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Sergius von Reshaina und die Anfänge syrischer Philosophie

Sergius of Reshaina and the Beginning of Syriac Philosophy

Yury Arzhanov (ORCID: 0000-0001-8987-0173)
  • Grant-DOI 10.55776/P34900
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2021
  • Projektende 30.09.2025
  • Bewilligungssumme 399.120 €

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (75%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)

Keywords

    Aristotle's Categories, Ancient commentaries on Aristotle, Alexandrian philosophical tradition, Christian reception of Greek philosophy, Syriac translations of Greek philosophical works, Sergius of Reshaina

Abstract Endbericht

Die moderne europäische Kultur steht auf den Schultern der großen Vorgänger der Vergangenheit und geht letztlich auf die klassische griechische Tradition zurück. Wenn wir die Grundlagen der modernen Philosophie definieren wollen, dann kommen wir zu Aristoteles und Platon. Wenn wir versuchen, die Wurzeln der modernen Medizin zu beschreiben, dann sprechen wir über Hippokrates und Galen. Das Gleiche gilt für die moderne Wissenschaft, in der Euklid und Ptolemäus immer noch eine ehrenvolle Position innehaben. Aber wie kamen die griechische Wissenschaft, Medizin und Philosophie nach Europa? Es waren Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische, die im 11. und 12. Jahrhundert in Spanien angefertigt wurden, welche Aristoteles und Galen nach Europa brachten. Die arabischen Übersetzungen wiederum sind im 8. bis 10. Jahrhundert zum großen Teil aus den syrischen Übersetzungen der griechischen Texte entstanden. Wir haben also mit einer Überlieferungskette zu tun, welche mehrere Sprachen, Religionen und historische Epochen umfasst und welche ihren Anfang mit syrisch-christlichen Gelehrten genommen hat, die als erste die griechische Wissenschaft, Philosophie und Medizin studierten und übersetzten und sie auf diese Weise an spätere Gelehrte weitergaben. Das vorliegende Projekt konzentriert sich auf die Schlüsselfigur in der Geschichte der syrischen Überlieferung der griechischen Philosophie, Sergios von Reshaina (gestorben im 536). Er studierte in Alexandria mit Ammonius Hermeiou, wer einen riesen Einfluss auf die gesamte philosophische Tradition des sechsten Jahrhunderts hatte. Später zog Sergios nach Syrien, wo er begann, griechische Werke ins Syrische zu übertragen. Der Korpus von Sergios Schriften umfasst Übersetzungen der medizinischen Werke von Hippokrates und Galen, logische Abhandlungen von Aristoteles, antike griechische Werke in Astronomie und Physik. Sergios verfasste auch eine Reihe von originellen Abhandlungen, die viele Generationen von syrischen und arabischen Gelehrten beeinflussten. Sergios gehört zu der Zeit der Christianisierung der griechischen Philosophie und seine Schriften dienen als wichtige Zeugen für den Übergang der Philosophieunterricht vonden traditionellen spätantiken Schulenzu christlichen Bildungseinrichtungen. Sergios erweist sich als ein Verbindungspunkt zwischen der antiken philosophischen Tradition und der orientalischen Rezeption der griechischen Philosophie im sechsten bis neunten Jahrhundert im syrischen Christentum und später in der arabischen Welt. Die Hauptziele des Projekts sind eine systematische Analyse des literarischen Erbes des Sergios, Auswertung von Sergios` Platz in der Rezeption der alexandrinischen philosophischen Literatur und Definition seiner Rolle in der Entstehung der syrischen philosophischen und wissenschaftlichen Terminologie.

