes sondern auch für seine Kulturinstitutionen tiefgreifende Einschnitte dar. Das vom FWF geförderte Projekt "Imperiales Erbe und nationale Identität" setzte sich das Ziel, den Transformationsprozess in zwei dieser ehemals kaiserlichen Sammlungen im Detail zu untersuchen: der Hofbibliothek, aus der die Nationalbibliothek der Republik Österreich hervorging, und der Habsburg-lothringischen Familienbibliothek (Fideikommissbibliothek), die verstaatlicht und in die Nationalbibliothek eingegliedert wurde. Diese komplexe Thematik wurde anhand einer Reihe von Fragestellungen umfassend aufgearbeitet. Grundlage dafür war eine außergewöhnlich große Menge an Quellenmaterial, das in verschiedensten Archivbeständen überliefert wurde und erst im Zuge der Recherchearbeiten zusammengeführt werden konnte. Am Beginn der Forschungsarbeit Ausgangspunkt stand eine Untersuchung der Verteidigung der in den Sammlungen enthaltenen Kulturgüter durch die junge Republik gegenüber ausländischen Ansprüchen (Italien und die Nachfolgestaaten der Monarchie) nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Es folgte die Rekonstruktion der damals vorgenommenen Reform der Sammlungen. Im Anschluss wurde die Umgestaltung der Hofbibliothek der Habsburgermonarchie zur Nationalbibliothek der Republik Österreich, deren Ringen um eine neue Identität und ihre institutionelle Geschichte vor dem politisch-ideologischen Hintergrund der Umbruchsphase untersucht. Dabei wurde der Umstand gewürdigt, dass sich die Entwicklung der Hofbibliothek zur wichtigsten öffentlichen wissenschaftlichen Bibliothek teilweise bereits im 19. Jahrhundert vollzog und erst nach dem Ende der Monarchie unter neuen politischen Rahmenbedingungen abgeschlossen werden konnte. Ein weiterer Aspekt dieses Themenfeldes war die Eingliederung der Fideikommiss- in die Nationalbibliothek. Ein letzter Forschungsschwerpunkt widmete sich der Erforschung der öffentlichen Meinung und den Diskussionen über die Aufgaben und die Ausrichtung der Hof- bzw. Nationalbibliothek, die Verteidigung und der Verkauf von Kulturgütern sowie die Reorganisation der Sammlungen in den Medien und in Denkschriften. Zur Erforschung des Einflusses der öffentlichen Meinung wurde auf die umfangreichen Bestände an digitalisierten Quellen (Zeitungen, Zeitschriften) der Österreichischen Nationalbibliothek zurückgegriffen, die über das Portal ANNO (AustriaN Newspapers Online) im Internet bereitgestellt werden.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Nationalbibliothek - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Frederic Barbier, ÉCOLE PRATIQUE DES HAUTES ÉTUDES - Frankreich
  • Istvan Monok, University of Szeged - Ungarn
  • Günter Bischof, University of New Orleans - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Kristian Jensen, The British Library - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2023
    Titel Ein Pop-Up Garten für den Kaiser. Streiflicht auf die Anstrengungen der Bevölkerung während des Besuchs Kaiser Franz I. von Österreich in Padua 1815; In: Von Gärten und Menschen. Gestaltete Natur, Kunst und Landschaftsarchitektur
    Typ Book Chapter
    Autor Valenta
    Seiten 171-177
  • 2020
    Titel Imperiales Erbe und Nationale Identität. Das Werden der Nationalbibliothek der Republik Österreich
    Typ Journal Article
    Autor Huber-Frischeis
    Journal Bibliothek, Forschung und Praxis 44,3 (2020) 1-9
    Seiten 1-9
  • 2022
    Titel Die Menagerie des Kaisers Franz II./I. auf der Terrasse des Augustinerganges und des k.k. Hof-Burggartens zu Wien - eine Quellenstudie; In: Des Kaisers schönste Tiere. Bilder aus den habsburgischen Sammlungen
    Typ Book Chapter
    Autor Huber-Frischeis
    Seiten 103-112

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