Mechanismen zur Neutralisation von oxidierten Phospholipiden
Defense mechanisms neutralizing oxidized phospholipids
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (60%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (40%)
Keywords
- Oxidized Phospholipids,
- OxLDL-binding proteins,
- Neutralization of toxic oxidized lipids
Humanes Blutplasma enthält unterschiedliche Phospholipide von denen einige anfällig für Oxidation sind. Oxidierte Phospholipide (OxPLs) sind toxische und entzündungsfördernde Substanzen welche an verschiedenen Krankheiten, wie z.B. der Gefäßverkalkung, beteiligt sind. Das Blutplasma enthält jedoch einige natürliche Abwehrmechanismen, welche die Anreicherung und folglich die schädlichen Effekte von OxPLs verhindern. Zu diesen Abwehrmechanismen zählen die enzymatische Neutralisation von OxPLs, die Bindung von Antikörpern und anderen Plasmaproteinen an OxPLs und die Beseitigung von OxPLs durch Rezeptoren der Zellmembran. Wir nehmen an, dass die Mechanismen zur Inaktivierung von OxPLs eine nicht weniger wichtige Rolle bei der Gefäßverkalkung spielen, als jene Prozesse die diese bösen Lipide generieren. Im Rahmen dieses Projekts werden Lipide und Proteine mittels Massenspektrometrie analysiert, um enzymatische Modifikationen von OxPLs zu charakterisieren und um OxPL-bindende Proteine, welche OxPLs maskieren und somit eine Zellschädigung verhindern, zu identifizieren. Das Projekt sollte neue Einblicke in die Mechanismen der Inaktivierung von schädlichen OxPLs in Blutplasma liefern. Außerdem sollte unser Verständnis über die Balance zwischen den Prozessen welche die Gefäßverkalkung fördern bzw. der Gefäßverkalkung entgegenwirken, verbessert werden. Dieses Gleichgewicht spielt eine tragende Rolle für das individuelle Risiko Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln.
Das wichtigste Ergebnis dieses Projekts ist, dass menschliches Blutplasma über natürliche Schutzmechanismen verfügt, die schädlich oxidierte Fettmoleküle abbauen und durch Bindung neutralisieren können. Diese Schutzfunktion des Blutes war bisher deutlich weniger erforscht als die Entstehung der schädlichen Stoffe selbst. Die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko für Gefäßschäden nicht allein davon abhängt, wie viele oxidierte Fettmoleküle entstehen, sondern auch davon, wie wirksam der Körper sie unschädlich machen kann. Im Zentrum des Projekts standen oxidierte Phospholipide. Das sind veränderte Fettbestandteile, die entstehen, wenn Lipide im Blut und an Zellmembranen chemisch geschädigt werden. Sie können Entzündungen in den Blutgefäßen fördern. Solche Prozesse tragen zur Atherosklerose bei, also zu Veränderungen der Gefäßwand, die langfristig das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. Das Projekt zeigte, dass der Körper diesen schädlichen Molekülen mit mehreren natürlichen Abwehrmechanismen begegnet. Ein Teil dieser Schutzwirkung beruht auf Enzymen im Blutplasma, die oxidierte Phospholipide abbauen. Dabei zeigte sich, dass innerhalb des untersuchten Enzymspektrums einzelne Vertreter besonders stark zum Abbau dieser Moleküle beitragen. Vor allem stark oxidierte Moleküle erwiesen sich als besonders anfällig für diesen Abbau. Damit wurde genauer geklärt, wie das Blut zur Entgiftung schädlicher Fettstoffe beiträgt. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass zahlreiche Proteine im Blutplasma an oxidierte Phospholipide binden. Durch diese Bindung werden die schädlichen Moleküle gewissermaßen abgeschirmt, sodass sie nicht mehr mit Zellen in Kontakt treten und ihre entzündungsfördernde Wirkung vermindert wird. In einer umfassenden Analyse wurden zahlreiche Plasmaproteine identifiziert, die bevorzugt an oxidierte Fettstoffe binden. Für mehrere dieser Proteine konnte die neutralisierende Wirkung auch experimentell bestätigt werden. Zudem wurde deutlich, dass diese Schutzfunktion nicht auf wenige einzelne Molekültypen beschränkt ist, sondern von einer Vielzahl unterschiedlicher Proteinklassen übernommen wird. Durch weitere biochemische Analysen konnte der Kreis der möglicherweise besonders wichtigen Schutzproteine zuletzt auf weniger als 50 eingegrenzt werden. Ein weiterer wesentlicher Fortschritt war die Entwicklung und Standardisierung eines empfindlichen Tests, mit dem sich die Fähigkeit von Blutplasma zur Neutralisierung oxidierter Phospholipide zuverlässig messen lässt. Dabei wurden auch Parameter für die Handhabung und Lagerung der Proben definiert, um verlässliche Ergebnisse zu gewährleisten. Diese Erkenntnis ist für zukünftige klinische Untersuchungen besonders wichtig. Insgesamt hat das Projekt das Verständnis dafür deutlich erweitert, wie der Körper sich gegen schädliche Fettveränderungen im Blut schützt. Langfristig können diese Ergebnisse dazu beitragen, neue Marker für das Herz-Kreislauf-Risiko zu entwickeln und neue Ansätze für Prävention, Diagnostik und Therapie zu unterstützen.
