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Transpiration bei Hitze

Plant water use under heat

Gilbert Neuner (ORCID: 0000-0003-2415-6125)
  • Grant-DOI 10.55776/P34717
  • Bewilligungs­summe Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projekt­beginn 01.11.2021
  • Projektende 31.10.2025
  • Bewilligungs­summe 401.446 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

  • Heat Stress Tolerance,
  • Minimum Leaf Conductance,
  • Cuticle Permeance,
  • Heat Wave,
  • Drought Stress,
  • Heat Dose
Abstract Zusammenfassung

Der Klimawandel beschert uns laufend neue Hitzerekorde. Hitzewellen, nicht selten kombiniert mit Trockenheit, sind inzwischen dreimal so häufig und im Schnitt um 2.3 C heißer als früher. Solch kombinierte Ereignisse setzen vielen Pflanzen besonders stark zu. Pflanzen transpirieren zwar, um sich zu kühlen, wenn jedoch das erforderliche Wasser fehlt, fällt diese Klimaanlage aus. Die Spaltöffnungen der Blätter schließen, um ein Vertrocknen zu verhindern. Dadurch aber kann sich das Blatt massiv erwärmen und wird dann meist viel heißer als die umgebende Luft. Ab etwa 40 C treten erste Schäden auf. Aber auch wenn diese Klimaanlage ausgeschaltet ist, verlieren die Blätter noch immer geringe Wassermengen, da die Blatthaut nicht ganz wasserdicht ist und bei Hitze sogar noch undichter wird. Die Ursachen dieser zunehmenden Wasserundichtigkeit der Blatthaut bei Hitze werden im gegenständlichen Projekt untersucht. Moderne bildgebende Verfahren gelangen zum Einsatz, um molekulare und strukturelle Veränderungen in der Blatthaut sichtbar zu machen. Parallel dazu werden verschiedenstestressphysiologische Methoden angewandt, mit denen der Funktionsverlust der Blatthaut bei Hitze bemessen werden kann. Die Blatthaut enthält Cutin und Wachse, die bei Hitze schmelzen es ist nicht bekannt, ob das wasserdurchlässiger werden reversibel ist und ob eine diesbezügliche Abhärtung stattfinden kann. Auch macht die Dosis erst das Gift. Es gibt praktisch keinerlei Untersuchungen über den Effekt der Einwirkdauer von Hitze auf Pflanzen und die temperaturabhängigen Veränderungen der Wasserdurchlässigkeit der Blatthaut. Die schädigende Hitzedosis sowie die maßgeblichen Ursachen für die hitzeinduzierte, erhöhte Wasserdurchlässigkeit der Blatthaut sind somit noch weitgehend unbekannt. Pflanzen aus Lebensräumen mit unterschiedlicher zu erwartender Hitzedosis werden untersucht. Ausgeprägte Mittagshitze ist ein Phänomen des Gebirgslebensraumes und tritt vor allem bei kleinwüchsigen Pflanzenarten auf. Dort werden Spaliersträucher, Baumsämlinge und Gletschervorfeldpflanzen untersucht. In den Nepalesischen Tropen hingegen, in denen über Monate hinweg durchgehend Hitze vorherrscht, werden ausgewählte Bäume und Kräuter analysiert. Diese Studie beinhaltet zahlreiche Feldversuche und Laborexperimente und reicht von der molekularen Ebene bis auf das Individualniveau. Sie verspricht daher umfassende, neue Erkenntnisse über die Hitzeresistenz von Pflanzen. Die Ergebnisse sind für die Abschätzung des zukünftigen Hitzerisikos sowohl für Kulturpflanzen, als auch für Pflanzen natürlicher Lebensräume in einer global wärmer werdenden Welt von großer Bedeutung.

