Psychotechnik in Österreich, 1920-1950
Psychotechnics in Austria, 1920-1950
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Psychologie (80%); Soziologie (10%)
Keywords
- History of Applied Psychology,
- Psychotechnics,
- Industrial Psychology,
- History of Psychology
Gegenstand des Forschungsprojekts Psychotechnik in Österreich, 1920-1950 ist die Entstehung und Entwicklung der angewandten Psychologie, welche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum unter dem Begriff Psychotechnik firmierte. Der Schwerpunkt der psychotechnischen Expertise lag auf der Testung psychischer Fähigkeiten wie Reaktionsgeschwindigkeit, Geschicklichkeit oder Raumvorstellung, um die individuelle Eignung für bestimmte Berufsfelder zu überprüfen. Im Zentrum des Projekts steht das von Karl Hackl gegründete Psychotechnische Institut Wien und das nationale und internationale Netzwerk aus Unterstützern, Kunden und Förderern der Psychotechnik in Österreich. Zahlreiche Akteure und Institutionen aus der Wissenschaft und Politik, Industrie und Handel sowie Arbeitsämtern und Gewerkschaften prägten die Entwicklung des Praxisfelds von den Gründungsjahren in der Ersten Republik über die Zeit nach dem Anschluss an das Dritte Reich bis zur Nachkriegszeit in den 1950er Jahren. Basierend auf dem Archiv des Psychotechnischen Instituts Wien sowie weiteren Universitäts-, Staats- und Landesarchiven in Deutschland und Österreich rekonstruiert das interdisziplinäre Projektteam aus einer wissens- und sozialgeschichtlichen Perspektive die Transformation des psychotechnischen Praxis- und Berufsfelds über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten. Auf die frühe Wachstumsphase in den 1920er Jahren folgten mit dem Einsetzen der Wirtschaftskrise und der Ausrufung des Ständestaats Anfang der 1930er Jahre einschneidende ökonomische und politische Umbrüche, welche eine Neuausrichtung des psychotechnischen Feldes forcierten. In den 1920er Jahren bildete die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik im sozialdemokratisch regierten Roten Wien eine wichtige Grundlage für die Institutionalisierung der österreichischen Psychotechnik. In Folge der ökonomischen Rezession und der Errichtung der austrofaschistischen Diktatur kam es zu einem Rückbau des Wohlfahrtsstaats Anfang der 1930er Jahre. Mit der Annexion Österreichs im März 1938 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde psychotechnische Expertisen vermehrt im Militär, dem Strafvollzugssystem und der Rüstungsindustrie eingesetzt und gefördert. Der Wiederaufbau des Feldes gelang nach 1945 nur streckenweise und war auch durch die Verstrickung einiger Akteure in den Nationalsozialismus erschwert. Im Anschluss an das FWF-Projekt Psychologie in der Ostmark (P28119) leistet dieses Projekt einen Beitrag zur österreichischen Wissenschafts- und Sozialgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und adressiert zugleich eine Forschungslücke zur Entstehungsgeschichte der Psychologie als eigenständiger Profession in Österreich. Nähere Informationen zum Projekt werden über die Homepage des Projekts https://psychologie.sfu-berlin.de/de/forschung/forschungsprojekt- psychotechnik-in-oesterreich/ veröffentlicht.
- Sigmund Freud Priv. Univ. - 100%
- Susanne Grümm-Hackl, Psychotechnisches Institut Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Gerhard Benetka, Sigmund Freud Priv. Univ. , nationale:r Kooperationspartner:in
- Janette Nicol Friedrich, Sigmund Freud Priv. Univ. , nationale:r Kooperationspartner:in
- Rainer Gries, Sigmund Freud Priv. Univ. , nationale:r Kooperationspartner:in
- Andreas Jüttemann, Hochschule Magdeburg-Stendal - Deutschland
- Annette Mülberger Rogele, University of Groningen - Niederlande