Auswirkungen von Hitzewellen auf eine Räuber-Beute Beziehung
Heat wave effects on an acarine predator-prey relationship
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (80%); Geowissenschaften (10%); Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (10%)
Keywords
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Predator-Prey Interactions,
Biological Control,
Mites,
Within-Generational Plasticity,
Trans-Generational Plasticity,
Heat Waves
Hitzewellen können besonders auf Gliedertiere wie Insekten, Milben und Spinnen fatale Auswirkungen haben, da ihre Hitzetoleranz oft niedriger ist als die täglichen Extremtemperaturwerte während einer Hitzewelle und daher lebenswichtige Eigenschaften negativ beeinflusst werden können. Theoretisch können sich Organismen an Umweltstress durch genetische (Änderung der DNA Sequenz) und plastische Modifikationen (keine Änderung der DNA Sequenz) bis zu einem gewissen Grad anpassen. Praktisch ist aber die Dauer von Hitzewellen zu kurz, um wirksame genetische Anpassungen zu entwickeln. Plastische Modifikationen hingegen können kurzfristig zu vorteilhaften Anpassungen an Hitzewellen führen, da diese innerhalb einer Generation wirksam sein können, aber auch auf die nächste Generation übertragen werden können. Was passiert aber, wenn ein Räuber und seine Beute unterschiedliche plastische Anpassungspotenziale haben? Führt dies zu einer Entkoppelung der meistens fein abgestimmten Räuber-Beute Beziehungen? Diese Fragen sollen anhand der Raubmilbe Phytoseiulus persimilis und dessen Beute, der Spinnmilbe Tetranychus urticae, die im biologischen Pflanzenschutz prominente Gegenspieler sind, untersucht werden. Folgende Annahmen sollen geprüft werden: (1) plastische Modifikationen an Hitzestress sind für Räuber und Beute innerhalb einer Generation möglich und können auch auf die nächste Generation übertragen werden; (2) die Kosten dieser Anpassungen sind für den Räuber höher als für seine Beute; und (3) die Konsequenzen dieser unterschiedlichen Anpassungspotenziale führen zu einer ineffizienten Bekämpfung der Spinnmilben durch den Räuber bei Hitzewellen. In vier Experimenten sollen die Vor- und Nachteile von Anpassungen der Eltern- und Filialgeneration an Hitzewellen evaluiert werden. Das plastische Potenzial in Bezug auf Hitzewellen soll von folgenden Eigenschaften des Räubers und der Beute näher untersucht werden: (1) Aggressivität des Räubers und Abwehrverhalten der Beute; (2) Beeinflussung des Abwehrverhaltens der Beute durch Lernen; (3) die Entwicklung, Reproduktion und Überleben von Räuber und Beute, und (4) die Auswirkungen von Hitzewellen auf die Populationsdynamik von Räuber und Beute. Diese Studie kann einen wesentlichen Beitrag zu der kontrovers geführten Debatte liefern, ob sich Gliedertiere durch plastische Modifikationen an die häufiger auftretenden Hitzewellen, bedingt durch den Klimawandel, anzupassen können. Wissenschaftliche Studien zu diesem Thema sind nämlich rar und fehlen bis dato gänzlich in Bezug auf die Auswirkungen von Hitzewellen auf Räuber-Beute Beziehungen. Abschließend kann die Studie für die biologische Kontrolle von Schadorganismen von enormer Bedeutung sein, da hier erstmals untersucht wird, ob eine ausreichende Spinnmilbenkontrolle durch die bisher erfolgreiche Raubmilbe P. persimilis unter Hitzestress gewährleistet ist.
