Lexikalische Variation österreichischer Dialekte im 20. Jh.
Lexical Variation of Austrian Dialects in the 20th ct.
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
-
Lexical variation,
Dialectology,
AI-supported text recognition,
Austrian dialects,
Dialect Maps
Im Zentrum des Projekts steht die Zugänglichmachung, Kartierung und Analyse historischer Dialektdaten aus dem 20. Jahrhundert. Diese Daten wurden im Kontext des Marburger Forschungsprojekts Deutscher Wortatlas vor rund 85 Jahren erhoben. Im Rahmen dieses Projekts wurden Fragebögen an fast 50.000 Schulorte in deutschsprachigen Ländern und Regionen verschickt mit der Aufgabe an die Lehrpersonen, die auf den Fragebögen angegebenen Wörter sowie wenige vollständige Sätze in den Dialekt des Schulortes zu übersetzen. Die Fragebogendaten waren die Basis für den gedruckten Deutschen Wortatlas (1951-1980), der insgesamt 22 Bände mit schwarz-weißen Dialektkarten umfasst, die allerdings recht schwer lesbar sind. Für Österreich liegen aus diesem Projekt ausgefüllte Bögen (jeweils 4 Seiten) von knapp 3.400 Ortspunkten vor. Am Beginn des neuen FWF Projekts steht die digitale Erschließung der handschriftlichen Fragebogendaten, nämlich die Überführung der Daten in ein maschinenlesbares Format. Bei dieser Überführung werden auch Methoden und Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz zum Einsatz kommen. Dies wird die Voraussetzung liefern für einerseits eine Fülle von linguistischen Analysen und andererseits auch eine deutlich optimierte Neukartierung der historischen Daten. Das neue Projekt wird Antworten auf die folgenden Forschungsfragen liefern: Variationslinguistik: Welche Variationsmuster zeigen sich in der Lexik österreichischer Dialekte im 20. Jahrhundert? Welche Typen von lexikalischen Varianten (die auch mittels statistischer Methoden ermittelt werden) können hinsichtlich ihrer Variationsmuster identifiziert werden? Welche Merkmale lassen sich diesen Variantentypen zuordnen (z.B. unterschiedliche Grade semantischer Komplexität)? Welche (semantischen, morphologischen, etc.) Ausschnitte des Lexikons weisen welche Grade an Heterogenität und Homogenität auf? Sprachgeographie/Areallinguistik: Wie sieht die intra- und interlokale Variation (am Ort bzw. im Vergleich verschiedener Orte und Regionen) in den Dialekten Österreichs im 20. Jahrhundert lexikalisch aus? Wie verhalten sich diese lexikalischen Arealmuster mit traditionellen dialektgeografischen Raumeinteilungen, die vor allem auf Basis lautlicher (phonetisch-phonologischer) Dialektphänomene oder auf Basis heutiger Daten aus alltagssprachlichen (regiolektalen) Registern ermittelt wurden? Sprachdynamik: Was sagen uns interregionale Unterschiede über die Dynamik der Lexik? Welche Phänomene zeigen welchen Grad an Stabilität und Sensibilität gegenüber Veränderungen? Welche Regionen zeigen welchen Grad an Veränderungssensibilität oder Konstanz? Welche Ausschnitte des Lexikons weisen welchen Grad an Dynamik auf? Lexik im Vergleich: Welche Parallelen gibt es zwischen der lexikalischen Variation und der Variation auf lautlicher und grammatischer Ebene? Welches Forschungspotential haben die DWA-Daten über lexikalische Analysen hinaus (z.B. im Hinblick auf semantische, lautliche, grammatische Phänomene)?
- Alfred Lameli, Philipps-Universität Marburg - Deutschland