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Papier und Kopisten in Wiener Opernpartituren 1760–1770

Paper and Copyists in Viennese Opera Scores, 1760–70

Martin Eybl (ORCID: 0000-0002-2605-933X)
  • Grant-DOI 10.55776/P34188
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2021
  • Projektende 31.01.2025
  • Bewilligungssumme 395.304 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (80%)

Keywords

    Viennese copyists, Opera Scores, Paper Studies, Digital Humanities, Watermarks, Music distribution

Abstract Endbericht

1 Hunderte Werke von Haydn, Gluck oder anderen Wiener Komponisten kennt man lediglich aus zeitgenössischen Abschriften. Normalerweise bleiben solche Manuskripte undatiert, was die Bestimmung ihres Quellenwertes schwierig macht und keine Hinweise auf die Entstehungszeit der überlieferten Werke erlaubt. Da professionelle Kopisten relativ häufig das Papier wechselten, ermöglicht eine Übersicht über datierbare Papiere die Datierung von Manuskripten, die ebenfalls in Wien geschrieben wurden. Deshalb werden in dem vorliegenden Projekt fast hundert datierbare Opernpartituren aus Habsburgischen Sammlungen unter die Lupe genommen, die professionellen Kopisten (mit Sigeln, womöglich auch namentlich) identifiziert und die verwendeten Papiere bestimmt. Mehr als die Identifizierung einzelner Elemente ist die Kombination von Elementen der wertvollste Schlüssel zur Datierung. Das Projekt dokumentiert verschiedene Kombinationen: von Kopisten, die zusammenarbeiten, von Papieren, die gleichzeitig verwendet werden, und von Kopisten, die bestimmte Papiere verwenden. Drei innovative Aspekte sind hervorzuheben: Genauigkeit, Zugänglichkeit und Vollständigkeit. (1) Digitale Fotos von Wasserzeichen und Kopistenmerkmalen bieten eine größere Genauigkeit in der Abbildung als das ehemals übliche Abzeichnen. Zum ersten Mal wird in der Musikwissenschaft im großen Stil eine exakte, einfache und billige Methode zur Aufnahme von Wasserzeichen angewandt, nämlich Durchlichtaufnahmen und Bildsubtraktion. (2) Digitale Aufbereitung erlaubt die systematische Suche nach Wasserzeichen/Papieren, der physischen Zusammensetzung von Manuskripten und nach Kopisten. Auf der Website des Projekts, die mit der Quellendatenbank RISM und der Wasserzeichen-Plattform des Bernstein-Projekts verknüpft ist, können ForscherInnen aus der Musik- und der Papierwissenschaft frei auf die Daten zugreifen. Ein Copyist Identifyer wird entwickelt, mit dessen Hilfe man online durch Identifizierung bestimmter Schreibermerkmale (wie Schlüssel, Notenformen, Pausen, Taktangaben etc.) Kopistenhände in weiteren Wiener Manuskripten aus den 1760er und 70er Jahren bestimmen und datierbaren Opernpartituren zuordnen kann. (3) Durch die dichte Abfolge der Quellen decken die neu erstellten Kataloge von Papieren und Kopistenhänden vermutlich große Teile der gesamten Wiener Produktion von Musikhandschriften ab. Nur so lässt sich erkennen, wie lange ein Papier verwendet wurde und ein Kopist am Markt tätig war. Material aus den Jahren 17711774 wird aus einem früheren Projekt in die Datenbank integriert. Im Zeitraum zwischen 1760 und 1774 wurden in Wien viele, vor allem italienische Opern aufgeführt und deren Partituren vom Hof gesammelt. Das macht den gewählten Zeitraum für diese Art von Untersuchung zu einem idealen Feld.