Pflanzen an der alpinen Baumgrenze müssen sich immer häufiger gegen Hitze und Trockenheit behaupten. Unser Projekt zeigt: Wie stark Hitze Blätter schädigt, hängt nicht nur von der Temperatur ab - entscheidend ist auch, wie lange die Hitze anhält. Je länger die Belastung dauert, desto niedriger liegt die kritische Temperatur, bei der es zu Funktionsverlusten kommt. Außerdem können sich Pflanzen in kurzer Zeit abhärten und ihre Hitzetoleranz deutlich steigern. Beides muss in Vorhersagen und Modellen berücksichtigt werden. Im alpinen Gelände haben wir stark unterschiedliche Mikroklimate direkt nebeneinander nachgewiesen: Auf südexponierten Hängen werden Blätter deutlich heißer, erhalten mehr direkte Sonne und sind stärkeren Winden ausgesetzt als auf Nordhängen. Beim Zwergstrauch Kalmia procumbens wurden auf Südhängen Blattspitzen von bis zu 54,4 C gemessen - Werte, die für bodennahe Pflanzen im Sommer realistisch sind. Wie reagieren Pflanzen darauf? Eine zentrale Schutzschicht ist die "Blatthaut" (Cuticula). Auf der heißeren Südseite bildet Kalmia procumbens eine dickere Cuticula aus und schützt sich damit besser vor Wasserverlust - besonders unter Hitze. Auf der Nordseite investieren die Blätter stärker in bestimmte sekundäre Inhaltsstoffe (Flavonoide), die eher mit biologischen Stressfaktoren zusammenhängen. Entscheidend ist: Nicht allein die Menge an Wachsen zählt. Die chemische Feinstruktur der Cuticula und ihre Dicke wirken zusammen und bestimmen, wie gut cuticulärer Wasserverlust begrenzt wird. Auch bei jungen und ausgewachsenen Nadelbäumen zeigt sich dieser Schutzmechanismus: Die immergrünen Koniferen, wie Fichte und Zirbe besitzen deutlich dickere Cuticulae als die nadelabwerfende Lärche. Zudem sind die Cuticulae ausgewachsener Nadeln dicker als die von Keimlingen - ein klarer Vorteil in Hitzephasen. Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass das Überleben von Keimlingen an der Baumgrenze stark davon abhängt, wie hitzebeständig ihre Cuticula ist. Um Hitzeschäden schnell und verlässlich zu erfassen, haben wir ein Messverfahren weiterentwickelt, das mit wenig Probenmaterial auskommt und mehrere Schadensprozesse gleichzeitig sichtbar macht. Es zeigt: Hitzeschäden entwickeln sich schrittweise und betreffen unterschiedliche Funktionen im Blatt. So lassen sich hitzebedingte Schwellenwerte (z.B. LT10/LT50 - Temperaturen, bei denen 10 % bzw. 50 % Gewebe geschädigt sind) präziser bestimmen - eine wichtige Basis, um Arten vergleichbar zu bewerten und Vorsorgemaßnahmen abzuleiten. Unsere Ergebnisse liefern damit konkrete Ansatzpunkte für den Schutz und die Regeneration subalpiner Wälder: Südexponierte, trocken-heiße Standorte sind für die Etablierung von Jungpflanzen besonders herausfordernd. Zugleich zeigen die Befunde, dass die feine Abstimmung von Cuticula-Struktur und -Chemie ein Schlüssel für die Anpassungsfähigkeit an künftige, wärmere und trockenere Bedingungen ist - und damit für die Dynamik der Baumgrenze in einem sich wandelnden Klima.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Bodenkultur Wien - 35%
  • Universität Innsbruck - 65%
Nationale Projektbeteiligte
  • Notburga Gierlinger, Universität für Bodenkultur Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 35 Zitationen
  • 8 Publikationen
  • 7 Datasets & Models
  • 2 Disseminationen
  • 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2026
    Titel Cuticle water permeability, thickness and microchemistry of conifer seedlings and mature trees at the treeline
    DOI 10.1016/j.envexpbot.2026.106313
    Typ Journal Article
    Autor Buchner O
    Journal Environmental and Experimental Botany
  • 2026
    Titel Plant cuticle investigation on the micro and nano-scale and its environmental adaptations
    Typ PhD Thesis
    Autor Tiloca, Giusppe
  • 2025
    Titel Repeated colonisation of alpine habitats by Arabidopsis arenosa involved parallel adjustments of leaf cuticle traits
    DOI 10.1111/nph.70082
    Typ Journal Article
    Autor Bertel C
    Journal New Phytologist
    Seiten 1597-1608
    Link Publikation
  • 2025
    Titel A novel method for measuring heat injury in leaves provides insights into the sequence of processes of heat injury development.
    DOI 10.1186/s13007-025-01404-6
    Typ Journal Article
    Autor Bertel C
    Journal Plant methods
    Seiten 89
  • 2025
    Titel Raman micro-spectroscopy uncovers complex structural and chemical adaptations of alpine azalea leaf surface
    DOI 10.1016/j.microc.2025.113690
