Der Marco Polo des Christoph Kolumbus
The Marco Polo of Christopher Columbus
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (40%); Geschichte, Archäologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)
Keywords
-
Marco Polo,
Cultural Exchange,
Far East,
Neo-Latin,
Edition and Translation,
Travel Narratives
Als Christoph Kolumbus die Reise antrat, die die Neue Welt in den europäischen Wahrnehmungshorizont brachte, tat er das mit dem eigentlichen Ziel einen neuen Seeweg nach Asien zu finden. Es ist daher nicht überraschend, dass Christoph Kolumbus sich Wissen über den Fernen Osten für seine Reise in den Fernen Westen aneignete. Einer der Texte, den Kolumbus intensiv benutzte, war die lateinische Version von Marco Polos Reisen. Marco Polos Il Milione war die wichtigste Quelle über den Fernen Osten im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit, die maßgeblich die europäische Vorstellung von Asien und den beiden Amerikas über Jahrhunderte bestimmen sollte. Überraschend ist, dass ein solch zentraler Text nicht als kritische Ausgabe verfügbar ist. Die lateinische Übersetzung, die der Dominikaner-Mönch Francesco Pipino von 1310 bis 1322 anfertigte, ist in fast sechzig Manuskripten überliefert und übertrifft damit alle anderen vorhandenen Polo- Versionen. Keine andere Sprachversion von Marco Polos Bericht hatte mehr Einfluss im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit als die Pipino-Übersetzung. Vor diesem Hintergrund verfolgt das beantragte Marco-Polo-Projekt, unter der Leitung von Prof. Mario Klarer, drei eigenständige, aber ursächlich miteinander verbundene Ziele, die sich einerseits auf die lateinische Pipino-Übersetzung konzentrieren, andererseits auch die größeren Auswirkungen der Rolle und Position der Pipino-Version in der gesamten Marco-Polo-Tradition verorten: (1) Das Team wird auf der Basis aller überlieferten Pipino-Manuskripte aus dem 14. Jahrhundert eine eklektische Ausgabe und eine englische Übersetzung der lateinischen Pipino-Version anfertigen. (2) Eine intratextuelle Analyse von Pipinos Gesamtwerk berücksichtigt ebenso Pipinos Chronicon, eine Weltgeschichte, in die der Autor große Teile von Polos Reisen einarbeitete. Pipinos doppelte Verwendung Polos für seine Milione-Übersetzung und für Teile seiner Weltchronik bietet eine einzigartige Fallstudie für spätmittelalterliche Übersetzungs- und Adaptionsmechanismen. (3) Eine größere intertextuelle Untersuchung vergleicht den Pipino-Text mit anderen lateinischen Übersetzungen vor dem Hintergrund der franco-italienischen Fassung als der wichtigsten volkssprachlichen Version, um die spezifisch kulturelle, religiöse und politische Stoßrichtung der Pipino-Übersetzung zu beleuchten und ihren Einfluss auf andere spätmittelalterliche Autorinnen und Autoren herauszuarbeiten. Diese sich gegenseitig bedingenden editorischen und interpretatorischen Bemühungen sollten eine lang erwartete philologische Basis für die Polo-Forschung liefern und damit Licht auf das gesamte textliche Universum von Marco Polos Milione im Kontext von kulturellen und religiösen Verbreitungsmechanismen eines der einflussreichsten Werke des 14. und 15. Jahrhunderts werfen.
