Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (10%); Biologie (15%); Geschichte, Archäologie (75%)
Keywords
- Burial,
- Archaeology,
- Balkans,
- Bronze Age,
- Iron Age,
- Mortuary practices
Zum ersten Mal wurden im gebirgigen Zentralbosnien ungestörte prähistorische Bestattungen entdeckt, die unser Verständnis spätbronze- und eisenzeitlicher Gemeinschaften (1200200 v. Chr.) auf dem Balkan grundlegend erweitern. Während zahlreiche Siedlungen auf eine dichte Besiedlung hinweisen, waren die Bestattungssitten bislang unbekannt. Bisherige Kenntnisse stützten sich ausschließlich auf vereinzelte und gestörte Funde, die keine verlässlichen Aussagen über die Bestatteten, Bestattungsrituale oder soziale Organisation erlaubten. Die Ausgrabungen des Gräberfeldes von Kopilo zeigen nun komplexe Körperbestattungen in einer Epoche, in der Brandbestattungen in weiten Teilen Europas dominierten. Diese unerwartete Praxis eröffnet neue Perspektiven auf kulturelle Identität und die Rolle der Region im Spannungsfeld zwischen Mitteleuropa und dem Mittelmeerraum während einer Phase tiefgreifender sozialer Transformation. Das Gräberfeld umfasst mehrere Bestattungen, Hinweise auf gezielte Manipulation menschlicher Überreste, charakteristische Grabarchitektur und ein reiches Spektrum an Metallartefakten. Diese Befunde deuten auf differenzierte soziale Strukturen, mögliche familiäre Gruppierungen und weitreichende Kommunikations- und Austauschnetzwerke hin. Sie bieten eine einzigartige Gelegenheit, prähistorische Umgangsformen mit Verstorbenen und Ausdrucksformen sozialer Zugehörigkeit im Balkan zu rekonstruieren. Das Projekt verfolgt einen innovativen multidisziplinären Ansatz. Anthropologische und genetische Analysen bestimmen Alter, Geschlecht,Gesundheitszustand und biologische Verwandtschaftsverhältnisse der Bestatteten. Isotopenanalysen von Strontium, Sauerstoff, Kohlenstoff und Stickstoff liefern Einblicke in Mobilität und Ernährung und erlauben Rückschlüsse auf lokale oder überregionale Verbindungen. Chemische Analysen der Metallartefakte werden Austauschnetzwerke nachzeichnen, Rückstandsanalysen keramischer Gefäße ermöglichen Einblicke in verwendete Substanzen bei Bestattungsritualen. Radiokarbondatierungen bieten einen präzisen chronologischen Rahmen. Die Integration dieser Datensätze mit archäologischen Befunden erlaubt eine umfassende Rekonstruktion von Bestattungspraxis und sozialer Organisation. Als erste systematisch dokumentierte bronze- und eisenzeitliche Nekropole dieser Region stellt Kopilo einen Durchbruch für die Forschung in Südosteuropa dar. Das Projekt wird eine substantielle neue Primärdatengrundlage liefern und unser Wissen über soziale Interaktion, Mobilität und kulturelle Vernetzungen in prähistorischen Gemeinschaften wesentlich erweitern. Durch die Bündelung von Expertise in Balkanarchäologie, Anthropologie, Archäometallurgie, Radiokarbondatierung, Isotopenanalyse und Genetik ist das Forschungsteam optimal positioniert, um Ergebnisse von hoher wissenschaftlicher Reichweite zu erzielen. Die Erkenntnisse werden nicht nur lokale Lebenswelten beleuchten, sondern auch zentrale Fragen zu kulturellem Wandel und Vernetzung im prähistorischen Europa angehen.
- Mathias Mehofer, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Ron Pinhasi, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Christophe Snoeck, Vrije Universiteit Brussel - Belgien
- Ikbal Cogo, City Museum Zenica - Bosnien