Die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis und die Spinnmilbe Tetranychus urticae sind ein prominentes Räuber-Beute Paar in der biologischen Schädlingskontrolle, wobei der Räuber P. persimilis seine bevorzugte Beute T. urticae unter optimalen thermalen Bedingungen rasch dezimiert und Schädigungen von Kulturpflanzen verhindert. Aber im Zuge des Klimawandels werden Hitzewellen länger, häufiger und intensiver, was auch unterschiedliche Konsequenzen auf Räuber und Beute und weiterer Folge auf die Spinnmilbenkontrolle haben kann. Dies wurde in einem mehrjährigen Forschungsprojekt untersucht. Zunächst wurde die Entwicklung vom Ei bis zum adulten Individuum, und die Reproduktions-Leistung der Raub- und Spinnmilben evaluiert, wenn die Milben milden- (tägliche Maximal-Temperatur = 32C) oder extremen Hitzewellen (38C) ausgesetzt waren. Sowohl Raub- und Spinnmilben legten kleinere Eier unter extremen Hitzewellen ab, aber nur die Spinnmilben waren in der Lage, auch mehr Eier unter diesen Bedingungen zu produzieren. Beide Arten entwickelten sich rascher unter extremen Hitzewellen, aber die Körpergröße der adulten Weibchen des Räubers war geringer unter extremen- als unter milden Hitzewellen. Die adulten, weiblichen Spinnmilben hingegen waren größer unter extremen Hitzewellen. In einem weiteren Experiment wurde untersucht, ob diese geänderten Körperverhältnisse das Überleben der Beute bei Anwesenheit des Räubers unter milder- (Raub- und Spinnmilben etwa gleich groß) oder extremer Hitze (Spinnmilben größer als der Räuber) beeinflusst. Es zeigte sich deutlich, dass unter extremer Hitze mehr Spinnmilben überlebten als unter milder Hitze. Ob die Nachteile der geringeren Reproduktionsleistung und reduzierten Körpergröße der Raubmilben unter extremen Hitzewellen tatsächlich Auswirkungen auf die Spinnmilbenkontrolle haben, wurde in einem System bestehend aus Buschbohnen, Spinnmilben und Raubmilben untersucht. Extreme Hitzewellen führten zu einem erhöhtem Populationswachstum von Spinnmilben und damit auch zu einem verringerten Bohnengewicht, während die Raubmilben die Spinnmilben nur unter milden Hitzewellen kontrollieren konnten. Ein wesentlicher Aspekt, der wahrscheinlich zu einer ineffizienten Spinnmilbenkontrolle geführt hat, war die unterschiedliche räumliche Aufteilung der Milben in Abhängigkeit der Intensität der Hitzewellen. Unter milden Hitzewellen waren Spinn- und Raubmilben gleichmäßig im Pflanzenbestand verteilt. Bei extremen Hitzewellen war die Mehrzahl der Spinnmilben im oberen Drittel der Buschbohnen zu finden, die Raubmilben hingegen im unteren Drittel. Damit befanden sich die Spinnmilben in einem Bereich ohne Räuber, die somit keinen Zugriff zu ihrer Beute hatten. Diese Ergebnisse stimmen mit einer Reihe von Studien überein, die auf mögliche Vorteile für landwirtschaftliche Schädlinge gegenüber ihren natürlichen Gegenspielern in Zeiten des Klimawandels hinweisen. Um auch eine zukünftige biologische Spinnmilben-Kontrolle unter fortschreitenden Klimawandel sicherzustellen, bieten sich zwei forschungs-intensive Optionen an: (1) die Suche nach hitze-resistenten Raubmilben-Arten oder (2) anderer natürlicher Gegenspieler.
Research Output
- 30 Zitationen
- 23 Publikationen
- 4 Datasets & Models
- 3 Disseminationen
- 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2021
Titel Heat waves affect prey and predators differently via developmental plasticity: who may benefit most from global warming? DOI 10.1002/ps.6722 Typ Journal Article Autor Tscholl T Journal Pest Management Science Seiten 1099-1108 Link Publikation -
2022
Titel Thermal plasticity effects on the reproductive performance of the spider mite Tetranychus urticae under heat waves Typ Other Autor Serve H.C. Link Publikation -
2022
Titel Who does perform better in relation to reproduction during heat waves in an acarine system - the predator or its prey? Typ Conference Proceeding Abstract Autor Nachman G. Konferenz XXVI International Congress of Entomology -
2022
Titel Too hot to kill: extreme high temperatures drastically reduce the predation success of Phytoseiulus persimilis on female spider mites Typ Conference Proceeding Abstract Autor Walzer A. Konferenz 9TH SYMPOSIUM OF THE EUROPEAN ASSOCIATION OF ACAROLOGISTS Seiten 63 -
2022
Titel Developmental plasticity caused by heat-stress in a predator and its prey Typ Conference Proceeding Abstract Autor Nachman G. Konferenz 9TH SYMPOSIUM OF THE EUROPEAN ASSOCIATION OF ACAROLOGISTS Seiten 42-43 -
2020
Titel Juvenile Entwicklung unter Hitzestress: Schädling profitiert mehr durch plastische Anpassungen als sein natürlicher Gegenspieler Typ Conference Proceeding Abstract Autor Steinkellner S. Konferenz Virtuelle Österreichische Pflanzenschutztagung 2020 der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für integrierten Pflanzenschutz Seiten 1 -
2022
Titel Trans- and Within-Generational Developmental Plasticity May Benefit the Prey but Not Its Predator during Heat Waves DOI 10.3390/biology11081123 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Biology Seiten 1123 Link Publikation -
2024
Titel The predation success of Phytoseiulus persimilison its preferred prey, the spider mite Tetranychus urticae, is strongly reduced under extreme heat stress Typ Conference Proceeding Abstract Autor Walzer A. Konferenz 3nd International Congress of Biological Control -
2021
Titel AUSWIRKUNGEN VON HITZEWELLEN WÄHREND DER JUVENILEN ENTWICKLUNG AUF EINE RÄUBER-BEUTE BEZIEHUNG Typ Conference Proceeding Abstract Autor Tscholl Konferenz ARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR LEBENSMITTEL- VETERINÄR- UND AGRARWESEN Seiten 107-109 -