- Universität Graz - 100%
- Gunther Marsche, Medizinische Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Maria Fedorova, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus - Deutschland
Research Output
- 29 Zitationen
- 13 Publikationen
- 1 Methoden & Materialien
-
2026
Titel Defense mechanisms neutralizing oxidized phospholipids Typ PhD Thesis Autor Philipp Jokesch -
2025
Titel Simplified synthesis of oxidized phospholipids on alkyl-amide scaffold DOI 10.1016/j.mex.2025.103288 Typ Journal Article Autor Oskolkova O Journal MethodsX Seiten 103288 Link Publikation -
2025
Titel Contribution of individual phospholipase A2 enzymes to the cleavage of oxidized phospholipids in human blood plasma DOI 10.1016/j.jlr.2025.100742 Typ Journal Article Autor Jokesch P Journal Journal of Lipid Research Seiten 100742 Link Publikation -
2025
Titel An Immune Assay to Quantify the Neutralization of Oxidation-Specific Epitopes by Human Blood Plasma DOI 10.3390/antiox14080903 Typ Journal Article Autor Jelic M Journal Antioxidants Seiten 903 Link Publikation -
2022
Titel Low Concentrations of Oxidized Phospholipids Increase Stress Tolerance of Endothelial Cells DOI 10.3390/antiox11091741 Typ Journal Article Autor Mauerhofer C Journal Antioxidants Seiten 1741 Link Publikation -
2024
Titel Modulation of pro-inflammatory gene transcription by electrophiles DOI 10.1016/j.freeradbiomed.2024.04.070 Typ Journal Article Autor Oskolkova O Journal Free Radical Biology and Medicine Seiten 18-19 -
2024
Titel Identification of plasma proteins binding oxidized phospholipids using pull-down proteomics and OxLDL masking assay ‡ DOI 10.1016/j.jlr.2024.100704 Typ Journal Article Autor Jokesch P Journal Journal of Lipid Research Seiten 100704 Link Publikation -
2024
Titel Cooperative induction of CXCL chemokines by inflammatory cytokines and oxidized phospholipids DOI 10.1111/imm.13773 Typ Journal Article Autor Hodzic A Journal Immunology Seiten 286-295 Link Publikation -
2022
Titel Defense mechanisms neutralizing circulating oxidized phospholipids DOI 10.1016/j.freeradbiomed.2022.06.147 Typ Journal Article Autor Bernd G Journal Free Radical Biology and Medicine -
2022
Titel Gain of function effects of oxidized phospholipids make them pharmacological targets and leads DOI 10.1016/j.freeradbiomed.2022.06.085 Typ Journal Article Autor Hodzic A Journal Free Radical Biology and Medicine -
2023
Titel Pharmacological heat-shock protein inducers and chemical chaperones inhibit upregulation of interleukin-8 by oxidized phospholipids DOI 10.1007/s10787-022-01124-6 Typ Journal Article Autor Hellauer K Journal Inflammopharmacology Seiten 1319-1327 Link Publikation -
2023
Titel Inactivation of Oxidized Phospholipids by Blood Plasma Proteins DOI 10.1016/j.freeradbiomed.2022.12.072 Typ Journal Article Autor Gesslbauer B Journal Free Radical Biology and Medicine -
2023
Titel Potentiation of cytokine-induced inflammation by oxidized phospholipids DOI 10.1016/j.freeradbiomed.2023.03.118 Typ Journal Article Autor Hodzic A Journal Free Radical Biology and Medicine Seiten 27-28
-
2025
Titel An Immune Assay to Quantify the Neutralization of Oxidation-Specific Epitopes by Human Blood Plasma DOI 10.3390/antiox14080903 Typ Technology assay or reagent Öffentlich zugänglich