Sergius von Reshaina und die Anfänge syrischer Philosophie
Sergius of Reshaina and the Beginning of Syriac Philosophy
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (75%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)
Keywords
-
Aristotle's Categories,
Ancient commentaries on Aristotle,
Alexandrian philosophical tradition,
Christian reception of Greek philosophy,
Syriac translations of Greek philosophical works,
Sergius of Reshaina
Die moderne europäische Kultur steht auf den Schultern der großen Vorgänger der Vergangenheit und geht letztlich auf die klassische griechische Tradition zurück. Wenn wir die Grundlagen der modernen Philosophie definieren wollen, dann kommen wir zu Aristoteles und Platon. Wenn wir versuchen, die Wurzeln der modernen Medizin zu beschreiben, dann sprechen wir über Hippokrates und Galen. Das Gleiche gilt für die moderne Wissenschaft, in der Euklid und Ptolemäus immer noch eine ehrenvolle Position innehaben. Aber wie kamen die griechische Wissenschaft, Medizin und Philosophie nach Europa? Es waren Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische, die im 11. und 12. Jahrhundert in Spanien angefertigt wurden, welche Aristoteles und Galen nach Europa brachten. Die arabischen Übersetzungen wiederum sind im 8. bis 10. Jahrhundert zum großen Teil aus den syrischen Übersetzungen der griechischen Texte entstanden. Wir haben also mit einer Überlieferungskette zu tun, welche mehrere Sprachen, Religionen und historische Epochen umfasst und welche ihren Anfang mit syrisch-christlichen Gelehrten genommen hat, die als erste die griechische Wissenschaft, Philosophie und Medizin studierten und übersetzten und sie auf diese Weise an spätere Gelehrte weitergaben. Das vorliegende Projekt konzentriert sich auf die Schlüsselfigur in der Geschichte der syrischen Überlieferung der griechischen Philosophie, Sergios von Reshaina (gestorben im 536). Er studierte in Alexandria mit Ammonius Hermeiou, wer einen riesen Einfluss auf die gesamte philosophische Tradition des sechsten Jahrhunderts hatte. Später zog Sergios nach Syrien, wo er begann, griechische Werke ins Syrische zu übertragen. Der Korpus von Sergios Schriften umfasst Übersetzungen der medizinischen Werke von Hippokrates und Galen, logische Abhandlungen von Aristoteles, antike griechische Werke in Astronomie und Physik. Sergios verfasste auch eine Reihe von originellen Abhandlungen, die viele Generationen von syrischen und arabischen Gelehrten beeinflussten. Sergios gehört zu der Zeit der Christianisierung der griechischen Philosophie und seine Schriften dienen als wichtige Zeugen für den Übergang der Philosophieunterricht vonden traditionellen spätantiken Schulenzu christlichen Bildungseinrichtungen. Sergios erweist sich als ein Verbindungspunkt zwischen der antiken philosophischen Tradition und der orientalischen Rezeption der griechischen Philosophie im sechsten bis neunten Jahrhundert im syrischen Christentum und später in der arabischen Welt. Die Hauptziele des Projekts sind eine systematische Analyse des literarischen Erbes des Sergios, Auswertung von Sergios` Platz in der Rezeption der alexandrinischen philosophischen Literatur und Definition seiner Rolle in der Entstehung der syrischen philosophischen und wissenschaftlichen Terminologie.
- Universität Salzburg - 100%
- Gregory Kessel, nationale:r Kooperationspartner:in
- Bernard Coulie, Université Catholique de Louvain - Belgien
- Matthias Perkams, Friedrich Schiller Universität Jena - Deutschland
- Hans Daiber, Johann Wolfgang Goethe-Universität - Deutschland
- Gerhard Endress, Ruhr-Universität Bochum - Deutschland
- Martin Heimgartner, Universität Halle - Deutschland
- Daniel King, Cardiff University - Vereinigtes Königreich
- John Watt, Cardiff University - Vereinigtes Königreich