2021
Titel Auswirkungen von Hitzewellen auf die Reproduktion von Spinn- und Raubmilben Typ Conference Proceeding Abstract Autor Tscholl Konferenz 62. Österreichische Pflanzenschutztage Seiten 38 -
2021
Titel Developmental plasticity induced by heat waves in a predator-prey system Typ Conference Proceeding Abstract Autor Tscholl Konferenz Entomology 2021, Annual Meeting, Entomological Society of America -
2023
Titel Parental exposure to heat waves improves offspring reproductive investment in Tetranychus urticae (Acari: Tetranychidae), but not in its predator, Phytoseiulus persimilis (Acari: Phytoseiidae) DOI 10.1002/ece3.10748 Typ Journal Article Autor Tscholl T Journal Ecology and Evolution Link Publikation -
2023
Titel Effects of heat waves on life history traits of the predator Phytoseiulus persimilis and its preferred prey Tetranychus urticae and the potential consequences on biological control Typ PhD Thesis Autor Thomas Tscholl Link Publikation -
2023
Titel Reproducing during Heat Waves: Influence of Juvenile and Adult Environment on Fecundity of a Pest Mite and Its Predator DOI 10.3390/biology12040554 Typ Journal Article Autor Tscholl T Journal Biology Seiten 554 Link Publikation -
2023
Titel Heat wave effects on the reproduction of the spider mite Tetranychus urticae derived from heat wave experienced parents Typ Other Autor Scalmani I. Link Publikation -
2023
Titel Effects of heat waves on life history traits of the predator Phytoseiulus persimilis and its preferred prey Tetranychus urticae and the potential consequences on biological control Typ Other Autor Tscholl Link Publikation -
2023
Titel Asymmetrical thermal responses to heat stress in Phytoseiulus persimilis and its prey Tetranychus urticae lower the predation success Typ Conference Proceeding Abstract Autor Walzer A. Konferenz 8th Meeting of the IOBC-WPRS Working Group "Integrated Control of Plant-Feeding Mites" Seiten 15-17 -
2023
Titel Auswirkungen von Hitzewellen auf das Populationswachstum von Raub- und Spinnmilben Typ Conference Proceeding Abstract Autor Tscholl Konferenz 77. ALVA-TAGUNG, ARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR LEBENSMITTEL- VETERINÄR- UND AGRARWESEN Seiten 196-198 -
2023
Titel Thermal stress in an acarine predator-prey relationship: shifts in development, fecundity and predation success induced by heat waves may more harm the predator than its prey Typ Conference Proceeding Abstract Autor Tscholl Konferenz Entomology Congress 2023 in Bolzano Seiten 59-60 -
2023
Titel Hitzige Begegnungen - Spinnmilben und ihre Interaktionen mit einem natürlichen Gegenspieler im Klimawandel Typ Conference Proceeding Abstract Autor Tscholl Konferenz 64. Österreichische Pflanzenschutztage Seiten 44 -
2023
Titel Auswirkungen extremer Hitze auf Raub- und Spinnmilben Typ Conference Proceeding Abstract Autor Tscholl Konferenz 63. Deutsche Pflanzenschutztagung Seiten 174-175 -
2023
Titel Can thermal acclimation to heat waves induce species-specific effects on the heat sensitivity of the predator Phytoseilus persimilis and its prey Tetranychus urticae? Typ Conference Proceeding Abstract Autor Austerlitz T. Konferenz Scientific student conference 2023, Euro League for Life Sciences (ELLS) Seiten 34 -
2025
Titel Can acclimation to heat waves induce species-specific effects on the heat sensitivity of the predator P. persimilis and its prey T. urticae? Typ Other Autor Leitner M. Link Publikation
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2023
Link
Titel Parental exposure to heat waves improves offspring reproductive investment in Tetranychus urticae (Acari: Tetranychidae), but not in its predator, Phytoseiulus persimilis (Acari: Phytoseiidae) DOI 10.5281/zenodo.15630655 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2023
Link
Titel Reproducing during Heat Waves: Influence of Juvenile and Adult Environment on Fecundity of a Pest Mite and its Predator DOI 10.5281/zenodo.7554734 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2022
Link
Titel Trans- and Within-Generational Developmental Plasticity May Benefit the Prey but Not Its Predator during Heat Waves DOI 10.5281/zenodo.6637891 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2021
Link
Titel Heat waves affect prey and predators differently via developmental plasticity: who may benefit most from global warming? DOI 10.5281/zenodo.5497641 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link
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2020
Link
Titel Von Jägern und Gejagten: Hitze und ihre Auswirkungen auf Schädlingspopulationen und die Räuber-Beute Beziehung Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2024
Titel Klimawandel im Mikrokosmos: Wie Hitzewellen biologischen Pflanzenschutz beeinflussen Typ A magazine, newsletter or online publication -
2019
Link
Titel Der Standard, 06.11.2019. Forschung Spezial: Räuber und Gendarm im Mikroformat Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link
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2024
Titel 25. Semester-Touchdown der Agrarwissenschaften Typ Research prize Bekanntheitsgrad Regional (any country) -
2024
Titel Georg-Prosoroff-Preis Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country) -
2022
Titel Georg Prosoroff Preis Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country) -
2022
Titel Coping with Temperature Increase Induced by Climate Warming: Trends in Ectothermic Species Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series Bekanntheitsgrad Continental/International