Das Projekt untersuchte Sergius von Reshaina (gest. 536), eine Schlüsselfigur der syrischen philosophischen Tradition, und lieferte die erste systematische Analyse seines literarischen Erbes. Dabei wurde unser Verständnis seiner Rolle bei der Gestaltung der syrischen philosophischen Bildung vom 6. bis zum 9. Jahrhundert grundlegend revidiert. Das Projekt erbrachte drei bedeutende wissenschaftliche Beiträge. Erstens eine kritische Edition von Sergius' monumentalem Kommentar zu Aristoteles' Kategorien - 2024 im Open Access bei De Gruyter erschienen - die den vollständigen syrischen Text mit paralleler englischer Übersetzung, Einleitung und Kommentar auf der Grundlage aller erhaltenen Handschriften präsentiert. Zweitens wird der kommende Band "Divisions and Definitions: Syriac School Manuals on Aristotle's Logic" (2026) sieben Schultexte darstellen, die zuvor Sergius zugeschrieben oder mit ihm in Verbindung gebracht wurden. Meine Analyse zeigt, dass Sergius diese Werke zwar wahrscheinlich nicht verfasst hat, sie aber unmittelbar von seinem Kategorien-Kommentar abhängen, was dessen tiefgreifenden Einfluss auf die syrische Pädagogik offenbart. Zusammen bieten diese Editionen Historikern einen beispiellosen Zugang zu Quellen, die beleuchten, wie christliche Schulen in der Spätantike und im frühen Mittelalter die Logik des Aristoteles rezipierten und überlieferten. Der dritte Beitrag, die SergiusNet-Datenbank (https://sergius.sbg.ac.at/), bietet vollständige durchsuchbare Texte von Sergius' Kategorien-Kommentar und der Abhandlung "Divisions of Porphyry" sowie ein Beta-Glossar der syrischen philosophischen Terminologie aus etwa 70 Texten. Dieses Glossar, das vollständig in die Simtho-Datenbank (https://simtho.bethmardutho.org/) integriert werden soll, schafft eine wesentliche Infrastruktur für zukünftige Forschung. Diese Materialien zeigen, wie das alexandrinische Bildungsmodell, durch Sergius vermittelt, die Formationsperiode der syrischen Philosophie dominierte. Erstmals können wir Sergius' weitreichenden Einfluss sowohl auf die syrische als auch auf die arabische philosophische Tradition und auf die Transmission der klassischen griechischen Philosophie in mittelalterlichen christlichen Schulen nachvollziehen. Über seine unmittelbaren Ergebnisse hinaus etablierte das Projekt die neue Reihe "Philosophy and Sciences in the Christian Orient" bei De Gruyter Brill (https://www.degruyterbrill.com/serial/psco-b/), wodurch ein dauerhaftes Forum für Forschung in diesem Bereich geschaffen wurde. Das Projekt hat eine wesentliche Lücke in der Philosophiegeschichte geschlossen und zugleich neue Wege für künftige Forschung eröffnet.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Gregory Kessel, nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Bernard Coulie, Université Catholique de Louvain - Belgien
  • Matthias Perkams, Friedrich Schiller Universität Jena - Deutschland
  • Hans Daiber, Johann Wolfgang Goethe-Universität - Deutschland
  • Gerhard Endress, Ruhr-Universität Bochum - Deutschland
  • Martin Heimgartner, Universität Halle - Deutschland
  • Daniel King, Cardiff University - Vereinigtes Königreich
  • John Watt, Cardiff University - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 3 Publikationen
  • 1 Datasets & Models
  • 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2026
    Titel From Moscow to Baghdad: Studies on Middle Eastern Christianity in Memory of Nikolai Seleznyov
    Typ Book
    Autor Loesov Sergey
    Verlag Brill
  • 2024
    Titel Sergius of Reshaina, Commentary on Aristotle's >Categories< - Critical Edition and Translation
    DOI 10.1515/9783111444536
    Typ Book
    Autor Arzhanov Y
    Verlag De Gruyter
  • 0
    Titel Divisions and Definitions: Syriac School Manuals on Aristotle's Logic (6th-9th C.)
    Typ Book
    Autor Arzhanov
    Verlag De Gruyter Brill
Datasets & Models
  • 2022 Link
    Titel SergiusNet
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel 2024 Lisbon
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)
  • 2023
    Titel 2023 Wien
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)
  • 2023
    Titel 2023 Jena
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)
  • 2022
    Titel 2022 Berlin
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)

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