Die Sprache der arabischen Minderheit im Südiran
The Language of the Arab Minority in Southern Iran
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Documentary Linguistics,
Language Contact,
Prosody,
Information Structure,
Arabic Dialectology,
Arabic Linguistics
1 Die entlang der Ostküste des Persischen Golfs gesprochen arabischen Dialekte sind bisher in der Forschung weitestgehend unberücksichtigt geblieben. Die heute im Südiran lebenden arabischen Gemeinschaften stellen sowohl eine sprachliche als auch religiöse Minderheit dar, da sie im Gegensatz zur Mehrheitsbevölkerung des Irans dem sunnitischen Islam angehören. Mit wenigen Ausnahmen sind sie zweisprachig und beherrschen gleichermaßen Arabisch und Persisch. Das Projekt zielt darauf ab, die bisher unbeschriebenen arabischen Varietäten in dieser Weltregion zu dokumentieren und ausgewählte linguistische Aspekte zu untersuchen. Dabei wird ein großes digitales Korpus authentischer Texte erstellt, welche die folgenden Fragestellungen erlauben: Wie können die Varietäten dieser Region sprachgeographisch in das Kontinuum der arabischen Dialekte in der Golfregion eingeordnet werden? Existieren phonologische, morphologisc he, syntaktische und lexikalische Charakteristika, welche sie mit einem Dialekt dieser Region in besonderer Weise teilen? In welchem Ausmaß finden sich in den untersuchten Dialekten Phänomene, welche auf den Sprachkontakt mit der Mehrheitssprache Persisch zurückzuführen sind und auch andere Bereic he als die Lexik umfassen? Inwieweit lassen sich Einflüsse des Persischen auf die Prosodie und Informationsstruktur der Dialekte feststellen? Die Beschreibung und Analyse von Prosodie und Informationsstruktur wurde in der Arabistik bisher nur wenig beachtet und stellt daher einen der innovativen Aspekte des Projekts dar. Ein weiterer neuer Aspekt ist die Dokumentation ausgewählter kultureller Praktiken einer kaum erforschten Minderheitsgesellschaft aus sowohl sprachwissenschaftlicher als auch ethnologischer Perspektive. Die der Analyse zugrundeliegenden sprachlichen und musikalischen Daten werden während längerer Feldforschungsaufenthalte vor Ort gesammelt. Dies gewährleistet, dass das Korpus ausschließlich aus authentischem Material wie zum Beispiel Lebensgeschichten, traditionellen Liedern und Erzählungen, aber auch spontanen Konversationen besteht. Zur Erforschung gewisser Bereiche der Grammatik werden zusätzlich auch Fragebögen verwendet. Das Projekt versucht, Ansätze aus allgemeiner Linguistik und arabischer Dialektologie sinnvoll zu kombinieren und damit auch einen Beitrag zur Überwindung der bestehenden Kluft zwischen diesen beiden Disziplinen zu leisten. Es verwendet ferner aktuelle texttechnologische Methoden und ist den Prinzipien von open source und open access verpflichtet. Dies bedeutet, dass die Sprachdaten der Scientific community durch ein öffentliches Web-Interface zur Verfügung stehen und dadurch für weitere Forschung genutzt werden können.