Als Christoph Kolumbus die Reise antrat, die die Neue Welt in den europäischen Wahrnehmungshorizont brachte, tat er das mit dem eigentlichen Ziel einen neuen Seeweg nach Asien zu finden. Es ist daher nicht überraschend, dass Christoph Kolumbus sich Wissen über den Fernen Osten für seine Reise in den Fernen Westen aneignete. Einer der Texte, den Kolumbus intensiv benutzte, war die lateinische Version von Marco Polos Reisen. Marco Polos Il Milione war die wichtigste Quelle über den Fernen Osten im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit, die maßgeblich die europäische Vorstellung von Asien und den beiden Amerikas über Jahrhunderte bestimmen sollte. Überraschend ist, dass ein solch zentraler Text nicht als kritische Ausgabe verfügbar ist. Die lateinische Übersetzung, die der Dominikaner-Mönch Francesco Pipino von 1310 bis 1322 anfertigte, ist in fast sechzig Manuskripten überliefert und übertrifft damit alle anderen vorhandenen Polo-Versionen. Keine andere Sprachversion von Marco Polos Bericht hatte mehr Einfluss im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit als die Pipino-Übersetzung. Vor diesem Hintergrund verfolgte das beantragte Marco-Polo-Projekt drei eigenständige, aber ursächlich miteinander verbundene Ziele, die sich einerseits auf die lateinische Pipino-Übersetzung konzentrieren, andererseits auch die größeren Auswirkungen der Rolle und Position der Pipino-Version in der gesamten Marco-Polo-Tradition verorten: (1) Das Team strebte auf Basis aller überlieferten Pipino-Manuskripte aus dem 14. Jahrhundert eine eklektische Ausgabe und eine englische Übersetzung der lateinischen Pipino-Version an. (2) Eine intratextuelle Analyse von Pipinos Gesamtwerk berücksichtigte ebenso Pipinos Chronicon, eine Weltgeschichte, in die der Autor große Teile von Polos Reisen einarbeitete. Pipinos doppelte Verwendung Polos - für seine Milione-Übersetzung und für Teile seiner Weltchronik - formte die Grundlage einer einzigartigen Fallstudie für spätmittelalterliche Übersetzungs- und Adaptionsmechanismen. (3) Eine größere intertextuelle Untersuchung verglich den Pipino-Text mit anderen lateinischen Übersetzungen vor dem Hintergrund der franco-italienischen Fassung als der wichtigsten volkssprachlichen Version, um die spezifisch kulturelle, religiöse und politische Stoßrichtung der Pipino-Übersetzung zu beleuchten und ihren Einfluss auf andere spätmittelalterliche Autorinnen und Autoren herauszuarbeiten. Diese sich gegenseitig bedingenden editorischen und interpretatorischen Bemühungen beschäftigten sich mit der lang erwarteten philologischen Basis für die Polo-Forschung und warfen somit Licht auf das gesamte textliche Universum von Marco Polos Milione im Kontext von kulturellen und religiösen Verbreitungsmechanismen eines der einflussreichsten Werke des 14. und 15. Jahrhunderts. Mit der anstehenden Edition der Milione wird die am weitesten verbreitete Version des Textes nun endlich sowohl Forschenden als auch interessierten Lesern und Leserinnen der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, um mehr über Marco Polos wunderbare Reise lernen zu können.
- Universität Innsbruck - 100%
- Kurt Gärtner, Universität Trier - Deutschland
- Laura Minervini, University "Federico II" of Naples - Italien
- Samuela Simion, University Ca´ Foscari Venice - Italien
- Maria Luisa Meneghetti, Universitá degli Studi Milano - Italien
Research Output
- 1 Publikationen
- 1 Disseminationen
- 5 Weitere Förderungen
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2022
Titel One Translator, Two Translations: Contextualizing Marco Polo's "Moving Mountain" Episode in Francesco Pipino's Translation of Il Milione and in his Chronicon DOI 10.1353/dph.2022.0015 Typ Journal Article Autor Alisade H Journal Digital Philology: A Journal of Medieval Cultures
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2024
Titel Event funding by the Department of American Studies, University of Innsbruck Typ Capital/infrastructure (including equipment) Förderbeginn 2024 Geldgeber University of Innsbruck -
2024
Titel Reimbursement of travel expenses for event participants by the State Government of Vorarlberg Typ Travel/small personal Förderbeginn 2024 Geldgeber Land Vorarlberg -
2024
Titel Reimbursement of travel expenses for event participants by the International Relations Office at the University of Innsbruck Typ Travel/small personal Förderbeginn 2024 Geldgeber University of Innsbruck -
2024
Titel Reimbursement of travel expenses for event participants by Vice Rectorate of Research at the University of Innsbruck Typ Travel/small personal Förderbeginn 2024 Geldgeber University of Innsbruck -
2024
Titel Reimbursement of travel expenses for event participants through "Research Area 'Cultural Encounters - Cultural Conflicts", University of Innsbruck Typ Travel/small personal Förderbeginn 2024 Geldgeber University of Innsbruck