Teurnia. Eine sich wandelnde römische Stadt
Teurnia. A Changing Roman City.
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)
Keywords
- Archaeology,
- Urbanistic Studies,
- Roman Imperial Era,
- Migration Period,
- Roman Provinces,
- Transformation Processes
Teurnia, unter Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) gegründet, ist eine der frühen römischen Städte im heutigen Österreich. Im Gegensatz zu seinen Nachbarstädten ist es nicht in der Ebene, sondern auf einer Anhöhe gelegen. Dies ist sehr untypisch für eine Siedlung dieser Zeit, wurde aber in der Spätantike zu einem offensichtlichen Vorteil, als die meisten Städte in der Region aufgegeben wurden und Teurnia nicht nur weiter bestand, sondern sogar Hauptstadt der römischen Provinz Noricum Mediterraneum wurde. Dass es im Laufe der Zeit zu Veränderungen im Stadtbild kam, versteht sich von selbst, und genau darauf liegt das Augenmerk des Projekts. Für die Frühzeit der Stadt ist ihr Stadtplan von besonderem Interesse, insbesondere wie das typische Rechtecksystem an die Lage auf dem Hügel angepasst werden musste und welche Blickachsen als wichtig erachtet wurden. Ein Schwerpunkt dieser Thematik wird die Auswertung vorhandener Luftbilder, Laserscans und Ergebnisse aus geophysikalischen Messungen sowie die Berücksichtigung der Stadt im Hinblick auf die Mikroregion sein. Für die römische Kaiserzeit sind eine Reihe von Modifikationen und Veränderungen zu beobachten. Die Erforschung von Gebäuderesten und Kleinfunden bisher unveröffentlichter Ausgrabungen wird zu einer detaillierten Chronologie zweier exemplarisch besonders interessanter Gebiete, eines in der Innenstadt und eines am Stadtrand, führen. Ein Vergleich zwischen diesen beiden und anderen publizierten Bereichen der Stadt, wie den westlichen Wohnterrassen, wird zeigen, ob die offensichtlichen Veränderungen die gesamte Stadt betrafen oder sich auf Stadtteile beschränkten. Dies ist auch für die Spätantike eine entscheidende Frage, als sich das Erscheinungsbild der Stadt beispielsweise d urch den Bau der Stadtmauer grundlegend veränderte. Ist dies als Umgestaltung und Revitalisierung nach einer Periode des Niedergangs zu verstehen oder gibt es einen kontinuierlichen Transformationsprozess? Durch die Auswertung dieser Fragestellungen wird das Forschungsprojekt Teurnia als Modell zur Unterscheidung zwischen individueller Entwicklung und allgemeinen Trends positionieren. Als umfassende Fallstudie wird das Projekt auch ein großes vergleichendes Potenzial für die weitere Erforschung der römische n und spätantiken Urbanistik im Allgemeinen haben.
Das Forschungsprojekt Teurnia. A Changing Roman City P35247-G befasste sich mit der Dynamik von Wachstum und Veränderung der römischen Stadt Teurnia (St. Peter in Holz/Kärnten). Aufgrund von Divergenzen zwischen dem digitalen Kataster und älteren Plänen war die Erstellung eines aktuellen Gesamtplans unumgänglich. Dieser wurde GIS-basiert umgesetzt und ermöglicht das Einblenden verschiedener Hintergrundkarten sowie die Visualisierung unterschiedlicher Siedlungsphasen. Die Darstellung kann an die jeweilige Fragestellung angepasst und um neue Forschungsergebnisse ergänzt werden. Hierbei wird ersichtlich: In der nordwestlichen Vorstadt lagen an der Fernstraße vicusartige Streifenhäuser. Dem gegenüber waren die Terrassen am Holzer Berg, das Gipfelplateau sowie die östlichen Wohnterrassen dichte, orthogonale bebaut. Während der Kaiserzeit hatte die Stadt eine Ausdehnung von bis zu 34 ha. In der Spätantike kam es mit dem Bau der Stadtmauer zu einer Reduktion auf ca. 7,9 ha. Für die chronologische Auswertung wurden drei Bereiche als areas of special interest ausgewählt: der Nordbereich der Forumsterrasse als innerstädtisches Zentrum, die sogenannte Tempelterrasse sowie das Areal der Westnekropole als Beispiel suburbaner Bebauung. Daraus resultierte ein differenzierteres Bild der Stadtentwicklung: In der nordwestlichen Vorstadt setzt eine handwerklich geprägte Besiedelung bereits im frühen 1. Jh. n. Chr ein. Ein planmäßiger Ausbau der Stadt folgte auf dem Holzer Berg und an dessen Ostseite um die Mitte des 1. Jh.s n. Chr., wobei ältere Befunde fast vollständig überprägt wurden. Diese umfangreiche Umgestaltung ist wohl mit der Erhebung zum Municipium zu verbinden. Im Gegensatz dazu setzten in der Vorstadt größere bauliche Veränderungen erst später, in der zweiten Hälfte des 1. Jh.s. n. Chr., ein. Es folgten Um- und Ausbauten in der Stadt während des 2. Jh.s. n. Chr. Ein einheitlicher severischer Zerstörungshorizont ließ sich nicht nachweisen. Vielmehr zeichnet sich für das 3. Jh. n. Chr. ein allgemeiner Bedeutungsrückgang ab. So wurden einzelne Gebäude der Vorstadt zwischen der 2. Hälfte des 3. und der Mitte des 4. Jh.s. n. Chr. schrittweise aufgegeben. Eine tiefgreifende Veränderung der urbanen Strukturen brachte schließlich der Bau der Stadtmauer, die erst kurz vor der Belagerung durch die Goten (467 n. Chr.) errichtet wurde. Damit war jedoch kein weiterer Niedergang verbunden. Vielmehr belegen spätere Umbauten, die Kirchen sowie Handelsgüter und Grabausstattungen eine bis ins 7. Jh. n. Chr. anhaltende Prosperität der Stadt. Festzuhalten ist, dass das Projekt durch das Zusammenführen von Messdaten und archäologischen Auswertungen deutlich umfassendere Ergebnisse erbrachte, als erwartet. Entsprechende Publikationen sind in Vorbereitung. Die Ergebnisse bilden eine exzellente Basis für weitere Forschungen.
