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Das Leiden der Tiere und die Politik der Scham

Animal Suffering and the Politics of Shame

Carlo Salzani (ORCID: 0000-0002-1675-7206)
  • Grant-DOI 10.55776/PAT2083324
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status laufend
  • Projektbeginn 01.10.2025
  • Projektende 30.09.2028
  • Bewilligungssumme 451.964 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (80%); Philosophie, Ethik, Religion (20%)

Keywords

    Shame, Philosophy Of Emotions, Animal Suffering, Animal Ethics, Animal Politics, Political Turn

Abstract

Vor dem Hintergrund widersprüchlicher Ansichten über Scham und ihre Funktion(en) geht dieses Projekt von der Annahme aus, dass Scham nicht nur für die Konstruktion menschlicher Subjektivität und die Regulierung der Gesellschaft wesentlich und unvermeidlich ist, sondern dass sie auch kritische Möglichkeiten bietet, die normativen Annahmen, die das Subjekt und die Gesellschaft konstituieren, zu hinterfragen. Scham ist nicht etwas, das wir eliminieren oder verhindern können. In diesem Projekt wird argumentiert, dass Scham als kritisches Instrument zur Infragestellung der normativen Infrastruktur, die die Gesellschaft reguliert, effektiver eingesetzt werden kann. Das ist es, was wir die Politik der Scham nennen: nicht Scham als Mittel zur individuellen Transformation, sondern Scham als Mittel zur sozialen Transformation auf der Ebene der Normen. Das Projekt zielt daher darauf ab, eine Politik der Scham zu entwickeln, die auf den in den letzten Jahrzehnten erarbeiteten konstruktiven Modellen der Scham aufbaut, sich aber speziell mit Scham als Reaktion auf Tierleid befasst. Während sich traditionelle Darstellungen auf die Funktion der Scham als produktive Reaktion auf die Übertretung gesellschaftlich sanktionierter Normen durch Individuen konzentrieren, konzentriert sich dieses Projekt auf die Scham als produktive Reaktion auf die Normen selbst, in diesem Fall auf moralisch fragwürdige Normen im Zusammenhang mit der Behandlung von Tieren in unserer Gesellschaft und Kultur. Das Leiden der Tiere steht im Mittelpunkt der Analyse, weil es die moralische Fragilität der Normen aufzeigt, die die menschliche Nutzung und Behandlung nichtmenschlicher Tiere, aber auch allgemeiner der Umwelt und sogar anderer Mitmenschen unterstützen. Das Konzept einer Politik der Scham beinhaltet und stützt sich auf zwei Formen der Kritik: die Kritik an der Scham als Instrument der Macht und Kontrolle und als Werkzeug der Normalisierung; und die Kritik an einer Gesellschaft, in der die Scham immer weniger in der Lage ist, akzeptable Werte zu definieren, aber auch an einer Kultur, die die Scham wegen des Schreckens, den sie bestimmten Kategorien von Menschen zufügt, ablenkt und leugnet. Der originelle und innovative Charakter der Politik der Scham besteht darin, dass sie sich gegen normalisierende Strukturen wendet, die sowohl zur Scham als auch zur Schamlosigkeit führen. Durch die Befragung der Normen selbst wird das Projekt schließlich darüber nachdenken, worum es bei der Moral selbst geht.

Forschungsstätte(n)
  • Veterinärmedizinische Universität Wien - 100%

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