Die Datierung von Musikhandschriften aus den 1760er- und 1770er-Jahren ist oft schwierig, da Datumsangaben fehlen und die Herkunft der Manuskripte nicht dokumentiert ist. Ein Forschungsprojekt nahm sich dieses Problems an, indem es über 100 Opernpartituren untersuchte, hauptsächlich aus habsburgischen Sammlungen. Im Mittelpunkt stand die Identifikation der Wiener Kopisten hinter diesen Handschriften sowie die Analyse der verwendeten Papiere - insbesondere durch die Untersuchung von Wasserzeichen, um Grundlagen für eine Datierung zu erarbeiten. Das Projekt brachte drei wesentliche Neuerungen mit sich. Erstens wurde erstmals in großem Umfang die Durchlichtfotografie in Kombination mit digitaler Bildsubtraktion in der musikwissenschaftlichen Forschung eingesetzt. Dadurch konnten Wasserzeichen - bewusst hergestellte Verdünnungen im Papier - präzise und effizient dokumentiert werden. Die daraus entwickelten Papierprofile sind auf der Website des Projekts frei zugänglich und enthalten detaillierte Informationen zur Herkunft des Papiers, zum Zeitpunkt seiner Verwendung in den Partituren und zur Art der Notenlinien. Der Großteil des Papiers wurde in der Region Salò am Gardasee von Papiermacherfamilien wie Calcinardi, Fondrieschi, Zuanelli, Fossati und Seguito produziert, nach Venedig transportiert und von dort über Triest in das Habsburgerreich eingeführt. Zweitens ermöglichte der Einsatz digitaler Werkzeuge die einfache Verknüpfung von Angaben zum Papier, zum materiellen Aufbau der Handschriften und zu den Kopisten. Die gewonnenen Daten werden über die Open-Access-Website zur Verfügung gestellt, die mit internationalen Datenbanken wie RISM und "The Memory of Paper" vernetzt ist. Partiturprofile liefern allgemeine Informationen zu den Werken, zu Aufführungsdaten in Wien sowie zur angenommenen Entstehungszeit der Handschriften. Kopistenprofile enthalten Angaben zu den charakteristischen Merkmalen der Schreiber, der Zeitspanne ihrer Tätigkeit und ihrer Zusammenarbeit mit anderen Kopisten. Besonders hervorzuheben ist die Kopistin und Unternehmerin Therese Ziss, die über ein Jahrzehnt ein Kopistenwerkstatt führte. Ein eigens entwickelter "Copyist Identifier" ermöglicht es, unbekannte Handschriften bestimmten Schreibern anhand charakteristischer Merkmale zuzuordnen. Drittens bietet das Projekt durch die Fokussierung auf ein enges Zeitfenster von 1760 bis 1770 einen detaillierten Einblick in die Praxis der Handschriftenproduktion in Wien. Zusammen mit Ergebnissen des Vorgängerprojekts zu den 1770er-Jahren ist eine reiche Datenbasis geschaffen: Insgesamt dokumentiert die Website 78 Papiere und 95 identifizierte Kopisten in 168 Opernpartituren, die heute in Bibliotheken in ganz Europa aufbewahrt werden, darunter Wien, Paris, Neapel, Budapest, Dresden und Leipzig. Über den Zeitraum von 1760 bis 1775 wurden viele Opernpartituren als Sammelstücke extra für den Wiener Hof hergestellt. Die Ausführung dieser Handschriften war von bester Qualität. Man verwendete erstklassiges Notenpapier aus Venezien und die Ausführung der Notenschrift war sehr sorgfältig. Dazu passte das feine Brokatpapier, das man hauptsächlich von renommierten Papiermachern aus Augsburg besorgte und für die Einbände verwendete; es ist ebenfalls auf der Website dokumentiert. Damit blieben diese Manuskripte in ihrer (außen und innen) exquisiten Ausführung bis heute Dokumente höchster Handwerkskunst.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Musik und darstellende Kunst Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Gabriele Buschmeier, Akademie der Wissenschaften Mainz - Deutschland
  • Armin Raab, Joseph Haydn-Institut - Deutschland
  • Martina Rebmann, Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz - Deutschland

Research Output

  • 6 Publikationen
  • 6 Datasets & Models
Publikationen
  • 2024
    Titel Die verschwundene Musikaliensammlung der Erzherzogin Elisabeth von Österreich; In: Die Frau als Gönnerin: Kulturvermittlung, Repräsentation und Fördernetzwerke in der frühneuzeitlichen Habsburger Monarchie
    Typ Book Chapter
    Autor Eybl M
    Verlag Praesens Verlag
    Seiten 239-251
  • 2024
    Titel Opéra-comique-Vorlagen im süddeutschen Singspiel der 1770er Jahre - Joseph Frieberts Nanerl bey Hof nach Charles Simon Favarts Ninette à la Cour; In: Ein Modell für Mozart: Das Serail (1778) von Joseph Friebert
    Typ Book Chapter
    Autor Ackermann J
    Verlag Hollitzer
    Seiten 207-242
  • 2022
    Titel Was Papier erzählt - Aufführungsmaterial der Kirchensonaten von Fux aus der Wiener Hofmusikkapelle; In: Zur Musik in Österreich von 1564 bis 1740
    Typ Book Chapter
    Autor Eybl M
    Verlag Leykam
    Seiten 227-236
  • 2023
    Titel Watermarks in Viennese Opera Scores: Toward a Comprehensive Database of Music Paper 1760-1775; In: Artists' Paper: A Case in Paper History
    Typ Book Chapter
    Autor Hornbachner C M
    Verlag Berger
    Seiten 484-502
  • 2022
    Titel Sammler*innen - Musikalische Öffentlichkeit und ständische Identität, Wien 1740-1810
    DOI 10.14361/9783839462676
    Typ Book
    Autor Eybl M
    Verlag transcript Verlag
  • 2023
    Titel Klöster als Konsumenten am Wiener Musikalienmarkt - Distribution und Transformation von Instrumentalmusik, 1755-1780
    DOI 10.1515/9783839468852
    Typ Book
    Autor Hornbachner C
    Verlag transcript Verlag
Datasets & Models
  • 2021 Link
    Titel Paper and Copyists in Viennese Opera Scores
    DOI 10.21939/x9gthx
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2025 Link
    Titel Paper and Copyists in Viennese Opera Scores - Photos edited_Copyists
    DOI 10.21939/mxdh-3k15
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Paper and Copyists in Viennese Opera Scores - Photos edited_Paper
    DOI 10.21939/txvj-em71
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Paper and Copyists in Viennese Opera Scores - Photos unedited_Covers
    DOI 10.21939/grqj-8s58
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Paper and Copyists in Viennese Opera Scores - Photos unedited_Paper
    DOI 10.21939/deb7-gn16
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Paper and Copyists in Viennese Opera Scores - Tables and texts_For public use
    DOI 10.21939/sc0d-c072
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link

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