Die Sprache der arabischen Minderheit im Südiran Dieses Projekt befasst sich erstmalig eingehend mit der Erforschung des Arabischen im Südiran, einer Gruppe golfarabischer Dialekte, die von der arabischen Minderheit in den iranischen Provinzen Buschehr und Hormozgan gesprochen werden. Die arabischsprachigen Bewohner dieser beiden Provinzen stellen als (mehrheitlich) Angehörige der sunnitischen Glaubensrichtung in einem Persisch-sprachigen, schiitischen Umfeld sowohl in sprachlicher als auch in religiöser Hinsicht eine Minderheit dar. Die meisten Sprecherinnen und Sprecher sind in unterschiedlichem Maße bilingual (Arabisch und Persisch): Während jüngere Generationen perfekt zweisprachig sind und Persisch als Bildungssprache haben, sind viele ältere Sprecherinnen und Sprecher - insbesondere in ländlichen Gebieten - weitgehend monolingual arabischsprachig. Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist die Dokumentation dieser bislang kaum erforschten Dialekte durch einen ethnolinguistischen Ansatz. Es wurde ein umfangreiches digitales Korpus authentischer Sprachdaten erstellt, darunter Lebensgeschichten, traditionelle Erzählungen, prozedurale Texte und spontane Gespräche. Diese Audio- und Videoaufnahmen wurden transkribiert und ins Englische und Persische übersetzt und dauerhaft im Endangered Languages Archive (ELAR) archiviert. Die Datengrundlage basiert auf Beiträgen von über 40 Sprecherinnen und Sprechern aus 14 verschiedenen Orten und wurde durch Fragebögen sowie gezielt für die linguistische Analyse konzipierte herbeigeführte Sprechereignisse ergänzt. Die Forschung befasst sich mit zentralen Fragestellungen der Dialektologie, Areallinguistik und Soziolinguistik. Die Ergebnisse zeigen, dass die südiranischen arabischen Dialekte unterschiedliche historische Ursprünge innerhalb der arabischen Welt haben, die von Kuwait im Norden bis zu südlichen Regionen, bis hin zum Jemen reichen. Obwohl die Dialekte überwiegend beduinisch geprägt sind, bewahren sie teilweise auch ältere Merkmale, die mit sesshaften südlichen Varietäten verbunden sind. Darüber hinaus liefert das Projekt wichtige Erkenntnisse zu Sprachkontakt und Sprachwandel. In Abhängigkeit von Faktoren wie dem Grad der Urbanisierung, der religiösen Zugehörigkeit und demzufolge der Einbettung der Sprecherinnen und Sprecher in die iranische Gesellschaft lassen sich unterschiedliche Grade des Einflusses der persischen Umgebungssprache feststellen. Dort wo der kontaktinduzierte Wandel bereits fortgeschritten ist, reichen die Einflüsse des Persischen weit über den Wortschatz hinaus und betreffen zentrale Bereiche der Grammatik wie das Verbalsystem, die Definitheitsmarkierung sowie die Genus- und Numeruskongruenz. Insgesamt verdeutlicht das Projekt den Mehrwert der Kombination von Ansätzen und Methoden der allgemeinen Sprachwissenschaft und der arabischen Dialektologie und setzt zugleich neue Maßstäbe durch den Einsatz moderner digitaler und texttechnologischer Verfahren. Gemäß den Prinzipien von Open Access ist die Dokumentation frei zugänglich und steht Mitgliedern der Sprachgemeinschaft, Forschenden und der interessierten Öffentlichkeit über das Endangered Languages Archive zur Verfügung: https://www.elararchive.org/dk0810. Die Dokumentation trägt somit auch zur Bewahrung des kulturellen Erbes dieser Region bei.
- Universität Graz - 80%
- Universität Wien - 20%
- Stephan Prochazka, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Fatemeh Nemati, Persian Gulf University - Irak
- Mortaza Taheri-Ardali, Shahrekord University - Iran
- Erik Anonby, Carleton University - Kanada
- Christopher Lucas, SOAS, University of London - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 5 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 1 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2025
Titel News from South Iranian Arabic DOI 10.25365/phaidra.684_13 Typ Other Autor El Zarka D Link Publikation -
2025
Titel Documentation of South-Iranian Arabic: Gulf-Arabic varieties in Bushehr and Hormozgan Typ Other Autor El Zarka D Link Publikation -
2024
Titel An attempt at categorizing clitics in an Arabic variety DOI 10.1163/18776930-01602003 Typ Journal Article Autor El Zarka D Journal Brill's Journal of Afroasiatic Languages and Linguistics -
2022
Titel Grammar of Khuzestani Arabic: A Spoken Variety of South-Western Iran. Typ PhD Thesis Autor Bettina Leitner -
0
Titel Number Agreement in South Iranian Arabic - somewhere between Arabic and Farsi Typ Journal Article Autor El Zarka Journal Arabic Linguistics Link Publikation
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2024
Titel Interview for science section of the press Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
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2025
Titel Arabic in South Iran Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International