- Manfred Lehner, Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Martin Auer, Universität Innsbruck , nationale:r Kooperationspartner:in
- Alfred Galik, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Christian Gugl, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Davide Bianchi, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Stefan Groh, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
Research Output
- 7 Publikationen
- 2 Disseminationen
- 12 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Teurnia. A Changing Roman City - Ein Kurzbericht Typ Journal Article Autor Eitler J Journal Rudolfinum. Jahrbuch des Landesmuseum für Kärnten 2023 Seiten 112-116 Link Publikation -
2024
Titel Teurnia. A Changing Roman City - Ein Kurzbericht Typ Journal Article Autor Eitler J Journal Rudolfinum. Jahrbuch des Landesmuseum für Kärnten 2023 Seiten 112-116 -
2025
Titel Teurnia. A Changing Roman City - Fortschritte des Forschungsprojekts Typ Journal Article Autor Eitler J Journal Rudolfinum, Jahrbuch des Landesmuseums für Kärnten 2024 Seiten 151-155 Link Publikation -
2025
Titel Neue römische Wandmalerei aus einer Planierschicht am Forum von Teurnia Typ Conference Proceeding Abstract Autor Seidel Y Konferenz G. Grabherr/B. Kainrath/F. M. Müller (Hrsg.): Akten des 19. Österreichischen Archäologietages in Innsbruck - 3. bis 5. April 2024 Seiten 257-264 Link Publikation -
2024
Titel Teurnia/St. Peter in Holz DOI 10.3986/9789610508281_11 Typ Book Chapter Autor Seidel Y Verlag The Research Center of the Slovenian Academy of Sciences and Arts Link Publikation -
2023
Titel Teurnia. Eine sich wandelnde Stadt - Ein kurzer Bericht Typ Journal Article Autor Eitler J Journal Rudolfinum. Jahrbuch des Landesmuseum für Kärnten 2022 Seiten 47-50 Link Publikation -
2023
Titel Teurnia. Eine sich wandelnde Stadt - Ein kurzer Bericht Typ Journal Article Autor Eitler J Journal Rudolfinum. Jahrbuch des Landesmuseum für Kärnten 2022 Seiten 47-50
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2026
Titel Teurnia als umwehrte Stadt. Radikaler Wandel für den Fortbestand Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2026
Titel Ende gut, alles gut? Ergebnisse und offene Fragen des Forschungsprojekts Teurnia 2022-2026 Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Regional (any country) -
2026
Titel Spieglein, Spieglein ... Fundbearbeitung zwischen Fragment und Erkenntnis Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad National (any country) -
2026
Titel Teurnia. A Changing Roman City. FWF-P35247-G Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad National (any country) -
2025
Titel Platzanlagen in Teurnia. Überlegungen zu Lage und Funktion Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2024
Titel Wandmalerei aus einer Planierschicht am Forum von Teurnia Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad National (any country) -
2023
Titel Teurnia. A Changan Roman City. Erste Ergebnisse des FWF-Forschungsprojekts P35247-G Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad National (any country) -
2023
Titel Platzanlagen in Teurnia Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel Teurnia. A Changing Roman City. Der neue Stadtplan und Überlegungen zur Mikroregion. (FWF-Forschungsprojekt P35347) Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel Zwischen Straße und Fluss. Zur Verkehrsanbindung der Platzanlagen von Teurnia. Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel Teurnia. Eine Römerstadt im Wandel. Zwischenergebnisse des FWF-Forschungsprojekts P35247-G Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad National (any country) -
2022
Titel Teurnia/St. Peter in Holz. Municipium et metropolis inter alpes. Typ Personally asked as a key note speaker to a conference DOI 10.3986/9789610508281_11 Bekanntheitsgrad Continental/International