    Typ Journal Article
    Autor Neuner G
    Journal Microchemical Journal
  • 2025
    Titel Phenotypic Cuticle Plasticity at High Elevation: Is Microstructure and Microchemistry Related to Water Permeability?
    DOI 10.1111/pce.70344
    Typ Journal Article
    Autor Tiloca G
    Journal Plant, Cell & Environment
    Seiten 1778-1792
    Link Publikation
  • 2026
    Titel When it gets too hot: Chronology of critical heat thresholds stomatal response, PS II dysfunction, tissue heat damage, molecular denaturation and increased cuticle conductance
    DOI 10.1016/j.stress.2026.101375
    Typ Journal Article
    Autor Bertel C
    Journal Plant Stress
  • 2023
    Titel The dose makes the poison: The longer the heat lasts, the lower the temperature for functional impairment and damage
    DOI 10.1016/j.envexpbot.2023.105395
    Typ Journal Article
    Autor Neuner G
    Journal Environmental and Experimental Botany
    Seiten 105395
    Link Publikation
Datasets & Models
  • 2026 Link
    Titel Data set for: Tiloca, G., Buchner, O., Gierlinger, N., Neuner, G. 2026 Cuticle water permeability, thickness and microchemistry of conifer seedlings and mature trees at the treeline. Env Exp Bot, 242, doi.org/10.1016/j.envexpbot.2026.106313
    DOI 10.48323/qazyt-q6s32
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2026 Link
    Titel Critical temperature thresholds for stomatal response, photosystem II dysfunction, tissue heat damage, molecular denaturation, and changes in cuticle conductance
    DOI 10.5281/zenodo.18693417
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2026 Link
    Titel Data related to the publication: "Bertel, C., Neuner, G. A novel method for measuring heat injury in leaves provides insights into the sequence of processes of heat injury development. Plant Methods 21, 89 (2025). https://doi.org/10.1186/s13007-025...
    DOI 10.5281/zenodo.19202975
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2026 Link
    Titel Dataset for: Tiloca, G., Neuner, G., Jetter, R., Gierlinger, N. 2025 Raman micro-spectroscopy uncovers complex structural and chemical adaptations of alpine azalea leaf surface. Microchemical Journal, 213, doi.org/10.1016/j.microc.2025.113690
    DOI 10.48323/16zaq-6p708
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2025 Link
    Titel Data related to the publication: Bertel, C., Arc, E., Bohutínská, M., Kaplenig, D., Maindok, J., LaRegina, E., Wos, G., Kolář, F., Hülber, K., Kofler, W., Neuner, G., and Kranner, I. 2025 Repeated colonisation ...New Phytologist, doi.org/10.1111/nph.70082
    DOI 10.1111/nph.70082
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2025 Link
    Titel Dataset for: 5. Tiloca, G., Buchner, O., Stegner, M., Gierlinger, N. Neuner, G. 2025 Phenotypic Cuticle Plasticity at High Elevation: Is Microstructure and Microchemistry Related to Water Permeability? Plant, Cell and Environment, 1-15, doi.org/10.1111...
    DOI 10.48323/636s8-8zc74
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Data for Neuner and Buchner 2023: The dose makes the poison: The longer the heat lasts, the lower the temperature for functional impairment and damage. Environmental and Experimental Botany
    DOI 10.48323/2ncx6-y6e47
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Disseminationen
  • 2024
    Titel Lange Nacht der Forschung
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
  • 2022 Link
    Titel Auch Pflanzen können schwitzen
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2025
    Titel Kalmia procumbens: Cuticle chemistry and changes upon heat treatment revealed by Confocal Raman Microscopy
    Typ Poster/abstract prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2025
    Titel Cuticle of Kalmia procumbens leaves: flavonoids form spines for defense
    Typ Poster/abstract prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2024
    Titel Scanning through plant surfaces: 3D-Raman imaging of epidermal peels of Arabidopsis arenosa.
    Typ Poster/abstract prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2023
    Titel Kalmia procumbens: Cuticle chemistry and changes upon heat treatment revealed by Confocal Raman Microscopy
    Typ Poster/abstract prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
Weitere Förderungen
  • 2021
    Titel Infrastructure
    Typ Capital/infrastructure (including equipment)
    Förderbeginn 2021
    Geldgeber University of Innsbruck

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